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Yana Zschiedrich ist Gewinnerin des Ideenwettbewerbs „Artist in Lab 2022“

Im Ideenwettbewerb Artist in Lab 2022 des Fraunhofer-Netzwerks „Wissenschaft, Kunst und Design“ gibt es in diesem Jahr erneut vier Gewinnerprojekte. Den 1. Platz erhielt Yana Zschiedrich für ihr Projekt HYBRIS - Kunst gegen den Klimawandel. Die Künstlerin lässt in ihrer Installation HYBRIS den Baustoff Styropor von Mehlwürmern zersetzen. Dazu lässt sie die Mehlwürmer entlang von Schablonen fressen, wobei künstlerische Reliefs entstehen. 2020 absolvierte Yana Zschiedrich mit der Arbeit ihr Diplom in der Klasse für Installation und Raum von Prof. Joachim Blank, aktuell ist sie Meisterschülerin in der Medienkunst. Ein Arbeitsstand von HYBRIS ist auch im HGB-Absolvent*innenarchiv tendencies zu sehen.

Forschende fanden heraus, dass der Darm von Mehlwürmern von Bakterien besiedelt ist, die in der Lage sind, Polystyrol aufzuschließen. Die Ausscheidungen der Mehlwürmer sind dadurch auch nach dem Verzehr von Polystyrolen biologisch abbaubare Substanz. Das industriell gefertigte Plattenmaterial wird so zu einer Art ephemeren Masse, deren Zersetzungsprozess um Tausende von Jahren beschleunigt wird. Diese besondere Fähigkeit der Mehlwürmer, umweltkritisches Material in organische Substanz zu verwandeln, nutzt Yana Zschiedrich für ihr Kunstprojekt. Seit 2019 forscht sie an diesem Projekt und entwarf unter anderem eine halb automatisierte Zuchtstation, in der die Larven unter optimalen Bedingungen fressen und so Reliefs produzieren können. In der zweiten Phase des Projekts arbeiten die Künstlerin Yana Zschiedrich und Dr. Volker Thome der Abteilung Mineralische Werkstoffe und Baustoffrecycling vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP mit den Ausscheidungen, die bei dem Fraßprozess an den Reliefs anfallen. Diese werden gesammelt, um sie anschließend als Baustoff für themenspezifische Skulpturen zu verwenden. Zusammen möchten der Wissenschaftler und die Künstlerin ein Material kreieren, welches aus recycelten Bauschutt-Komponenten bestehen wird und einen neuartigen Baustoff darstellen soll. Durch den Einsatz von Mehlwurm-Ausscheidungen wollen sie aus Abfällen aus porösem Styrodurplatten einen massiven Baustoff mit hoher Druckfestigkeit entwickeln. Aus diesem Baustoff wird Yana Zschiedrich ihre Skulpturen fertigen. Die Aufbereitung eines problematischen Dämmstoffs, welcher kaum recycelbar ist, soll so dem Müllkreislauf entnommen und sowohl in den Kunstmarkt als auch in den Baustoffkreislauf ein- bzw. zurückgeführt werden. (Text: Yana Zschiedrich)

Mit einer Fördersumme von jeweils bis zu 10.000 Euro können die Künstlerinnen und Künstler ihre Ideen und Visionen in Kooperation mit Forschenden der Fraunhofer-Netzwerk-Institute umsetzen. Zu diesem Ergebnis gelangte eine interdisziplinäre Jury, die am 23. Februar 2022 tagte. Zu den geförderten Projekten zählen Kunst gegen den Klimawandel, die Erkundung der Pflanzenwelt mittels Sensoren, das Eintauchen mit Augmented Reality in das Sinnesleben sowie die Erforschung selbstorganisierender Materialien.