
Die Hochschule Merseburg hat dem HGB-Alumnus Emerson Culurgioni das künstlerische Forschungsstipendium „Energie“ für seine interdisziplinäre Forschung zum digitalen Wandel verliehen. Nach einem offenen Bewerbungsverfahren mit über 90 Einreichungen aus dem In- und Ausland wählte ihn eine Fachjury als ersten Stipendiaten aus. Das Stipenidum startete im Januar 2026 und läuft zwölf Monate.
Emerson Culurgioni studierte ab 2010 Medienkunst an der HGB Leipzig, zunächst in der Klasse Intermedia bei Prof. Alba D’Urbano, später in der Klasse expanded cinema bei Prof. Clemens von Wedemeyer, bei dem Culurgioni auch 2013 sein Diplom sowie 2018 seinen Meisterschüler-Abschluss absolvierte. Seine Abschlussarbeit HABITAT wurde 2018 mit dem Meisterschüler*innen-Preis der G2 Kunsthalle ausgezeichnet. Seit vielen Jahren arbeitet er in wechselnden Konstellationen als Ko-Autor. Außerdem ist er Mitbegründer der Filmischen Initiative Leipzig (FILZ). Seine Arbeiten wurden bereits auf internationalen Filmfestivals und in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. In seiner filmischen Praxis beschäftigt sich Culurgioni mit Industrie-, Infrastruktur- und Energielandschaften sowie mit Fragen von Materialität, Arbeit und gesellschaftlichen Folgen von technischen Systemen. Dabei lösen sich seine Arbeiten von reiner Bildproduktion und verschieben den Blickwinkel hin zu materiellen, ökologischen und energetischen Bedingungen des Sichtbaren. So verbinden sie dokumentarische Verfahren mit essayistischen, installativen und experimentellen Formaten.
Das erstmals vergebene künstlerische Forschungsstipendium „Energie“ der Hochschule Merseburg versteht sich als Einladung zu einer künstlerisch-forschenden Auseinandersetzung mit der Rolle von Energie in Gesellschaft, Technologie, Alltag und Kultur. Es basiert auf den Forschungsschwerpunkten der Heisenberg-Professur von Prof. Katja Müller, mit Fokus auf interdisziplinäre Verbindung von Technik, Infrastruktur, Ethik und Gesellschaft, und ist der Interdisziplinären Nachwuchsgruppe “Energie – Digital & Dezentral” angegliedert. Diese analysiert Prozesse und Auswirkungen von Digitalisierung und Dezentralisierung im Energiesektor mit einem Fokus auf Stromerzeugung und Stromführung. Ausgangspunkt der Arbeit ist die zunehmende Nutzung dezentraler Stromerzeugungs- und Speichereinheiten im Zuge der Abkehr von fossilen Formen der Energieversorgung und -produktion.
Im Rahmen des Stipendiums widmet sich Culurgioni der Kopplung von Energienetzen und KI-gestützter Bildproduktion. Dabei untersucht er sowohl Kosten als auch Nutzen aktueller und zukünftiger Energiebedarfe in der Gesellschaft. Mit der Auszeichnung würdigt die Hochschule Merseburg eine künstlerische Praxis, die technologische, ökologische und gesellschaftliche Fragestellungen verbindet, und unterstreicht zugleich die nachhaltige Wirkung der künstlerischen Ausbildung der HGB weit über Leipzig hinaus.
