
Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig erinnert an den Maler, Grafiker und Bildhauer Gerhard Kurt Müller, dessen Werk und Leben untrennbar mit der Leipziger Schule verbunden sind. Er verstarb am 16. Oktober 2019; am 1. Oktober dieses Jahres wäre er 100 Jahre alt geworden.
Gerhard Kurt Müller wurde am 1. Oktober 1926 in Leipzig-Probstheida geboren. Sein Lebensweg wurde früh vom Schatten des Zweiten Weltkriegs eingeholt: Mit 17 Jahren meldete er sich freiwillig zur Luftwaffe, wurde als Fallschirmjäger in der Normandie und den Ardennen eingesetzt und geriet im März 1945 in französische Kriegsgefangenschaft. Erfahrungen, die seine Lebenshaltung prägten und zeitlebens Eingang in sein künstlerisches Werk fanden. Nach fünfeinhalb Jahren kehrte er in seine Heimat Leipzig zurück und bewarb sich noch im selben Jahr an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Er studierte an der HGB Leipzig bei Prof. Elisabeth Voigt und Prof. Kurt Massloff. 1954 nahm er seine Lehrtätigkeit an unserer Hochschule auf, ab 1961 trat er eine Professur als Leiter der Abteilung für Freie Grafik, sowie Leiter der Klasse für Freie Grafik und Illustration an, die er bis 1968 innehatte. Zusätzlich amtierte Müller von 1964-66 als Rektor der HGB Leipzig und leitete in dieser Funktion die Zweihundertjahrfeier der Akademie. 1968 verließ er den Hochschuldienst, um fortan als freischaffender Maler und Grafiker in Leipzig zu arbeiten.
Als Künstler belebte er die Technik des Holzstichs neu, die er von 1954 nutzte, um Illustrationen zu Werken Friedrich von Schiller, Heinrich Heine, Heinrich von Kleist, Nikolai Gogol, Honoré de Balzac sowie Bertolt Brecht anzufertigen. Seit den 1960er Jahren entwickelte er monumentale Historiengemälde, so etwa die Hamburger Trilogie, entstanden in den Jahren 1979 und 1980, seit 1973 schuf er Holzskulpturen.
Damit gehörte er neben Bernhard Heisig, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer zur ersten Generation der Künstler:innen, die den Grundstein für die „Leipziger Schule“ legten. Wichtige Gemälde und Skulpturen befinden sich in Museen, beispielsweise in der Galerie Neue Meister in Dresden, dem Museum der bildenden Künste Leipzig, dem Angermuseum Erfurt, dem Kunstmuseum Magdeburg – Kloster Unser Lieben Frauen sowie in Privatbesitz. 2004 gründete Gerhard Kurt Müller mit Ilse Stein die nach ihm benannte Stiftung mit einer ständigen Ausstellung von Malerei, Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik.
Anlässlich seines runden Geburtstags zeigt das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig im Alten Rathaus frühe Werke Müllers aus den 1950er Jahren.
Eine umfassende Werkschau präsentiert das Sächsische Landessozialgericht in Chemnitz. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen, darunter der Festakt am 1. Oktober 2026, finden sich auf www.gerhard-kurt-mueller.de.
