Kleine Bemerkungen zu Theodor W. Adorno
von Carsten Humme und Verena Kamler

Wenn man sich mit der Frage beschäftigt, wie ein Gedenken an die durch das NS-Regime direkt ermordeten, unschuldigen Menschen auszusehen hat, kommt man nicht an den Schriften des am 11. September 1903 in Frankfurt geborenen Theodor Ludwig Wiesengrund Adorno vorbei.
Auch bei der uns gestellten Frage: Ob und wie sich diese Verbrechen in einem Monument darstellen lassen, kann eine Lektüre seiner Gedanken recht nützlich sein.
Adorno versucht eine mögliche Erklärung für das zu finden was sich nicht erklären lässt.
Nämlich auf die Frage: »Warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue art von Barbarei versinkt« 1)
Viele Texte Adornos waren von einer Angst motiviert, die den langsam in der BRD der 60’er Jahre fortschreitenden Prozess des Vergessens thematisierte und aufzudecken versuchte. Er bezeichnete diesen Prozess als den des »leeren und kalten Vergessen« 2):
»Ein zeremonielles Erinnern hat gleich einem Krebsherd sich ausgebreitet, bei dem der eine Experte des Gedenkens den anderen mit der Größe seines Denkmals und der Anzahl der Toten, deren Namen darauf platz finden sollen, zu übertrumpfen sucht.« 3) Deutsche Memoriale sind solche von Tätern. In diesem Ausspruch schimmert aber schon eine weitere Befürchtung Adornos hindurch, dass jede Darstellung von Auschwitz von potentiell versöhnlicher Wirkung sei. Denn nach Adorno wartete »der beschädigte kollektive Narzissmus darauf, [...] repariert zu werden [...] [der dann] womöglich auch noch die Realität so modelt, dass jene Schädigung ungeschehen gemacht wird« 4). »Der Gedanke, dass nach diesem Krieg das Leben ›normal‹ weitergehen oder gar die Kultur ›wiederaufgebaut‹ werden könnte [...] ist idiotisch. Millionen Juden sind ermordet worden, und das soll ein Zwischenspiel sein und nicht die Katastrophe selbst. Worauf wartet die Kultur eigentlich noch? 5)
Heute stellt sich wie vor 40 Jahren immer noch die Frage: »ob sich nach Auschwitz noch leben lasse« denn für Adorno gab es die »drastische Schuld des Verschonten«. »Wie aber geht mit seiner Schuld um, wer nicht zufällig entronnen ist, sondern nie in Gefahr war« 12
Auf dieser Grundlage entstand eine allumfassende Gesellschaftskritik, die nicht im Schrecken des Nachkriegsdeutschlands erstarrt, sondern tiefer zu gehen versucht, um alles, und wirklich alles auszuloten und aufzudecken. Eine Gesellschaftskritik die sich nicht scheute das auszusprechen, was lange Zeit als nicht denkbar galt.
Denn »Hitler hat dem Menschen im Stande seiner Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: Ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.« 6)
In der »Dialektik der Aufklärung, welches als Schlüsselbuch zur Erkenntnis der Nachkriegs-Epoche gilt, erklärt Adorno in Zusammenarbeit mit Max Horkheimer, den Prozess der Aufklärung als Misslungen.
»Dass es geschehen konnte inmitten aller Traditionen der Philosophie, der Kunst und der aufklärenden Wissenschaften, sagt mehr als nur, dass diese, der Geist, es nicht vermochte, die Menschen zu ergreifen und zu verändern [...] Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll« 7)
Adorno geht bei seiner Argumentation bis zu den Anfängen der abendländischen Kultur zurück. Denn er sieht die Aufklärung nicht nur als eine geschichtliche Epoche, sondern begreift sie eher als eine Art Prozess der Vernunftbildung:
Der Mensch versucht sich vom Schrecken der Natur zu lösen und bedient sich hierbei einem Denken in Begriffen. Er fängt an zu systematisieren, zu kategorisiert, zu funktionalisiert, zu optimieren um sich vom Natürlichen zu emanzipieren. Das Problem für Adorno liegt dann darin begraben, dass die Vernunft sich diesen Mechanismus zu Eigen macht, und somit jeglichen kritischen Impuls verliert. Begrifflichkeiten und die daraus abgeleitete Erkenntnis werden am Ende dieses Prozess nicht mehr hinterfragt und nach einer gewissen Zeit selbst als »natürlich« und somit als »wahr« akzeptiert. Das fortbestehende Herrschaftsverhältnis wird unhinterfragt entgegengenommen und somit kehrt sich die vermeidliche Befreiung unreflektiert, in ein neues Herrschaftsverhältnis um. Wovon man sich lösen wollte schlägt in sich selbst zurück. Für Adorno ist dies der Kernpunkt für das Misslingen des aufkläririschen Prozesses.
Um diesen unvermeidbaren Kreislauf zu durchbrechen, hoffen Adorno und Horkheimer auf die Aufklärung der Aufklärung.
Die ›Stammbegriffe‹ der Vernunft sollten nach seiner Auffassung ständig überprüfen werden.
Es »Ist das Zeitalter der Interpretation der Welt vorüber und gilt es sie zu verändern, dann nimmt die Philosophie Abschied [...] Nicht die Erste Philosophie ist an der Zeit sondern ein letzte« Denn Philosophie versagt kläglich bei der Anstrengung, den stattgefundenen Zivilisationsbruch zu begreifen, geschweige dass sie noch irgendeinen ›Sinn‹ ihm zu verleihen vermöchte.« 8) dass nicht nur die Kulturkritik »mit ihrem Objekt dessen Verblendung« teilt, sondern dass noch das grundsätzliche Unbehagen des Kritikers an der Kultur als Bestandteil dieser Kultur verstanden werden muss [...] die postmoderne Erinnerungsarbeit [lebt] von der Unerfüllbarkeit ihrer Aufgabe..."
Diese »Reflexion aufs eigene Versagen« heißt es in einem von Adorno am häufigsten missverstandenen Ausruf, »ist die vorrangige Aufgabe, vor der das Denken heute sich findet [...] Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frist auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben. Der absoluten Verdinglichung [...] ist der kritische Geist nicht gewachsen, solange er bei sich bleibt in selbstgenügsamer Kontemplation.« 9)
Was Adorno hier zur Sprache bringt, begründet sich seiner Ansicht nach im Antisemitismus als Siegel für das Scheitern der Zivilisation.
Er verlangt, dass Auschwitz als der Zusammenbruch der bisherigen Zivilisation zu begreifen ist. »Wo Erkenntnis die Welt und ihre Bewohner nur mehr in ihrer Exempelfunktion wahrnimmt; ein jedes nur als Beispiel für anderes, keines mehr an und für sich gelten lässt, da hat denken immer schon abgedankt.« 13 Seine Dialektik versucht aus diesem Grund »das Neue des Alten zu sehen anstatt einzig das Alte des Neuen«. Mit der Realität von Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern ist eine unüberwindbare Kluft geschlagen, zwischen der Kultur vor dem Faschistischen Regime und jener, die es neu zu gestallten gibt.
Denn Adorno sagt genauso: »Wer für die Erhaltung der radikal schuldigen und schäbigen Kultur plädiert, macht sich zum Helfershelfer, während, wer der Kultur sich verweigert, unmittelbar die Barbarei befördert, als welche die Kultur sich enthüllt« 10)
Man darf nach Adorno nicht den Fehler begehen, die neue Kultur aus den Trümmern der alten zu restaurieren. Wie sich Kultur (auch die ihr innewohnende Kunst), im ständigen Bewusstsein um Auschwitz, dennoch neu bilden darf, beschreibt er mit den Worten: »Der Begriff einer nach Auschwitz auferstanden Kultur ist scheinhaft und widersinnig, und dafür hat jedes Gebilde, das überhaupt noch entsteht, den bitteren Preis zu bezahlen. Weil jedoch die Welt den eigenen Untergang überlebt hat, bedarf sie gleichwohl der Kunst als ihrer bewusstlosen Geschichtsschreibung. [...] Wenn auch nach Auschwitz Gedichte noch möglich sind, dann nur solche, die nicht vom Leiden in den Vernichtungslagern handeln, das wäre unmöglich, aber die seinen Eingedenken gelten: es in sich aufgenommen haben und dadurch das Ästhetische transzendieren.« 11)
Als geglücktes Beispiel für ein Gedicht im Sinne Adornos kann man Paus Celans »Todesfuge« nennen. Dieses Gedicht erschien zeitgleich mit Adornos so kontrovers diskutierten Ausruf, dass es unmöglich sei heutzutage noch Gedichte zu schreiben. In der Gleichzeigikeit von Paul Celans Gedicht mit Adornos scheinbarem Verbot Gedichte zu schreiben findet sich aber kein Widerspruch. Viel eher unterstreicht die »Todesfuge« das Verständnis Adornos, wie er eine Darstellbarkeit von Auschwitz zu sehen dachte. Geäußert hat Adorno in Bezug auf Paul Celan: »Diese Lyrik ist durchdrungen von der Scham der Kunst angesichts des wie der Erfahrung so der Sublimierung sich entziehenden Leids. Celans Gedichte wollen das äußerste Entsetzen durch Verschweigen sagen. Ihr Wahrheitsgehalt selbst wird ein Negatives. Sie ahmen eine Sprache unterhalb der hilflosen Menschen, ja aller organischen nach, der des Toten von Stein und Stern. Beseitigt werden die letzten Rudimente des Organischen; zu sich selbst kommt, was Benjamin an Baudlair damit bezeichnete, dass dessen Lyrik eine ohne Aura sei. Die unendliche Diskretion, mit der Celans Radikalismus verfährt, wächst seiner Kraft zu. Die Sprache des Leblosen wird zum letzten Trost über den jeglichen Sinnes verlustigen Tod. Der Übergang in Anorganisches ist nicht nur an Stoffmotiven zu verfolgen, sondern in den geschlossenen Gebilden die Bahn vom Entsetzen zum Verstummen nachkonstruiert.« 12)
Es ist nicht leicht, die philosophischen Überlegungen von Adorno, die er im Bezug auf die Frage wie »Aufarbeitung von Vergangenheit«13) seiner Meinung nach die einzig angemessene wäre, in kürze zu erläutern.
Viel zu umfassend und bis aufs Genaueste betrachtend sind Adornos Schriften um sie in diesem Rahmen tiefergehend zu betrachten.
Im Anhang haben wir aus diesem Grund eine Auswahl von Zitaten angehängt.
Wir sehen diese Zitate als Anregung zum Einstieg in ein tiefergehendes Studium.
Sie stammen teilweise von T. W. Adorno selbst oder entstammen aus Sekundärliteratur zu seinen Schriften. In ihrer Pointiertheit und Präzision sprechen Sie für sich selbst, so dass jegliche nachgereichte Erläuterung für uns hinfällig erscheint.


1) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.8 zweiter Absatz
2) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.8 erster Absatz
3) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.8 erster Absatz
4) Dan Diner »Zivilisationsbruch« Denken nach Auschwitz
ein Beitrag von Detlef Claussen, Nach Auschwitz, ein Essay über die Aktualität Adornos
S.60 zweiter Absatz – Minima Moralia, a. a. O., S.65
5) Dan Diner »Zivilisationsbruch« Denken nach Auschwitz
ein Beitrag von Detlef Claussen, Nach Auschwitz, ein Essay über die Aktualität Adornos
S.56 erster Absatz – Negative Dialektik, Frankfurt 1966, S.356
6) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.12
7) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.11f
8) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.10,
erster Absatz
9) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.12
10) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.12f
11) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.477
12) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.8
13) Rolf Tiedemann »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte« Anmerkungen zum Denken Adornos S.18


 


Paul Celan (1920-1970)
Todesfuge
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar
Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift
seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus und spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar
Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften
da liegt man nicht eng
Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr anderen singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
dein goldenes Haar Sulamith
Transkribierte Notizen (Auswahl)

 


DEFINITIONEN/SCHLÜSSELBEGRIFFE
6)
Dia|lek|tik [gr.lat.] die; -: 1. innere
Gegensätzlichkeit. 2. a) philloso-
phische Arbeitsmethode, die ih-
re Ausgangsposition durch ge-
gensätzliche Behauptungen
(These u. Antithese1)in Frage
stellt u. in der Synthese (4) bei-
der Positionen eine Erkenntnis
höherer Art zu gewinnen sucht;
b) die sich in antagonistischen
Widersprüchen bewegende Ent-
wicklung von Geschichte, Öko-
nomie u. Gesellschaft (dialekt.
Materialismus). 3. die Fähigkeit,
den Diskussionspartner in Rede
u. Gegenrede zu überzeugen;
vgl. Sophistik (2)
4) S.68
Nicht-Identische:
»Man kann nicht Auschwitz auf eine Analogie mit der Vernichtung griechischer Stadtstaaten bringen als bloße graduelle Zunahme des Grauens [...] Die Identität liegt in der Nichtidentität, dem noch nicht Gewesenen, das denunziert, was gewesen ist.«
4) S.66
Adorno benutzt das "Nicht-Identische" als den Gegenbegriff zur vorherrschenden Systemphilosophie (Identitätsphilosophie).
4) S.66
Nicht-Identische ∫ Umkehrung von Identität!!
>>> Ist auf die Grenze von Materialismus und Idealismus angesiedelt
3) S.22
Lokalisiert hat Adorno den in Transzendenz mündenden Gedanken in einem spezifischen Niemandsland, aus dem er gerne berichtet. In den Lücken, die dort zwischen den durch Grenzpfähle abgesteckten Disziplinen und ihren vorgeblichen Zuständigkeiten sich auftun, sucht er das ›unauslöschlich Ontische‹, das Nichtidentische [...] der Sache selbst.
5) S.08
›Shoa‹
#hebräisch;
-verweist auf "Verzweiflung und metaphysischen Zweifel".
5) S.08
›Holocaust‹
#abgel. aus Griech.
-Bezeichnet ein Religiöses Brandopfer
4) S.54
"Holocaust" = Dimensionslos in Alltagssprache>>> Durch Fremdwort den Juden die Schuld des Antisemitismus zuschieben
3) S.20
Der kalte, stoische Charakter (Musikhörende Monster-Väter)
Kälte als konstituierender Bestandteil der bürgerlichen Subjektivität verdankt sich dem Prinzip der Selbsterhaltung um ihrer selbst willen ...
3) S.08
»leeren und kalten Vergessen«
ein zeremonielles Erinnern hat gleich einem Krebsherd sich ausgebreitet, bei dem der eine Experte des Gedenkens den anderen mit der Größe seines Denkmals und der Anzahl der Toten, deren Namen darauf platz finden sollen, zu übertrumpfen sucht.
4) S.54
Auschwitz = Einheit und Differenz mit der antisemitischen Tradition
4) S.56
Tendenz, dass Auschwitz von Kulturindustrie vereinnahmt wird war abzusehen
3) S.10
›neuen kategorischen Imperativ‹
»Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe. [...] Ihn [den Imperativ] diskursiv zu behandeln, wäre Frevel «
4) S.56
Kategorischer Imperativ >>> "Ich denke an Auschwitz" muss all meine Vorstellungen begleiten können.
4) S.64
»Kreditsystem»
A) Rache (für die Ermordeten) >>> Das Grauen wird zur Einrichtung; vorkapitalistische System der Blutrache.
B) Gnade >>> Sieg des ungestraften Faschismus >>> Fortsetzung folgt.
C) Innehalten & Abstand
zu Innehalten: »Ich möchte um keinen Preis [...] Henker sein [...] Ich möchte keinem [...]in den Arm fallen, der sich für Geschehenes rächt. Das ist eine [...] der Praxis spottende Antwort.
zu Abstand: »Der Abstand erleichtert das Anschauen, aber durch ihn reproduziert sich die Schuld des Verschonten [...] War es [...] einst eine Lust Gesellschaft zu durchschauen, weil dadurch Hoffnung auf Veränderung begründet war«
4) S.66
»Ambivalenz«
»Ambivalenz ist ein Verhältnis zum Unbewältigten; man verhält sich ambivalent zu etwas, womit man nicht fertig wurde«
3) S.08
»ob sich nach Auschwitz noch leben lasse« >>>
»drastische Schuld des Verschonten«
Wie aber geht mit seiner Schuld um, wer nicht zufällig entronnen ist, sondern nie in Gefahr war;
>>>
Die Unmöglichkeit einer verbindlichen Antwort war der Adornoschen Philosophie eins mit der Unmöglichkeit von Philosophie nach Auschwitz.

GEDÄCHTNIS/ERINNERUNG/GESCHICHTE
1) S.25
Formen der Stabilisierung von Erinnerungen:
A) Sprache
( kommunizierbar werden Erfahrungen durch Sprache)
"... nicht die absolut exakte Reproduktion, sondern die Erhaltung von Sinn und kommunikativer Kraft."
>>> durch wiederholen leicht variierte Erneuerung
durch Weitererzählen>>> Anekdotenbildung
B) Schrift
(Platons Phaidros)
"...[es wird] zwar der exakte Zeichenstand gewährleistet, nicht aber die dauerhafte Lesbarkeit des Geschriebenen, ganz zu schweigen von seinen Sinnbezügen und Bezugsrahmen..."
"Schrift trennt den Wissenden von seinem Wissen, das dadurch Vaterlos wird, sich nicht erklären kann..."
C) Bildgestützt
Kracauer (sinngemäß)>>> Ohne mündliche Tradition, lässt sich aus der Fotografie die Großmutter nicht rekonstruieren.
Fotografie speichert: Scheinleben, reines Außen, ohne Lebenswahrheit
>>> Die wesentlichen Züge der Menschen sind allein in Gedächtnisbildern gespeichert.
1) S.26
Speicherungsformen mit materieller Dauer drohen dem lebendigen Bewusstsein der folgenden Generationen abhanden zu kommen >>> Kombination aus Speicherungsformen der "Dauer" mit denen der "Wiederholung".
"Ein kollektives Gedächtnis kann nur geschaffen und eine Überlieferung erhalten werden, wenn Speicherungsformen der Dauer mit solchen der Wiederholung verbunden werden. Anders als das spontane Gedächtnis ist ein kollektives ohne Zeichen und Symbole nicht möglich [...] Zur Reaktivierung des kollektiven Gedächtnisses bedarf es deshalb aktiver Formen der Praxis, der Verkörperung, der Aneignung. Dazu gehören rituelle Wiederholungen und wiederkehrende Anlässe, in denen das gemeinsam zu Erinnernde periodisch erneuert wird."
2) S.14
Fragen zu Erinnerungsarbeit:
A) Wie kann Scham ins nationale Gedächtnis integriert werden?
B) Wie kann ein Staat eine Litanei seiner eigenen Untaten rezitieren, sie zum Bestandteil seiner Gründungsgeschichte machen?
C) Unter welcher Agenda, welchen Regeln kann sich eine Nation seiner eigenen Barbarei erinnern?
D) Wo ist eine Tradition des Gedenkens eigener Schuld zu finden? Gedenken ∫ Selbstanklage
2) S.14
Zur Judenfrage:
Wie bedauern vormalige Täter ihre Opfer?
Wie kann eine Nation über die Erinnerung ihrer eigenen Verbrechen Wiedervereinigen?
2) S.14
Gefahr: deutsche Memoriale sind solche von Tätern.
2) S.14
" [die] Gefahr, dass Mahnmale qua Instrumentalisierung der Erinnerung eine wie auch immer geartete Versöhnung mit der Vergangenheit herstellen könnten."
4) S.60
Adorno: Der kollektive Narzißmus wartet darauf repariert zu werden, womöglich die Realität so modelt, dass jene Schädigung ungeschehen gemacht wird.
»Der Gedanke, dass nach diesem Krieg das eben ›normal‹ weitergehen oder gar die Kultur ›wiederaufgebaut‹ werden könnte [...] ist idiotisch. Millionen Juden sind ermordet worden, und das soll ein Zwischenspiel sein und nicht die Katastrophe selbst. Worauf wartet die Kultur eigentlich noch?«
4) S.58
>>> Diese Welle konnte Überkippen in eine neu, die sich aus bloßer Pietät als Wunsch nach "nationaler Identität" tarnt
4) S.64
"Enttabuisierung" und "Aufhebung von Denkverboten" dienen zum Vergehen der Schuldhaften Vergangenheit.
4) S.64
Historik:
Historiker arbeiten heute am geschichtslosen Bewusstsein, indem sie das Ungeheure, ohne sich ihm zu nähern, relativieren, bevor sie es dem erneuten Vergessen überantworten.
4) S.64
alle wissenschaftliche Erklärung von Auschwitz dient auch der Rationalisierung.
4) S.68
Relativierung von Auschwitz zu einer normalen Grausamkeit versucht nachträglich das Besondere auszulöschen.
4) S.68
Aus dem Bewusstsein der Gegenwart von Auschwitz wurde das Bewusstsein notwendigen Erinnerns.
2) S.17
Forderungen:
A) Erinnerungsarbeit nach Auschwitz darf und kann nur antierlöserisch sein!
B) Die Generation nach Auschwitz hat die ethische und historische Verpflichtung, ihre Erfahrung des Erinnerungsprozesses selbst zum Thema zu machen!
C) Die Judenvernichtung verlangt eine Reflexion der genaueren Umstände selbst!
3) S.14
Nicht das Ende der Geschichte ist herangekommen ... aber der Ausfall jedes historischen Bewusstseins absehbar
3) S.14
Wenn heute auch Philosophie noch möglich ist, dann nur eine, die in jedem ihrer Sätze das Leiden in den Vernichtungslagern gegenwärtig hält.
4) S.54
Auschwitz affiziert alles, was nach ihm kommt.
2) S.18
Die größte Herausforderung für die Kunst und Geschichtsschreibung in einer antierlöserischen Zeit nach dem Holocaust ist: Es kann nur um eine Geschichtsschreibung und eine Erinnerung gehen, die nicht nur auf die Bedingungen ihrer eigenen Entstehung verweist, sondern auch auf die Orte, die wirklichen und die imaginierten, an denen sie uns unausweichlich einholen.
2) S.12
Adorno: "dass nicht nur die Kulturkritik »mit ihrem Objekt dessen Verblendung« teilt, sondern dass noch das grundsätzliche Unbehagen des Kritikers an der Kultur als Bestandteil dieser Kultur verstanden werden muss [...] die postmoderne Erinnerungsarbeit [lebt] von der Unerfüllbarkeit ihrer Aufgabe..."
2) S.18
Wir sind blind gegenüber unseren eigenen Instrumentalisierungen der Erinnerung geblieben, auch gegenüber dem ganzen wissenschaftlichen Betrieb, der sich um den Holocaust herum etabliert hat [...] Wohin führt all dieses Geschichtserzählen, zu was für eine Art von Wissen, zu welchen Zwecken?
4) S.64
Adornos Theorie stellt die Kontingenz Auschwitz’ gegenüber den Kriterien der Kritik der politischen Ökonomie fest. Auschwitz wird somit zum Kontingenz-Begriff von Geschichte gemacht; Auschwitz hat Adorno zufolge das Schreckbild der Menschheit ohne Erinnerung uns nahe gebracht.
2) S.18
Michael Foucault: jede Aufzeichnung von Geschichte (Archiv) ist immer abhängig von den kulturellen Vermittlungsformen. Deshalb sollte das Geschichtsstudium das Studium verschiedener Erinnerungsformen sein.
>>> die Formen des Erinnerns zum Korpus des Geschichtswissenschaftlichen Materials hinzurechnen
4) S.66
»Man will von der Vergangenheit loskommen [...] mit Unrecht, weil die Vergangenheit [...] noch höchst lebendig ist.«
4) S.64
»Alle Verdinglichung ist ein Vergessen«
2) S.07
im Holocaust aufgewachsene Generation arbeitet nicht mit der Repräsentation von Ereignissen, sondern thematisiert ihre eigene hypervermittelte Erfahrung der Erinnerung.

KULTUR/KUNST/ÄSTHETIK
2) S.12
"Anders als der Erste Weltkrieg hat der Holocaust keine innovativen literarischen Formen und auch keine ästhetische Neuformulierungen im Bereich der bildenden Künste nach sich gezogen [...] die ästhetische Bearbeitung des Holocaust [wurde] in jene Form gegossen, die der Zivilisationsbruch des Ersten Weltkriegs bereits entwickelt hatte."
3) S.12
Auschwitz hat »das Misslingen der Kultur unwiderleglich bewiesen«
3) S.12
»Dass es geschehen konnte inmitten aller Traditionen der Philosophie, der Kunst und der aufklärenden Wissenschaften, sagt mehr als nur, dass diese, der Geist, es nicht vermochte, die Menschen zu ergreifen und zu verändern [...] Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll«
2) S.12
"Kunst [...] nach dem Holocaust waren im Gegensatz dazu in jeder Hinsicht entschieden antierlöserisch."
2) S.14
"Kunst ist nicht nur nicht die Antwort - nach dem Holocaust kann es überhaupt keine Form der »Endlösung« mehr geben."
2) S.12
Friedländer: begrüßt Ästhetik, die sich zugleich ihrer eigenen Grenzen und der Unmöglichkeit bewusst ist, gültige Antworten und dauerhaften Sinn zu liefern. Gerade ein postmodernes Werk kann sich der moralischen Verpflichtung zur Erinnerung bewusst sein und zugleich auch der Unmöglichkeit, sie mit den Mitteln von Kunst und Literatur zu leisten.
"Kurz: Friedländer plädiert eindringlich für eine Ästhetik, die sich allererst dem Dilemma der Repräsentation widmet; für eine antierlöserische Geschichte des Holocaust, die systematische Zweifel zum Ausdruck bringt, die den Verlust jeglicher Gewissheit bewahrt und uns erlaubt, mit dem Ausbleiben eines vollen Verstehens zu leben"
2) S.12
Neu nach Holocaust: Zweifel am Erlösungsversprechen ästhetischer Neuerungen der Moderne.
2) S.12
Dilemma: Jede Darstellung des Holocaust von potentiell versöhnlicher Wirkung ist.
3) S.12
»Wer für die Erhaltung der radikal schuldigen und schäbigen Kultur plädiert, macht sich zum Helfershelfer, während, wer der Kultur sich verweigert, unmittelbar die Barbarei befördert, als welche die Kultur sich enthüllt«
3) S.12
Fatal!>>> Schweigen bestätigt das Geschehene, ohne dass noch Reden etwas zu ändern vermöchte.
3) S.12
»Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und frisst auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben. Der absoluten Verdinglichung [...] ist der kritische Geist nicht gewachsen, solange er bei sich bleibt in selbstgenügsamer Kontemplation«
2) S.12
Durch [...] [ihre] ästhetische und mimetische Qualität [Lyrik] riskiert es die Versöhnung mit dem Geschehenen.
3) S.12
Adorno insistierte lediglich darauf, dass Gedichte zu schreiben vor und nach Auschwitz durch eine nicht überbrückbare Kluft geschieden sei.
3) S.10
Nach Auschwitz ein Gedicht [...] >>> ist missverstanden worden.
>>> In Wahrheit bezog sich dieser Satz auf die gesamte Kultur. Die Kultur ist dem Leiden der Opfer des Holocaust unangemessen. Seine Begründung lautet: »Selbst der radikalsten Reflexion aufs eigene Versagen ist die Grenze gesetzt, dass sie nur Reflexion bleibt, ohne das Dasein zu verändern, von dem das Versagen des Geistes zeugt«
›Reflexion aufs eigene Versagen‹ ist die vorrangige Aufgabe des heutigen Denkens. Die Kultur (zu der das Denken auch zählt) sieht sich selbst versinken in der Barbarei.
4) S.66
Im Essay »Engagement« (zu: Gedichte zu schreiben)
»Den Satz, nach Auschwitz noch Lyrik zu schreiben, sei barbarisch, möchte ich mildern; negativ darin ist der Impuls ausgesprochen, der die engagierte Dichtung beseelt«
4) S.58
Lyrik hat Auschwitz als neuen Bruch >>> ehemals war es der Bruch von Natur und Gesellschaft
4) S.58
auch Kunstwerke, werden geschichtlich-gesellschaftliche spezifische Produkte analysiert; sie sind nicht [...] dem gesellschaftlich-geschichtlichen Prozess entzogen.
4) S.60
»Kunstwerke als ein Geistiges sind nichts in sich Fertiges. Sie bilden ein Spannungsfeld aller möglichen Intentionen und Kräfte, von inwendigen Tendenzen und ihnen Widerstrebendem, von Gelingen und notwendigem Mißlingen«
4) S.64
»Das wahre Verhältnis zu einem Kunstwerk ist [...] , worauf man anders reagiert, im Werk selbst entziffert«
3) S.12
»Das perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu brüllen, darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe kein Gedicht mehr sich schreiben«
>>>Wenn auch nach Auschwitz Gedichte noch möglich sind, dann doch nur solche, die nicht vom Leiden in den Vernichtungslagern handeln ...
4) S.58
»Anne Frank« Tagebuch >>> Adorno:
Durch die Arbeit des Kulturbetriebs wird die reale Schuld fixiert an äußerliche Merkmale, aber der Zusammenhang bleibt der Erkenntnis entzogen.
4) S.64
Kulturindustrie:
Vorurteil, dass die Lager von Sadisten [...] beherrscht gewesen wären [...] hat sich besonders die Kulturindustrie geheftet ...
5) S.08
Eine Darstellung von Auschwitz kann nie autonom als Kunst rezipiert werden, sondern muss sich der Bewertung an moralischen historischen oder pädagogischen Kriterien messen lassen.
3) S.18
»Alles Mitmachen, alle Menschlichkeit vom Umgang und Teilhabe ist bloße Maske fürs stillschweigende Akzeptieren des Unmenschlichen«
4) S.60
Kulturkritik fasst Adorno als ein Stück Entgiftungsarbeit.
3) S.12
»Der Begriff einer nach Auschwitz auferstandenen Kultur ist scheinhaft und widersinnig, und dafür hat jedes Gebilde, das überhaupt noch entsteht, den bitteren Preis zu bezahlen. Weil jedoch die Welt den eigenen Untergang überlebt hat, bedarf sie gleichwohl der Kunst als ihrer bewußtlosen Geschichtsschreibung«
4) S.64
»Es gibt keinen ›Wagner ohne Musik‹ ...«
>>> In der Gewalt der Wagnerschen Musik wird Erinnern und Vergessen zum Thema.
Beispiel:
Gerade weil Wagnerische Werk ein Produkt aus der Epoche vor Auschwitz ist, lebt in ihm die Ambivalenz von bürgerlicher Selbstkritik und Zerstörung aller Kultur, die von den Nationalsozialisten ins Werk gesetzt wurde. Die Musik strukturiert die blinde Gewalt des Mythos, sein Verhängnis wird als gemachtes durchschaubar.

DIALEKTIK DER AUFKLÄRUNG
3) S.08
Dialektik der Aufklärung
»Warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue art von Barbarei versinkt«
3) S.16
was war in der Geschichte der Menschheit fehlgegangen>>> Auf diese Frage versucht die Dialektik der Aufklärung eine Antwort zu finden.
3) S.08
Auschwitz der Zusammenbruch der bisherigen Zivilisation zu begreifen
4) S.64
In Auschwitz ist das ohnehin prekäre Gleichgewicht von Produktions- und Destruktionskräften umgeschlagen in die absolute Destruktion.
3) S.08
Philosophie versagt kläglich bei der Anstrengung, den stattgefundenen Zivilisationsbruch zu begreifen, geschweige dass sie noch irgendeinen ›Sinn‹ ihm zu verleihen vermöchte.
4) S.66
Auschwitz verändert die kritische Theorie - sie zeigt dem bewussten Willen nicht mehr die Objektiven Möglichkeiten, [...] sie kann den geöffneten Augen über den Augenblick hinaus Stärke und Dauer des Bewusstseins verleihen.
3) S.08
Adornos Denken hat stets die reale Geschichte und ihre Erosionen reflektiert.
3) S.14
Adorno und Horkheimer >>> Marxismus
>>>Offenkundig waren die bisherigen Klassenkämpfe von Schlimmerem, der ›Konzentration der Macht‹, Herrschaft als solcher, einem durchrationalisierten System der Manipulation abgelöst worden.
3) S.16
Aufklärendes Denken, vorab das Marxsche, hatte versagt ... zwei Jahrtausende Philosophie ehrwürdigen theoretischen Verhaltensweisen, erwiesen sich als ohnmächtig
3) S.16
Philosophische Theorie kann nicht sich zufriedengeben, die Vernichtungslager in der gesellschaftlichen Struktur vorgebildet zu finden, oder gar sie der Geschichte kausal zuordnen wollen; sie sieht sich genötigt, die Geschichte selber bis in ihre archaischen Anfänge hinein neu und anders zu interpretieren.
3) S.20
Adorno: Kein Sinn aus dem Leiden der Opfer pressen>>> Seine Konsequenz ist eine materialistische Philosophie>>> Objektives verdankt nur mehr der Erfahrung von Subjektivem
3) S.18
Aber wie die Gesellschaft über die Individuen hinweg [...] ihre allgemeine Tendenzen durchsetzt und dadurch als ganze den Lagern sich anähnelt, so verarmt eine Erkenntnis, welche sich zunehmend desinteressiert zeigt am konkreten und an seiner Differenz vom Begrifflichen.
>>> Wo Erkenntnis die Welt und ihre Bewohner nur mehr in ihrer Exempelfunktion wahrnimmt; ein jedes nur als Beispiel für anderes, keines mehr an und für sich gelten lässt, da hat denken immer schon abgedankt.
>>> Eine stereotype Wahrnehmung, die die ›kategoriale Arbeit‹ ersetzt.
3) S.16
... die ›Stammbegriffe‹ der Vernunft [...] noch einmal zu überprüfen.
Dial. d. Aufklä. >>> (der Aufklärung oberstes Ziel) >>> »von den Menschen die Furcht zu nehmen.«
3) S.22
Adornos Dialektik: Versuch »das Neue des Alten zu sehen anstatt einzig das Alte des Neuen«
4) S.58
»Erheischt negative Dialektik die Selbstreflexion des Denkens, so impliziert das handgreiflich, Denken müsse, um wahr zu sein, heute jedenfalls, auch gegen sich selbst denken«
3) S.22
»Ist das Zeitalter der Interpretation der Welt vorüber und gilt es sie zu verändern, dann nimmt die Philosophie Abschied [...] Nicht die Erste Philosophie ist an der Zeit sondern ein letzte«
3) S.16
Adorno über wissenschaftliche Ratio in der Aufklärung:
die Naturqualitäten mehr zurückdrängend begegnen in Gestalt der wissenschaftlichen Begriffsbildung die Phänomene nur noch als Exempel ihrer Begriffe; was immer die Sphäre an sachhaltigem übersteigen mag, wird zugunsten der Handhabbarkeit vernachlässigt, fortgelassen, in der Konsequenz: vernichtet; die Identität des Begriffs negiert das Nichtidentische der Sachen. >>> »Die Gleichgültigkeit gegens Individuum, die sich in der Logik ausdrückt«
3) S.20
Besinnung, Bedeuten, Wahrheit haben sich im Verlauf der Geschichte langsam und mühselig aus der selbsterhaltende Vernunft herausgebildet und sich dieser entgegengesetzt.
4) S.64
Das KZ-System ließ zwar viele Sadismen zu, aber es basiert auf der absoluten Gleichgültigkeit des Tötens. >>> Erfolg der Aufklärung


1) ALEIDA ASSMANN: Das Gedächtnis der Kunst
-Geschichte und Erinnerung in der Kunst der Gegenwart, 2000
2) JAMES E. YOUNG: Nach-Bilder des Holocaust in zeitgenössischer Kunst und Architektur, 2002
3) ROLF TIEDEMANN: »Nicht die erste Philosophie sondern eine letzte«
-Anmerkungen zum Denken Adornos
4) DETLEV CLAUSSEN: Nach Auschwitz
-Ein Essay über die Aktualität Adornos
5) STEFAN KRAGENHAGEN: Auschwitz darstellen
-Ästhetische Positionen zwischen Adorno, Spielberg und Walser
6) DUDEN: Fremdwörterbuch