Unsere Klasse ist kein Ort der Wissensvermittlung von oben nach unten, sondern ein gemeinsamer Prozess des Fragens, Verlernens und Neuverhandelns. Aufgabenstellungen und die Wahl künstlerischer Mittel entstehen im Austausch – zwischen den Studierenden, zwischen uns, und im Dialog mit einem breiten Netzwerk von Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Aktivist*innen und Menschen mit situiertem Wissen aus dem globalen Süden und darüber hinaus. Eine Arbeitsweise, die sich verschiedener Medien und Technologien bedient, ist dabei ausdrücklich erwünscht: von laserbasierter 3D-Scantechnik über Drohnen und Augmented Reality bis hin zu sensorbasierten Sehmaschinen – Fotografie wird hier als Ausgangspunkt verstanden, von dem aus fotografische Skulpturen, Installationen, Performances und Videoarbeiten entstehen können.
Im Mittelpunkt steht ein aktives Unlearning: das gemeinsame Verlernen von Systemen der Dominanz, eurozentrisch geprägten Kanons und hierarchischen Wissensstrukturen. Studierende sind nicht Empfänger*innen von Inhalten, sondern aktiv an der Identifizierung von Problemen, der Analyse und der Lösungsfindung beteiligt. Das bedeutet konkret: Lehrinhalte werden mitgestaltet, Gespräche mit Gästen werden von Studierenden moderiert, kollektive Förderanträge werden gemeinsam verfasst, und neue Formate – Podcasts, DAOs, Discords – werden als legitime Orte künstlerischer und diskursiver Praxis behandelt.
Anknüpfend an die Fragen, die sich aus den Arbeitsgesprächen ergeben, werden zeitgenössische und historische Positionen linsenbasierter Medien vorgestellt und diskutiert – wobei nicht-westliche Autor*innen nicht nur als Sujets, sondern als Wissensproduzierende hinter der Kamera sichtbar werden. Die Klasse wird gemeinsam mit Raisan Hameed geleitet, dessen Schwerpunkte auf Bildpolitik, Erinnerungskultur und visueller Repräsentation die Lehre erweitern: Wie machen Bilder politische Gewalt, Verlust und gesellschaftliche Machtverhältnisse sichtbar – oder verschleiern sie diese? Kollaborative und forschungsbasierte Arbeitsweisen sowie die Verbindung von Technologie, Archiv und persönlicher Erfahrung werden dabei als zentrale Bestandteile künstlerischer Praxis verstanden.
Ausdrücklich erwünscht ist, dass sich die Studierenden über die Fotografie hinaus orientieren, gesellschaftlich relevante Inhalte wählen und dabei Humor, Neugier und Eigenantrieb als künstlerische Haltungen kultivieren. Auf das Ausbilden einer eigenständigen Sprache über die eigene Arbeit wird ebenso Wert gelegt wie auf die sichere Verortung des eigenen Ansatzes im Verhältnis zu verwandten Positionen aus Kunstgeschichte und Gegenwartskunst. Exkursionen, Gastvorträge und kollaborative Projekte – z.B. ein Symposium zum Thema wie Plattformen, Feeds und a-soziale Medien das Sehen organisieren mit dem Namen Costs of Disconnecting, oder eine Ausstellung beim Whole Festival – dienen dazu, den Blick frühzeitig auf ein breites, planetäres Feld künstlerischer Praxis zu richten und eine eigene Position zu entwickeln, die widersprüchliche Schulen, Trends und Dogmen der Wirklichkeitsaneignung nicht nur wahrgenommen, sondern aktiv befragt hat.





