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Studienpreis 2025/26 des HGB-Freundeskreises und der Sparkasse Leipzig

Wir gratulieren den Preisträger*innen des HGB-Studienpreises 2025/26:

Robin Becker (Medienkunst)
Hyerin  Eom (Medienkunst)
Lam Funke (Fotografie)
Janne Steinhardt (Malerei / Grafik)
Meta Weckeßer (Buchkunst / Grafik-Design)

Aus 98 Einreichungen wählte die Jury dieses Jahr fünf Arbeiten aus. Die Preisträger*innen erhalten je ein Preisgeld von 2.000 €. Bereits zum 19. Mal hatte der Freundeskreis der HGB gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig den HGB-Studienpreis ausgeschrieben. Bewerben konnten sich HGB-Studierende aller Fachrichtungen, die sich noch nicht zum Diplom angemeldet haben und keine Meisterschüler*innen sind.

Alle prämierten Arbeiten werden parallel zum HGB-Rundgang ab dem 12. Februar 2026 in der HGB-Galerie gezeigt.

Robin Becker: Technologies of the Voice - a lecture performance cantata for solo vocalist

Robin Becker studiert in der Klasse für performative Künste bei Jule Flierl und Anna Zett. „Technologies of the Voice – a lecture performance cantata for solo vocalist” ist ein transmediales künstlerisches Forschungsprojekt, das sich mit der Stimme als Technologie und der Stimme in Bezug auf Technologie auseinandersetzt. Es ist ein collagistisches Stück, das verschiedene experimentelle Kompositionen für Solostimme mit assoziativen und theoretischen gesprochenen Passagen kombiniert. Diese Kompositionen stammen teils von Robin Becker, teils von anderen Komponisten. Auch die gesprochenen Passagen sind Kombinationen aus Originaltexten und Zitaten und Adaptionen von Texten über Stimme und Technologie, die von anderen verfasst wurden. „Technologies of the Voice“ findet in einer installationsartigen Inszenierung statt, die aus den für die Aufführung notwendigen Materialien aufgebaut ist. Das Projekt regt zum Nachdenken über zeitgenössische Vokalität und ihre Politik an, überdenkt die traditionelle Konzertsituation und zielt darauf ab, experimentelle Vokalisierung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Hyerin Eom: Ver-Schmelzung der Erinnerungen

Vor 10 Jahren bat die Großmutter ihre Enkelin, heißes Wachs auf ihren schmerzenden Rücken zu träufeln. Diese Szene, die unverständlich war, ist der Enkelin tief in Erinnerung geblieben. Seit 6 Jahren lebt sie in Deutschland, ca. 8600 km entfernt von ihrer Heimat Süd-Korea und nimmt ihre innere Angst wahr, dass ihre alte Oma wohl in naher Zukunft hinscheiden könnte. So begab sie sich an die Animationsarbeit, um sich für den Tod ihrer Oma bereit zu machen. In der Animation arbeitet sie sich hindurch, durch die Frage: „War ihr Rückenschmerz nicht der Schmerz ihres Lebens?“. Es wird ihren Lebensspuren nachgegangen. Das Wachs fungiert als ein Katalysator für die Erinnerung an etwas Unverständliches - später kommt ein Interview zustande. Die Erinnerungen werden von der Enkelin gezeichnet, verändert, und rekonstruiert. Sie dringen in ihre eigene Erinnerungswelt ein und verschmelzen miteinander.

Hyerin Eom studiert in der Klasse expanded cinema bei Clemens von Wedemeyer.

Lam Funke: Szenario (Risiko), 2025

Lam Funke (*2002 in Dessau, lebt in Leipzig) absolvierte das Grundstudium in der Fachrichtung Buchkunst/ Grafik-Design und studiert seit seinem Auslandsaufenthalt am Royal Institute of Art Stockholm in der Klasse für Fotografie von Heidi Specker.

Die Werkgruppe Szenario (Risiko), 2025, ist eine medienübergreifende Arbeit, die sich mit den Auswirkungen der Migrationserfahrung seiner Eltern auf die eigene Situiertheit auseinandersetzt. Sie folgt einem Fragen und Zweifeln danach, inwiefern sich seine Identität im Zuge von Prozessen der Entzauberung manifestiert.

Dabei entstehen fragmentarische Blicke en passant: als Blick aus dem Schlafzimmer, als Blick auf die eigene Mutter oder als Blick auf sich selbst. Ergänzt wird die fotografische Annäherung durch installative Situationen, die von abstrahierten Gegenständen der vietnamesischen Alltagskultur ausgehen und diese sich unter anderem in Form einer Skala fragmentarisch neu ordnen.

Janne Steinhardt: Dedans

In meiner Malerei suche ich nach einer Bildsprache, die sich weigert, zu ordnen. Ich nähere mich dem Archetyp der Wilden – jener Figur, die in dunklen Räumen der Intuition lebt und sich jeder eindeutigen Lesbarkeit entzieht. Die Bilder entstehen aus einem körperlichen Malen heraus, beeinflusst von der écriture féminine Hélène Cixous’ – einer Schrift, die atmet, tränt, zögert, sich überlagert, verwischt, sich widersetzt. Eine ästhetische Erfahrung, die nicht unterscheidet zwischen Wichtigem und Unwichtigem, sondern die Bewegungen des Inneren gleichermaßen zulässt wie die des Außen.Die Körper, die in meinen Bildern erscheinen, sind keine Figuren im klassischen Sinn, sondern Zustände. Sie tragen Tränen, halten sich und lassen los, sie begehren und brechen weg, sie offenbaren sich und bleiben zugleich verborgen. Die Ambivalenz ist kein Nebeneffekt, sondern Bedingung: Das Geheimnis ist nicht das, was verdeckt wird, sondern das, was im Sichtbaren fortwährend entgleitet.Mich interessiert jene Zone zwischen Hingabe und Widerstand – die Momente, in denen Haltung und Auslieferung miteinander verschränkt sind. Die Malerei wird für mich ein Ort des Tastens, ein Raum, in dem Sinnlichkeit nicht als Oberfläche existiert, sondern als Bewegung, als Riss, als schichtweise freigelegte Verletzlichkeit. Ich möchte Bilder schaffen, die nicht erklären, sondern spüren lassen, die das Unfertige nicht überwinden, sondern darin atmen.

Die eingereichte Werkgruppe ist vorabgeschlossener Teil einer fortlaufenden Untersuchung zu weiblicher Innerlichkeit, den Stimmen und Gesten, die außerhalb sprachlicher Disziplin existieren. Sie versuchen, die Wildheit, das Zarte, das Düstere, das Überbordende und das Schweigende gleichermaßen zu tragen – ohne Hierarchie. Es ist eine Malerei, die nicht weiß, wohin sie führt, und gerade deshalb zu sprechen beginnt.

Janne Steinhardt studiert in der Klasse für Malerei und Grafik bei Michael Riedel.

Meta Weckeßer: Mitläufer

Die Schrift, die ich gezeichnet habe, heißt Mitläufer. Sie ist angelehnt an die Schrift Schneidler Medieval, gezeichnet von F. H. Schneidler und veröffentlicht von der Bauerschen Gießerei 1936. Einige Schnitte der Schrift sind auch in der Bleisatzwerkstatt der HGB zu finden.

Dort konnte ich sie selbst Setzen, Drucken, hochaufgelöst Einscannen und mit dieser Originalquelle arbeiten. Schneidler war Schriftentwerfer, Kalligraph und Lehrer. Er ist 1939 der NSDAP beigetreten und wurde nach dem Krieg im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft.

Was bedeutet das für meine Schrift? Sollte sie überhaupt verwendet werden? Oder reproduziere ich damit die Ideen der Nationalsozialisten? Ist eine Schriftart einfach nur eine Form des Alphabets, die Informationen durch Buchstaben vermittelt? Wie sichtbar und damit politisch sind das Design und die Hintergrundgeschichte? Welche Assoziationen weckt diese Schriftart? In welchem Kontext kann sie benutzt werden? Muss ich sie modifizieren, manipulieren, durchstreichen?  Sie ihre Vergangenheit vergessen lassen? Kann ich sie mir aneignen? Oder wird ihre Herkunft immer präsent sein?

Meta Weckeßer studiert Buchkunst/Grafik-Design in der Klasse für Systemdesign von Maureen Mooren und in der Klasse für Typedesign von Ondrej Báchor.