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"Show and Try Again" 10 Jahre Masterprogramm Kulturen des Kuratorischen

Ausstellungsaufbau Re:Bachelor Machines, HGB Galerie 2018
Ausstellungsaufbau Re:Bachelor Machines, HGB Galerie 2018
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Masterprogramms Kulturen des Kuratorischen an der HGB Leipzig stellt „Show and Try Again“ in einem Symposium und einer Programmwoche die Frage danach, wie das Sichtbarwerden von Kunst als ein forschender Prozess verstanden werden kann.
Konzept
Kunst und Artefakte verändern sich im Moment ihres Öffentlich-Werdens. Jede Präsentation schafft neue Bedeutungen sowohl für die Exponate, als auch für die Beziehungen, die sie in einer Ausstellungssituation eingehen. Im Zuge dessen kann Bekanntes unvertraut werden, Wissensformen verworfen, Institutionen umdefiniert, Rollen außer Kraft gesetzt und Narrative neu ausgerichtet werden.

Wie also kann das Zeigen selbst als Form der Forschung behandelt werden, statt es lediglich als Ergebnis eines ihr vorausgehenden, unsichtbaren Forschungsprozesses zu verstehen? Was kann von Operationen des Präsentierens von Kunst angesichts der zunehmenden Ökonomisierung von Bildung, Wissen, Sichtbarkeit und hauntologischer Zukunftslosigkeit gefordert werden? Was ist das emanzipatorische, kritische Potential des Zeigens in Anordnungen? Kurzum: Wie können Zeigen und Forschen einen wechselseitigen Prozess beschreiben?
 
Die Rolle, die das Kuratorische – als Gesamtheit zu einander im Verhältnis stehender Praktiken und Positionen – im Rahmen von Veränderungsprozessen sowohl auf ästhetischer, als auch auf sozialer, politischer und ökonomischer Ebene einnehmen kann, ist mittlerweile im aktuellen Diskurs unbestritten. Die  Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Verfahren, Strategien und Prozessen, die dafür eingesetzt werden und werden könnten, steht jedoch bislang aus. Angesprochen sind damit diejenigen bedeutungsstiftenden Handlungen, die spezifisch sind für das Zeigen und Sich-Zeigen von Kunst und Kultur.

Im Zentrum von „Show and Try Again“ stehen daher experimentelle, wiederholende, prozessierende und neuordnende Umgangsweisen mit kuratorischen Situationen, die mit einem forschenden Selbstverständnis insbesondere an epistemologischen und gesellschaftsrelevanten Veränderungspotentialen interessiert sind. In unterschiedlichen Formaten, die von Performances, (Mehrfach-)Präsentationen, Workshops, Panels und Vorträgen reichen, vermessen Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen mit unterschiedlichen lokalen und disziplinären Hintergründen den Möglichkeitsraum, den kuratorisches Forschen zu öffnen und zu aktivieren in der Lage ist.
Symposium: 18. Oktober 2019, 14:00–20:00 Uhr, HGB Festsaal
Das Auftakt-Symposium am 18. Oktober verbindet Theorie und Praxis und setzt einen diskursiven Rahmen für das gesamte Programm. In den Beiträgen werden die Dimensionen von kuratorischer Forschung heute erkundet und dabei Aspekte des Digitalen, Politischen, Performativen sowie von Gender und kuratorischer Handlungsfähigkeit diskutiert. Nach kurzen Impulsvorträgen werden einzelne Tischgespräche die Möglichkeit zur Diskussion mit den Vortragenden bieten, um schließlich in einer Panel-Diskussion wieder zusammengeführt zu werden. Zu den Beitragenden gehören Fiona McGovern, Adrian Heathfield, Nora Sternfeld und Magda Tyżlik-Carver.

Symposium-Programm (PDF)
Weitere Informationen und Programm...
Kuratorisches Programm: 26.–30. November 2019, tgl. 14:00–21:00 Uhr, HGB Galerie
Das kuratorische Programm nutzt das Präsentieren von Kunst als Reflexionsinstrument. Innerhalb eines situativen Displays und eines täglich wechselnden Programms wird der Raum geöffnet für Fragen der Realisierung und Durchführung von kollaborativen sowie transdiziplinären Praktiken. Mit Beiträgen von Bükü - Büro für kulturelle Übersetzungen, Nanne Buurman, Cashmere Radio, Binna Choi, Hans D. Christ und Iris Dressler, Pip Day, Fehras Publishing Practices, Rike Frank, Ari Benjamin Meyers, Klasse für Systemdesign von Maureen Mooren, Klasse für Malerei und Grafik von Michael Riedel, Ruangrupa, Jörn Schafaff, Simon Sheik, Klasse für Fotografie von Heidi Specker und Daniel Niggemann, Herman Verkerk und Thomas Weski, u.a.

Weitere Informationen und Programm...
Workshop
Aufbauend auf den Seminaren „Diggin’ Deeper“, „Mit Gespenstern leben“ und „Akademie der Krise“ wird in einem Workshop mit Studierenden der HGB und in Kollaboration mit Herman Verkerk und Maureen Mooren das räumliche und grafische Setting des kuratorischen Programms von „Show and Try Again“ entwickelt. Das Ziel des transdisziplinären, nicht öffentlichen Workshops ist es, für “Show and Try Again” ein Raumkonzept zu gestalten, das dem Programm nicht nur eine Bühne, sondern Raum für Reflexion und Resonanz bietet.
Team
Beatrice von Bismarck
Beatrice von Bismarck ist Professorin für Kunstgeschichte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie ebenso in den Fachbereichen Visuelle Kultur und Kulturen des Kuratorischen lehrt. Davor war sie als Kuratorin für Kunst des 20. Jahrhunderts am Städel Museum Frankfurt tätig, lehrte an der Leuphana Universität in Lüneburg und war Mitgründerin und Co-Direktorin des Kunstraumes an der Universität Lüneburg. In Leipzig war sie Mitgründerin des Projektraumes /D/O/C/K und Initiatorin des Master-Programmes Kulturen des Kuratorischen, das im Herbst 2009 begann. Sie entwarf und leitete ebenso also die nomadische TRANScuratorial Academy die von Berlin nach Mumbai und Phnom Penh tourte (2017-2018). 2018 war sie Philippe Jabre Visiting Professor of Art History and Curating an der American University in Beirut. Für ihr Forschungsprojekt über „Kuratorische“ erhielt sie die Opus Magnum Förderung der Volkswagen Stiftung Hannover (2015-2017).
Aktuelle Publikationen: Now–Tomorrow–Flux: An Anthology on the Museum of Contemporary Art (hg. mit Heike Munder und Peter J. Schneemann), JRP|Ringier, Zürich, 2017; Curatorial Things (hg. mit Benjamin Meyer-Krahmer), 2019 (erscheint in Kürze) und O(f)f Our Times: The Aftermath of the Ephemeral and Other Curatorial Anachronics, (hg. mit Rike Frank), Berlin 2019 (erscheint in Kürze).

Julia Kurz
Neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Kulturen des Kuratorischen an der HGB Leipzig arbeitet Julia Kurz als freischaffende Kuratorin und Kunstvermittlerin im Spannungsfeld emanzipatorischem (Ver-)Lernens und undisziplinierter Praxis. Zumeist im Kollektiv oder in enger Zusammenarbeit mit Kompliz*innen aus den unterschiedlichsten Kontexten entwickelte Julia zahlreiche Ausstellungen, öffentliche Programme, Workshops und Publikationen.
Eng verbunden ist sie mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, für welche sie von 2006 bis 2016 als Kuratorin, Projektleiterin und Kunstvermittlerin tätig war, u.a. im Rahmen der Projekte „Politics of the small Act - A Call for Action at the Intersection of Artistic and Civic practices“ (2012), „Szenarien über Europa: Fürs Leben Lernen?“ (2012/2013), „Responsive Subjects - Über die Gestaltung von kollektiven Handlungen“ (2013/2014), „Travestie für Fortgeschrittene“ (2015) sowie in der Zusammenarbeit mit Celine Condorelli, James Langdon, Alexandra Pirici, Slavs and Tatars, Kateřina Šedá, Ulf Aminde und Anna Witt.
Von 2008 bis 2013 war Julia Teil des Kollektivs dieschönestadt mit gleichnamigen Projektraum in Halle (Saale) und lehrte ebenda von 2014 bis 2016 im von ihr gemeinsam mit Prof. Nike Bätzner entwickelten Bereich „Ausstellen und Vermitteln“ an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Julia studierte Theaterwissenschaften und Arabistik an den Universitäten Leipzig und Damaskus sowie „Kulturen des Kuratorischen“ an der HGB Leipzig.

Benjamin Meyer-Krahmer
Dr. Benjamin Meyer-Krahmer ist seit 2011 an der HGB Leipzig tätig und unterrichtet seitdem im Studiengang „Kulturen des Kuratorischen“. Von 2015 bis 2017 übernahm er in Vertretung für Beatrice von Bismarck die Professur für Bildwissenschaft und Kunstgeschichte. Seit 2017 ist Meyer-Krahmer Professor für Kulturen des Kuratorischen.Er studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Geschichte in Tübingen, New York und Berlin. Nach Abschluss seiner Promotion über den Künstler Dieter Roth arbeitete er im Bereich Ausstellungskonzeption und -gestaltung. Zusammen mit dem Künstler Willem de Rooij realisierte er das Publikations- und Ausstellungsprojekt „Intolerance“ (2010/11) für die Neue Nationalgalerie, Berlin. Mit Nanette Snoep, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, initiierte er das Ausstellungsprojekt „Grassi invites #1: fremd“ (2016) im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, welche das Konstruieren von Fremdheit im ethnologischen Museum reflektierte. Das Ausstellungsprojekt erregte überregional große mediale Aufmerksamkeit. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte bilden die Epistemologie und Methodologie künstlerischer und kuratorischer Praxis sowie Fragen von Präsentation und Repräsentation. Meyer-Krahmers Veröffentlichungen umfassen u.a. eine Monografie über den Künstler Dieter Roth, Herausgeberschaften zu Fragen künstlerischer wie kuratorischer Praxis sowie zahlreiche Aufsätze und Artikel im Bereich Kunstkritik.

Agnieszka Roguski
Agnieszka Roguski lebt als Autorin und Kuratorin in Berlin. In ihrer Promotion an der Freien Universität Berlin untersucht sie visuelle Performanzen des Selbst innerhalb sich wandelnder Technologien. Ihr Weg in den Ausstellungsraum führte über die Theaterbühne (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz), später assistierte und kuratierte sie im Kunstverein Leipzig, Torrance Shipman Gallery New York, WATTIS Institute San Francisco und PRAXES Center of Contemporary Art Berlin. Im transdisziplinären Kollektiv A.R. practice arbeitet sie zusammen mit der Grafikdesignerin Ann Richter an kuratorischen Projekten, momentan am Buch „Subjective Sceneries“ in Zusammenarbeit mit ONOMATOPEE Press. Mit einem Fokus auf Displaytechniken entwickeln sie fluide, medienreflexive Formate. Agnieszka Roguski nahm am Masterstudiengang Kulturen des Kuratorischen der HGB Leipzig teil, außerdem an verschiedenen internationalen Programmen, wie etwa der TRANScuratorial Academy in Phnom Penh 2018, der Mountain School of Art in Los Angeles 2017 und dem International Curator Course der 11. Gwangju Biennale in Gwangju, Südkorea 2016. Ihre Texte wurden veröffentlicht von Texte zur Kunst, Spike Art Magazine, Camera Austria, Eikon und Springerin. Für „Show and Try Again“ arbeitet sie im Studiengang Kulturen des Kuratorischen an der HGB Leipzig mit.
Förderung
Mit freundlicher Unterstützung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Freundeskreises der HGB Leipzig.

Dieses Projekt wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.