Ex/Changing: Transculturality and institutional Work (15.-22.10.2026)
2016 gründete die HGB Leipzig mit der Akademie für transkulturellen Austausch das bundesweit erste reguläre Studienprogramm für Menschen mit Fluchtgeschichte im Bereich Bildende Kunst und Grafikdesign.
Von Beginn an verstand sich die Akademie für transkulturellen Austausch als mehr als ein reines Studienprogramm. Mit ihrer Gründung erkannte die HGB Migration als grundlegenden Bestandteil unserer Gesellschaft an und formulierte den Anspruch, die Kunsthochschule selbst als transkulturellen Ort weiterzuentwickeln. Zugang zu ermöglichen bedeutete dabei immer auch, die Institution zu verändern: künstlerische und wissenschaftliche Perspektiven zu erweitern, einen weißen westlichen Kanon zu hinterfragen und Bedingungen für ein diskriminierungskritisches Studium zu schaffen.
Mit einem Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm feiert die HGB das zehnjährige Bestehen der Akademie für transkulturellen Austausch und blickt auf ihre Geschichte und Gegenwart.
Die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben sich seit 2016 grundlegend verändert. Förderprogramme, die den Aufbau der Akademie ermöglichten, sind weitgehend ausgelaufen oder von Kürzungen bedroht. Programme für geflüchtete Studierende wurden an vielen Hochschulen eingestellt. Gleichzeitig gewinnen Begriffe wie Internationalisierung und Diversität in der Hochschulpolitik an Bedeutung, während Flucht, erzwungene Migration und ihre historischen sowie gegenwärtigen Ursachen häufig ausgeblendet bleiben.
Ausgehend von einem Verständnis von Transkulturalität als Prozess der Begegnung und gegenseitigen Veränderung richtet das Programm den Blick zugleich nach vorn. Ehemalige und aktuelle Akteur*innen der Akademie für transkulturellen Austausch kommen in Vorträgen, Gesprächen, Workshops und einer Ausstellung mit Gäst*innen aus Kunst, Wissenschaft und Hochschule zusammen. Im Zentrum stehen die Zukunft der Akademie für transkulturellen Austausch an der HGB und die Frage, welche künstlerischen und institutionellen Praktiken transkulturellen Austausch ermöglichen.
Alle Veranstaltungen finden in der HGB Galerie statt
Do. 15.10.2026 Geschichte
13:30 Begrüßung / Welcome
Kommission Akademie für transkulturellen Austausch
13:45 Dialog (de)
Esraa Dayrwan & Musafer Qassim Khalaf: Dinge, die wir sehen, Dinge, die wir gesehen haben
Wir werden uns darüber unterhalten, wie es ist, aus der Erinnerung heraus zu arbeiten – darüber, wie die Bilder, die wir erschaffen, aus Szenen entstehen, die wir selbst erlebt oder von denen wir gehört haben. Gleichzeitig möchten wir den Blick nach vorne richten, um zu erkunden, wie kommende Themen und die Kraft der Hoffnung unsere zukünftigen Visionen prägen werden.
14:45 Pause
15:00–18:00 Workshop (de)
Anna Sabel & Mehmet Arbag/ Verband binationale Familien und Partnerschaften,
iaf e.V.: Geschichte(n) von Rassismus und Antirassismus in Deutschland: Konjunkturen, Kontinuitäten und Widerstände der letzten zehn Jahre
Seit dem sogenannten „Langen Sommer der Migration“ 2015/16 zeigen sich unterschiedliche Konjunkturen rassistischer Verhältnisse und antirassistischer Kämpfe & Strategien. Der Workshop nimmt zentrale Ereignisse und Bewegungen in den Blick und fragt nach ihren Kontinuitäten, Brüchen und Spuren in der heutigen Migrationsgesellschaft.
Der Workshop findet in deutscher Sprache statt. Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 30 begrenzt. Wir bitten um Anmeldung unter dem Betreff Workshop mit Angabe der Namen der Teilnehmer*innen an: ex_changing@hgb-leipzig.de
Fr. 16.10.2026 | Institution
16:30 Begrüßung / Welcome
Kommission Akademie für transkulturellen Austausch
16:45 Vortrag (de)
Carmen Mörsch: Space Invaders Unite!
Der Vortrag geht von der These aus, dass Kunsthochschulen historisch Orte epistemischer Gewalt sind. Mit Nirmal Puwars Konzept der „Space Invaders“ beschreibt er die ontologische Angst, mit der Institutionen auf Körper reagieren, die dort nicht vorgesehen sind. Die Befunde des Forschungsprojekts Art.School.Differences zeigen, wie diese Angst heute in Auswahlverfahren, Curricula und einer Internationalisierung wirkt, die erzwungene Migration ausblendet.
Der Vortrag endet mit einem Aufruf zur Vernetzung: zu Koalitionen über Differenzen hinweg, zu Allianzen des Verlernens und zu einer Institution, die Programme wie die AtA nicht als Zusatzleistung, sondern als Teil ihres Auftrags versteht.
17:45 Dialog-Workshop (de+en)
Dariia Hyrb & Samaneh Nikfard: When we don’t know what to say to each other
In diesem Gesprächsworkshop erkunden Dariia und Samaneh konkrete Geschichten aus dem Alltag: Begegnungen und Interaktionen innerhalb und außerhalb der Hochschule. Mithilfe von Mentimeter laden sie die Teilnehmer*innen dazu ein, persönliche Momente aus solchen Begegnungen zu teilen. Nach und nach entsteht so eine gemeinsame Karte, anhand derer die Teilnehmenden erkunden, was zwischen Menschen entsteht, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Sprachen, Kontexte und Perspektiven aufeinandertreffen.
18:45 Pause
19:00 Ausstellungseröffnung & Jubiläumsfeier 10 Jahre Akademie für transkulturellen Austausch
Es sprechen: Agnes Wegner, Rektorin HGB
Kommission Akademie für transkulturellen Austausch
Ex/Changing Letters
Ein Brief klingt anachronistisch, wie etwas, das aus der Zeit gefallen ist. Er braucht Aufmerksamkeit und Raum; mit ihm verbinden sich analoge Prozesse, die Beziehungen herstellen oder wiederherstellen. Briefe können Kunst sein – man denke an die Mail Art der 1970er Jahre und das Anliegen der Künstler:innen, sich zu vernetzen, starre Modelle von Autor:innenschaft zu hinterfragen, Prozesse der Produktion und Zirkulation sichtbar zu machen.
Was aus „Ex/Changing Letters“ resultiert, kann Kunst sein, muss aber nicht. Das eigentliche Anliegen der Ausstellung ist die Einladung – persönlich adressiert, handgeschrieben – und die Bitte, darauf zu antworten. Dabei ist jede Form willkommen: eine Skizze, eine künstlerische Arbeit, ein kritischer Kommentar zu oder ein Love Letter an die Akademie für transkulturellen Austausch der HGB Leipzig.
Ausstellung: 16.–22.10.2026 | HGB Galerie | Öffnungszeiten: Mo.–Do. 14:00-18:00 Uhr
19:30 Geschichtensammlung (de + en)
Erinnerungen für die Zukunft
Ein Austauschformat diverser Erinnerungen an die letzten zehn Jahre Akademie für transkulturellen Austausch. Statt Grußworten sammeln wir Geschichten von Personen, die an der Realisierung der Akademie für transkulturellen Austausch beteiligt waren und beteiligt sind. Studierende und ehemaligen Studierende, Hochschulangehörigen aus Lehre und Verwaltung, Vertreter*innen beteiligter Institutionen teilen ihre eigenen kurzen Erinnerungen. Was ist aus der Zeit der Gründung der Akademie zu erzählen? Welche Erinnerungen gibt es an das Studium? Wie ist eine Realisierung überhaupt möglich gewesen? Was erinnern wir für die Zukunft?
>>> im Anschluss / afterwards To Fabek & Ossama Shalgheen: Snacks / Refreshments, DJ: dots.lines_
Sa. 17.10.2026 Widerständige Praktiken
13:00 Begrüßung / Welcome
Kommission Akademie für transkulturellen Austausch
13:15 Dialog (en)
Ehab Assadi & Rami Hariri: AtA as a beautiful picture: Reflection Session
Beauty is never entirely fixed or universal, that is what we quickly learned studying at the HGB. In a similar way the idea of success is often measured against particular image of the best. These standards are often not chosen or reflected on because it comes from the Hierarchical Framework. But that doesn’t necessarily mean we don’t know how to make a space for a collective reflection.
That’s what we gonna do in our session, with the help of hindsight we are gonna look back at the journey of the AtA program on both the internal and external aspects. We can share some of our own thoughts and hope to explore the idea of positive progress for the future.
14:15 Pause
14:30 Roundtable (de)
Havîn Al-Sîndy & Simin Jawabreh: Von hier aus widerständig
Moderation: Mehmet Arbag (Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.)
Was bedeutet es, widerständig zu sein, wenn der eigene Widerstand eine direkte Verbindung zu einem Ort hat, an dem Krieg, Gewalt und politische Unterdrückung herrschen? Wie verändert sich Widerständigkeit, wenn sie aus der Diaspora heraus stattfindet? In räumlicher Distanz und zugleich in unmittelbarer politischer und emotionaler Nähe?
Im Gespräch mit Havîn Al-Sîndy und Simin Jawabreh geht es um Formen von Widerständigkeit zwischen Kunst, Aktivismus und politischer Organisierung. Wir fragen danach, was es bedeutet, Kämpfe aus der Diaspora heraus weiterzuführen, sichtbar zu machen und mitzugestalten. Welche Formen kann Widerstand annehmen, wenn unmittelbare Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind? Wo liegen seine Grenzen? Welche Richtungen können eingeschlagen werden, wenn die eigene politische Praxis immer auch mit der Frage verbunden ist, was an einem anderen Ort geschieht? Und was bedeutet es, trotz der Erfahrung von Ohnmacht handlungsfähig zu bleiben?
16:00 Pause
16:15 Dialog (de)
Raisan Hameed & Raneem Matouk: This is not an Artist Talk
Zwei Perspektiven.
Bilder, Fragen und etwas, das sich nicht so leicht erklären lässt.
Ein performativer Dialog über das, was zwischen Sehen, Denken und Antworten entsteht.
Was genau passiert?
Do. 22.10.2026 Finissage
18:30 Begrüßung / Welcome
Kommission Akademie für transkulturellen Austausch
18:45 Dialog (de+en)
Isabella Friedrich & Natascha Frankenberg: Transkulturalität an der Kunsthochschule
Als die Akademie für transkulturellen Austausch ihren Namen bekommen hat, wurde der Institution das Konzept der Transkulturalität an die Seite gestellt. Welche Möglichkeiten eröffnet dieses Konzept für die Arbeit einer Kunsthochschule? Ausgehend von Wolfgang Welsch, Fernando Ortiz und Gloria Anzaldúa verstehen wir Transkulturalität nicht als Begegnung klar voneinander abgegrenzter Kulturen, sondern als einen Prozess, in dem sich kulturelle Bezüge, Identitäten und Wissensformen verändern. Die Kunsthochschule wird damit zu einem Ort, an dem solche Prozesse in künstlerischen Praktiken, Beziehungen, Formen der Wissensproduktion und institutionellen Strukturen sichtbar werden.
Gerade angesichts gegenwärtiger völkischer und xenophober Politiken stellt sich die Frage, welches Potenzial ein transkulturelles Denken für die Hochschule entfalten kann. Wo reproduziert sie selbst Vorstellungen von geschlossenen Einheiten, und wo entstehen Räume für das Unabgeschlossene, Widersprüchliche und Sich-Verändernde? Transkulturalität wäre dann nicht einfach eine Beschreibung von Vielfalt, sondern eine Perspektive auf die Frage, wie eine Kunsthochschule durch Begegnung selbst in Bewegung geraten kann.
>>> im Anschluss im excafé (HGB Leipzig)
Soliparty at Umerigu
Umerigu is a diasporic, queer, and neurodivergent community of artists living and working in a community-based artistic and cultural space in the west of Leipzig.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Verband binationale Familien und Partnerschaften, iaf e.V. statt, der durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert wird.
Die HGB Leipzig sowie die im Rahmen der Hochschultätigkeit umgesetzten Maßnahmen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
