Rückblick: Lauschzustand - Manifestationen und Beziehungsräume (06.09.2026)
Für das Demokratie-Wochenende im Gewandhaus zu Leipzig vom 04.-06.09.2026 haben Studierende der Klasse für performative Künste von Jule Flierl und Anna Zett zusammen mit dem Gewandhaus Chor unter der Leitung von Gregor Meyer das Projekt „Lauschzustand – Manifestationen und Beziehungsräume“ entwickelt. Am Sonntag der Wahl in Sachsen-Anhalt präsentierten die Studierenden performative Beiträge in einem Parcours begleitet durch den GewandhausChor. Der Parcours führte durch das Gewandhaus an Orte mit besonderer Aura und mündet in eine chorische Versammlung im Mendelssohn-Saal, die ein gemeinschaftliches musikalisches Beziehungserlebnis entstehen lässt.
Für das Projekt haben die Lehrenden und Studierenden künstlerisch zum Thema politische Mitbestimmung und öffentliche Präsenz gearbeitet. Ausgangspunkt waren Reflexionen zu Neutralität als Fiktion und Demokratie als einem offenen Gruppenprozess, der uns emotional herausfordert. Der „Score“, also eine Art Partitur oder Notation für Performances, öffnete hier einen Möglichkeitsraum für die Formulierung temporärer, eigener Regeln im Sinne von Spielanleitungen, die nicht nur musikalische Aufführungen, sondern auch soziale Begegnungen hervorbringen.
Im Zentrum des Semesterprojekts, das sowohl zu Solo- als auch zu Gruppenarbeiten führte, steht der Chor als lebendiger Beziehungsraum: ein vielstimmiges Gefüge, das teilweise eine kollektive Stimme behauptet, teilweise zur Kommunikation einlädt. Auf verschiedene experimentelle und konzeptuelle Art bespielen die beteiligten Künstlerinnen die Stimme als Vermittlerin zwischen Innen und Außen, Körper und Sprache, Individuum und Gesellschaft. Demokratie erscheint dabei als offene Gruppenerfahrung – getragen von Zuhören, Verletzlichkeit und der Schwierigkeit, gemeinsam präsent zu sein.
Programm:
Augustusplatz
- „Teestunde", Dialog-Performance, Soschka
- „Prolog Standardgewehr (G95A1, MG4, G28, G22 bis G25, MG50-1, MZF1, GLM, AG36, MG6, MP7A1, MP5K, Mauser Modell 98 u.v.m.)" Performance, Rahel Scharabi
- „es kippt es", Performance Max Grund mit dem Gewandhauschor
- „SCHREI (chor)", Chorkomposition, Robin Becker mit dem Gewandhauschor
Großer Saal
- „Stabil", 3 Kompositionen für Solostimmen, Chor und Orgel, Véra Marie Deubner, mit dem Gewandhauschor
- „I am the see", Singing performance, Ossama Shalgheen (Aseem)
- „Organum2026", Komposition für Chor und Orgel, Luca Diebold mit dem Gewandhauschor
Mendelssohn-Saal
- „Dämmerungen", eine partizipative Komposition für Solo, Duo und Chor, Lotta Beckers, To Fabek und Johanna
Gruber mit dem Gewandhauschor
Das Demokratie-Wochenende im Gewandhaus fand dieses Jahr zum fünften Mal und unter dem Motto „Vorzeichen lesen“ statt. Es stand für Diskurs und gesellschaftliche Reflexion, um das Publikum einzuladen, aktuelle Entwicklungen gemeinsam zu befragen, einzuordnen und weiterzudenken. Es wird realisiert in Kooperation mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und wird gefördert von der Commerzbank-Stiftung, der Krupp Stiftung, der Stiftung Zukunft Gewandhaus zu Leipzig, der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS sowie von der Initiative »Zukunftswege Ost«.
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