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„Kino in Bewegung“ wandert mit Litfaßsäule

Nächste Stationen: 06.09 Bautzen, 08.09. Zittau, 12.10. Olbernhau

Kommende Veranstaltungen:
6. September: Bautzen
8. September: Zittau
12. Oktober: Olbernhau

Nach Bad Lausick und Regis-Breitingen machte „Kino in Bewegung“ (KIB) bereits Station in:

2.8. Chemnitz
3.8. Ostritz
4.8. Glauchau

„Kino in Bewegung“ wendet sich direkt an das regionale Umfeld Leipzigs in Sachsen, um Austausch und Kultur durch Filmvorführungen und Diskussionen zu fördern. Die Initiative von Studierenden und Lehrenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst / Academy of Fine Arts Leipzig (HGB) wurde von Carsten Möller, künstlerischer Mitarbeiter für Videokunst, und Prof. Clemens von Wedemeyer, Leiter der Klasse expanded cinema, gegründet.

Fast zwei Drittel der Einwohner*innen Sachsens leben in Kleinstädten und ländlichen Gebieten. Die Entwicklungen hier und in den urbanen Ballungszentren driften zunehmend auseinander. Dies betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch und gerade die soziale und kulturelle Sphäre. In den vergangenen zehn Jahren verlor Sachsen 19 Prozent seiner Kinos - ausnahmslos alle an Standorten unter 50.000 Einwohnern. Mit den Spielstätten stirbt nicht nur eine Kulturform, sondern auch eine wichtige Möglichkeit gesellschaftlicher Begegnung und Teilhabe. „Kino in Bewegung“ macht sich auf und zeigt in Dörfern und Kleinstädten Filme, die einen Bezug zu den jeweiligen Orten haben. Anschließend diskutieren die Initiator*innen mit Gästen und Besucher*innen über Haltungen, Bedürfnisse und Werte. „Kino in Bewegung“ zielt so auf wechselseitige Entwicklungs- und Veränderungsprozesse ab und agiert aus der Überzeugung, dass dies nur auf Grundlage unmittelbarer Begegnungen gelingen kann.

Als Mittel zum Dialog dient eine Litfaßsäule. Am 27. Oktober 1989 stellte das Gewandhaus Leipzig  eine mit „Dialoge auf dem Karl-Marx-Platz“ (heute Augustusplatz) überschriebene Säule vor dem Gebäude auf. Am Morgen des 01.11. sollte ein Kran die Säule im staatlichen Auftrag abbauen, doch das verhinderten die Bürger vor Ort. Diese Litfaßsäule entwickelte sich zu einem kontrollfreien Forum der Meinungsäußerung. Hier musste nicht mehr zwischen den Zeilen gelesen werden, hier stand Klartext: Gründungsaufrufe, individuelle Berichte, politische Manifeste. Die Litfaßsäule war die Kommunikation des Moments, das Medium des Übergangs.

Heute steht sie im Museum und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Kommunikation sind ausdifferenziert. In Zeiten von Social Media und Gruppenchats bedarf es nichts weniger als einer Litfaßsäule. Deshalb haben die Initiator*innen von „Kino in Bewegung“ eine gebaut. Diese scheint massiv, doch sie ist portabel. Diese Litfaßsäule geht auf Wanderschaft. Sie begleitet das Projekt und wird bei allen Stationen in Sachsen als rundes Fragezeichen im Raum stehen. Nach jeder Station werden Kommentare, Veränderungen und Tags dokumentiert und dann die Säule wieder frisch überklebt: die Partizipation bleibt präsent, doch dem augenblicklichen Zugriff unzugänglich. Erst am Ende des Projektes steht eine Präsentation der dokumentierten Schichten. Hier geht es zur Website von "Kino in Bewegung".