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<P ALIGN=Ein Gespräch zwischen Michael Scheibel und Hans Dieter Huber am 20.2.1995 in Mannheim

(bisher unveröffentlicht)

Du hast Malerei und Graphik an der Kunstakademie München studiert. Soviel ich weiß, entstanden Deine ersten Filme und Projektionen aber unabhängig von diesem Studium. Wie kamst Du dazu, dich mit diesen neueren Medien künstlerisch auseinanderzusetzen?

Die ersten Arbeiten waren Super-8-Filme, die ich noch in meinem Elternhaus gemacht habe, im Alter von 16 bis 18. Mein Vater war begeisterter Schmalfilmer. Er ist viel gereist, er war in Moskau und New York und brachte immer Filme mit und schnitt sie ziemlich bieder zusammen. Ich war damals in einer sehr rebellischen Phase und habe mich gegen die Gesellschaft, gegen die Familie und gegen das Establishment aufgelehnt und habe dann aus einer Antihaltung heraus das Filmmaterial meines Vaters zerschnitten und neu zusammengesetzt. Ich habe sozusagen gesellschaftskritische Cut-Ups entwickelt. Das war der Einstieg in meine künstlerische Arbeit, den ich dann wieder vergessen habe. Als ich dann an die Kunstakademie kam, waren dort traditionelle Medien gefragt. Ich ließ mich in Zeichnen, Malerei und Graphik ausbilden und habe darüber völlig vergessen, daß ich vorher schon ein ganz interessantes Oeuvre an Experimentalfilmen gemacht hatte. Das habe ich erst nach der Akademiezeit wiederentdeckt.

In letzter Zeit haben Film- und Diaprojektionen in Deinem Kunstschaffen weniger Bedeutung. Du setzt dich vermehrt mit Farbpigmenten auseinander. Auch in der neuesten Arbeit 'The Box' im Landesmuseum in Mannheim hast Du zwar einen Diaprojektor benutzt, das Wesentliche an der Arbeit aber war das phosphoreszierende Farbpigment. Wieso dieser Rückzug vom Zelloluid und damit von der Projektion?

Ich habe um 1988 mit Super-8 aufgehört, einfach weil ich die Nase voll hatte. Es ist ja einfach ein scheiß Medium. Dauernd geht irgend etwas kaputt und funktioniert nicht. Die Projektoren sind lichtschwach, man kann kaum Wechseloptiken bekommen und ähnliche Sachen. Ich hatte zu der Zeit vieles ausprobiert, was man mit diesem Medium ausprobieren konnte, und hatte dann einfach keine Lust mehr weiter zu arbeiten, weil ich das Gefühl hatte, da gibt es nichts mehr, was ich für mich jetzt Neues noch entdecken könnte. Ich habe dann in einer Gegenbewegung dazu wieder mehr nach den materiellen Fundamenten dieser Arbeit gesucht. Die ganzen Projektionen sind ja so immateriell, sie bestehen nur aus Licht, also eigentlich aus Nichts. Und mich interessierte doch die Physikalität, die materiellen Träger des Lichts. Über diese Überlegung bin ich zu den Farbpigmenten gekommen, die ja Licht sehr intensiv reflektieren und von daher die äusserste Materialität alles Sehens sind. Das hat sich in der Arbeit 'The Box' mit dem anderen Pol, dem Immateriellen, der Lichtprojektion verbunden.

Was waren für Dich damals die Gründe, daß Du mit neueren Medien gearbeitet hast?

Zunächst kam dies aus einem Gefühl der Unzufriedenheit gegenüber den traditionellen Bildmedien wie Malerei und Zeichnung. Es ging mir bei dem Einsatz von Fotografie, Film und Ton um die Steigerung der Geschwindigkeit in künstlerischen Arbeiten. Also der Geschwindigkeit zwischen Aufnahme und Wiedergabe. Dann ging es um Komplexität und um Zeit, um die Zeit, die man braucht, um etwas zu machen und die Zeit, die man braucht, um etwas zu sehen oder zu hören.

Wie bewertest Du die Auseinandersetzung mit neuen Medien -Film und Fotografie zählen wir einmal zu den neuen Medien, obwohl sie über 100 Jahre alt sind - bei Deinen Künstlerkolleginnen und -kollegen? Oder anders gefragt: Welche Bedeutung haben diese Medien mittlerweile in der bildenden Kunst?

Es ist typisch für das Kunstsystem, daß es ein sehr traditionelles System ist, in dem immer wieder gemalt, gezeichnet und geknetet wird. Wenn man aus diesen traditionellen Medien hinausgeht, dann kommt man sofort aus dem Kunstsystem heraus. Man gerät in eine Form von Subkultur und in einen Underground hinein, der wesentlich interessanter ist, als diese langweilige Hochkultur. Das ist ein wesentlicher Beweggrund für mich gewesen, Anfang der 80er in diesen Bereich hineinzugehen. Ich habe da auch sehr viel mit Underground-Musikern und Dichtern zusammengearbeitet. Das waren für mich tolle Erfahrungen im Gegensatz zu den schlechten Erfahrungen mit traditionellen Künstlern.
Ich würde sagen, der Stellenwert der neuen Medien heute ist immer noch sehr marginal. Es gibt kaum Museen, die solche Arbeiten ankaufen. Es ist nach wie vor so, daß jemand, der mit solchen Medien arbeitet, sich immer noch am Rande der Subkultur befindet. Das einzige Medium, das es wirklich geschafft hat, sich zentral zu etablieren, ist die Videoinstallation. Aber nur als Installation, nicht als Videoband.



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