Was Du wissen solltest (Die Zukunft)
Von Jan Caspers, Anne König, Vera Tollmann, Jan Wenzel

«Was Du wissen solltest (Die Zukunft)» entstand als künstlerische Dokumentation des Workshops
«Diskursdorf- Die Zukunft», den das Hallenser Thalia-Theater im April 2008 in Kursdorf,
einem halbverwaisen Ort direkt am Flughafen Leipzig/ Halle veranstalteten. Die Realisation
des Wandbildes und die Verteilung der Zeitung im Rahmen des Theaterprojektes
«AusFlugHafenSicht» auf dem Flughafen Leipzig/ Halle wurden von Seiten des Flughafens verboten. 

Kontakt: jan_wenzel@spectormag.net
Telefon: 0179/1397282
Editorial Interview mit Eric Malitzke (Geschäftsführer Flughafen Leipzig/Halle GmbH) Interview mit Thomas Pohl (IG Nachtflugverbot) Interview mit Lutz Metzger (AG Flughafen Nato-Frei) Was Du wissen solltest.pdf (3,7MB) Pressebild Ausschnitt Wandbild: Tiff | PDF
 
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                                      ____ ___  ____ _  _ ___>spector cut+paste< wurde im Herbst 2000 in Leipzig von Markus Dreßen, Anne König, Tilo Schulz und Jan Wenzel gegründet.   .->  d dem Film wird deutlich wie verschieden die Auseinandersetzung mit bestimmten Themen und Arbeits   .->  erischen Produktion auseinandersetzt, übernimmt selbst Aussagefunktionen. Der Gestalter ist in diesem   .-> ->spector cut+paste< ist im Bahnhofsbuchhandel, in Kunstbuchhandlungen und Kunstinstitutionen erhältli   .-> -m Bereich des Films - dem Remake. Das zweite Heft stellt künstlerische Ansätze vor, bei denen Technik   |
                                      |__| |__] |  | |  |  |                     Die Zeitschrift bildet den Schnittpunkt eines künstlerisch-publizistischen Netzwerkes und ermöglicht   |    weisen in den unterschiedlichen Bereichen gegenwärtiger Kultur und Kunst geführt wird.              |    Prozess weder unsichtbarer Diener noch Autor im emphatischen Sinne, eher ein >Collaborator<, der mit    |    ch. Die spanische Firma ACTAR vertreibt die Zeitschrift in Europa und Japan, außerdem ist >spector cu   |    en der Dokumentation und der Fiktionalisierung ineinander greifen.
                                      |  | |__] |__| |__|  |                     Dialoge und Kooperationen zwischen KünstlerInnen, AutorInnen und TheoretikerInnen. Durch das Nebenei   |    >spector cut+paste< entwickelt Print-Formate, die verwandte Fragestellungen produktiv zusammenfüh   |    spezifischen Fähigkeiten einen Arbeitsprozess fortführt. Für die Zeitschrift, die in deutscher und en   |    t+paste< auch in verschiedenen Buchläden in New York erhältlich. Bisher sind zwei Ausgaben von >spect   |    
                                      LIFE×MONEY×FUTURE                          nander von Bild- und Textbeiträgen aus der Literatur, der bildenden Kunst, dem Theater, der Musik un >-’    ren. Das Grafik-Design der Zeitschrift >spector cut+paste<, das sich mit der gegenwärtigen künstl >-’    glischer Sprache erscheint, wurde in Deutschland ein eigener Vertrieb aufgebaut.                      >-’    or cut+paste< erschienen: Der Schwerpunkt des ersten Heftes liegt auf einem Produktionsprinzip aus de >-’    
                                                             >Missing pieces TV< oder kurz >mptv< ist ein fiktiver Fernsehtalk, bei dem reale Gesprächspartner und erfun
                                                                                dene Charaktere zusammentreffen. >mptv< speist sich aus wirklich geführten Interviews so    FOLGE1: Ein Gespräch zwischen Slavoj Žižek, Philosoph; Ljubljana, Ursula Teschel, Taxifahrerin, Magdeburg; Florian Melzig, Biologielehrer, Münster und Renata Szynkowski, Autorin, Chicago, USA. Veröffentlicht in: spector cut+paste Heft 2.
                                                                                wie aus gefundenem und erfundenem Material. \ GoTo MPTV  ++++++                             FOLGE2: BÜNDNISSE. Veröffentlicht in: Here we come!!!! Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus. Bonn 2003 website
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      ASCII characters are not always used in the same way on some machines.
      ASCII was designed for use with teletypes and so the descriptions are
      somewhat obscure and their use is frequently not as intended. Vuk Cosic







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State of the Nation*, G.W.Bush, 2002
<!--words out of the speech* taken to rebuild camouflage-->
 
Biografien
 
 B 
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 -  Thorsten Birne lebt in Dresden, Kunsthistoriker und Architekturkritiker
 C  
 - \  
 -  Jan Caspers *1970, lebt in Derry, Nordirland, arbeitet an Übersetzungen und Schattenfilmen
 D  
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 -  Axel Doßmann *1968, lebt in Hamburg, Historiker und Journalist  
 -  Markus Dreßen *1971, lebt in Leipzig, Grafik-Designer
 F  
 - \  
 -  Hubert Fichte *1936, †1986, Autor und Ethnologe
 -  Thomas Fichtner *1977, lebt in Leipzig, Autor und Fotograf
 G  
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 -  Michael Grzesiak *1971, lebt in Leipzig, Architekt 
 H 
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 -  Falk Haberkorn *1974, lebt in Berlin und Leipzig, Fotograf und Autor 
 -  Helgard Haug *1969, lebt in Berlin, freischaffende Künstlerin, Performerin und Regisseurin
 -  Eva Hertzsch *1965, lebt in Dresden, Künstlerin
 I  
 - \  
 -  Thomas Irmer *1962, lebt in Berlin, Autor und Übersetzer, Redakteur von Theater der Zeit 
 J  
 - \  
 -  Christian Janecke *1964, lebt in Dresden, z.Z. Habilitand der Martin-Luther-Universität Halle
 K  
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 -  Stefan Kaegi *1972, studierte Theaterwissenschaften in Gießen, heute zahlreiche Theaterarbeiten
 -  Mario Z. Keipert *1978, lebt in Leipzig, Student der Theater- und Kulturwissenschaften und Germanistik
 -  Anne König *1971, lebt in Leipzig, Hörfunkautorin und Audiografin
 -  Oliver Kossack *1967, lebt in Leipzig, Künstler und Übersetzer 
 -  Thorsten Krämer *1971, lebt in Köln, Autor
 L  
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 -  Arne Linde *1974, lebt in Leipzig, Journalistin
 -  Dirk Lorenz *1972, lebt in Leipzig, Autor 
 -  Tobias Luther *1972, lebt in Leipzig, Bibliothekar 
 -  Sebastian Lütgert *1972, lebt in Berlin, Web-Designer
 M  
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 -  Michael Moser *1973, lebt in Leipzig, Fotograf
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 -  Olaf Nicolai *1962, lebt in Berlin, Künstler und Autor
 R  
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 -  Kathrin Röggla *1971, lebt in Berlin, Autorin
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 -  Adam Page *1966, lebt in Dresden, Künstler
 S  
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 -  Andrea Scrima *1960, lebt in Berlin, Künstlerin, Autorin und Übersetzerin 
 -  Andreas Schlaegel *1966, lebt in Berlin, Künstler und Kurator
 -  Anke Stelling *1971, lebt in Leipzig, Autorin
 -  Tilo Schulz *1972, lebt in Leipzig, Künstler und Kunstvermittler 
 T  
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 -  Ute Tischler lebt in Berlin, Kuratorin
 -  Christian Tschirner *1969, lebt in Leipzig, Schauspieler, Regisseur und Autor 
 V  
 - \  
 -  Soeren Voima, Arbeitsname, der für unterschiedliche Arbeitskonstellationen steht.
 W  
 - \  
 -  Clemens von Wedemeyer *1974, lebt in Leipzig, Künstler und Filmemacher
 -  Daniel Wetzel *1969, lebt in Berlin, Regisseur, Performer und DJ
 -  Valentin Wetzel *1971, lebt in Göppingen, Autor
 -  Jan Wenzel *1972, lebt in Leipzig, Autor und Fotograf
 Z  
 - \  
 -  Slavoj Zizek *1949, lebt u.a. in Ljubljana, Philosoph, Psychoanalytiker und Begründer der slowenischen Lacan-Gesellschaft
  
 

                           >REMAKE< $SPECTOR CUT+PASTE #1
              128 Seiten, 4,60 Euro |
                                    +--EDITORIAL.inc
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                                    +--DAS KONTINGENT
                                    |  Soeren Voima
                                    +--SUBJEKT/ PRODUKT
                                    |  Gespräch mit Olaf Nicolai:
DAS BILD IST SCHNELLER ALS DER TON--+  Über Zitiertechniken in der Kunst
                        Anne König  |
                                    +--backend.c
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                                    +--MANET AUF HÖLLER, KOPFBALL, TOR
                                    |  Tilo Schulz
                                    |
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            AFFIRMATION ALS ANFANG--+    +--CVS
                        Jan Wenzel  |    |  (internal CVS files)
   Das Ensemble am TAT Frankfurt/M  |    +--tc.1
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                                    +--KOPIERTES SCHICKSAL III
                                    |  Anke Stelling
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>MISTAKING AN IDEAL CONNECTION FOR A REAL ONE< $SPECTOR CUT+PASTE #2
            128 Seiten + Supplement, 7,00 Euro |
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                           Haug/ Kaegi/ Wetzel +--FICHTE TELEFONIERT NICHT.
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                                               |  Katrin Röggla
                                               |
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     ELVIS – EIN ZOMBIE GREIFT NACH DEM LEBEN--+--parser.c
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                     LERNEN VON >BIG BROTHER<--+
                            Christian Janecke--+--CVS
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       >STOP!...READING AT THIS POINT!< $SPECTOR CUT+PASTE #3
                 168 Seiten, 7,00 Euro  |
                                        |--+--QUEST OF THE STARSTONE/
                                        |  DIE SUCHE NACH DEM STERNENSTEIN
                                        |  REPRINT C.L. Moore und Henry Kuttner
                                        |  
                BUS STOPS AND PARTIES/--+--DO THE MATH / RECHNET NACH
            Bushaltestellen und Partys  |  ESSAY Mark Hamilton
               ADAPTION Gitte Villesen  |  
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                                        | 
 RESONABLE SPACE/ DER ANGEMESSENE RAUM--+--INTERVIEW WITH SADIE PLANT/
                  ESSAY Liza McConnell  |  INTERVIEW MIT SADIE PLANT
                                        |  REPRINT Nathalie Muller 
                                        |
                                        +--STOP! ...READING AT THIS POINT
                                        |  ESSAY Tilo Schulz   
MISSING PIECES TV MIT VLADIMIR SOROKIN--+  
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cut+paste #1________/Thomas Irmer//rich max reduce Theatre Forum. International Theatre Journal. # 18
[Winter Spring 2001]. Philippa Wehle. Rich Maxwell: Dramatizing the Mundane, pp. 74-79.

In unserer Zeitschriftenkultur ist das Genre der essayistischen Theaterkritik nahezu ausgestorben. Zu viel und zu schnell wird verarbeitet, zu wenig dem Eigentlichen nachgehangen und in sich nachgegangen. In den USA, wo es aufs ganze Land gesehen nicht das Theater gibt, das im täglichen, wöchentlichen Betrieb von einer Tageszeitung wie der FAZ oder einer monatlich erscheinenden Fachzeitschrift abgehandelt werden könnte, sieht das anders aus. Es gibt neben den auf den kommerziellen Betrieb ausgerichteten Branchenblättern Zeitschriften von erstaunlicher Vermittlungskraft, was die wirklich hochrangigen Produktionen des Theaters dort angeht. Unter ihnen nimmt die halbjährlich erscheinende Zeitschrift ›Theatre Forum‹, die bei der University of California at San Diego herauskommt, einen besonderen Platz ein. Betrachtungsweisen akademischer Akuratesse verschmelzen mit Darstellungstechniken der hierzulande bekannten Theaterkritik, ohne sich deren Wichtigtuerei oder Rauf-und-Runter-Zirkus-Nummern zu bedienen.
Am anschaulichsten kann man diese Qualität in der neuesten Ausgabe von ›Theatre Forum‹ erleben, mit einem längeren ›review essay‹, der den 32-jährigen Regisseur und Autor Richard Maxwell vorstellt. Zwar war Maxwell mit seinen beiden Stücken ›House‹ [1999] und ›Showy Lady Slippers‹ [2000] schon zweimal im deutschsprachigen Raum zu Gast, in Wien und Berlin, und man weiß auch, dass er von der hier wohl bekannten amerikanischen Theaterlegende Richard Foreman gefördert wurde, aber was es mit ihm auf sich hat, konnten die schnell nach dem Label eines ›schrägen Minimalismus‹ greifenden Kritiker nicht klären, sondern sogar noch vor dem Erlebnis verkleistern. In seinen Aufführungen passiere fast nichts, aber das sei gut, so ungefähr die Ankündigung.
Maxwell ist ein durch und durch amerikanischer Autor und Theatermacher, der die Konstellationen des modernen amerikanischen Familiendramas ebenso benutzt, wie er diese Konventionen in einen Raum der Theaterverweigerung hinein bewegt, der sich dennoch effektiver theatraler Mittel bedient. Ein Stück, von ihm sorgfältig für diesen Zweck geschrieben, mit Laien und nicht fertig ausgebildeten Schauspielern aufgeführt, kann die Kraft haben, eine inzwischen geschwächte Tradition zu überprüfen. Und das, so zeigt Philippa Wehle, erweist sich darin, dass der Schauspieler in der Erstarrung dieser Stücke ›nackt‹ werde. Das Gesicht ist wieder da, nicht das gespielte Gesicht; der Körper muss sich verhalten, nicht der für eine Situation ›hergestellte‹ Körper. Im Grunde bricht Maxwell in seinem Theater die Theatralität, die schon überall im Alltag Verhaltensnorm geworden ist, hin zu einem hilflosen Über-Leben. Philippa Wehle bezeichnet das im Kontext des Theaters noch als ›anti-style‹. Nur einen Schritt weiter, und das suggeriert dieser insgesamt so sachliche Artikel, ist das Theater im Leben, das vom Leben im Theater zeugt, eigentlich gesteigertes Leben durch reduziertes Theater - und genau das meint ›rich max reduce‹, fast ein richtiger Name für Richard Maxwells Reduktionismus.
 
cut+paste #2________/Anne König//Pa und Pá Lettre international. Europas Kulturzeitung. Heft 50. [Herbst 2000]. Antonio Tabucchi. Ein Universum in nur einer Silbe, S. 94-99.

Von Antonio Tabucchi erschien 1994 der Text ›Lissabonner Requiem‹. Dem Buch war ein Traum vorangegangen, den er in seinem Essay ›Ein Universum in nur einer Silbe‹ zu enträtseln versucht. Im Schlaf war er seinem Vater begegnet, der mit ihm nicht italienisch, sondern portugiesisch sprach. Der Vater, der einige Jahre zuvor an Kehlkopfkrebs gestorben war, erschien ihm viel jünger als er selbst. Er hätte sein Sohn sein können. Der junge Mann wirkte fröhlich, doch seine Stimme trug bereits das Zeichen der tödlichen Krankheit. Er besaß keinen Kehlkopf mehr, trotzdem konnte er durch ein kleines Loch im Hals sprechen. Die Stimme löste großes Unbehagen in Tabucchi aus. Denn er glaubte, sie schon längst vergessen zu haben, weil der Vater sie bereits vor seinem Tod nicht mehr besaß. Schon kurz nachdem er gestorben war, vergaß Tabucchi sein Gesicht, die Erinnerungen verblassten. Aus den letzten Lebensjahren gab es vom Vater keine Fotos mehr. Tabucchi mußte nicht die Augen schließen, um sich sein Gesicht in Erinnerung zu rufen, sondern er spitzte die Ohren, um seine Stimme mit dem unverwechselbaren Timbre zu hören. Sie war ihm viel intensiver im Gedächtnis geblieben, obwohl er kein Tonband besaß, auf dem sie aufgezeichnet war.
Hatte er die Stimme seines Vaters nicht vergessen, gerade weil sie nirgendwo festgehalten war? In seinem Essay sucht Tabucchi darauf keine Antwort, sein Augenmerk liegt auf einem anderen Phänomen: der ›Alloglossie‹ in der Literatur, also wenn ein Autor nicht in seiner Muttersprache schreibt, was bei ihm vorkam, als er seinen Traum notierte. Er hielt die Sequenz mit seinem Vater nicht in Italienisch fest, sondern in Portugiesisch, obwohl er nicht bilingual aufgewachsen ist. Zudem sprach der Vater außer einer Silbe kein einziges Wort Portugiesisch, was den Autor, der Professor für portugiesische Sprache und Literatur ist, verwunderte.
Um dem Rätsel auf die Schliche zu kommen, streift er in seinem Essay die Traumdeutung Freuds, die griechische Mythologie und die Psycholinguistik. Dort stößt er auf einen tschechischen Phonologen, der in den 30er Jahren das Steigen und Fallen der Tonkurve in einem Satz mit dem Lebenszyklus verglich. Der Linguist behauptete, dass man ungefähr zwanzig Mal in der Minute stirbt, um wiedergeboren zu werden. Aufgrund des Tonfalls entspricht der Satz dem Modell des Lebens. Dieser Gedanke hat mit dem Traum von Tabucchi etwas gemeinsam, denn dort sind Leben und Tod in der Gestalt des Vaters vereint, der zu ihm spricht, obwohl er keinen Kehlkopf mehr besitzt. Man könnte sagen, dass der Vater beim Sprechen in doppelter Hinsicht stirbt: durch den sinkenden Tonfall an jedem Satzende und durch seine Stimme, deren sichtbares Zeichen verschwunden ist und die durch ihren immateriellen Charakter den Tod symbolisiert. Aber zu dieser Interpretation lässt sich Tabucchi nicht hinreißen. Seine meist zaghaften Deutungen haben nur eine Vehikelfunktion, um dem Traum auf der Verstandesebene näherzukommen. Aber er versucht nicht, ihn ganz zu verstehen. Auch das Problem der ›Alloglossie‹ bleibt ungeklärt.
Darin liegt die Stärke des Essays. Der Autor nimmt Gedanken aus anderen Gebieten auf. Dieses Abschweifen bereichert den Text, der zwischen persönlicher Geschichte und wissenschaftlicher Deutung rhythmisch wechselt.
Tabucchi beschließt den Essay mit einer Episode aus seinem Leben: Er erzählt, dass er mit seinem Vater ein geheimes Wortspiel praktiziert hatte. Beide sprachen sich mit der Silbe pa an, was im Italienischen die Abkürzung für padre ist und im Portugiesischen für die Anrede eines Jungen steht. Pá war das einzige portugiesische Wort, was der Vater kannte. Mit pá redete er seinen Sohn an, der es ihm beigebracht hatte. Pa und pá klang für die nicht Eingeweihten gleich, trotzdem gab es einen entscheidenden Bedeutungsunterschied, den nur Vater und Sohn kannten. Spitzbübisch benutzten sie die Silbe, in der vielleicht ihr gemeinsames Universum liegt.
 
cut+paste #3________/Axel Dossmann//vom tod kein aufheben machen Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie. Heft 78. Jg. 20 [2000]. Detlef Hoffmann. Der Tod des Todes. Zu Fotografien Heimrad Bäckers, S. 77-88 mit 12 Abbildungen.

Der scheinheilige Topos, nach dem der nationalsozialistische Massenmord jedes Vorstellungsvermögen übersteigt, lädt nicht dazu ein, sich den Genozid wenigstens dort vorzustellen, wo er durchaus fassbar ist: im Detail.
Kaum weniger problematisch ist die Behauptung seiner Nicht-Darstellbarkeit. Zwar mangelt es heute wahrlich nicht an [foto-]künstlerischen Versuchen der Darstellung des Holocaust, doch gibt es wenige Ansätze, die auch ihre historischen Voraussetzungen und medialen Kontexte intelligent reflektieren. Wie erhellend es sein kann, die Verschiebung der ästhetisch gesetzten Grenzen zur Beschreibung und Visualisierung des Holocaust im Kontext von Kunst und Medien zu untersuchen, zeigt der Kunsthistoriker Detlef Hoffmann.
Er diskutiert das künstlerische Konzept des Schriftstellers und Fotokünstlers Heimrad Bäcker [*1925], der in seinen Werken den Tod im bürokratisch organisierten Massenmord in Wort und Bild thematisiert.
Den Schriftsteller Heimrad Bäcker treiben jene Wörter, Chiffren und Zeichen um, mit denen im Nationalsozialismus die Verfolgung und Vernichtung von Menschen geplant, registriert, bilanziert wurden. Er unternimmt eine dichterische Anatomie der Praxis, Menschen zu verwalten. Sein Material sind Kursbücher, Transportlisten, Aktennotizen. Er stellt die Sprache der Täter buchstäblich aus. Auch diese Sprache spricht nicht für sich selbst. Erst Heimrad Bäckers Vereinzelung von Zahlenkolonnen, Sätzen und Halbsätzen lenken das Augenmerk auf das, was er "Zusammenfall von Dokument und Entsetzen, Statistik und Grauen" nennt.
In dem Band ›Epitaph‹ [1989], dem dritten Teil von ›Nachschrift‹ [Teil I und II: 1986 und 1997] stellt Bäcker seinen Texten auch seine fotografischen Arbeiten zur Seite. Als Fotograf geht Bäcker an die Orte der Verbrechen. Seine Fotos zeigen Details von Betonfundamenten, halb zerstörte Epitaphe, Spuren von verschwundenen Fotos und abgeschlagenen Schriftzeichen, aufgenommen zwischen 1968 und 1989 in ehemaligen Konzentrationslagern und Gefängnissen sowie auf Friedhöfen. Erst durch den Bildnachweis wird oft klar, um was es sich bei diesen grafischen Mustern und Kryptogrammen handelt. Die "Stiege" vom KZ Mauthausen zum Beispiel, das "Leitmotiv, der Brennpunkt aller Berichte über die Leiden im Steinbruch von Mauthausen", wird bei Bäcker "auf ein Muster in Schwarz-Weiß heruntertransformiert". In der Montage stilisiert er die Stiege zum Ornament, darin ähnlich manchen Fotoarbeiten von László Moholy-Nagy oder André Kertész. Bäckers Bilder verweigern sich damit den ikonografischen Traditionen zur Darstellung des Todes, seine Fotos lassen auch keine Ikonisierung zu. "Er will keine positiven Bedeutungen herstellen, keine Strategien zur Bearbeitung des Skandalons entwickeln. Heimrad Bäcker erzählt nicht, er wählt den Weg einer künstlerischen Setzung."
Heimrad Bäcker hat in seinen Werken wiederholt auf seine jugendliche Hitler-Faszination als HJ-Junge und als junger Journalist verwiesen. Detlef Hoffmann hegt sympathischen Groll gegen den "unproduktiven Tiefsinn" von Interpreten, die solche autobiografischen Bezüge als christlich-abendländisches Reuebekenntnis lesen. Statt dessen zeigt der Kunsthistoriker, daß sich die Arbeiten im dreifachen Sinn von ›Aufhebung‹ interpretieren lassen: Heimrad Bäckers Bildkunst bewahrt das Verschwinden der Spuren von Verbrechen und Tod, sie hebt die Zerstörung der Erinnerung hervor und verweigert zugleich die Ikonisierung des Abgebildeten. "Von dem Tod ›kein Aufheben machen‹ ist das Konzept."
 
cut+paste #4________/Dirk Lorenz//Wer schreibt denn da so? http://www.ampool.de

Das Internet-Projekt von Elke Naters und Sven Lager, bei dem seit fast zwei Jahren dutzende junger Autoren mitgewirkt haben, erfindet sich neu. Man könnte auch sagen, es geht in den Untergrund: Schrieben die Pool-Autoren sonst gewöhnlich unter ihrem Namen oder einem leicht entzifferbaren Kürzel, sind an ihre Stelle jetzt Nummern getreten.
In den ersten Tagen von Pool 2 regiert deshalb der Charme des Darkroom, die Freude am Verbotenen. Die Autoren mit der Maske rätseln über ihre eigene Verschleierung. Sex-Geständnisse, lebensphilosophische Maximen und Fragen aus dem Gender-Diskurs ["Sind wir jetzt eigentlich alle weiblich?"] machen die Runde. Willkommen bei den anonymen Autoren.
Die Leser klicken sich währenddessen lieber ins Archiv und lassen die alten Texte Revue passieren. Christian Krachts kryptische Namenslisten [mittlerweile ersetzt durch Zahlen-Listen], Andreas Neumeisters Deklinationen der Verbindung von Pop und Politik, Carmen Samsons zauberhafte Geschichten des Alltags, Kathrin Gloschs Berichte über die brutale Wirklichkeit in Halle. Doch nicht nur Texte, sondern auch Fotos und Grafiken von Mitgliedern und Gästen des Pools trugen dazu bei, eine Art literarische Familienstruktur im weltweiten Netz zu schaffen. Jeder hatte seinen Stil, etwas Unverwechselbares. Und so wie man bei Familientreffen den einen Gästen aus dem Weg geht und sich dann freut, die anderen wiederzusehen, so las man längst nicht alles, was im durchgehenden Netztext geschrieben stand. - Das machte Spaß, war aber offenbar gegen die Intention der Pool-Betreiber. Sie legten von Anfang an mehr Wert auf das Gespräch als auf den einzelnen Beitrag, wollten ein Forum des Austausches bieten sowie ›das Leben um die Kunst‹ dokumentieren. Irgendwie ist das aber anders gelaufen, und so ist der erste Pool Mitte Februar 2001 für beendet erklärt worden. Ein Buch zur Erinnerung wird es noch geben, und dann ist Schluss, bzw. geht es neu und anders von vorne los.
Mag sein, es ist noch zu früh, so kurz nach dem Start von Pool 2 schon endgültige Eindrücke zu benennen. Schon deshalb, weil die Veränderung permanent sein wird. Aber das, worauf es den Pool-Besitzern ankommt, "die Umgebung, die Begleitumstände und Einflüsse neben der Kunst", das Chaotische, genau das lässt die Befürchtung wachsen, dass Pool 2 ein Kind der Boulevardisierung der Medien zu werden droht. Als ob es nicht schon genug Homestories von Künstlern und Prominenten gäbe. Oder wird der Leser durch die Anonymität der Schreibenden einfach ausgeschlossen, quasi vor die Tür gesetzt, während drinnen die Party abgeht? Möglicherweise ist alles nur halb so wild: "Ich leg mich wieder hin", lautete am 22. Februar der Eintrag von Nummer 22.
 
cut+paste #5________/Tobias Luther//Das Ohr an der Erde http://www.triax.com/vlfradio/

Natural Radio: Welcome to the Realm of Natural ELF-VLF Radio - 10 kHz down to 300 Hz - The ›Music of Earth‹: Am Anfang wirkt es wie chaotisches Zirpen, Piepen und Klicken - erinnert an Frösche, Grillen, Seehunde oder Science-Fiction-Soundeffekte. Mit etwas Übung lassen sich die einzelnen Klänge deuten: Die Erde sendet Radiowellen aus, die sogannten ELF [Extremely Low Frequency] und VLF [Very Low Frequency] zwischen 0,2 und 11 kHz. Diese Frequenzen sind so niedrig, dass sie das Ohr normalerweise nicht hören kann. Aber mit dem VLF-Empfänger beginnt die Erde plötzlich zu klingen. Denn das Gerät wandelt die niedrigen Frequenzen in höhere um, so dass wir sie wahrnehmen können. Atmosphärische Phänomene wie elektrische Entladungen, das Magnetfeld der Erde - die Magnetosphäre -, Nordlichter und Südlichter erzeugen ebenfalls eine Vielzahl überraschen- der Klänge, die sich in sogenannte ›spherics‹, ›tweeks‹, ›whistlers‹ und ›choruses‹ kategorisieren und auf ihren Ursprung zurückführen lassen, wenn man sich eingehört hat.
Der dazu notwendige VLF-Empfänger ist technisch verblüffend einfach gebaut. Man kann ihn in den USA fertig montiert kaufen oder als Bausatz bestellen, um das Gerät dann selbst zusammenzubasteln. Sogar der Eigenbau soll nicht so schwierig sein.
Auf seiner Homepage stellt Stephen P.Mc Greevy viele Informationen zu diesem ungewöhnlichen Hobby zur Verfügung. Er erklärt, was VLF-Radio ist, wie es entsteht, erläutert die einzelnen Klangphänomene in Wort, Bild [Spektogramm] und Ton und erzählt, wie er zu VLF-Radio gekommen ist. Außerdem empfiehlt er Frequenzen, auf denen man guten Empfang hat, und stellt ein umfangreiches Handbuch zum Thema bereit.
Viele der zum Herunterladen angebotenen Klänge finden sich auch auf zwei selbstproduzierten CD's. Seine Seite wird durch Linklisten zu anderen VLF-Enthusiasten vervollständigt.
Einziger Minuspunkt dabei: Diese auf den ersten Blick kaum überschaubare Informationsflut wird durch das unübersichtliche ›Design‹ zusätzlich erschwert, aber zum OnlineLesen ist es ohnehin viel zu viel. Der Autor gibt selber den Tip: abspeichern, ausdrucken, bequem - also nicht am Bildschirm - durchlesen und sich infizieren lassen.
 
cut+paste #6________/Tobias Luther//Laute aus dem Tierreich Kaliforniens http://www.museumca.org/naturalsounds/
http://www.naturesounds.org

Wer die Site ›Listening to Nature: a sound walk across California‹ aufruft und das Programm flash 4 installiert hat, wird eine Überraschung erleben: Merkwürdige Klänge tönen aus dem Lautsprecher, die dem Ohr nicht vertraut sind. Es ist das Grunzen einer Elefantenrobbe, die zu einem Hörspaziergang durch die Landschaft Kaliforniens einlädt. Es ist das Konzept der Seite, die Aufmerksamkeit auf die Akustik zu lenken, die Bilder dienen nur zur Unterstützung und Orientierung. Die Seite ist schlicht, aber aufwendig gestaltet, um überhaupt etwas hören zu können, benötigt man deshalb das entsprechende Plug-in, was etwas Zeit zum Installieren kostet. Aber der Aufwand lohnt sich.
Die Website - sie ist die Online-Version einer Ausstellung im Oakland Museum of Califor-nia - navigiert sicher durch die Landschaft Kaliforniens. Anhand einer geographischen Karte kann man verschiedene Regionen z.B. Küste, Gebirge oder Wüste, anklicken, die anschließend auf einer neuen Seite vorgestellt werden.
Alle Seiten sind nach einem ähnlichen Prinzip gestaltet, so dass man sich leicht zurechtfindet. Zunächst erhält man eine kurze Einführung in die Besonderheiten der ausgewählten Region, anschließend werden einige repräsentative Tierarten vorgestellt. Aber wie schon auf der Eingangsseite spielen dabei weniger die Lebensgewohnheiten der Tiere eine Rolle, vielmehr ihre Lautäußerungen. Unterhalb jeder Abbildung befindet sich ein Lautsprecher, über den per Mausklick ein kurzer Loop der Tierstimme gestartet werden kann. Die Aufnahmen sind sehr sauber und plastisch, ›Fremdgeräusche‹, seien es andere Tiere oder störende Umgebungsgeräusche, sind nahezu unhörbar. Die Navigation der Seite ist sehr simpel und intuitiv, auch die Ladezeiten sind in der Regel erstaunlich gering.
Die akustischen Aufnahmen stammen aus der Bibliothek ›California Library of Natural Sounds‹ [CLNS], die zum Oakland Museum of California gehört. Sie ist eine umfangreiche Sammlung von Naturklängen mit Sammelschwerpunkt Kalifornien. Sie umfaßt Insek- ten, Amphibien, Reptilien, Vögel, Säugetiere, Umweltklänge und natürliche ›Klanglandschaften‹. Die CLNS ist gleichzeitig Sitz der ›Nature Sounds Society‹, einer Organisation, die weltweit und nichtkommerziell arbeitet und sich dem Aufzeichnen, Sammeln und Dokumentieren von Naturklängen widmet.
Ihre Homepage ist zum jetzigen Zeitpunkt zwar nicht sehr umfangreich, reißt aber einige interessante Themengebiete an. So findet man Texte mit den Titeln ›Quietude, Wilderness and Conservation‹, ›Quiet Places and Quietude‹, ›Effects of Noises on Wildlife‹. Außerdem werden praktische Hinweise zum Aufnehmen von Umweltklängen und Geräuschen gegeben. Die CLNS fordert weltweit Künstler auf, ihre Aufnahmen einzuschicken, damit sie archiviert und in einer Radiosendung vorgestellt werden können.
 
cut+paste #7________/Ute Tischler//Alle warten auf dich in der Arena! Original Message ---
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To: spector <mailto:spector8spectormag.net>
Sent: Monday, August 06, 2001 9:56 AM
Subject: cut+paste

Alle warten auf dich in der Arena!

H.C. Dany: Auf dem Weg zu einem Umweg. Kšln 2001
Stefan Banz: Hell. Mord und andere Werke von Erich Hell. Kšln 2001
ÈEs wŸrde mich nicht wundern, wenn Sie sich langweilen.Ç Eins hatte sich neben Hanna gestellt und war leicht in die Knie gegangen, um besser mit ihr reden zu kšnnen.ÈIn unserem Gewerbe wird weniger danach geurteilt, was man sieht, sondern was man hšrt. Meine Arbeit besteht darin, Namen in Umlauf zu bringen. Manchmal schreibe ich sie nur auf einen Zettel und drŸcke sie jemandem in die Hand. Meist bringe ich GerŸchte und Geschichten in Umlauf, von denen man nichts anderes als den Namen des KŸnstlers, von dem sie handeln, zu erinnern braucht. Deshalb wird meist auf die Pointe verzichtet. Wir brauchen diese Spannung nicht, der Suspense kommt aus der Angst, keinen Namen zu haben, von niemanden gesehen zu werden und nichts zu bedeuten.Ç [1]
Was der Londoner Galerist Eins der Kriminalkommissarin der Geschichte, Hanna Foerster, als vertrauliche Mitteilung zuflŸstert, klingt absurd, weil eine sichtbare, irgendwie nachvollziehbare, ÝbestŠndigeÜ QualitŠt ausgegrenzt wird. Und nicht nur, dass die Kunst einfach abwesend ist, auch ihr Autor ist es. Indem dessen Leben auf Showformat zugeschnitten wird, um fŸr GesprŠchsstoff in Kunstkreisen zu sorgen, verschwindet immer mehr reale Substanz hinter einer fiktionalen Bedeutungskonstruktion. Die Kunst selbst ist nicht mehr wichtig, das Gerede darum [ihr Mythos] ist es. Davon hŠngt alles ab. Einschlie§lich die KŸnstlichkeit auf Eršffnungen, Vorstellungs- und VerkaufsgesprŠchen. Der Stage-Charakter der Kommunikation bestimmt nicht nur die herausgehobene, besondere Situation der Begegnung im Kunstfeld, sondern auch Rollen- und Spielanleitungen sowie die Angst dabei zu versagen. ÈManchmal langweilt mich dieses Spiel zu Tode. Sie vermuten, meine Bankberaterin wŸrde mich dann Ÿberzeugen, weiterhin solche Partys zu geben, aber das ist es nicht. Nicht wirklich. Ich studiere meine GŠste, es sind ja nicht nur Kunden. Es sind Versuchsanordnungen, die ich installiere. Vielleicht gehen wir beide sogar einer sehr Šhnlichen TŠtigkeit nach, nur werden Sie mit einer Situation konfrontiert, wŠhrend ich sie inszenieren kann.Ç [2]
Ich wŸrde das Wort kann, mit dem der Galerist seine Mšglichkeitsform beschreibt, ehrlicherweise durch muss ersetzen. Auch Eins hat keine Wahl. Seine Funktion ist es, Aufmerksamkeit fŸr etwas zu erzeugen, das, konkret besehen, in gesellschaftlichen Marginalien liegt. Denn wie man hšrt, soll es der Kunst schlecht gehen. Jedoch - rein numerisch betrachtet - prosperiert sie wie nie zuvor. Das Problem scheint mir also nicht aus dem Mangel, sondern aus der Menge zu entstehen. VerkŸrzt gesagt, Angebot und Nachfrage befinden sich in einem MissverhŠltnis, das in der Kunstrezeption mit Desinteresse und Orientierungslosigkeit quittiert wird. Die Verschiebung der Wertschšpfung aus der Produktion in die Distribution und Vermittlung gegenŸber einer wŠhlerisch gewordenen oder nachlassenden Nachfrage, erfordert geschickte Management- und PromotionqualitŠten. ÈUm Kunden Ÿberhaupt noch ansprechen zu kšnnen, wird man lernen mŸssen, ihre kommunikative Lust anzustacheln. Kunden mŸssen in einen permanenten Austauschprozess verwickelt werden, der auf lustvolle Art den Spieltrieb weckt.Ç- debattiert Philipp Calm, KunsthŠndler aus dem Roman Hell von Stefan Banz. ÈKunden , die Ÿberhaupt noch zum Shoppen [in die Galerie] kommen, brauchen einen Anreiz und mŸssen zum Spielen animiert werden.Ç[3] Um den †berschuss zu regulieren, gibt es verschiedene sowohl regressive als auch aggressive Mechanismen, die den Kunstbetrieb funktionieren lassen. Was aber wŠre, wenn sich Kunst jenseits von Marktgesetzen und deren Spielregeln verhalten wŸrde? Als vergegenstŠndlichtes gesellschaftliches Bewusstsein [was sie selbst und auch im zynischsten Falle ist] wŸrde sie in den Regalen eines frei zugŠnglichen Supermarktes fŸr alternative WelterklŠrungsmodelle lagern und wahrscheinlich dort versauern. Was als Kunst tatsŠchlich sichtbar wird, hŠngt eben von Leuten wie den Kunstvermittlern Eins und Calm ab, die aus KŸnstler/innen Namen und aus Kunst Statussymbole machen.ÈMir geht es aber um die, die sich aus der Wertschšpfung erst einmal hinaus beamen, um dort etwas anderes zu tun.Ç[4] Aber was hei§t das Herr Dany? Am Kunstprozess weder pre- noch postproduktiv teilzunehmen wŸrde bedeuten, das Feld der Kunst zu verlassen. ÈIm Jargon der neuen Betriebsamkeit wird es wohl unprofessionell genannt, was ich anstrebe. Ich ziehe es vor, von selbstbestimmter Arbeit am Rande eines Diktats der …konomie zu sprechen. Anders formuliert, lie§e sich auch sagen, ich versuche hobbyesk Kunstkritik, Kunstgeschichte, und Theorie zu schreiben, Kunst zu produzieren, zu kuratieren.Ç[5]
Die Vorteile dieser ÝEntprofessionalisierungÜ wie es H.C. Dany nennt, liegen auf der Hand. 1. Das Risiko als unbedeutender KŸnstler stigmatisiert zu werden, wird minimiert. 2. Weil keine lineare, Biografie vorliegt, verlŠngern sich die Erfolgchancen. SpŠtestens posthum kann doch noch eine Wertschšpfung eintreten. 3. Regeln kšnnen abgelehnt werden. 4. positives Gestimmtsein, weil man Dinge tun kann, die man tun will. 5. moralisch redlich sein, weil man sich ohne Gesichtsverlust fŸr Randfiguren und Loser einsetzen kann [Robin-Hood-Syndrom] 6. Man kann eigene Regeln entwerfen.7. moralisch unredlich sein , weil man jederzeit sein Urteil Šndern und aus der UnprofessionalitŠt heraustreten kann. Kurz und gut, die neue Bescheidenheit erweist sich als intelligente Anerkennungsstrategie. Es bedarf heute komplexerer Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Das Ývon sich RedenmachenÜ, beginnt weitaus vor dem oder sogar unabhŠngig von dem, dass Galeristen Namen in Umlauf bringen. Seit Jahren sind bei KŸnstler/innen SelbstprŠsentationen zu beobachten, die sie zu einer Art Superstar machen sollen. Dadurch, dass sich kŸnstlerische Werkkategorien verflŸchtigen und die †berakkumulation mit dem ÝAusverkauf der KunstÜ droht, verschiebt sich die Bedeutungsproduktion auf das KŸnstler/innensubjekt und deren Handlungsrahmen. Es entstehen - wie Dany es zu sagen vermeidet - ÝSuper-SubjekteÜ, die alles kšnnen. KŸnstler/innen, die schreiben, singen, kuratieren, fotografieren, filmen, Platten auflegen oder modeln etc. sind keine Ausnahmen mehr, sondern dienen notwendigerweise einer flexibilisierten Verwertung. Um sich in der Wertschšpfungskette [jedoch] zu verankern, mŸssen sich die Eigennamen aber als Label spezialisieren. Durch die Verengung der TŠtigkeit findet eine Profilierung statt. Die Arbeit der Gelabelten soll so fŸr die Nachfrage besser adressierbar werden - A ist buchbar, um aus allem Pop zu machen, B versteht sich auf net.art, C ist buchbar fŸr Spezialisierung Y. Die Eigendynamik der kŸnstlerischen oder kunstkritischen Arbeit wird der Logik ihrer Verwertbarkeit nachgeordnet; das Selbstmarketing formatiert die Arbeit.Ç [6] Innerhalb der von H.C. Dany skizzierten Aufmerksamkeitsškonomie verwandelt sich die eigene OberflŠche in eine verwertbare IdentitŠt, wodurch eine vorstellbare Vielfalt von Arbeit zunehmend ausgeblendet wird. Die Folge sind fragmentierte Sets, HŠppchen fŸr den labelbewussten KŠufer, bei dessen Ansprache auf umstŠndliche oder widersprŸchliche Inhalte verzichtet wird. Im Vordergrund steht ein klares Image, das, wenn es nicht klar genug ist, entsprechend poliert und manipuliert wird. Herauskommen sollte dabei eine medialisierbare IdentitŠt an die man glauben kann. Erich Hell, Protagonist einer Art Hintergrundskunst, enthŸllt nicht die Mechanismen in der ZŸricher Kunstszene, sondern liefert dazu auch den Plot in seinem Audioplay. ÈAuch die Kunstszene scheint heute einen kleinen weiblichen Medienstar nštig zu haben, der als PhŠnomen brilliert. Man kšnnte sagen, NaivitŠt als kŸnstlerische StŠrke hat auch in der bildenden Kunst Einzug gehalten, dank der ŸbermŠchtigen MedienprŠsenz der Film-, Rock, und Sportstars. Ohne ihren Einflu§ auf die Kunstszene und ohne das bewusste Abkupfern dieser Strategien wŠre die Kunst vielleicht heute endgŸltig an die Peripherie der Wahrnehmung verdrŠngt worden.Ç[7]
Die Inszenierung der eigenen Person zum medialen Ereignis wie sie in der Popmusik Ÿblich ist, wird ein sichtbares Erfolgsprinzip auch im schmal segmentierten Kunstbetrieb. Bei Bedarf geht man auch nicht nur im Ÿbertragenen Sinn Ÿber Leichen. In den Geschichten von Dany und Banz reicht die Inszenierung der Wertbildung soweit, dass am Ende ein realer Mord steht. ÈMord als Kunstwerk kšnnte [...] die Kunst als Instrument der Illusion sowohl endgŸltig entlarven als auch vollkommen neu einfŸhren, weil nŠmlich die Tštung des Menschen dann Wirklichkeit gewordene Illusion geworden ist.Ç[8]
Der Weg zum Erfolg verlŠuft direkt und ohne Umwege. ÈDas gro§e Spiel hat begonnen, Erich. Alle warten auf dich in der Arena! Auf den gro§en Newcomer, der in der Lage ist, Kunst zu machen, die das Leben verŠndert; mehr, die die Gesellschaft verŠndert, neue Wertma§stŠbe setzt. Willkommen im Kreis der Mega- Hips, Erich! Der weltweit grš§te Sammler hat angebissen und ÝMordÜ gekauft ! Du bist schon jetzt ein reicher Mann, Erich!... Ich habe Mord heute fŸr 450.000,00 Dollar verkauft!Ç[9]

ÈWenigstens einmal in der Karriere muss man einfach GlŸck haben, am besten gleich zu Anfang...Ç COM & COM, Johannes Hedinger und Marcus Gossolt: if we were kings, KMZA, Berlin

Anmerkungen:
1.H.C. Dany: Stirbt der Mensch als KŸnstler [mit Ariane MŸller] [Teil 2]. In: Auf dem Weg zu einem Umweg, Kšln 2001, S.126
2.ebd. S.127
3.Stefan Banz: Hell. Mord und andere Werke von Erich Hell, Kšln 2001, S. 36.
4. H.C. Dany: Frau kann es Luxus nennen. In: Auf dem Weg zu einem Umweg, Kšln 2001, S. 164.
5. ebd. S. 170
6. ebd. S. 165
7. Stefan Banz. Hell. Mord und andere Werke von Erich Hell, Kšln 2001, S. 66
8.ebd. S. 121
9.ebd. S. 160
 
cut+paste #8________/Arne Linde//sonnen-synapsen-cyberspaces --- Original Message --- From: Arne Linde <mailto:...>
To: spector <mailto:spector8spectormag.net>
Sent: Tuesday, August 28, 2001 5:07 PM
Subject: cut+paste

sonnen-synapsen-cyberspaces

FŸr viele Menschen ist die Erde immer noch eine Scheibe.
Zweidimensional, der eigene Gesichtskreis im Zentrum des Existenten. Nicht begreifbar, weil nicht plastisch. FŸr andere ist die Sonne der Mittelpunkt des Denkbaren: Angelpunkt des Sonnensystems, archimedischer Punkt der maximalen rŠumlichen Vorstellungswelt. Zentralistische und damit hierarchische Struktur. TatsŠchlich liegt ein anderes Prinzip dem All, Gehirn und Internet zugrunde. Ein Prinzip, welches die Fixierung auf individuelle Wahrnehmung hinter sich lŠsst, indem der segmentŠren und dezentralen Beschaffenheit Rechnung getragen wird.All, Gehirn und Internet haben eine rhizomatische Struktur, deren Elemente, kleinste bedeutungstragende Einheiten, nicht hierarchisch miteinander verbunden sind, sondern netzwerkartig und durch die VerknŸpfung untereinander diese Struktur erst entstehen lassen. Sonnen, Synapsen, Cyberspaces - fŠllt ein einziges Element aus dem jeweiligen System, Šndert die Struktur ihre Funktionsweise. Sonnen und Synapsen werden erforscht und vermessen, BauplŠne und Geschichten lagern in den Archiven der Wissenschaft. Das Internet kartografiert sich selbst. www.cybergeography.org ist der Versuch, wirtschaftstheoretisch, kommunikationswissenschaftlich, philosophisch, kŸnstlerisch, eine schier unbegreiflich ausgedehnte virtuelle RŠumlichkeit in den bescheidenen Mšglichkeiten der ZweidimensionalitŠt darzustellen. Karten, Bilder und Filme, die nicht nur sachlich, sondern auch Šsthetisch betrachtet werden kšnnen. Initiator des Projektes ist Martin Dodge, Mitarbeiter im Centre for Advanced Spatial Analysis [CASA]/ London und Herausgeber einiger Publikationen zum Thema Cyberspace, Raum und VirtualitŠt. Im CASA hat man sich, jenseits aller wissenschaftlichen Verankerung in herkšmmlichen Arbeitsbereichen von etwa Geografie, Medien- oder Wirtschaftswissenschaften, der Aufgabe angenommen, eine der unŸberschaubarsten Landschaften, die je ein Mensch gesehen oder erschaffen hat, in ihren rŠumlichen Ausdehnungen zu erforschen. Cybergeography.org sammelt und aktualisiert AnsŠtze, die im Londoner CASA, in angegliederten Instituten oder von freien Theoretikern, Wissenschaftlern und KŸnstlern entwickelt werden. Jeden Monat wird die Map of the Month erlŠutert und detailliert vorgestellt. Ein Atlas aus vielen Perspektiven, der sich stŠndig selbst Ÿberholt und widerlegt, ergŠnzt, vervollstŠndigt. Und dabei ist er ebenso informativ wie spannend. Jede einzelne Darstellung bleibt ungenŸgend, wird dem Dargestellten nicht gerecht. Deshalb mŸssen es so viele Karten sein: In sich nicht hierarchisch miteinander verbunden, sondern synoptisch. Jedes einzelne Element bleibt eine zweidimensionale, platte Welt. Eine Scheibe, von der man runterfallen kann und dann im Fegefeuer landet. So ist das im Okzident. Aber es wird sich Šndern. Danke Cybergeography, danke Internet!
 
cut+paste #9________/Clemens von Wedemeyer//verschiebungen zwischen filmen --- Original Message ---
From: Clemens von Wedemeyer <mailto:...>
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Sent: Wednesday, May 15, 2002 5:37 PM
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verschiebungen zwischen filmen.
oberhausener kurzfilmtage 2002.

1. die stadt und der film. oberhausen ist eine stadt, die sich exemplarisch verschoben hat. die noch existierende innenstadt hei§t ALTE MITTE, wohingegen ein einkaufszentrum mit angeschlossenem rummelplatz im gewerbegebiet seit 1996 NEUE MITTE genannt wird. diese NEUE MITTE zieht touristen aus holland an und veršdet die innenstadt. nun entsteht in dem dichten geflecht des ruhrgebietes das, was man eine neue lŸcke, einen neue leere nennen kann - die bewegungen und architekturen, schlie§lich die erfahrungen der gesamten region verŠndern sich.ÈgŠbe es ein filmfestival im nirgendwo, wŸrde es ÝvergessenheitÜ hei§en.Ç [robert smithson] wie reagiert das kurzfilmfestival auf die neuen bedingungen? schon 1999 gab es ein spezialprogramm ÝstŠdte, territorienÜ, das sich mit diesen fragen beschŠftigte. die kurzfilmtage besetzen die mittlerweile fast leere innenstadt oberhausens und ihr kino - und fŸllen es mit bildern. aus der seltsamen stadt fŸhren sie den betrachter in den kinosaal und in landschaften aus kurzfilmen. diese getrennten geschichten eines landes, die biografien und probleme einiger personen fŠchert das auge des betrachters wie ein kristall, der nach tagen grš§er wird. durch die kurze prŠsenz auf der leinwand wird jede erscheinung zur fiktion und fŸhrt uns etwas vor: eine warnung, eine einsamkeit, eine trennung - in jedem film eine kleine katastrophe. zurŸck in die stadt, die man im kino aus den augen verliert: man hat das gefŸhl, dass man in dieser šden stadt eigentlich nichts zu suchen hat und eben deswegen zurŸck ins kino flŸchtet - eine stŠndige an- und abstossung zweier extreme: die weite der geschichten oder ideen in unterschiedlichen filmen und die šdnis der stadt au§erhalb des kinos. diese differenz entsteht bei jedem kinobesuch, auch im imax-kino in der neuen mitte: nur hier wird das bewusstsein irgendwann explodieren, denn auf beiden seiten der leinwand bietet sich nur oberflŠchiges Ÿberangebot.viele filme zeigen einen wunsch nach der katastrophe - auf dass die welt au§erhalb des kinos endlich zusammenfiele und der betrachter in das bild gezogen wŸrde.mike hoolboom trifft in seinem film Ýimitations of lifeÜ [canada 2000], bei dem er den gesamten ornamentalen abfall der hollywoodschen oberflŠchen vorfŸhrt, im offtext den ausdruck dieser bilder: Èour movies mark the passage of time, they are time machines, machines built for mourning, and in some moments they are much of what stands between us and our need to obliterate everything, our need to begin again, to wipe the slate clean. there are two kinds of terror here, the terror of annihilation and the terror of remembering. which will we find more painful? or more seductive?Ç

2. katastrophe. das in oberhausen gezeigte spezialprogramm mit namen ÝkatastropheÜ wurde von florian wŸst kuratiert und macht das filmfestival zu einem schatzkŠstchen, das die Ýlangsamen katastrophenÜ dieser welt und damit die angst vor der zukunft weiter thematisiert. wir springen zwischen menschlichen katastrophen, die sich Ÿber diese welt verteilen: von der verlassenen liebe zum 11. september. damit ist man immer dem fragment, das von verschiedenen seiten ein ÝthemaÜ beschreibt, nŠher als der welt, in der man sich physisch bewegt. fragmente in kurzfilmen lšsen die langsamen denkmuster auf. erst nach tagen setzt sich das vom kurator intendierte muster einer filmreihe aus eben diesen fragmenten zusammen oder schichtet sich zu persšnlichen wiederauferstehungen. lieven de cauter schreibt im festivalkatalog: Èwas wir nicht brauchen, sind neue utopien, denn utopien schaffen die welt ab. wir mŸssen aufwachen aus allen cargokults, eschatologien, messianismen, totalitŠren egalitarismen und technopien. das ist die einzig Ýschwache messianische KraftÜ, die uns noch retten kann. widerstand ohne utopie, das kšnnte die formel sein fŸr einen ÝpostkritizismusÜ, einen kritischen pessimismus, eine aktivistische einstellung gegenŸber dem untergang der utopie als moderne konfiguration... anders gesagt, mit einem alten wahlspruch als beigefŸgte these: Èman kann die welt nicht verbessern, ohne sie abzuschaffen - die welt zu verbessern hei§t, ihrer abschaffung einhalt zu gebieten.Çich fahre in das einkaufszentrum, gro§ wie ein flughafenterminal und so uninteressant. die NEUE MITTE. im imax-kino nebenan wŸtet wŠhrenddessen die fortschrittliche welt des spektakels als goliath durch die multiplexe und schafft die welt au§erhalb des kinos ab. shoppen und blicken: kšrper und blick sind nach au§en gerichtet und verzehren bilder und waren, ohne etwas zurŸckzugeben. die frage ist, wer mit wem ins kino geht und ob davor oder danach. ist das die welt um mich herum oder in mir drin? - die besucherzahlen im deutschen kino steigen.Èvielleicht ist fortschritt die einzige mšglichkeit, unsere umwelt wahrzunehmen und mit ihr in verbindung zu tretenÇ, schreiben die amerikanischen kŸnstlerinnen ¾lab im festivalkatalog.

3. film gegen den film. entgegen der utopie, dass festival sei ein Ýanarchistischer raumÜ gegen den white cube des kunstgeschŠftes, setzen auch die oberhausener kurzfilmtage auf wachstum. neben dem Ýhollywood-filmÜ und dem alten film als gegner hat sich das festival gegen die neuen richtungen des kunstmarktes gestellt, filme in galerien zu zeigen. zumindest stellt es dies zur debatte. aber durch diese tendenzen ergibt sich plštzlich eine neue funktion der kurzfilmtage. wettbewerbe und programme werden sich vermutlich als informelle kunstfilmmesse etablieren, da galerien und museen sowie einige fernsehformate immer mehr bedarf an bewegten bildern anmelden.È3703 beitrŠge wurden zum internationalen wettbewerb der kurzfilmtage eingereicht. dies ist eine zunahme von rund 35% gegenŸber dem festival des vergangenen jahres. die einreichungen kommen aus 86 lŠndern. aus dieser vielzahl wurden 79 beitrŠge aus 43 lŠndern fŸr den internationalen wettbewerb ausgewŠhlt, darunter eine deutsche produktion.ÇfŸr den geŸbten betrachter findet sich in dieser auswahl und in den spezialprogrammen wahrlich eine fŸlle an guten filmen, hier und da die kritik im wettstreit mit der poetischen tradition des experimentalfilms. auf keinem anderen festival herrscht solch ein wunsch, sich als festivalmacher immer wieder avantgardistisch zu verhalten wie in oberhausen. dies funktioniert auch oft. es ist der wille zum unterschied, der aber in sich zusammenfallen kann. denn dieses festival ist 40 jahre nach dem oberhausener manifest wohl oder Ÿbel teil des establishments...ARTE zeigt auf seiner geburtstagsfeier im rahmen des festivals guy debords film von 1967: Èdie gesellschaft des spektakelsÇ, musikalisch unterlegt von dj spooky- eintritt 8 euro. das wirkt grotesk, lŠsst aber gleichzeitig hoffen. vielleicht ist ARTE plštzlich das flagschiff des experiments geworden? in guy debords film laufen die untertitel: Èwie die moderne gesellschaft ist das spektakel zugleich geeint und geteilt. wie sie baut es seine einheit auf die zerrissenheit auf. aber wenn der widerspruch im spektakel auftaucht, wird ihm seinerseits durch eine umkehrung seines sinnes widersprochen; so dass die aufgezeigte teilung einheitlich ist, wŠhrend die aufgezeigte einheit geteilt ist.Çder videodiscjockey hŠlt sich selbst den spiegel vor und springt in den tausendŠugigen kristall. trotz allem kann man froh sein, dass es oberhausen gibt [und zwar wegen der kurzfilmtage] und dass es ARTE gibt [weil sie ihren eigenen widerspruch leben]. auf den linien und grenzen zwischen all den trennungen, die sich hier etabliert haben, tauchen immer wieder grenzgŠnger auf.
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liebe festivalmacher! alle 5000 eingereichten filme sollten šffentlich und mšglichst gleichzeitig in der innenstadt oberhausens gezeigt werden. das festival wŸrde sich selbst durch Ÿberlagerungen von filmischen bildern und gesten in der stadt auflšsen.
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Èdieses infragestellen des einzelnen werks durch das andere - etwas, das man unmšglich mit dem langfilm machen kann, bestimmt die einzigartige qualitŠt unserer arbeit, diese lust an der versammlung der unterschiede, an dem moment, wo das programm selbst aufhšrt gedacht zu sein, da es die werke sind, die denken.Ç
lars henrik gass
schicht um schicht verarbeitet das gehirn bei einem festival die einzelnen filme und ihre denkmuster zu einem zerstreuenden eindruck. in der erinnerung an die einzelnen werke bestimmen oberfŠchliche faktoren ihre kategorien: dort haben schauspieler mitgespielt, dieser film war lang, jener war kurz, das war eher real als jenes usw. usf.. sinn machen diese kategorien allerdings wenig. im laufe der filmgeschichte hat sich aus diesen kategorien eine unterteilung in genres gebildet, die dazu dient, filme still werden zu lassen: wir unterhalten uns als zuschauer viel zu viel darŸber, einen film in ein bestimmtes genre einzuteilen als wirklich Ÿber ihn oder seine atmosphŠre zu sprechen. die filmemacher denken solche kategorien bei der produktion nicht. john smith in einem interview: Èfilm ist immer fiktion, weil er buchstŠblich ÝerdachtÜ wird - aus kontrollierten reprŠsentationen ausgewŠhlter phŠnomene, die selektiv angeordnet werden, um bedeutungen zu konstruieren. film ist immer fakt, weil er nicht nur physisch existiert, sondern auch ideen vorstellt, die aus erfahrungen geboren wurden - eine fiktive erzŠhlung kann manchmal mehr Ÿber die ÝrealeÜ welt sagen als ein dokumentarfilm.Ç man sollte, Šhnlich wie man es beim herumstreifen in stŠdten gewohnt ist, die filme wie bestimmte stadtviertel auffassen, die sich gegenseitig durchdringen, verŠndern, eine bestimmte atmosphŠre haben - lange spaziergŠnge und abstecher in den kinosaal sind auch im film mšglich. der film neigt als reinform des getrennten spektakels zu immer neuen unterteilungen und trennungen. fŸr jeden zuschauer im saal bildet sich anscheinend ein persšnliches genre, das sich durch vorlieben wie die fŸr ein bestimmtes essen oder eine lieblingsschuhmarke einlšst. chris burden: Èich esse alles, ich schaue mir alle filme an.Ç
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alle zitate aus dem festivalkatalog bzw aus www.kurzfilmmagazin.de
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der festivalkatalog 2002 mit allen filmen und textbeitrŠgen zum thema ÈkatastropheÇ unter anderem von florian wŸst, keith sanborn, matthias thiele, ursula biemann, lieven de cauter, mvrdv, ¾lab und anderen ist im karl maria laufen verlag, oberhausen erschienen.
 
cut+paste #10________/Christian Tschirner//Der gute Gott von Frankfurt --- Original Message ---
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Der gute Gott von Frankfurt

Adolf Dresen: Wer wei§, wo Gott wohnt? Bemerkungen zur Situation unseres Theaters. Theater der Zeit.
Heft 5/01, S. 8-13

In einem seiner letzten Essays konstatierte der im vergangenen Jahr verstorbene Regisseur und Autor Adolf Dresen eine Krise des Theaters: Ein Èuniversaler Provinzialismus, die eingeebnete UniversalitŠt des Ÿberall GleichenÇ habe auch dort seinen Siegeszug angetreten. Vor allem in der Wechselwirkung zwischen der Subvention des Produktes [Theatervorstellung] und dem Marktverhalten des Produzenten [Regisseur] sieht er den misslichen Mechanismus, der dazu fŸhrt, dass die Theater avantgardistische Revolutionen produzieren, Èmassenhaft und unabwendbarÇ, Èwie Gie§kannen auf dem Flie§bandÇ. Nach seiner sicherlich treffenden Analyse kommt er zu dem Schluss, die Hoffnung wohne, wie immer, unten: In einer RŸckkehr zu realistischen Traditionen, in einer RŸckkehr zur Schauspielkunst, in einer RŸckkehr zu lokal eingebundenen Theatern, die sich direkt auf die Lebenswelt ihres Publikums beziehen. Auf dem Weg zu Gott schickt uns Dresen also Ÿber Bitterfeld. Ob die deutschen Stadttheater diesem Weg folgen kšnnen, ist allerdings zweifelhaft. Denn so, dass sich Intendanten und Regisseure schlicht weigerten, auf die Lebenswelt ihres Publikums Bezug zu nehmen, ist es ja nicht.
Im Gegenteil: Mit leuchtenden Augen hšrt man sie von der ÝPolisÜ sprechen, von der gesellschaftlichen Bedeutung ihres Theaters schwŠrmen. Aber wie diesem Anspruch gerecht werden? Was kann dieses Ýlokal eingebundenÜ noch hei§en? Oder anders gefragt: Wie viele Menschen einer Stadt, eines Stadtteils, einer Stra§e sind noch unterwegs zu einem Gott? Dresen schildert, wie er als Frankfurter Schauspieldirektor Niebergalls ÝDadderichÜ auffŸhren wollte und scheiterte, weil keiner seiner Darsteller den dafŸr erforderlichen Frankfurt-DarmstŠdtischen Dialekt beherrschte. Soviel ich wei§, ist die Frankfurter Innenstadt heute zu 70% von AuslŠndern verschiedener NationalitŠten bewohnt, die dem Frankfurt-DarmstŠdtischen Dialekt wohl ebensoviel Interesse entgegen bringen, wie beispielsweise einem TheaterstŸck von Botho Strau§. Die deutschen Zuschauer hingegen kommen zum gro§en Teil aus den verschiedenen Frankfurter Vororten und sprechen doch nur zum kleinsten Teil den Frankfurt-DarmstŠdtischen Dialekt. Dresens Vorstellung vom ÝLokalenÜ wirkt hier also besonders antiquiert.
Bei genauerem Hinsehen aber unterscheidet sie sich nur unwesentlich von moderneren und politisch korrekteren AnsŠtzen in dieser Richtung: Aus den EinŸbungen in Szenesprache, in Metropolenslang, in Obdachlosen- und Fixerjargon spricht die gleiche Sehnsucht der Theatermacher nach gesellschaftlicher Bodenhaftung - und das gleiche Problem haftet ihr an: Das Stadttheater ist weder architektonisch noch organisatorisch dazu geschaffen, auf dem Humus sozialer Randgruppen [von frankfurt - darmstŠdtisch bis obdachlos] zu gedeihen. Sein Publikum bleibt - wenn es denn bleibt - das bodenloseste Ÿberhaupt: Ein Bildungs-BŸrgertum, dessen ReflexionsbedŸrfnis zeitlich und šrtlich Ÿber die eigene Lebenswelt hinausreicht. Vielleicht, weil es sich das leisten kann, vielleicht, weil es die so genannte eigene Lebenswelt wesentlich als eine geistige begreift. Von dieser langweiligen, inzwischen schwer lokalisierbaren und nach wie vor ungeliebten Spezie jedenfalls hŠngt der Fortbestand des Stadttheaters ab. Ein ÝKraft-aus-Boden-ProgrammÜ dagegen hie§e wohl konsequent nichts anderes, als die Theater den von Dresen als beispielhaft zitierten freien und Laien-Theatergruppen zur VerfŸgung zu stellen: Dem Obdachlosentheater, dem Arbeitslosentheater, dem Studententheater, dem tŸrkischen Theater etc. Wer das nicht will - und von den Theatermachern selbst sollte dieser Vorschlag wohl am wenigsten erwartet werden - muss akzeptieren, dass das Stadttheater im Bereich der freien Kunst angekommen ist und dort sozusagen auf bodenlosem Boden experimentiert. Dass diesen Experimenten ernsthafte Suche und ernsthafte Wagnis Voraussetzung sein sollte, bleibt unbenommen. Ihre Bedeutung aber lŠsst sich nicht unbedingt am direkten Bezug zu einer bestimmten Lebenswelt ermessen. Sie besteht in der Herstellung eines komplexen Diskurses verschiedener Welten.
 
cut+paste #11________/Thomas Irmer//Rechts raus! Oder nie wieder rein? --- Original Message ---
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Sent: Tuesday, March 19, 2002 4:45 PM
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Rechts raus! Oder nie wieder rein?

Es fehlt in Deutschland nicht an ernsthaften BemŸhungen, das Problem des Rechtsradikalismus mit politischen Mitteln anzugehen. Der folgenschwerste Schritt dŸrfte der Antrag auf Verbot der NPD sein. Damit geht eine Etappe zu Ende, in der diese und andere Parteien - wie in den achtziger Jahren die Republikaner - mehr oder weniger geduldet wurden als eine unschšne Begleiterscheinung des demokratischen Rechtsstaates und seiner politischen Kultur. Selbst wenn die BegrŸndung eines solchen Parteiverbots noch gelingen sollte und das AbdrŠngen solcher Parteien in die IllegalitŠt nur mЧig schlimme Folgen hŠtte, kommt doch alles viel zu spŠt. Zudem dreht sich der Streit um die V-Mann-Unterwanderung inzwischen darum, ob man bei ein und derselben Figur zwischen einem NPD-linientreuen Radikalisierer und behšrdlich genutzter Aufputscherei Ÿberhaupt noch unterscheiden kann. Seltsame Ambivalenzen.Die neunziger Jahre, das Jahrzehnt, das als schwierige Phase der Wiedervereinigung erinnert werden wird, haben das Aufleben einer modernen, subkulturell geprŠgten Rechtsradikalenszene ohne historische Vergleiche gesehen. Und wenn sich jetzt ein Teil der Justiz mit den juristischen Finten eines Parteiverbots herumschlŠgt, so ist doch nicht zu Ÿbersehen, dass das bedrohliche Anwachsen und dreiste Selbstbewusstsein der rechtsradikalen Szene durch eine sehr tolerante Justiz immer begŸnstigt, wenn nicht sogar gehŠtschelt wurde. Die Muster lassen sich an einem Beispiel schnell aufzeigen: In Leipzig gibt es das Všlkerschlachtdenkmal, das an eine der wichtigsten Schlachten gegen Napoleon, 1813 bei Leipzig, erinnert und 1913 als ein deutschnationales Monstermonument eingeweiht wurde. Die DDR lie§ es als ein Wahrzeichen der Stadt Leipzig stehen, ein relativ unpolitischer Aussichtsturm, dessen germanisches Fundament dem Pomp der Kaiserzeit zugerechnet und nicht weiter diskutiert wurde. Nach 1990 wurde der Platz vor dem Denkmal rasch zu einem beliebten Aufmarschort fŸr rechte Gruppierungen. Es war eindeutig zu erkennen, dass es hier nicht um das Andenken antinapoleonischer Schlachten ging, sondern der Platz mit seinem architektonischen Bombast samt historischer Konnotationen als ideale Kulisse fŸr die Selbstdarstellung rechter Gruppierungen genutzt wurde. Die Stadt Leipzig hat sich mit entsprechenden Demonstrationsverboten gegen diese Szene zu wehren versucht - vergeblich, denn Richter beim Oberverwaltungsgericht im 150 km entfernten Bautzen hoben diese Verbote mit schšner RegelmЧigkeit wieder auf. Meist am Freitagnachmittag, bevor diese Richter sich vielleicht in den Taunus oder in den Schwarzwald fŸr das Wochenende begaben und der Aufmarsch am Sonntag dann also nicht mehr zu verhindern war. †ber diese weit verbreitete Kultur der BegŸnstigung wird in Deutschland allerdings nicht gesprochen. Man hŠlt es da lieber mit dem Medienbild der sichtbaren TŠter - ostdeutsche Jugendliche, die in Bomberjacken durch triste Neubauviertel marodieren und die in solcher vielfachen, immer wieder wiederholten Darstellung suggerieren, sie wŠren schon das ganze PhŠnomen, hŸbsch eingegrenzt als letztes Ausschussprodukt der DDR, das in die perfekte Wiedervereinigung irgendwie nicht zu integrieren ist.Es fehlt in Deutschland auch nicht an ernsthaften BemŸhungen, das Theater wieder zu einem politischen Ort zu machen. Christoph Schlingensief ist allerdings der einzige, der gleichzeitig auch die Politik theatralisiert hat. 1998 grŸndete er eine Partei namens ÝChance 2000Ü, selbstverstŠndlich in einem Theater, dem Prater, einer NebenspielstŠtte der Berliner VolksbŸhne, zu der Schlingensief als Hausregisseur und Produzent anarchisch wŸster Politrevues damals zu zŠhlen war. Diese Partei sollte vornehmlich unpolitische Au§enseiter der Marktwirtschaft mobilisieren: Arbeitslose und anderweitig Herausgefallene sollten sich selbst wŠhlen und damit vor allem den kalten Professionalismus der etablierten Parteien, darunter auch die linke PDS, blo§stellen. Politischer Inhalt und theatrale Strategie waren praktisch nicht mehr voneinander zu trennen, und in dieser Ambivalenz zwischen Politik und Theater gelingen Schlingensief seither immer wieder Momente, in denen er die ganze Gesellschaft in ihrer Ratlosigkeit herausfordert und vorfŸhrt. Mit ÝChance 2000Ü hat er die Parteienlandschaft zwar nicht verŠndern kšnnen, aber fŸr einen Moment war er ein Stšrfaktor im politischen Getriebe, denn die ÝrichtigenÜ Parteien sahen sich zumindest gezwungen, dem Au§enseiter etwas entgegenzuhalten, wobei nicht klar war, ob er nicht doch nur Theater spielte und man am Ende nur hereingelegt worden war.Einen Punkt maximaler polit-theatraler Ambivalenz stellte vorletztes Jahr seine ÝAuslŠnder rausÜ-Aktion in Wien dar. In einem Container wie bei der TV-Show ÝBig BrotherÜ sa§en AuslŠnder, die von Passanten in der Wiener Innenstadt zur Abschiebung herausgewŠhlt werden konnten. Was offensichtlich als Simulationsspiel angelegt war, wurde eine eigene RealitŠt - der Container wurde von Demonstranten gestŸrmt und zerstšrt, jedoch von Demonstranten, die mit den polit-theatralen Strategien Schlingensiefs eher solidarisch waren und die Kritik an der Abschiebepraxis durchaus verstanden hatten. Es war aber keinem wirklich klar, inwieweit alles inszeniert war, so dass die Grenzen zwischen Šsthetischer Setzung [Spiel mit dem Container] und RealitŠt [der VerhŠltnisse au§erhalb] offenbar nur noch mit der Zerstšrung der ganzen Aktion erkundet werden konnten. Zu Schlingensiefs Strategie gehšrt eben auch, dass er hinterher alles gut dokumentiert [es gibt ein Buch zu der Wiener Aktion], aber nie im Sinne von Wirkungsabsichten erklŠrt. Was genau in Wien passiert ist und warum - das steht in dem Buch nicht. Dass sich Schlingensief dem virulenten Problem des Rechtsradikalismus ausgerechnet in dem Moment annehmen wŸrde, da die rot-grŸne Bundesregierung selbst einmal die Initiative in dieser Angelegenheit ergreifen will, Ÿberrascht den geschulten Beobachter seiner Arbeiten nicht. Denn wie schon angedeutet, Schlingensief inszeniert den Kontext seiner Ambivalenzen immer mit. Nur dadurch erreicht er dann auch den offenen Raum, in dem der Boden fŸr jede Argumentation zu schwinden scheint, ihre Berechtigung aber um so stŠrker hervortritt. Und meist passieren auch Sachen, die Schlingensief gar nicht beabsichtigt hat und die auf unkontrollierte Weise neue Ambivalenzen schaffen.Die ganze ZŸrcher ÝHamletÜ-Inszenierung war eigentlich nur ein Vorwand. Den Klassiker mit den guten, vor allem bei Christoph Marthaler glŠnzenden Schauspielern vom Schauspielhaus zu inszenieren, das hat Schlingensief nur als Sprungbrett interessiert. In einer verstaubt wirkenden historistischen Ausstattung mit Hakenkreuztapetenbahnen schleppte sich das StŸck eine Stunde lang als Karaoke-Nummer - einer AuffŸhrung von 1962 durch Gustaf GrŸndgens - bis zu der einzigen Szene, die Schlingensief wirklich brauchte: Die Schauspielertruppe, mit deren Spiel Hamlet seinen Onkel zu einem EingestŠndnis des Brudermords bringen will, bestand aus sechs Amateuren, die im richtigen Leben sich aus der Neonazi-Szene verabschiedet haben sollen und einem dafŸr eingerichteten Betreuungsprojekt beitraten. Hier war der ÝHamletÜ praktisch schon zu Ende, und folgerichtig stand Schlingensief als Fortinbras, in SS-Uniform, mit auf der BŸhne als Mischung zwischen Conferencier und Spielleiter, der das Zeichen fŸr eine martialische Rechtsrock-Hymne gab, die das Publikum fŸr eine offene Diskussion mit seinen Zšglingen schockduschte. Der interpretatorische Ansatz fŸr diesen ÝHamletÜ als politfunktionales Vorspiel ist einfach: Hamlet, von Sebastian Rudolph als expressionistischer Schšnling gespielt, ist schwach; die Mutter [Irm Hermann] und Claudius [Peter Kern] sind hedonistisch verkommen; dass sich die AuffŸhrung per Tonbandkonserve einer anderen, historischen AuffŸhrung aus vermeintlich konservativer Zeit bedient, zu der die Schauspieler nur die Lippen bewegen, unterstreicht die mechanistische Anlage, in die dann Fortinbras - der ja bekanntlich alles Ÿbernimmt und den Schlingensief schon mit der Uniform alles abkŸrzend als Protestgespenst mimt - und die Schauspieler aus dem wahren Leben einbrechen.An diesem Punkt drehte sich die Inszenierung aus der Theatersituation in eine reale Situation. Denn wie bei allen Schauspielern lautete nun die Frage: Glaube ich ihnen? Die sechs Aussteiger wirkten eher jugendlich und wie von einem Animateur trainiert, auf das Publikum zuzugehen mit ihrer Aussteigergeschichte. Ihr Auftritt in diesem Rahmen war ohnehin kalkuliert. Selbst wenn man ihnen glaubte, blieben eine Menge Fragen. Aber das verblŸffendste Angebot von einem Teil des Berliner Publikums war, dass man ihnen nicht glaubt, weil man sie nicht haben will. Und hier drang diese Inszenierung tatsŠchlich in einen Bereich der deutschen Gesellschaft vor, der Ÿberhaupt noch nicht diskutiert wurde. Will man diese Ex-Nazis wirklich zurŸck in die eigene Mitte? Und wird man nicht auch dabei ertappt, sie als Feindbild zu brauchen? Wer sich von irre geleiteten SchlŠgern distanziert, dem fŠllt es freilich leichter, sich auf den demokratischen Rechtsstaat zu berufen und sich vor dessen - siehe oben - eigenen WidersprŸchen zurŸckzuziehen. Aber genau das Gegenteil forderten dann diese sechs Schlingensief-Zšglinge als ihre Chance ein. Es ist letztlich die Frage einer ernstgemeinten und so auch begrŸndeten Reintegration - gegenŸber der Frage, ob das politische und moralische Kapital einer sich selbst erhšhenden Gegnerschaft nicht doch wertvoller ist. †ber die so genannten Aussteigerprojekte ist in Deutschland nicht allzu viel bekannt. Sie sind kompliziert, denn den Klienten muss ermšglicht werden, ein všllig neues Leben anzufangen. €hnlich wie bei den Terroristen der siebziger und achtziger Jahre kšnnen sie manchmal nur mit einer neuen IdentitŠt fernab ihrer bisherigen Lebensmilieus aussteigen, geschŸtzt vor Rache an ihrem Verrat. Sie sind daher auch kostspielig, und langfristige Erfolgserfahrungen gibt es keine. Unterm Strich sieht es so aus, dass das, was in den neunziger Jahren als Bewegung mit eigenen Milieus hingenommen wurde, nun in mŸhevoller Einzelarbeit an Einzelnen korrigiert werden soll. Das Aussteigerprojekt der Bundesregierung ÝEXITÜ, das von Bundesinnenminister Otto Schily - einst Verteidiger von RAF-Mandanten - initiiert wurde, stellt bis zu 150 000 DM fŸr einen aussteigewilligen Rechtsradikalen zur VerfŸgung. Die Regierung mit ihrer Bundeszentrale fŸr politische Bildung hatte nun auch dieses Berliner Gastspiel im Rahmen des Theatertreffens 2001 organisiert und finanziert. Schlingensiefs Aussteigerprojekt firmiert unter dem Namen ÝNaziLineÜ, und ob die Theatralisierung zu dessen Gelingen beitragen wird, ist noch všllig offen. Es gibt eine Figur unter den ÝHamletÜ-Amateuren, die dem ganzen Projekt erst den echten Schlingensief-Twist versetzt hat, ob kalkuliert oder aus dem Ruder gelaufen, das wei§ man nicht. Torsten Lemmer ist nicht mehr ganz so jung wie seine fŸnf GefŠhrten aus der Szene und hat auch eine etwas andere Geschichte. Als Musikproduzent ist er Mitinhaber einer der grš§ten Firmen fŸr rechtsradikale Rockmusik. Er ist der Artikulierteste in der Gruppe, mediengewandt, und vom Auftreten her kšnnte er auch ein Modedesigner aus DŸsseldorf sein, wo er gern BŸrgermeister werden mšchte. Beobachtern der Szene gilt Lemmer als Wolf im Schafspelz, als trojanisches Pferd in Schlingensiefs Theater. Als Produzent von Bands, die den rechten Untergrund mit Parolen der abscheulichsten Art versorgt haben, will er aufhšren, mit einer Offerte an Otto Schily: Die Regierung solle ihm seinen Anteil an dem Unternehmen fŸr zwei Millionen Mark abkaufen, von denen er eine fŸr seinen persšnlichen Neustart und die andere in das Aussteigerprojekt stecken wŸrde. Ein rechtes trojanisches Pferd, denn die Regierung, der die Stilllegung der Plattenfirma schon ein echtes Anliegen sein mŸsste, wŠre aber automatisch auch Rechteinhaber von Nazikrawallmusik und wŸrde an deren Tantiemen zwangslŠufig verdienen. Verglichen mit dem Geld, das man fŸr weitaus kleinere Lichter bereit hŠlt, sind die zwei Millionen nicht der Punkt. Aber dieses Angebot kann niemand akzeptieren, der nicht in den škonomischen Filz der rechten Subkultur geraten mšchte. Dennoch ist es ein Angebot, wie es nur dieser Torsten Lemmer mit allen Beschwšrungsformeln bŸrgerlicher Aufrichtigkeit machen kann. Die WidersprŸche um Lemmers Rolle in dem Projekt haben Schlingensief auch schwere VorwŸrfe eingebracht. Der Innenpolitische Sprecher der GrŸnen, Cem …zdemir, der als einer der erfolgreichsten deutschtŸrkischen Jungpolitiker gilt, warf in der ÝFrankfurter Allgemeinen ZeitungÜ Schlingensief vor, Èsich der Perspektive der TŠter anzunŠhernÇ, was dem Ansehen des Aussteiger-Programms nicht ÈzutrŠglichÇ sei. Schlingensief schien mit einem solchen Vorwurf schon gerechnet zu haben und antwortete in der gleichen Zeitung: ÈEines davon [gemeint sind die Symbole eines besseren Deutschland, Th. I.] steht seit Jahrzehnten bei jeder Diskussion wie eine Mauer im Raum: Einmal Opfer, immer Opfer, einmal TŠter, immer TŠter, hei§t dieses Symbol, mit dem nicht nur Sie und viele andere Parteien und Bevšlkerungsgruppen permanent Kapital machen wollen.Ç Schlingensief verweist also auf den Punkt, an dem sich alle eingerichtet haben: Die HŸter der Demokratie, die dieses HŸten zu einem angesehenen Beruf gemacht haben, auf der einen Seite, ihre ewigen Feinde auf der anderen Seite. Und …zdemir vergisst auch nicht, dass Lemmer bei seinem Angebot kein Wort des Bedauerns fŸr die Opfer rechtsradikaler SchlŠgereien geŠu§ert habe. Dass der politische und der theatrale Diskurs in diesem Fall unvereinbar sind, Schlingensief mit seinem ÝHamletÜ dennoch eine Verbindung erzwingt, liegt auf der Hand. Schwieriger noch ist die Frage, wie man mit Leuten wie Lemmer nun umgehen will, wenn man ihnen ein Umdenken auch škonomisch nicht gestattet. Schlingensief hat damit das Aussteiger-Projekt an die Grenze inszeniert, die es in der deutschen Gesellschaft real gibt. Das Presse-Echo in den deutschen Zeitungen fiel entsprechend aus, von der als Nebenschauplatz genutzten Schweiz, wo es gegen die rechtslastige SVP Christoph Blochers ging, ganz zu schweigen. Die UnzulŠnglichkeit der halben ÝHamletÜ-Inszenierung muss man nicht diskutieren, wenn man sie als Vorwand erkennt, was die meisten auch erkannt haben. Schwieriger ist da schon die Frage, wie man Aussteiger-Projekte behandelt, die mit solchen Ambivalenzen besetzt sind, wie Lemmer sie darstellt. Hier Ÿberwog die Ablehnung seiner Person, was allerdings die grundsŠtzlichen Fragen, die Schlingensief mit der zweifellos korrupten Reintegration dieser Figur diesmal stellte, von der Diskussion ausschloss. Eine geradezu skandalšse, aber gar nicht untypische Meinung Šu§erte Diedrich Diederichsen, Deutschlands profundester Rockkritiker und Poptheoretiker, in der Zeitschrift ÝTheater heuteÜ. Mit der leider weit verbreiteten Idee, das Problem des Rechtsradikalismus lie§e sich auf ein paar ostdeutsche Asoziale verengen, denen die Wiedervereinigung nicht passt, nimmt er das Klischee beim Wort und behandelt Schlingensiefs Aussteiger als Sonderlinge aus dem Westen: ÈNun sind auch die Ex-Nazis, die nun langsam die Pfauen-BŸhne [in ZŸrich] fŸr sich alleine haben, keine dumpfen, verstockten, ostdeutschen, von Ressentiment geleiteten TŠter, die in Gruppen zuschlagen, keine Vertreter des eigentlichen Problems, sondern durchgeknallte westliche Mediennazis - auch keine angenehme Spezies, aber ganz was anderes.Ç Man kšnnte fast denken, Schlingensiefs Aussteiger sind keine Aussteiger, weil sie ja gar keine Nazis gewesen sein kšnnen. Das Ýeigentliche ProblemÜ ist immer dort am besten aufgehoben, wo man selbst nicht ist - als ein GegenŸber weit weg, wo es dumpf, verstockt und ostdeutsch ist. Dass die Musik, die ein Torsten Lemmer produziert hat, jahrelang auf ZeltplŠtzen in Mecklenburg und Brandenburg in die kahlen Kšpfe dudelte, ist nicht von Belang? Dass ein einschlŠgig vorbestrafter Neonazi namens Roeder VortrŠge an der Akademie der Bundeswehr gehalten hat, macht nicht auch in Bautzen Schule? Die westdeutsche Linke hat nach 1990 mehr und mehr gestockt, Ÿber ihre eigenen Auseinandersetzungen mit Neofaschismus und Rechtsradikalismus zu diskutieren, und, seit sie an der Macht ist, mit dem Problem verfassungsgemЧ umzugehen. Die ostdeutsche Linke hat meistens hilflos versucht, den staatstragenden Antifaschismus der DDR bei aller Kritik als eine Art Restwert gegen die Angriffe auf eine in den Diskussionen so genannte ÈGrŸndungslegendeÇ zu verteidigen. Jetzt sind Aussteiger kurzzeitig ein Thema von Theaterdiskussionen gewesen - das PhŠnomen eines PhŠnomens, fŸr das Schlingensief wenigstens als Aufzeiger das ihm GemЧe geleistet hat. Als Schmuddelkind, das sich selbst auf die Traditionen von 1968 ff. beruft.In der Premiere seiner neuesten Aktion ÈQuiz 3000Ç, die das Format von GŸnter Jauchs Quizshow kopiert und dabei die angeblichen Wissensfragen vor allem auf absonderliche Fakten zu Nationalsozialismus und Terrorismus abstellt [KZs geografisch ordnen oder RAF-Opfer chronologisch], wollte Schlingensief gespielt kleinlaut den Eindruck vermitteln, von seinem Hamlet/Aussteiger-Projekt nicht mehr viel zu wissen. Dabei hatte der Showmaster mit den schwankenden Kontexten seines einstigen Projekts viel stŠrker die Wirklichkeit erreicht als jetzt mit dieser faden Quiz-Karaoke, fŸr die er lediglich ein paar andere Texte eingesetzt hat. Der Gegner ist ihm freilich geblieben, wie er wiederholt bekrŠftigte: Otto Schily, der mit fragwŸrdigen V-MŠnnern belastet sei, und mit unwahren Aussagen Ÿber seinen Wissensstand zu diesen. Da hŠlt Schlingensief, der mšglicherweise auch sein Projekt weiterhin deckt, am Thema fest: Ambivalenzen zwischen Politik und Theater.

soeben erschienen im Suhrkamp Verlag:
Thekla Heineke & Sandra Umathum [Hg.]: Christoph Schliengensiefs NAZIS REIN/ Thorsten Lemmer in NAZIS RAUS. Frankfurt/ Main 2002
 
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Sent: Thursday, August 23, 2001 5:51 PM
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Neuer Pragmatismus in der Architektur?

Michael Speaks: Geschichten von der Avantgarde: Der Impetus der New Economy. Arch+. Zeitschrift fŸr Architektur und StŠdtebau, Heft 156. Mai 2001, S. 48/49

Hoffentlich hat Michael Speaks nicht zuviel am Neuen Markt investiert. Kaum hatte der Leiter eines Forschungsprogramms am Southern California Institute of Architecture in Los Angeles den Architekten angeraten, sich dessen Vokabular [soft, flexibel, vernetzt, global etc.] anzueignen, die BŸrostruktur an Start-Up-Unternehmen auszurichten und die Architekturpraxis in ein Ýforschungsorientiertes BusinessÜ zu verwandeln, begannen die Kurse rapide zu fallen. Konventionelle Entwurfsmethoden und insbesondere deren Grundlegung durch ÝTheorieÜ kšnnten mit dem rasanten Wandel der offenen Systeme im E-Commerce nicht mehr mithalten, so hatte Speaks in einem Essay seine Forderung begrŸndet, und schneller als er es sich wohl trŠumen lie§, schlug der Markt auch auf seine †berlegungen zurŸck.Doch verlassen wir die Ebene der Polemik.
Die deutsche †bersetzung von Speaks' Artikel erschien in Arch+, der einzigen deutschsprachigen Fach-Zeitschrift, die sich kontinuierlich mit der Grundfrage auseinandersetzt: Wieviel Philosophie/ Theorie braucht die Architektur? Die Frage ist so alt wie Vitruv, wurde jedoch aus aktuellem Anlass aufgegriffen: zwei Tagungen am ÝMuseum of Modern ArtÜ und der ÝColumbia UniviersityÜ in New York, deren Tenor sich gegen das vermeintlich diskursbestimmende Paradigma der letzten Jahrzehnte richtete, der engen Verbandelung bestimmter Entwurfshaltungen mit philosophischen Theoremen insbesondere von Gilles Deleuze, Jacques Lacan und Jacques Derrida. Die Abkehr firmiert unter dem Label Neo-Pragmatismus und entsprechend wird dem alten Diskurs auch kein neuer entgegengesetzt, sondern der ÝDiskursÜ als solcher zugunsten der ÝPraxisÜ verabschiedet. Speaks, einst Mitarbeiter von Fredric Jameson und heute einer der WortfŸhrer der neuen Bewegung, nimmt Abschied auf allen wesentlichen Ebenen: Entwurf, …konomie, Politik.
Zusammengefasst werden dem theoretisch versierten, Neues ersinnenden und wenig profitorientierten und damit ÝlinkenÜ Architekten alter Schule gewinnorientierte Entwicklungsteams nach dem Vorbild von Unternehmensberatungen und Managerschulen entgegengesetzt, die einzig fŠhig sind, die Bauaufgaben der globalen Welt zu lšsen. Konkrete Aufgaben werden nicht genannt, eher geht es um ein Verfahren, dass Speaks Ýrapid prototypingÜ nennt und in Arbeiten einiger angesagter BŸros aus Rotterdam formuliert findet. Entscheidend sei dabei nicht mehr die FŠhigkeit, schnell einen spezifischen Entwurf anzufertigen, sondern Grundtypen zu entwickeln, die sich den Anforderungen der ÝMarktwirklichkeitÜ ohne Verzšgerung anschmiegen kšnnen. Gleichsam nebenbei wird so auch die Realisierung der Forderungen verachteter Theoretiker in die richtigen HŠnde gelegt: ÈDie fŸr Deleuze und alle anderen Theoretiker so wichtige Bewegungsfreiheit wird statt dessen von intellektuellen Unternehmern und Managern der VerŠnderung realisiert, die sich mit der in einem unerbittlichen Konkurrenzkampf befindlichen, von den KrŠften der Globalisierung heraufbeschworenen Welt, konfrontiert sehen.Ç
 
cut+paste #13________/Thomas Fichtner//Andy Warhol arbeitet hier nicht mehr --- Original Message ---
From: Thomas Fichtner <mailto:...>
To: spector <mailto:spector8spectormag.net>
Sent: Wednesday, June 05, 2002 5:20 PM
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Andy Warhol arbeitet hier nicht mehr

Arbeit ist so kostbar, dass sie in die Vitrine gehšrt. Ob sie auch als AusstellungsstŸck noch Mehrwert erzeugt, testet VW in seiner ÝGlŠserenen ManufakturÜ in Dresden. Dass Kunst noch in anderer Weise fŸr die gegenwŠrtige Diskussion des Arbeitsbegriffes nŸtzlich sein kann, zeigen seit einiger Zeit die Sozialwissenschaften. So sehen z.B. die Soziologen der Querschnittsgruppe ÝArbeit und …konomieÜ am Wissenschaftszentrum Berlin in den Arbeitsweisen von freischaffenden KŸnstlern und Publizisten eine Grundlage fŸr zukŸnftige Arbeitsmodelle. ÈDie Aufmerksamkeit ist auf ein BeschŠftigungssegment zu richten, das den bisher weitgehend enttŠuschten Hoffnungen eine weitere Perspektive anbieten kšnnte - auf den Arbeitsmarkt fŸr KŸnstler und Publizisten. [...] Hier scheint ein besonders gro§es Reservoir an neuen SelbststŠndigen, Arbeitskraftunternehmerinnen oder Ýfreien LanzentrŠgernÜ [free lancer] zu existieren, die mit den Technologien der Zukunft vertraut und bereit sind, unbekannte MŠrkte zu erobern und neue ArbeitsplŠtze zu schaffen; hier erscheint auch die Vision von der Ýselbstbestimmten EigenarbeitÜ, die sich auch bei Misserfolg auf MŠrkten nicht vom Ziel abbringen lŠsst und mit der traditionellen Erwerbsarbeit als ÝBrotarbeitÜ nur im Notfall Kompromisse schlie§t; und hier finden sich schlie§lich auch viele niedrig bezahlte Dienstleistungen, die ohne zusŠtzliche Transferleistungen oder andere Einkommensquellen nicht zu einem anstŠndigen Leben reichen. In dieser vernachlŠssigten Arena der politischen Debatte ist die Wahrscheinlichkeit hoch, nicht nur KŸnstler, sondern auch LebenskŸnstler zu entdecken, die Wege gefunden haben, wirtschaftliche oder soziale Risiken anders als in den fest gefŸgten Bahnen des traditionellen Wohlfahrtsstaates zu bewŠltigen.Ç [1]
HŠufig benutzte Schlagworte, die selbstŠndige kŸnstlerische Arbeit und deren Vorbildfunktion charakterisieren, sind Vernetzungskompetenz, KreativitŠt, FlexibilitŠt und MobilitŠt und - was nicht fehlen darf - Eigeninitiative und Selbstvermarktung. Doch die ÝAvantgarde der SelbstausbeutungÜ sehnt sich bereits jetzt in ArbeitsverhŠltnisse zurŸck, aus denen Andere erst in der Zukunft entlassen werden. Schon ein Prototyp des ÝKunstunternehmersÜ wie Andy Warhol trŠumte nicht von Eigenverantwortung, sondern von einem Boss oder wenigstens einer Maschine, die diese Instanz ersetzen konnte: ÈIch habe sehr gern gearbeitet, als ich Auftragsarbeiten erledigt habe und gesagt bekam, was ich und wie ich etwas machen sollte und ich lediglich zu sagen brauchte, ob das realisierbar sei oder nicht, und dann abwarten konnte, ob der Auftraggeber einverstanden war oder nicht. Ganz schšn schwer wird es, wenn du dir geschmacklose Sachen auch noch selber ausdenken musst. [...] Wenn du keinen Job hast, bei dem du von jemandem gesagt bekommst, was du machen sollst, dann kŠme als Boss fŸr dich als einzig qualifizierte ÝPersonÜ ein Computer in Frage, der genau fŸr deine Zwecke programmiert wŠre und immer gleich alles mit einrechnen wŸrde, deine sŠmtlichen Finanzen, deine Vorurteile, alle komischen Angewohnheiten, deine KreativitŠt, deine WutanfŠlle, dein Talent, Minderwertigkeitskomplexe, gewŸnschte Zuwachsraten, Wettbewerbssituation und schlie§lich auch, was du an den Tagen, an denen du VertrŠge unterzeichnest, zum FrŸhstŸck essen sollst, auf wen du eifersŸchtig bist und so weiter.Ç[2]
Als Ýqualifizierte PersonÜ fŸr Kreative kommt derzeit auch das Internetprojekt www.arbeit-ueber-arbeit.de in Frage - eine Plattform, die das Ziel hat, Arbeitsbedingungen, Formen der Selbstorganisation und personalisierte Arbeitsstrategien und Utopien zu analysieren. †ber GesprŠche, Aktionen und vor allem durch die Vernetzung verschiedener Partner wie KŸnstler, Medientheoretiker, Manager und Soziologen entstand ein Sammlung von BeitrŠgen, die sich kritisch mit der Arbeitswelt innerhalb des auseinandersetzt: <
Anmerkungen:
1 Carroll Haak/ GŸnther Schmid: ArbeitsmŠrkte fŸr KŸnstler und Publizisten-Modelle einer zukŸnftigen Arbeitswelt? Veršffentlichung der Querschnittsgruppe Arbeit und …kologie des Wissenschaftszentrum Berlin fŸr Sozialforschung, Berlin 1999, S. 2f.
2 Andy Warhol: Die Philosophie des Andy Warhol von A bis B und zurŸck. MŸnchen 1991, S.98f.
3 Stefan KrŸskemper: the matrix has you, www.arbeit-ueber-arbeit.de
 
cut+paste #14________/Mario Z. Keipert//Im Gestern schon Morgen. Geschichte wider die Selbstgewissheit. --- Original Message ---
From: Mario Z. Keipert <mailto:...>
To: spector <mailto:spector8spectormag.net>
Sent: Tuesday, August 14, 2001 10:48 AM
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Im Gestern schon Morgen. Geschichte wider die Selbstgewissheit.

David Bosworth: Der Fachidiot: Henry Ford als Prototyp des postmodernen Menschen. Sinn und Form.
BeitrŠge zur Literatur. Heft 3/2001 [Mai/Juni],S. 293-321

Man kšnnte fragen, inwieweit die Zeitschrift Sinn und Form mit der in neueren Ausgaben betriebenen Revision der sogenannten Postmoderne nicht geradezu im Trend der Zeit liegt. Mit Adam Zagajewskis ÝVerteidigung der LeidenschaftÜ gegenŸber postmoderner Ironie [5/2000], Eva Hoffmans Beschreibung der Ýneuen NomadenÜ in ihrer Entwurzelung [2/2001] und der intensiven BeschŠftigung mit vor allem osteuropŠischer und jŸdischer Geschichte wird eine solche Revision jedoch auf derart hohem Niveau betrieben, dass sich so Fundiertes wie Anregendes anderswo vergeblich suchen lŠsst.
So u.a. in einem Essay des amerikanischen Autors David Bosworth, in dem - wider einem Vergessen von Geschichte - ein Netz aus Parallelen und Verbindungen zwischen Heute, Gestern und Morgen aufgedeckt wird. Zentrum und, wenn man so will - in Erinnerung zu rufendes Beispiel ist ihm dabei der Automobilfabrikant Henry Ford, Pionier des Ýelektrischen ZeitaltersÜ, der Massenproduktion und eines allgemeinen materiellen Wohlstands. Bosworth deckt in seinem Essay verdrŠngte Seiten des populŠren Industriellen auf, die vor allem im Hinblick auf Parallelen in der gegenwŠrtigen Inszenierungsgesellschaft und auf den Machbarkeitswahn im Zeichen neuer Technologien [an der Stelle von als gescheitert erklŠrten geschichtlichen Utopien] bemerkenswert sind. Dabei erweist sich Fords Ausspruch, Geschichte sei Ýmehr oder weniger SchwindelÜ, als Beleg fŸr jenen Charakter des ÝsouverŠnen SelbstÜ, wie er auch, aber bei weitem nicht nur, in der Postmoderne propagiert wird. Fords souverŠnes Selbst, technisch versiert, aber rŸcksichtlos solipsistisch [d.h. die Welt besteht nur in seinen Vorstellungen], wie Bosworth schreibt, prŠgt seinen Charakter. Zeigt er sich zu Kriegszeiten als ignorant idealistischer Pazifist, der gerade aufgrund seiner Nichtachtung objektiver GeschichtsverlŠufe zum Scheitern verurteilt ist, vermag er sich dann, unter Zuhilfenahme der entstehenden Massenmedien, grenzenlos selbst zu mythologisieren. Ein fiktives Selbst wird geschaffen, ganz im Zeichen einer Moral, die sich so in den Dienst des Verkaufs stellt.
Diese Moral aber spricht sich eben gegen jene Erscheinungen aus, die Fords Wirken selbst hervorbringt: das moderne Amerika. Im Zeichen der Moral hetzt Ford in den frŸhen Zwanzigern in der eigenen Zeitung auch gegen einen SŸndenbock: den Juden und wird somit geradewegs zum VorlŠufer des deutschen Nationalsozialismus. Hitler bedient sich in seiner Propaganda, so versucht Bosworth zu zeigen, einer von Ford vorgeprŠgten Logik und Rhetorik. SpŠter wird Ford einer der wenigen AuslŠnder sein, denen von Seiten der Nationalsozialisten umfassende Ehrung zuteil wird. Als weitere Steigerung des Solipsismus gestaltet sich Ford in Greenfield Village eine eigene Welt, Ýwie es ihm gefŠlltÜ: eine Mischung aus ÝMausoleum und WeltausstellungÜ, wie Bosworth schreibt. Als ÝAmerika von MorgenÜ gedacht, hŠlt es eine lŠndliche, heile Welt fest, in der die Auswirkungen der Moderne aufgehoben werden sollen - paradoxerweise gerade mit den Mitteln dieser Moderne, mit Fords Mitteln, dem erwirtschafteten Geld. Zuletzt blendet Bosworth auf das ÝMorgenÜ und betrachtet das souverŠne Selbst in seinen gegenwŠrtigen und zukŸnftigen Mšglichkeiten. Wo IdentitŠt nicht mehr durch Gemeinschaft, durch Religion geschaffen werde, wird sie durch Firma, Konsum und Image gestiftet. Die Skepsis, die zur Abnabelung von traditionellen Lebensformen gefŸhrt hat [bemŸht wird hier v.a. Fukuyamas These vom ÝEnde der GeschichteÜ, zu dessen gro§er Utopie auch ein Bill Gates in Beziehung gesetzt wird], fŸhre ironischerweise Ýzur zuversichtlichen GewissheitÜ. Der Machbarkeitswahn in allen seinen Facetten - ist er nicht auch ein Zeichen allgegenwŠrtiger Verblendung, alles erfassender Geistlosigkeit? In einem grandiosen letzten Abschnitt zeigt der Autor, wie die vielen souverŠnen Ichs letztendlich in ÝZellen der EinsamkeitÜ enden - wobei am Ende eines Aufsatzes Ÿber den Wegbereiter industrieller Automobilproduktion das perfekte Bild dafŸr das des Autos ist. Darin aufgehoben die ganze Dialektik des Kapitalismus, die auch die Skepsis gegenŸber neueren ÝWundervehikeln menschlicher KommunikationÜ begrŸndet. Ob uns das gefŠllt?
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                           s       o      .superfamous.com  o       http://csszengarden.com/                                                       | http://www.flop.jp.org/
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                  c   b    o   .   i         c       .thevoid.co.uk   http://www.calo.de/lhtml_z.htm                                               | http://www.iai-jp.com/                                                                                                                                            
                  r .pleix.net/films.html     t                r       http://www.danvine.com/icapture/                                            | http://www.dsg4.com/04/extra/bitmap/index.html
                  i   o    .   l   .com  .omnikono.com          a       http://www.geschichte.hu-berlin.de/nutzerhi/urhg/patente.htm               | http://www.04.jp.org/                                                         
                  m   c    c   u                r                p/       http://www.stcassociates.com/lab/fontbrowser.html                        | http://miniml.com/                                                                    
                  i   k .mooks.i .               2                I               \                                                                | http://www.fontfinder.ws
                  n   d    m c d.nl               1                M               \                                                               | http://www.dafont.com                                                                                                          
                  a   e     o     u            moc.6                P               `-----------------------------pdf-mag---------.                | http://www.typedifferent.com                                                                                                                                                               
                  l   a    m       l                                 E                                                             )               | http://www.orange.ne.jp/~den7/
             .blancoint.com         l                                 R                                                           /                | http://www2.wind.ne.jp/maniackers/designfont.html                                                                                                                                                               
                  l   h.com         e                                  I                                                         /                                                                                                                                                                              
                  o                 i                                   A                                                       /               
                  t                n                                     L                                                     /              
                  h              s.ch/monkeybusiness/nav.html                                   http://www.thisisamagazine.com/                                                                                     )                                                                                                                                                               
                  i                                                                                 http://www.regleszero.com/
            /german.joelonsoftware.com                                         http://www.sfaustina.com/bloodwars%2003%20web/
                  g.com                                                                          http://magnify.ventil8.net/
                                                                                                   http://www.pagedown.net/
                                                                                             http://www.tigermagazine.org/
                                                                                           http://www.unseenmagazine.com/
                                                                                                http://www.ths.nu/beast/
                                                                                  http://www.filter.cobaltrevolter.net/
                                                                                       http://www.xl5design.com/dodge/
                                                                                  http://pdfmag.drezign.hu/index.php o
                                                                               http://www.ladestation.net/start.html o

Spector® Cut+paste
Mediadaten (Anzeigenpreisliste III)

Zielgruppe
>Spector< wendet sich an ein breites, an den verschiedenen Feldern gegen|
wärtiger Kunst interessiertes Publikum: an Künstler, Kulturvermittler, W|
issenschaftler, Galeristen, Sammler sowie Theater- und Ausstellungsbesuc|
her. Anders als die meisten Publikationen, die sich auf je eine Kunstdis|
ziplin spezialisiert haben, verbindet >spector< die aktuellen Überlegung|
en aus den verschiedenen Bereichen: aus Architektur, bildender Kunst, Fi|
lm, Literatur, Musik, Sport, Theater. Durch seine unterschiedlichen Rezi|
pientengruppen garantiert >spector< eine breite Aufmerksamkeit.||||||||||

Technische Daten|
----------------/Heftformat: 230 mm breit x 296 mm hoch 
               /Satzspiegel: 190 mm breit x 256 mm hoch
              /Druckverfahren: Offset/ Zeitungsdruck
             /Raster: 40 Linien/cm
            /Papier: 52 gr/qm
           /Auflage: 5.000 Exemplare pro Ausgabe
          /Erscheinungsweise: unregelmäßig
         /     |
  termin/---------+-----------------------+-----------------------------+
 /     /         /    Anzeigenschluss    /     Erscheinungstermin      /
+-----/--------+-----------------------+-----------------------------+
|   H/ft 3     |     20. Mai 2003      |        Jul 2003             |
|   /eft 4     |     19. Okt 2003      |        Jan 2004             |
+--/-----------+-----------------------+-----------------------------+
  /
 /
<Druckunterlagen|
-\--------------
  \Dateityp: QuarkXPress 4.1, Photoshop 5.5, FreeHand 7.1
   \Dateiformat: eps, tiff, jpeg, offene Dateien
    \Auflösung: >200 dpi
     \Farbseparation: cmyk nach DIN 16539
      \
Formate|***************************************************************
***********************************************************************
****SEITE[-p]****BREITE[-w]***HÖHE[-l]****SW[-c2]***4-FARBIG[-c4]******
***********************************************************************     
    1/1          190          256         280,oo    620,oo
    1/2 quer     190          127         200,oo    450,oo
    1/2 hoch      94          256         200,oo    450,oo
    1/4 quer     190           62,5       150,oo    320,oo
    1/4 hoch      94          127         150,oo    320,oo
***********************************************************************     
************************************************Anzeigengroesse == [-p]
*********************************************Dokument @mm breit == [-w]
**********************************************Dokument @mm hoch == [-l]
*********************************************************duplex ==[-c2]
***********************************************************cmyk ==[-c4]

   Rabatt_____________________________________________________________/
  /
 |                -------+   
 |    2 Buchungen: -10 % |
 |                -------+-------+   
 |    3 Buchungen:         -20 % |
 |                -------+-------+--------+  
 |    4 Buchungen:                  -30 % |
 |                ------------------------+  
 |    Non-Profit-Unternehmen:       -30%  |
 |                ------------------------+  
 |      !!!Wiederholungsrabatte (bei Annahme innerhalb eines Jahres)!!!
  \___________________________________________________________________
                                        alle Preise zuzüglich 16% Mwst\

Zahlungsbedingungen:
30 Tage nach Erhalt ohne Abzug an <Spectormag GbR>
Deutsche Bank 24 Leipzig  Blz 860 700 24  Konto-Nr. 1703867
 




Target readership
>spector< is aimed at a wide spectrum of readers with an interest |
in different aspects of contemporary arts. They include artists, arts ad|
ministrators, scientists, gallerists, collectors as well as theatre and |
exhibition audiences. Unlike many other publications that have specialis|
ed in one particular art form, "spector" connects current thought from v|
arious disciplines such as architecture, fine art, film, literature, mus|
ic, sports and theatre. Its broad range of readership guarantees >specto|
r< attention across the board.||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||

Technical specifications|
-----------------------/Magazine format: width 230 mm, height 296 mm
                      /Type area: 190 mm x 256 mm
                     /Printing process: Offset/Newsprint
                    /Screen ruling: 40 lines/cm
                   /Paper quality 52 grms/sq m
                  /Print run: 5.000 copies per issue
                 /Frequency of publication: irregular
                /
  Advertisement/deadlines--------------------+--------------------------+
 /            /   / Closing date for orders /    Date of publication   /
+------------/---+-------------------------+-------------------------+
|  Issue 3  /    |      20. May 2004       |        Aug 2004         |
|  Issue 4 /     |      31. Okt 2004       |        Nov 2004         |
+---------/------+-------------------------+-------------------------+
         /
        /
Print f/les|
------/----
     /Software: Quark XPress 4.1, Photoshop 5.5, FreeHand 7.1
    /File format: eps, tiff, jpeg, open files
   /Resolution: >200 dpi
  /Colour separation: cmyk according to DIN 16539
 /
/ormats|***************************************************************
***********************************************************************
****PAGE[-p]*****Width[-w]****HEIGHT[-l]**BW[-c2]***4-COLOUR[-c4]******
***********************************************************************     
    1/1          190          256         280,oo    620,oo
    1/2 hrzntl   190          127         200,oo    450,oo
    1/2 vrtcl     94          256         200,oo    450,oo
    1/4 hrzntl   190           62,5       150,oo    320,oo
    1/4 vrtcl     94          127         150,oo    320,oo
***********************************************************************     
*****************************************************Size of Ad == [-p]
*********************************************Document @mm width == [-w]
********************************************Document @mm height == [-l]
*********************************************************duplex ==[-c2]
***********************************************************cmyk ==[-c4]

   Discount^s_________________________________________________________/
  /
 |                  -------+   
 |    Two orders:    -10 % |
 |                  -------+-------+   
 |    Three orders:          -20 % |
 |                  -------+-------+--------+  
 |    Four orders:                    -30 % |
 |                  ------------------------+  
 |    Non-Profit organisations:       -30%  |
 |                  ------------------------+  
 |
  \___________________________________________________________________
                                           all rates excluding VAT 16%\

Conditions of payment:
Within 30 days  of receipt without deductions to "Spectormag GbR"
Deutsche Bank 24 Leipzig, Germany
Sort Code (Bankleitzahl) 860 700 24, Account No. 1703867
Cheques or banker's drafts to be made payable to "Spectormag GbR".

Warning: fread() [function.fread]: Length parameter must be greater than 0. in /a3/jake/public_html/spectormag/templates/impressum.php on line 23
                                         HOME
             .-------------------------------.
            ( Spector cut+paste GbR, Leipzig .""-------.
             `------------------------------..' KEYNODE )
             .----------------------------.   '--------´
 .---------"". &copy; Jirka Pfahl, leipzig )
( IMPRESSUM '..---------------------------'  .-----------.     
 `----------'                        .-----..' IMPRESSION )  
                                    ( 00000 .""----------´  
                                     `------.
.    0  1  2  3  4  5  6  7  8  9
.    > KONTAKT > INTERNET
030:          !  "  #  $  %  &  '  
040: (  )  *  +  ,  -  .  /  0  1  
050: 2  3  4  5  6  7  8  9  :  ;  
060: <  =  >  ?  @  A  B  C  D  E
070: F  G  H  I  J  K  L  M  N  O
080: P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y
090: Z  [  \  ]  ^  _  `  a  b  c
100: d  e  f  g  h  i  j  k  l  m
110: n  o  p  q  r  s  t  u  v  w
120: x  y  z  {  |  }  ~    €  
130: ‚  ƒ  „  …  †  ‡  ˆ  ‰  Š  ‹
140: Œ  ?  Ž  ?  ?  ‘  ’  “  ”  •
150: –  —  ˜  ™  š  ›  œ    ž  Ÿ
160:    ¡  ¢  £  ¤  ¥  ¦  §  ¨  ©
170: ª  «  ¬  ­  ®  ¯  °  ±  ²  ³
180: ´  µ  ¶  ·  ¸  ¹  º  »  ¼  ½
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