_____________________________________________________

SS 2009 -

Große Gefühle ...oder wie das Fühlen das Denken bildet

Konstanze Schwarzwald / Hagen Wiel

Dieses transdisziplinäre Seminar soll sowohl der Vor- als auch Nachbereitung des kommenden Internationalen Nietzsche-Kongresses der Nietzsche-Gesellschaft e.V. vom 27.-30. August 2009 mit dem Titel „Nietzsche-Macht-Größe“ in Naumburg dienen.

Im Seminar wird v.a. auf den Themenbereich „Große Gefühle“ sowohl in Kunst wie auch Philosophie eingegangen, anhand dessen wir uns an die anderen Thematiken Schritt für Schritt heranarbeiten werden. Eingeladen sind alle Kunst- und Philosophiestudenten der Uni Leipzig und der HGB. Aber auch Studenten anderer Fachbereiche sind herzlich willkommen.

laut email, HGB, Raum 2.24

_____________________________________________________

"Nietzsche-Macht-Größe"
Internationaler Nietzsche-Kongress vom 27.-30. 8. 2009 in Naumburg

>>> zur Webseite >>>

Fernsehbeitrag: MDR

Wissenschaftliche und organisatorische Leitung:
Prof. Dr. Volker Caysa / MA Konstanze Schwarzwald
Kuratorische Leitung: Hagen Wiel

nietzsche plakat

 

Mit der Postmoderne wurde nicht nur das Ende der großen Erzählungen ausgerufen, und damit auch das Ende der Metaphysik, der Geschichtsphilosophie, sondern auch jegliche Art von Pathos, Erhabenheit, von Größe insgesamt geriet unter Verdacht. Die Demission der Helden, ihres Ethos und ihrer Mythen war angesagt. Wer das Große in welcher Art auch immer thematisiert, gilt im philosophischen Mainstream als größenwahnsinnig oder als philosophischer Reaktionär.
Gleichzeitig mehren sich Tendenzen, die man als Rehabilitierung oder als Rückkehr des Großen bestimmen könnte. „Große Gefühle“, die Nietzsche thematisierte, werden wieder zum Thema.
Nietzsches Denken über das Große ist aber nicht nur nicht von seiner Affektenlehre, sondern v.a. nicht von seiner Theorie der Macht zu trennen. Macht macht groß und er denkt über die Größe der Macht durchgehend in seinem Werk nach.
Nietzsches gesamtes Werk durchzieht die Thematik des Großen. Sowohl adjektivisch als „Große Vernunft“, „Große Gesundheit“, „Große Politik“ oder „Großer Mittag“ wird sie problematisiert, wie sie auch enthalten ist in Metaphern wie: der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“, des „Übermenschen“, des „Willen zur Macht“ der „Pfeile der Sehnsucht“ oder des ereignishaft einschlagenden „Blitzes“.
Um „das Große“ in Nietzsches Werk zu thematisieren, ist es notwendig, das Kleine, Feine und auch Phrasenhafte anzusprechen. Nietzsches Blick für kommende Größe ist nicht zu trennen von seinen scharfsinnigen Analysen des Kleinen. Wie die Idee der „Großen Politik“ nicht von der Kritik an der „Kleinen Politik“ zu trennen ist, so stellt die Überwindung der „Kleinen Vernunft“ die „Große Vernunft“ dar. Was der „Übermensch“ sein könnte, kann nur begriffen werden, wenn man weiß, was der „kleine“ „letzte Mensch“ ist.
Für Nietzsche gibt es keine Größe ohne den Sinn für das Kleine, die Kritik am Kleinen deutet auf kommende Größe. Trotz Nietzsches Vorliebe der Stilisierung des Großen als großem Charakter, ist ihm das Kleine zumindest als Kontrast und damit Erläuterung des Großen ex negativo vonnöten.
Wie Nietzsche aber auch das Große kritisch betrachtet als allzuoft Grobes, so nobilitiert er das Kleine, Feine, Sublime ohne das kein Wille zur Macht fähig wäre über sich selbst hinauszuschaffen. So, wie das Dionysische nicht ohne das Apollinische zu denken ist, so wird auch das Große nicht möglich ohne die Stilisierung des Kleinen.

Hauptvorträge:

Marco Brusotti (Berlin / Lecce) „Spannung. Ein Begriff für Groß und Klein.“

Volker Caysa (Leipzig / Lodz) „Über die Größe der Macht und die Macht der Größe. Nietzsches Kritik der Groß-Macht“

Beatrix Himmelmann (Urbana / Illinois) „Der große Mensch. Konzepte Nietzsches – mit Blick auf Goethe“

Barbara Neymeyr (Freiburg i. Br.) „Psychologie der Größe“

Henning Ottmann (München) „Größe ist, was wir nicht sind.“

Annemarie Pieper (Basel) - „Das große Ereignis. Nietzsches narrative Dekonstruktion der Metaphysik“

Renate Reschke (Berlin) „So beginnt die Philosophie mit einer Gesetzgebung der Größe“

Andreas Urs Sommer (Freiburg i. Br.) „Große Menschen züchten. Nietzsche ‘Anti-Darwin’“

Pirmin Stekeler-Weithofer (Leipzig) „Große Sprache – Nietzsches spekulative Sätze“

Christoph Türcke (Leipzig) „Macht und Widerstand. Zwischen Nietzsche, Freud und Foucault“

 

_____________________________________________________

WS 2008/2009 -

Experimente des Leibes - Genie in Kunst und Philosophie

Kolloquium vom 12.-14.12.2008 in der Schreibwerkstatt / Schreibmaschine Leipzig
Gutsmutsstr. 47, 04177 Leipzig

Teil 1 _____________

Konstanze Schwarzwald & Hagen Wiel

In diesem Seminar werden Annäherungen an den Begriff des Genies sowohl in kunsthistorischer als auch in philosophischer Sichtweise und Tradition diskutiert. Grundlegend geht es dabei um einen Gegenwartsbezug der verschiedenen Auslegungsarten des Geniegedankens in der Vergangenheit, immer mit Blick auf die Frage, was es heute heißen kann, Genie zu haben. Oder: Kann jemand ein Genie sein? Wie ist das zu verstehen?

Im Anschluss an "Selbst Macht Originalität" soll nun zum Kern unserer Fragestellungen selbst vorgedrungen werden, indem direkt nach dem Genie, dem genialen Funken oder dem “Genialen an sich” innerhalb des Menschengeschlechtes, grundlegend verstanden als Künstlergeschlecht, gefragt werden soll.

Programm:

Freitag, 12.12.2008

18 Uhr Vortrag:
Konstanze Schwarzwald/ Hagen Wiel: “Sie allein ist unendlich”

20 Uhr Vortrag:
Sandra Kühn, Kunsthistorikerin
”Das Genie im Werk Neo Rauch´s”

22 Uhr Konzert
“Sa Lao Wai ”

Samstag, 13.12.2008


11 Uhr Frühstück in der Schreibwerkstatt

12 Uhr Vortrag:
Sebastian Brunnlechner: "Die Wiederkehr des ewig Gleichen
- über Antiquiertheit im alten China"

13 Uhr Vortrag
Prof. Dr. Volker Caysa: “Über alltägliche Genialität in
Kunst und Wissenschaft”

15 Uhr Bewegungsstunde / Vortrag:
Dr. Paul Schminke / “Psychotronik”

16 Uhr Vortrag:
Dr. Waltraud Stadler: “embodied cognitiones”

19 Uhr Performance:
Kurt Mondaugen/ Rainer Totzke

20 Uhr Konzert
LIVE: Michael Glucharen, Christian Walter, Aki Schulz & Friends

Sonntag, 14.12.2008

11 Uhr Frühstück

13 Uhr Vortrag:
Mareike Sera: “Rhetorik und Poesie im Werk
des Filmemachers Svankmajer”

15 Uhr Abschlussdiskussion

 

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung

rls

_____________________________________________________

SS 2008 -

Experimente des Leibes - SELBST MACHT ORIGINALITÄT


Anmeldung unter leib@hgb-leipzig.de

Vortrag: Hagen Wiel und Konstanze Schwarzwald:

Selbstdarstellung in der Kunst

In welchem Verhältnis steht das Selbst zum Ich, was heißt Empraxis im Gegensatz zur Praxis, was heißt Vernunft im Gegensatz zum Verstand und was heißt Skeptizismus im Gegensatz zur Kritik. Selbstdenken?
Im Kontext von Kunst und Philosophie werden diese Begrifflichkeiten sowohl anhand von Volker Caysas Buch “Kritik als Utopie der Selbstbestimmung” als auch anhand eines Vortrages von Hagen Wiel und von Konstanze Schwarzwald als Künstler und Philosophin diskutiert. Der Vortrag und die anschließende Diskussion sind Gegenstand des Seminars, zu dem sowohl unsere Seminarteilnehmer, als auch alle Interessierten eingeladen sind.

_____________________________________________________

 

"Hinter deinen Gedanken und Gefühlen, mein Bruder, steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser – der heisst Selbst. In deinem Leibe wohnt er, dein Leib ist er.“ (Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra)

In theoretisch-wissenschaftlicher Form lässt sich nur bedingt ein Zugang zum Selbst finden. Bei rationaler Betrachtung des Phänomens „Selbst“ entsteht gar der Eindruck, dass dieses nicht wirklich existiert und das, was der Mensch als Selbst sein soll, auf Variationen und intersubjektiven Kategorisierungen aufbaut. Sind wir nur in das Leben geworfen und ohn-mächtig dem Leben gegenüber oder gibt es neben dieser Geworfenheit die Fähigkeit des Einzelnen sich selbst zu entwerfen und sein Leben selbstmächtig zu stilisieren, was erst den Wert seiner Individualität ausmacht? Wie kommt es, dass das persönliche Empfinden des je eigenen Selbst-Seins wissenschaftlichen Analysen, die eher das Ergebnis einer Auflösung des Selbst im Allgemeinen, Objektiven bezeugen, so diametral gegenüber steht? Zu hinterfragen ist, was über jenes theoretische Analysieren hinaus, über das, was der Verstand zu denken und einzuteilen vermag, dem individuellen Bedürfnis nach Selbst-Nähe und Selbsterkenntnis gerecht werden kann. Gibt es bestimmte „Techniken des Selbst“, wie es Michel Foucault formulierte, über die der Einzelne seinem Leben eine selbstbestimmte Richtung, eine Perspektive geben kann?
Anhand von Nietzsches Philosophie der Kritik, die er „am Leitfaden des Leibes“ denkt, soll eine grundlegende Auseinandersetzung mit gegenwärtigen philosophischen und künstlerischen Themenfeldern im Seminar stattfinden. Diskutiert werden Begrifflichkeiten wie die des „Selbst“, der „Macht“, der „Herrschaft“ und der „Originalität“. Mit Hilfe der Weiterentwicklung einer Theorie des Empraktischen wird der Versuch unternommen, den Geniegedanken, der sowohl in der Kunst als auch in der Philosophie wohl niemals an Aktualität verlieren wird, modern zu reformulieren.
Für eine das Seminar abschließende Ausstellung sind die Teilnehmer des Seminars aufgefordert, ästhetische Modelle von Ideen zu entwickeln, die sie existenziell begleiten, indem sie z.B. in Träumen, in Fantasien oder aber auch „wie nebenbei“ im Alltag immer wieder erscheinen, die aber bisher eher „zur Seite geschoben“ wurden. Es geht darum, das Unerklärbare auszudrücken, den Kern der eigenen Genialität freizulegen. Denn, wenn die Frühromantiker Recht behalten, dann ist „Genie zu haben, [...] der natürliche Zustand des Menschen“.

   
         
   

Ausstellung: Experimente des Leibes - SELBST MACHT ORIGINALITÄT || 18.04.2008 bis 20.04.2008 || GALERIE EMPRAXIS zu Gast in der Galerie KUB | Kantstr. 18 | Leipzig || Fr: 19.oo Uhr - Einführung: Prof. Ralf Urban Bühler | Ausrufung: “Manifest der originellen Kunst” | Vortrag zum Thema “Kritik" von Prof. Dr. Volker Caysa || Sa: 2o.oo Uhr: DJAMILAN / Soul || Sonntag 10.oo Uhr Brunch || Künstler: Sebastian Jung | Patrick Kern | Marek Brandt |Stephan Murer | Markus Nebe | Georg Geckert | Maria Geißler | Guillermo Fiallo Montero | Stas Mankovich| Sebastian Fischer | Linda Dankert || Kuratiert von: Konstanze Schwarzwald | Hagen Wiel || www.hgb-leipzig.de/leib || Mit freundlicher Unterstützung von: StuRa der HGB, StuRa Uni-Leipzig, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V., Nietzsche-Gesellschaft e.V. || In Kooperation mit Galerie KUB

 

Galerie KUB

_____________________________________________________

WS 2007/08 -

Experimente des Leibes
Empraktisches Filmen – Somatische Filmanalyse als Traumanalyse

 

Experimente des Leibes,
ist der Versuch einer Erinnerung des sich verbergenden Körperpotentials, eine Rückführung in die für uns zusammengehörigen Themenfelder Philosophie und Kunst. Wie kann man über eine Konzentration auf das „Wissen des Leibes“ wieder zu bzw. in sich finden? Welche Methoden und Praktiken helfen hier weiter? Wie kann man über körpervermittelte Techniken die Natur, die wir selbst sind, den Leib, erforschen oder neu entdecken?
Da das sprachlose Innen-Selbst sich den Sprachformen der Debatten entzieht, sollen in diesem Seminar experimentell Formen einer philosophisch-künstlerischen Annäherung entwickelt werden, welche uns danach als Essenz zur Reflexion verfügbar werden. Diese Systematik einer Entwicklung der Theorie des Empraktischen, also einer Spur präreflexiven, vollzugsbezogenen Wissensform des Leibes, eines Wissens, das wir immer schon leiblich sind, das aber vor allen bewussten Gedanken steht, soll hierbei nachgegangen werden. Dieses kann in unserem Seminar als zentraler Wesenskern künstlerisch herausgeschält und sinnlich erfahrbar werden. Hierzu soll mit den Seminarteilnehmern die von uns entwicklete Methodik des empraktischen Filmens, einer leibgeführten Kamera im Zustande eines Tag- oder Klartraumes unter Ausschluß eines bewussten Planes, einer leibeigenen Kamera, ein Entdecken entstehen, welches wir im Anschluß mit Hilfe der Freudschen Traumanalyse hinterfragen bzw. entschlüsseln wollen. Darüber hinaus sollen individuelle künstlerische Ansätze der Teilnehmer helfen dieses Thema zu explizieren.
Die entstehenden Arbeiten werden abschließend in einer Ausstellung präsentiert und zur Diskussion gestellt. Anspruch des Seminars ist auch das Entstehen individueller Arbeitstechniken und Methodiken für die Teilnehmer und ihr zukünftiges Arbeiten.

 

 

 

 
     
Acrobat Reader