4.3. Felix Stephan Huber, Philip Pocock, Udo Noll & Florian Wenz: A Description of the Equator and Some Other Lands

Auszug aus der Pressemappe:

Ein experimentelles Internetprojekt aus Worten und Film und allem dazwischen, zusammengestellt und "geschnitten" von den Besuchern der documenta X-website.

 

Es entsteht eine sich täglich neu anordnende Serie von hypermovies, die nicht durch ein Manuskript und redaktionelle Autorität gelenkt wird, wie dies bei Filmen normalerweise der Fall ist, sondern durch die Spuren derjenigen, die sich auf der website bewegen. Ihre Beiträge werden durch ein neuronales Netz gefiltert, das auf dem Server installiert ist. Der Benutzer (das Publikum) schlüpft in das "screenplay" und in neue Rollen als global kooperierender Autor. Als Autor kann jeder Szenen aus seinem realen oder fiktiven Leben eingeben und auf die Geschichten oder Lebensläufe der anderen reagieren, um damit eine on-line-Welt aus "lesbaren Einheiten" zu schaffen. Ihre Worte unterstreichen die Szenen wie Zwischen- oder Untertitel mit fließendem Übergang zwischen news-Gruppe und Film.

"OtherLands" ist eine Fortsetzung von Huber und Pococks früheren web-Kunstprojekten - "Arctic Circle" und "Tropic of Cancer". Beide Projekte beziehen sich auf reales Reisen; einmal durch den Norden Kanadas und zum anderen als Touristen durch Mexiko. "Other Lands" selbst ist auch eine travel-as-art Schleife, wiewohl diesmal das Reiseziel eher interpersonellen Charakter hat. Wie seine beiden Vorgängerprojekte ist "Otherlands" eine doppelte Reise. Auf der einen Seite geht die Reise in die virtuelle Realität als ein symbolischer Austausch zwischen Autoren und Benutzer im Netzwerk. Auf der anderen Seite ist es eine Reise in die reale Welt nach Entebbe, zum Äquator, nach Ostafrika und zu anderen Orten der Welt (Quito, Equador, die Galapagosinseln, Singapur und Borneo).

Von besonderem Interesse wird diese Bewegung, wenn die Autoren miteinander reisen und sich besuchen, um Szenen zu produzieren und diese auf der documenta-website sichtbar machen und dem Dialog freigeben. Und so entsteht ein (Schau-)Spiel. Was wie ein klassischer Experimentalfilm beginnt, ein Film vor allem aus Worten, fusioniert mit einer spielähnlichen Dramaturgie. Die entsteht dadurch, daß Zuschauer zu Autoren werden und Autoren und Benutzer und Story sich nicht mehr voneinander unterscheiden lassen.

Der Äquator, wie er hier beschrieben wird, ist die "Identität in der heutigen globalen Gesellschaft". Identität als bestärkende Verbindung zwischen zwei Ganzheiten, die jedoch niemals völlig identisch sind. Somit ist die Erinnerung Identität; die Verbindung zwischen mental gespeicherten Ereignissen und die realen Erfahrungen, die sie enthalten. Der Film ist ebenfalls eine gültige Identität, die direkt verbunden ist mit Ereignissen in unserem realen und virtuellen Leben, formend und informierend.

 

Beschreibung der Arbeit:

Zunächst muss man sich als "guest" einloggen:

Das Projekt besteht im Prinzip aus zwei prinzipiellen Modi:

Dem Moviemode (MSQL), in dem alle Autoren/Viewer eine Refreshrate von 6 sec. bestätigen können. In diesem Mode sind Bilder, ein Gruppentagebuch, sowie eine Gruppenautobiographie, versteckt. Der Bildschirm kann einzeln [1], horizontal geteilt [H], vertikal geteilt [V], usw. werden.

Im Textmode (Skript, Drehbuch) werden die einzelnen Szenen, Takes und Einträge nebeneinander dargestellt. Der User kann per email Tagebucheinträge einsenden, Sounds und Filme.

Eine Manövrierleiste und eine Hilfeseite helfen bei der Navigation.

[MAP] soll irgendwann einmal einen Überblick über die gesamte Arbeit bieten (z.Z. 190 Knotenpunkte).
[NEWS] gestattet, die 30 aktuellsten Einsendungen der Viewer abzurufen. (funktioniert offenbar noch nicht)
[legend] führt auf eine Hilfeseite, die die Funktion der Buttons erklärt.

Bei dem Zeichen [+] kann man eine email bzw. einen Film, Text, etc. einsenden. Der Text wird dann wohl (vielleicht?) in die Arbeit eingebaut.

Die Arbeit wirkt am Anfang sehr technoid und abschreckend, wird aber bald intuitiv zugänglich und von Zufallsoppositionen bestimmt.

 

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