Hans Dieter Huber
ÜBER DAS ANFERTIGEN VON SEMINAR- UND ABSCHLUSSARBEITEN


First Installation: 30.05.99 Last update: 23.06.04

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Eine Seminar- oder Staatsexamensarbeit wird entweder mit dem Computer oder der Schreibmaschine geschrieben. Sie besitzt links einen Korrekturrand von 5 cm. Eine Seite enthält maximal 2400 Anschläge, d. h. 40 Zeilen à 60 Anschläge. In der Regel umfassen Seminararbeiten im Grundstudium ca. 10-12 Seiten, Seminararbeiten im Hauptstudium ca. 12-15 Seiten (jeweils Text mit Fußnoten bzw. Anmerkungen). Der Umfang von theoretischen Staatsexamensarbeiten wird mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer abgesprochen. Die Seitennummerierung beginnt mit der ersten Textseite und endet mit der letzten Seite des Literaturverzeichnisses.
Eine Seminar- oder Staatsexamenarbeit enthält die folgenden Teile in der angeführten Reihenfolge, wobei die mit einem Stern (*) versehenen Teile das für jede Arbeit unabdingbare Minimum darstellen:

* Titelblatt
Das Titelblatt von Seminararbeiten enthält oben die Angaben zum Seminar (Hochschule - Semester - Seminarleiter - Seminarthema), in der Mitte den Titel der Arbeit sowie den Abgabetermin und unten die Angaben zur Verfasserin bzw. zum Verfasser der Arbeit (Name - Fachsemester - Fachbereich - Klasse - Anschrift).

Für wissenschaftliche Staatsexamensarbeiten wird folgender Seitenaufbau vorgeschlagen:

-Thema der Arbeit
-Zusatz: »Theoretische Staatsexamensarbeit im Fach Kunsterziehung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart«
-»vorgelegt bei« (Name des Erstgutachters - d.i. der Betreuer der theoretischen Staatsexamensarbeit - und des Zweitgutachters -d.i. in der Regel der Betreuer der praktischen Staatsexamensarbeit bzw. Der Künstlerische Professor) -»von« (Name der Kandidatin bzw. des Kandidaten)
-»aus« (Geburtsort) -
-»abgegeben am« (Datum der Abgabe). Die Modalitäten der Staatsexamensprüfung sind im Einzelnen der Prüfungsordnung für das Fach Kunsterziehung (erhältlich im Prüfungsamt der Akademie) zu entnehmen.

* Inhaltsverzeichnis
Das Inhaltsverzeichnis gibt eine Übersicht über die Gliederung des Textes und führt jeweils die erste Seite eines Abschnittes an. Zur Gliederung empfiehlt sich das dekadische System (z. B. 1., 1.1, 1.2, 2., 2.1, 2.1.1, 2.1.2, etc.). Die Überschriften im Inhaltsverzeichnis müssen mit den Zwischenüberschriften im Text übereinstimmen.

Vorwort
Im Vorwort - in der Regel nur in theoretischen Dipomarbeiten - kann man auf äußere Umstände (z. B. Materialbeschaffung, Zugang zu Originalen) bei der Abfassung der Arbeit eingehen und denjenigen danken, welche die Arbeit gefördert haben. Das Vorwort wird mit Vornamen und Namen des Verfassers unterzeichnet sowie mit Ort und Datum der Abfassung versehen.

* Text
Der Text besteht aus folgenden Teilen:

Einer wissenschaftlichen Arbeit ist ein nüchterner, sachlicher Stil angemessen, d. h. Vergleiche sind Metaphern vorzuziehen, umgangssprachliche Wendungen sind ebenso wie allzu pathetische Formulierungen meistens nicht am Platz. Hinsichtlich der Orthographie (insbesondere Abkürzungen und Interpunktion) ist der Duden Bd.1, Rechtschreibung, maßgeblich.

* Fußnoten/Anmerkungen
Fußnoten bzw. Anmerkungen enthalten einerseits Nachweise wörtlicher und sinngemäß wiedergegebener Zitate (identifizierende Anmerkungen) nach festen Regeln, die unten erläutert sind, andererseits weiterführende Argumentationsgänge, Literatur und Sachinformationen, die den strikten Gang der Argumentation im Text unterbrechen würden (kommentierende Anmerkungen). Die Fußnoten bzw. Anmerkungen werden im gesamten Text fortlaufend numeriert, bei Dissertationen ggf. kapitelweise. An Stelle von Fußnoten, die jeweils unten auf der betreffenden Textseite stehen, kann man, falls man keinen Computer zur Verfügung hat, die Anmerkungen in einem eigenen Anmerkungsteil an den Textteil anfügen.

Anhang
Im Anhang können Schriftquellen (z. B. Urkunden) zu einem Kunstwerk oder zu einer bestimmten Fragestellung, die im Text nur ausschnitthaft zitiert werden, vollständig wiedergegeben werden. Außerdem können hier Tabellen und Schema-Zeichnungen untergebracht werden.

* Literaturverzeichnis
Das Literaturverzeichnis enthält alle zur Ausarbeitung herangezogenen Veröffentlichungen und sonstigen Quellen, d. h. in jedem Fall alle Literatur, die in den Fußnoten zitiert wurde. Das Literaturverzeichnis sollte nicht »Bibliographie« überschrieben werden, da dieser Begriff sämtliche, also auch nicht eingesehene Literatur zu einem Thema umfaßt. In der Regel empfiehlt sich eine alphabetische Reihenfolge. In seltenen Fällen (z. B. Forschungsbericht) kommt auch eine chronologische Reihenfolge nach Erscheinungsdatum in Betracht. Ein getrenntes Aufführen von selbständigen und unselbständigen Publikationen ist nicht üblich. Falls Abkürzungen für Zeitschriftentitel verwandt werden, muß dem Literaturverzeichnis ein Abkürzungsverzeichnis vorangestellt werden.

Abbildungen
Bei Seminar- und Staatsexamenarbeiten ist ein Abbildungsteil mit Fotografien erforderlich. Bewährt haben sich Sichthüllen, in welche die Abbildungen eingelegt werden oder Schwarz-Weiß-Fotokopien. Farbabbildungen sind nur dann notwendig, wenn im Text die Farbigkeit des Bildes ausführlich behandelt wird. Die Abbildungen sollten von Abb. 1- Abb. x durchnumeriert sein und folgende Angaben als Bildunterschrift folgende Angaben tragen:

In jedem Fall ist dem Abbildungsteil ein Abbildungsnachweis voranzustellen, aus dem hervorgeht, aus welchen Quellen die Abbildungen entnommen sind.

Richtlinien des Zitierens in wissenschaftlichen Arbeiten
Korrektes Zitieren ist kein Selbstzweck, sondern hat die Funktion, daß ein Leser den zitierten Text in einer beliebigen Bibliothek (bzw. bei Unikaten: am einzigen Aufbewahrungsort) auf Grund der angegebenen Informationen finden oder bestellen kann (pragmatisches Kriterium). Zwar gibt es für das Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten kein allgemein verbindliches Regelwerk wie den Duden für die Orthographie, doch hat sich in den historischen Wissenschaften seit dem 19. Jahrhundert ein relativ fester Bestand an Zitierregeln herausgebildet, die wissenschaftlichen Publikationen zu Grunde liegen (Gebräuchlichkeitskriterium). Die Variationen zwischen den einzelnen Zitiersystemen beschränken sich weitgehend auf Einzelheiten der Zeichensetzung (z. B. Komma oder Doppelpunkt zwischen Autor und Titel), nicht auf die Substanz und Reihenfolge der Angaben. Durch die festgelegte Reihenfolge wird verhindert, daß einzelne Angaben (z. B. Vor- und Nachname) verwechselt werden. Wichtig ist es, die einmal gewählte Zitierform in der ganzen Arbeit beizubehalten, d. h. nicht zu wechseln zwischen z. B. lateinischem »Ed.« und deutschem »Hg.« für die Herausgeberin bzw. den Herausgeber (systematisches Kriterium).

1. Selbständiges Schrifttum
Selbständiges Schrifttum wird nach folgendem Schema zitiert:

Name, Vorname: Titel. Untertitel, Auflage, Verlagsort Erscheinungsjahr.

Beispiel:


Zu den einzelnen Angaben: Der Vorname des Autors sollte möglichst ausgeschrieben werden. Im alphabetischen Literaturverzeichnis am Schluß der Arbeit kann der Vorname des Autors aus Gründen der Übersichtlichkeit dem Nachnamen nachgestellt werden (mit Komma dazwischen). Akademische Grade, Adels- und Ordenstitel werden grundsätzlich nicht angegeben, sehr wohl aber das adelige »von«, das für die alphabetische Ordnung jedoch keine Rolle spielt. Der Kunsthistoriker Detlev von Hadeln ist also unter »H« einzuordnen und auch in Bibliothekskatalogen nur dort zu finden:

Hadeln, Detlev von:

Der Titel wird wie ein wörtliches Zitat behandelt, d. h. er darf nicht abgekürzt oder geändert zitiert werden. Veraltete Orthographie und fehlerhafte Angaben müssen beibehalten werden, können aber durch ein nachgestelltes »sic« in eckigen Klammern als Fehler gekennzeichnet werden.
Auf jeden Fall ist die benutzte Ausgabe oder Auflage eines Buches anzugeben, auch falls es sich dabei nur um eine Übersetzung oder nicht um die neueste Auflage handeln sollte. Der Originalausgabe bzw. der neuesten Auflage eines Buches ist aber natürlich der Vorzug zu geben, sofern sie erreichbar ist. Bei der ersten Auflage eines Buches wird die Angabe der Auflage weggelassen. Zwischen Verlagsort und Erscheinungsjahr steht kein Satzzeichen. Die Angabe eines Verlages ist im deutschsprachigen Raum unüblich, setzt sich aber international immer mehr durch. Am Ende der Jahreszahl steht ein Punkt.

Sonderfälle
Bei bis zu drei Herausgeberinnen bzw. Herausgebern können diese wie Autorinnen bzw. Autoren an den Beginn gestellt und mit dem Zusatz »Hg.« in Klammern versehen werden. Hat das Buch mehr als drei oder gar keine Herausgeberinnen bzw. Herausgeber, wird nur der erste Herausgeber angeführt. Hat das Buch keine Herausgeber und ist es auch kein Ausstellungskatalog, wird es nur unter dem Sachtitel aufgeführt. Beispiele:


Belting, Hans u. a.(Hg.): Kunstgeschichte. Eine Einführung, 3., durchgesehene und erweiterte Auflage, Berlin 1988.

Der Traum vom Glück. Ein Mail-Art-Projekt, Karlsruhe 1984.

Bei gezählten Reihen oder Serien müssen der Reihentitel und die Bandnummer am Schluß in Klammern hinzugefügt werden. Beispiel:

Ausstellungskataloge müssen als solche benannt sein; darauf folgen der Ausstellungsort und das Ausstellungsjahr. Der Verlagsort muss nur dann angegeben werden, wenn er vom Ausstellungsort abweicht. Beispiel:


Karl der Große. Werk und Wirkung, Ausstellungskatalog Aachen 1965, Düsseldorf 1965.

Bei Ausstellungen in Galerien und bei Auktionen muss unbedingt der Name der Galerie bzw. des Auktionshauses angegeben werden, und zwar zwischen Ausstellungs-/Auktionsort und Ausstellungsjahr/Auktionstermin. Beispiel:


André Butzer. TODALL! Ausstellungskatalog Köln, Galerie Hammelehle und Ahrens, Berlin 2003.

Da in vielen Bibliotheken eigene Kataloge für Hochschulschriften geführt werden, die im Hauptkatalog nicht verzeichnet sind, und nicht nachweisbare Hochschulschriften nur über Spezialbibliographien ermittelt werden können, müssen Dissertationen und Habilitationsschriften als solche benannt werden. Üblich sind die Abkürzungen »Diss.« für Dissertationen und »Diss. masch.« für maschinengeschriebene Dissertationen.

2. Aufsätze in Sammelbänden
Aufsätze in Sammelbänden (Kongreßberichten, Festschriften, Katalogen) zitiert man, indem man die Autorin bzw. den Autor und den Titel vor, die Seitenzahlen des Aufsatzes nach die Titelangabe gemäß den oben genannten Regeln stellt. Beispiel:

Die Angabe »ff.« sollte vermieden, die präzisen Seitenangaben sollten in jedem Fall genannt werden.

3. Aufsätze in Zeitschriften
Für Aufsätze in Zeitschriften gilt folgendes Schema:

Beispiel:

Der Name der Zeitschrift wird entweder kursiv gedruckt oder (mit Schreibmaschine) unterstrichen. Niemals werden bei Zeitschriften der Verlagsort und eventuelle Herausgeberinnen bzw. Herausgeber genannt, da dies zu Verwechslungen mit selbständigen Publikationen und damit zur Unauffindbarkeit in Bibliotheken führen kann. Bei Zeitschriften ohne durchgehende Seitenzählung pro Jahrgang, die in jedem Heft neu mit Seite 1 beginnen (z. B. der Revue de l'art), muß man zusätzlich die Nummer des Heftes angeben, und zwar zwischen Kalenderjahr und Seitenzahlen.

Sonderfälle
Rezensionen (Buchbesprechungen) müssen als solche benannt sein. Um Verwechslungen zu vermeiden, ist es sinnvoll, das rezensierte Werk deutlich von der bibliographischen Angabe der Rezension abzugrenzen, etwa durch doppelte Anführungszeichen. Beispiel:

Von einer Verfasserin oder einem Verfasser signierte Lexikonartikel werden wie Aufsätze in Sammelbänden zitiert. Auf unsignierte Lexikonartikel kann man durch die Abkürzung »s. v.« (lat. »sub verbo«, 'unter dem Stichwort') verweisen. Beispiel:

Zitieren im Text
In einer wissenschaftlichen Arbeit muß jede Bezugnahme auf Meinungen, Thesen und Informationen, die aus der Literatur übernommen sind, in den Fußnoten bzw. Anmerkungen (also nicht z. B. in Klammern im Text) nachgewiesen werden. Dies ist kein Selbstzweck, sondern dient dem wissenschaftlichen Grundsatz der Nachprüfbarkeit aller Informationen. Zu unterscheiden ist zwischen wörtlichen Zitaten, die man zwischen doppelte Anführungszeichen setzt, und sinngemäßen Übernahmen (Paraphrasen, Zusammenfassungen etc.). Bei wörtlichen Zitaten folgt der Literaturnachweis direkt auf die Ziffer der Fußnote, bei nichtwörtlichen Zitaten wird dem Literaturnachweis ein »vgl.« (oder lat. »cf.« für »confer«) vorangesetzt.

Wörtliche Zitate sind wirklich wörtlich, d. h. (a) in der Originalsprache und (b) einschließlich eventueller Fehler (z. B. der Orthographie) zu zitieren. Alle eigenen Änderungen innerhalb eines wörtlichen Zitates sind durch eckige Klammern zu kennzeichnen, z. B.

Wörtliche Zitate aus der Forschungsliteratur sollten sparsam verwendet werden. Sekundärzitate (»zitiert nach«) werden in folgernder Weise zitiert. Zuerst folgt die Angabe des Originalzitates und dann mit dem Zusatz "zitiert nach" die Angabe des Buches, in dem das Zitat gefunden wurde. Beispiel:

Vollständige Literaturnachweise müssen im Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit sowie das erste Mal, wenn man im Text eine bestimmte Arbeit zitiert, in den Fußnoten bzw. Anmerkungen gegeben werden. Dies erspart der Leserin bzw. dem Leser des fortlaufenden Textes, jede Literaturangabe im Literaturverzeichnis einzeln nachblättern zu müssen. Wird eine Arbeit wiederholt zitiert, genügt es jedoch, ab dem zweiten Zitat die Arbeit in verkürzter Form zu zitieren, nämlich Autor, Erscheinungsjahr und Seitenzahl anzugeben z. B.

vgl. Imdahl 1995, S. 25

Wenn man mehr als eine Arbeit von derselben Autorin bzw. demselben Autor aus demselben Jahr zitiert:

Autor, Jahrgang mit Buchstaben, Seitenzahl

Panofsky 1930a, S. 122

beziehungsweise

Panofsky 1930b, S. 17

anzugeben.


Hans Dieter Huber