09. 1400-1500 Frührenaissance


Last update: 03.05.1998


Lektüre: Belser Stilgeschichte, Bd. V, S. 11-54: "Einführung in die Epoche der Renaissance"

1.) Geschichtliche Einführung

Allgemein spricht man ab der Renaissance vom Beginn der Neuzeit im Gegensatz zum Mittelalter. (in Italien etwas früher schon etwa ab 1425, in den übrigen Ländern ab 1500)

Man unterscheidet drei Phasen der Renaissance:

Frührenaissance 1425-1500

Hochrenaissance 1500-1525

Spätrenaissance oder Manierismus 1525-1580

Frührenaissance entsteht in Florenz, ab etwa 1450 in Mailand; erst viel später um 1480 herum in Rom und Venedig; Hochrenaissance vor allem mit drei Namen verknüpft: Leonardo da Vinci, Raffaele Sanzio, Albrecht Dürer. Das Jahr 1525 ist ein historischer Einschnitt für die Renaissance: Leonardo da Vinci stirbt 1519, Raffael 1520 Albrecht Dürer 1528. Außer Michelangelo, der noch bis 1564 lebt und damit zu einem der Hauptvorläufer des italienischen Manierismus sowohl in Architektur, wie Malerei und Skulptur wird.

Spätrenaissance ist die Zeit der internationalen Ausbreitung der Renaissance in ganz Europa und verschiedener Spezialstile wie des Manierismus.

Der Begriff rinascità (ital. "Wiedergeburt") wurde von Giorgio Vasari 1550 geprägt, es ist das Wiedererwachen der Künste und Wissenschaften Überwindung des Mittelalters, der "Gotik", der tausend finsteren Jahre.

So schreibt Leon Battista Alberti, einer der wichtigsten und gebildetsten Architekten, Bildhauer und Maler der Frührenaissance 1436 in seiner Widmung der italienischen Ausgabe von dem Traktat über die Malerei:

Verwunderung und Betrübnis zugleich pflegte es in mir hervorzurufen, dass so viele treffliche und erlauchte Künste und Wissenschaften, die nach Zeugniss der Geschichte und der noch sichtbaren Werke bei den von der Natur so hochbegabten Alten in solcher Blüthe standen, gegenwärtig so selten geübt, ja fast gänzlich verloren gegangen sind. Maler, Bildhauer, Architekten, Musiker, Geometer, Rhetoren, Auguren, und ähnliche edle und bewundernswerte Genien trifft man heute nur sehr selten und (dann) nur wenig zu loben.

Dann aber, ..., erfuhr ich es, dass in vielen, besonders aber in dir, Filippo, und in dem uns so eng befreundeten Donato, dem Bildhauer, und in jenen andern Nenio und Luca und Masaccio ein Geist lebt, der zu jeder rühmlichen Sache fähig ist, und der durchaus keinem der Alten, wie berühmt er auch in diesen Künsten gewesen sein mag, nachzusetzen ist. ...So bekenne ich dir denn, wenn es jenen Alten bei dem thatsächlichen Reichthum dessen, wovon sie lernen und was sie nachahmen konnten, minder schwer war zur Kenntnis jener höchsten Künste, deren Ausübung uns heute so mühsam wird, zu gelangen, so muss deshalb auch unser Ruhm grösser sein, wenn wir ohne Lehrer und ohne Vorbilder Künste und Wissenschaften, von welchen man früher nichts gesehen und nichts gehört, auffinden.

 

Raffael. Portät Baldassare Castiglione, 1515/16

Skizze Leonardos zur mechanischen Anatomie des Armes

Idealer Kirchengrundriß mit eingezeichneter menschlicher Figur,(Codex Saluzzo, Turin)

2.) Architektur der Frührenaissance

Filarete: Antike Säulenordnungen, 1465 Francesco di Giorgio: 2 Skizzenblätter

Filippo Brunelleschi

Brunelleschi. Das Waisenhaus Ospedale degli Innocenti, beg. 1419 Loggia

Ausführung der Domkuppel, St. Maria del Fiore, 1418-1434

Axonometrie der Domkuppel Aufriß des Doms

Pazzi-Kapelle bei St. Croce, 1430 (Außenansicht) (Innenansicht)

Grundriß Pazzi-Kapelle Längsschnitt

Santo Lorenzo, 1420-1469; (Blick n.O) San Lorenzo (Blick nach West)

Vegleich Santa Sabina Grundriss San Lorenzo

Leon Battista Alberti (1404-1472)

Palazzo Rucellai, 1446-51 Detail in Farbe

Vergleich mit dem Medici-Palast von Michelozzo, 1440/45

Fassade von St. Maria Novella, Florenz, 1458 beg. Giebel v. St. Maria Novella

Mantua, Sant' Andrea, um1471 beg.

 

3.) Die Erfindung der Perspektive

3.1. Voraussetzungen:

arabische Optiker, Witelo, John Peckham in Viterbo, Biagio da Pelacani

Zwei Wurzeln: einmal die Optik, zum anderen die Geometrie und das Vermessungswesen (Euklids Elemente)

man unterschiedet zwei Arten von Perspektive

Perspectiva naturalis: Lehre vom menschlichen Sehvorgang und optischen Phänomenen wie Lichtbrechung

Perspectiva artificialis: die künstliche Konstruktion eines solchen Wahnehmungseindrucks auf einer ebenen Fläche

3.2. Die optischen Perspektivversuche Brunelleschis

Schematische Darstellung der perspektivischen Konstruktion des Baptisteriums

Grundriß und Seitenansicht der Perspektivkonstruktion

Drei Voraussetzungen ermöglichen die Ergebnisse der perspectiva artificialis:

1.) Sehen mit einem Auge

2.) Ergebnisse gelten nur für einen einzigen, starren Standpunkt

3.) Ausschluss jeglicher Kopfbewegung

3.3 Der Perspektivtraktat Leon Battista Albertis

Schematische Darstellung der Konstruktion Schematische Darstellung

Pisanello, Personen i. e. gewölbten Saal Konstruktion m. Distanznachweis

3.4. Der Perspektivttraktat Piero della Francescas

De prospectiva pingendi, um 1480

Schematische Darstellung des Piero-Verfahrens



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