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Synagogendenkmal | Die jüdische Gemeinde Leipzig

Die jüdische Gemeinde Leipzig

Um 1230 besteht der erste schriftliche Nachweis zum Bestehen einer jüdischen Gemeinde in Leipzig mit einer Synagoge. Die letzte Nachricht über jüdische Einwohner der Stadt stammt aus dem Jahre 1446. Über diese erste, mittelalterliche Jüdische Gemeinde in Leipzig ist relativ wenig bekannt. Erst nach 1800 sind allmähliche Wiederansiedelungen von Juden im Stadtgebiet überliefert. Mehr und mehr jüdische Kaufleute besuchen die Messestadt. Um 1825 gründet sich die zweite, neuzeitliche Israelitische Religionsgemeinde. Im September 1855 wird die Synagoge Zentral- Ecke Gottschedstraße eingeweiht, 1904 das Gebäude in der Keilstraße mit der "Brodyer Synagoge" umgebaut. Im Jahre 1912 gründet Rabbiner Dr. Carlebach die Höhere Israelitische Schule. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist stark angestiegen. 1925 zählt sie 13.500 Mitglieder, das bedeutet den sechsten Platz unter den deutschen Großgemeinden.

Am 9.10.1936 wird das Mendelssohn-Bartholdy-Denkmal abgerissen, am 28.10.1938 1.500 Juden über die polnische Grenze abgeschoben. Die Synagoge brennt. Aus der Emigration wird Flucht. Im Frühjahr 1939 werden die jüdischen Mitbürger in sogenannte Judenhäuser zwangseingewiesen. Am 1.1.1942 beginnt die "Endlösung" in Leipzig mit der Deportation von 561 Juden in das KZ Riga. Die Transporte dauern bis zum 14.2.1945, als die letzten 169 Juden nach Theresienstadt gebracht werden. 24 Juden erleben den Einmarsch amerikanischer Truppen im April 1945 in der Stadt Leipzig.

Die ehemalige Talmud-Tora-Synagoge in der Keilstraße ist erhalten geblieben und kann im Oktober 1945 neu eingeweiht werden. Ein neues Gemeindeleben mit zurückgekehrten Verfolgten versucht sich aufzubauen, doch schon im Januar 1953 beginnt eine erneute Fluchtwelle. Diesmal in die BRD aufgrund einer antijüdischen, antizionistischen Kampagne in der DDR.

Nach dem Fall des eisernen Vorhangs beginnt die jüdische Gemeinde sich neu zu beleben, zum großen Teil durch die Zuwanderer aus dem Ostblock. Die Zahl der jüdischen Mitbürger steigt seitdem wieder stetig. Im Jahre 2002 ist sie auf circa 800 Mitglieder angewachsen.


Die Synagoge

Synagoge

Die am 10. September 1855 eingeweihte Synagoge wurde unter dem Baumeister und Semper-Schüler Otto Simonson errichtet und sollte 2000 Menschen Platz gewähren. Simonson: "Langjährige Wünsche und daraus erwachsende Verhandlungen hatten endlich im Jahre 1853 die Israelische Religionsgemeinde zu dem Beschluss geführt, ein Gotteshaus in solchen Dimensionen zu erbauen, dass es Raum genug böte für die Andächtigen der Gemeinde selbst, zugleich auch für die zu den Messen aus allen Gegenden zusammenströmenden Glaubensbrüder."

Literatur: Josef Reinhold: Zwischen Aufbruch und Beharrung. Juden und jüdische Gemeinde in Leipzig während des 19. Jahrhunderts. Dresden 1999.
Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Leipziger Gemeindesynagoge. 1855 - 1930. Berlin 1994.

In der Reichskristallnacht 9./10. November 1938 wurde die Synagoge, neben vielen jüdischen Geschäften und Wohnungen, zerstört. Mehr als 550 Personen wurden inhaftiert und in die KZ Buchenwald und Sachsenhausen gebracht. Die Ruine der Synagoge musste von der jüdischen Gemeinde auf eigene Kosten abgerissen werden.

Ruine der Synagoge


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