Leipziger Kunstorte
  Verzeichnisse öffnen Verzeichnisse schliessen
Synagogendenkmal | Wettbewerb

Kritik an den vorgestellten Entwürfen

Schon die in einer Ausstellung präsentierten Entwürfe gerieten in die Kritik. Die Entwürfe "wirken sehr auf ‘political correctness’ bedacht, vorsichtig, grüblerisch, formalistisch, austauschbar. [...] Der Ursprung vieler Missverständnisse liegt in der offensichtlichen Schwierigkeit für die Beteiligten sich einzugestehen, dass an dieser Stelle zuallererst etwas für uns selbst entstehen muss und nicht etwa für die jährlich seitens der Stadt eingeladenen Gäste, welche wir umständlich ‘ehemalige jüdische Leipziger Mitbürger’ nennen. Es gibt keine Tradition des öffentlichen Eingestehens eigener Unzulänglichkeit und des dramatischen Versagens, obwohl wir das zum Überleben brauchen wie das tägliche Brot. Am Standort der Gemeindesynagoge sollten wir uns den Spiegel des eigenen Scheiterns vorhalten können. [...] War es gestalterisch unlösbar, am Standort der Gemeindesynagoge ein künstlerisches Spiegelbild der untergegangenen alten Leipziger Gemeinde entstehen zu lassen? Keines der ausgewählten künstlerischen Ergebnisse genügt [...] in überzeugender Weise diesem Anspruch. Sie könnten ebenso in Dresden, Bad Mergentheim oder anderswo errichtet werden." Am häufigsten werden die immer wieder bemühten Namensnennungen als Versuch einer Individualisierung des Schreckens kritisiert, ebenso wie die fehlenden Bezugspunkte, emotionalen Anstöße für zukünftige Generationen, die keine persönliche Beziehung mehr zu den Ereignissen haben. "Letztendlich könnte für Leipziger und Gäste der bedrückende Eindruck entstehen, dass hier eine Verpflichtung abgearbeitet wurde und nun wieder zur Tagesordnung übergegangen werden kann."
zitiert aus: Hubert Lang: Thema verfehlt? - Über die Schwierigkeiten im Umgang mit Form und Inhalt. In: Leipziger Blätter. Heft 35. Leipzig 1999. S. 39.

Dieser herben Kritik folgt nach der Ausführung des Entwurfs von Sebastian Helm und Anna Dilengite eine eher wohlwollende Besprechung, die ihre Bedenken auf Details im Umgang mit dem Denkmal lenkt. "So überzeugend die gestalterische Grundidee des Mahnmals an Ort und Stelle ihre Wirkung zu entfalten vermag, so problematisch erscheint es, dass das Stuhlfeld jedermann zugänglich ist", da sie die Gegenwart von Besuchern auf den Stühlen für den "würdig-stummen" Eindruck als mindernd erweise, denn allein die Leere der Stuhlreihen versinnbildliche den Gedanken an die Judenverfolgung.
Positiv und doch nicht besonders aussagekräftig das Gesamtresümee: "...eines haben sie sich - parallel zu einer internationalen Gestaltungsidee - offensichtlich vorzustellen vermocht: wie es aussehen könnte, ein Denkmal heute. Noch dazu ein Denkmal für etwas, das sich eigentlich jeder Darstellung entzieht."
zitiert aus: Stefan Voerkel: Leere Stühle: die neue Gedenkstätte für die verfolgten Leipziger Juden. In: Leipziger Blätter. Heft 39. Leipzig 2001. S. 5.


Weiteres zum Thema "Synagogendenkmal Leipzig"