Leipziger Kunstorte
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Synagogendenkmal | Wettbewerb

Gewinner des Wettbewerbs

Ein erster Platz wurde nicht vergeben. Zwei Entwürfe erhielten den zweiten Preis. Dennoch wurde kein platzierter Entwurf realisiert. Ablehnungsgründe dieser ausgewählten Entwürfe waren unter anderem:

2. Platz
Uwe Mietke und Kai Schreiber, Leipzig



Der kubische, eindringlich strenge Baukörper nimmt nur noch die Ausrichtung der Synagoge auf. Er schneidet sich tief in das Erdreich ein, hält so die Erinnerung wach. Der Innenraum ist zugänglich, sparsam von Außenlicht beleuchtet, ein Gedenkort. Durch ihn soll der Verlust jüdischen Lebens und jüdischer Kultur wieder in das Bewusstsein der Stadt geholt werden, in dem der Ort nach der Zerstörung der Synagoge im Grunde nie wieder baulich definiert worden war, ohne dabei jedoch die Synagoge in irgend einer Weise zu rekonstruieren.
Eine im Modell nicht dargestellte Eichenreihe schirmt den Bau gegen die Plattenbauten aus der DDR-Zeit ab. Die Bestimmung des Raumes erhellt sich erst im Inneren des Baus, Einblicke in die Schichten des Erdreichs thematisieren Zerstörung und Fortgang menschlichen Daseins an diesem Ort.
Hervorgehoben wird von der Jury die Klarheit und Strenge, wodurch sich eine dauerhafte Wirkung ergeben kann. Doch kann der Innenraum nicht ohne Aufsicht ständig zugänglich sein, was sich als nicht lösbares Kostenproblem entpuppt.


2. Platz
Peter Krauskopf, Knut Hauswald und Markus Geiler, Leipzig / Meißen



Glasplatten schneiden sich ins Erdreich ein. Eingeschriebene Namen individualisieren die Judenverfolgung. Als Kontrast dazu ist der Grundriss der Synagoge mit schwarzen Steinplatten hervorgehoben. Der Stein als Symbol der Verbundenheit mit dem Ort, der Hoffnung, in Leipzig eine Heimat gefunden zu haben, steht so im Spannungsverhältnis zu den sich überschneidenden Glasplatten, deren Zerbrechlichkeit die Zerstörung dieser Hoffnung an diesem Ort anmahnt.
Einwände brachte die Jury gegenüber der Beliebigkeit der Verteilung der Glasplatten und der nicht durchdachten Umsetzung der einzugravierenden Namensschriftzüge vor. Zudem erweist sich Glas als städtegestalterisches Element als unzulänglich und nicht dauerhaft.


3. Platz
Acerplan Planungsgesellschaft, Apolinarski + Huch und Fischer-Art



Acht Säulen machen das ehemalige Volumen der Synagoge fassbar. Die leichte Drehung und Zuspitzung des Grundrisses der ehemaligen Synagoge lässt die Gedenkstätte in den öffentlichen Raum hineingreifen. Die runde Form der Apsis wurde durch einen spitzen Winkel ersetzt, der sich in die Gottschedstraße einschneidet und auf die einstige Verzahnung der Stadt mit jüdischem Leben verweist und durchaus auch als Provokation angedacht ist. Dieser Entwurf ist unübersehbar.
Doch genau dieses Eingreifen in den öffentlichen Raum, verbunden mit einem nicht zu begründenden Materialmix, ließ die Jury Abstand nehmen von diesem Entwurf, der ihr so nicht realisierbar erschien.


Zvi Hecker, Berlin



Als einziger der hinzugeladenen Künstler und Architekten gelangte Zvi Heckers Entwurf in die Endrunde. Seine Idee eines aufgeschlagenen, zerrissenen Buches mit fehlenden Seiten, die durch Fundamentstreifen versinnbildlicht werden, soll auf die Lücken verweisen, die die Verfolgung der jüdischen Gemeinde im Stadtleben hinterlassen hat. Das Preisgericht würdigt die Metapher des Buches, die hier für vieles stehen soll, doch bleiben Zweifel, ob sich dies auch für den Besucher erschließen lässt und das Bauwerk auch ohne eine dahingehende Interpretation wirken kann.


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