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Augustusplatz | Karl-Marx Relief | Wettbewerb

Wettbewerb zur bildkünstlerischen Gestaltung der Karl-Marx-Universität Leipzig

Die Ausschreibung des "Wettbewerb(es) für Entwürfe zu drei Hauptobjekten der bildkünstlerischen Gestaltung der Karl-Marx-Universität Leipzig" erfolgte am 12.03.1970. Der Ausschreibung vorangegangen war eine etwa einjährige Diskussion um Standorte der Kunstwerke, um politisch-ideologische Konzeptionen, um Themen. Kompetenzstreitigkeiten und -überschneidungen zwischen Universität und Stadt waren der Grund für das planerische Chaos. Dem Haupteingang des Rektoratsgebäudes wurde zunächst ein Etat von 250.000 Mark und das Thema "Karl Marx und das revolutionäre weltverändernde Wesen seiner Lehre" zugesprochen. Diese inhaltliche Vorgabe wurde jedoch, auch im Hinblick auf das bevorstehende Leninjahr, in "Leninismus - der Marxismus unserer Epoche" umformuliert. Aufgabe war es, "die Entwicklung der sozialistischen Menschengemeinschaft bildkünstlerisch und architektonisch widerzuspiegeln, wobei die herrschende Arbeiterklasse und ihre marxistisch-leninistische Partei als Träger der Geschichte und Erben des Kommunistischen Manifestes und aller fortschrittlichen Traditionen der Entwicklung der Menschheit in den Mittelpunkt der figürlichen Gestaltung" (*) zu setzen sind.
Vom Rat der Stadt Leipzig wurden folgende Anforderungen für das Relief formuliert:
"Durch eine oder mehrere sozialistische Menschengruppen ist auszudrücken:

Am Wettbewerb nahmen Prof. Bernhard Heisig, Gerhard Eichhorn, Max Gerhard Uhlig und das Kollektiv Rolf Kuhrt, Frank Ruddigkeit und Klaus Schwabe teil. Die ebenfalls angesprochenen Künstler Walter Womacka, Willi Sitte und Gerhard Bondzin sagten ihre Teilnahme ab. Zum Ausschreibungsende am 1.Juli 1970 lagen insgesamt elf Beiträge vor. In einer ersten Entscheidung der aus Vertretern des Rates der Stadt Leipzig, der Universität und des Verbandes der bildenden Künstler bestehenden Jury am 4.Juli schieden die Beiträge von Eichhorn und Uhlig aus. Obwohl Heisigs Entwurf sehr gelobt wurde, entschieden sich letztendlich 11 der 17 Juroren für das Modell des Künstlerkollektivs Kuhrt, Ruddigkeit, Schwabe.
Als sich im Jahre 1970 aufgrund finanzieller Probleme die Pläne für die Bebauung des Karl-Marx-Platzes noch einmal grundlegend änderten, hatte dies auch Konsequenzen für die bildkünstlerische Gestaltung. Der Etat wurde gekürzt, die Zahl der zu realisierenden Kunstwerke verringert. So entfiel ein zentrales Monument in der Platzmitte; dem Portalrelief kam jetzt eine platzbeherrschende Bedeutung zu. Da der bisherige Entwurf den neuen Anforderungen nicht genügte, wurde er schrittweise umgearbeitet. Durch die Umsetzung als Bronzeguß vervierfachten sich die Kosten auf 1,12 Millionen Mark. Die Fertigstellung des sogenannten "Karl-Marx-Reliefs" erfolgte termingerecht zum 25.Jahrestag der Republik am 7.Oktober 1974.


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