Natalia Bougai

Kamikaze

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Bildmosaik einer Stadtlandschaft. Nahaufnahmen durchzogen von Linien, die abreißen und aufgreifen, die unterbrechen und fortschreiben. Architektonisches und Geschichtliches vermischen sich, verweisen aufeinander. Zeichnungen und Fotografien aus Georgien.

Auf meinen Strteifzügen durch Georgien folge ich spontan den menschlichen Spuren, die hier eine mehrschichtige, heterogene Stadtlandschaft haben etstehen lassen. Die mir unbekannte Orte wecken plötzlich Erinnerungen in mir an meine eigene Heimat. Das Fremde und das Vertraute vermischen sich für mich auf eine seltsame Weise. In den Momenten einer subtilen Bewegung in mir entstehen Bilder, gezeichnet oder fotografiert. Mit ihnen begebe ich mich auf die Suche, mit Landschaft meine Erinnerungen und meine Empfindungen zu beschreiben.

Fotografien, Zeichnungen, 2013-2015.

Atlantiden

Natalia Bougai, Atlantiden, Installationsansicht.

Installationsansicht.

Atlantiden, Fotografien (Leuchtkästen), Sound (5.1), 2013.

Handelt es sich hier um die wahren Geschichten oder hätten sie nur so stattfinden können? Es bleibt offen, ob diese Bilderzählungen objektiv überprüfbar oder frei erfunden sind. Wann und wie greifen die Bilder ineinander, fangen an zu erzählen?
So wie bei einem Erinnerungsgebilde es sich oft nicht auseinander flechten lässt, was und auch wie mithinein geflossen ist, der Grad der gegenseitigen Färbungen, suche ich auch bei meiner eigenen Arbeit eine Verwebung des Dokumentarischen mit dem Assoziativen und verwende dafür Elemente, die bei der Entstehung einer Erinnerung mitgewirkt haben können: Klänge, Wörter, Bilder, Farbe, eine bestimmte Atmosphäre sind Material meiner Arbeit.

Blaue Stunde

Während der stillen Ausbreitung der Abenddämmerung verwandelt sich die ganze Welt um uns.
In dem immer stärker werdenden Zwielicht verlieren Dinge ihre Form, ihre scharfen Konturen, die Farben verändern sich unmerklich und gehen in eine bläuliche Homogenität auf. Es wird zur Welt der gewichtlos schwebenden, miteinander verschmelzenden, immer rätselhafter werdenden Formationen. Das bisher klar eindeutige verliert seine Vertrautheit. Verhältnisse zueinander und zu uns lösen sich. Auf der anderen Seite gewinnt das Dunkle, die Unschärfe und das Uneindeutige an Kraft.
Es ist die Zeit der Blauen Stunde.
Diesen Aspekt der Wandlung, der Verwandlung, finde ich an diesem Naturphänomen so besonders.

Im Reich der Blauen Stunde scheinen eigenartige Ruhe und Zeitlosigkeit zu herrschen als existierten wir weit entfernt von unserer gewohnten Realität. Dieser Augenblick – der Augenblick der Bilder – ist ein Moment der Stille, in dem die Dinge in Schwebe sind und sich „namenlose Dinge ereignen“.

Jüterbog II

analoge Fotografie

aus der Serie “Jüterbog II”, 2009, Gesamtansicht.

Jüterbog II. – Bilder, die mit meiner Erinnerung und meiner Wahrnehmung dieses Ortes zu tun haben. Hier bin ich zur Welt gekommen, mit Jüterbog verbinden sich meine allerersten Erinnerungen an meine Kindheit und die Welt überhaupt.
Kurz nach meinem zweiten Lebensjahr haben meine Eltern diese Stadt verlassen. Geblieben ist mir ein Fotoalbum aus der damaligen Zeit, mit einer Ansichtskarte auf der Titelseite. Dieses Fotoalbum begleitete mich meine ganze Kindheit. Nach über 30 Jahren bin ich wieder in Jüterbog. Auf der Suche. Nach nichts Konkretem, womöglich auch nach nichts Sichtbarem, im gewohnten Sinne jedenfalls.

In der Sprache der Psychologie steht ein nach oben gerichteter Blick für die Erinnerung an etwas – aber auch ein Kind blickt häufig nach oben – und ein nach unten gerichteter Blick steht für eine Vorstellung von etwas. Sich etwas vorzustellen funktioniert am besten mit geschlossenen Augen, vermutlich weil ein Ruheraum, eine Projektionsfläche geschaffen werden muss, damit etwas, ein Bild zum Beispiel, überhaupt entstehen kann. Um sich an etwas zu erinnern, braucht man es nicht, denn es ist schon da, im Gedächtnis. Es muss nur wieder hervorgeholt werden.

Die Fotografie gibt mir die Möglichkeit, Bilder, die in uns oder in mir sind, wachzurufen, das unbewusst und ungewusst vorhandene zu visualisieren.

Lebenslauf

*1974 in Potsdam

aufgewachsen in Zentralrussland

seit 2007 Studium an der HGB in Leipzig

2000 Abschluss als M.A. in Frankfurt am Main

1997 – 1998 Stipendiumaufenthalt in Barcelona/Spanien

1994 – 2000 Studium der Germanistik, Hispanistik und Ost-Slavistik an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt am Main/Deutschland

1991-1994 Studium der Geschichte und Germanistik an der K.D. Uschinsky Universität in Jaroslavl/Russland

1987 – 1991 Kunstschule (Zeichnung, Malerei) in Jaroslav/Russland

Ausstellungen

2015 “Werkschau 2015″, Werkschauhalle, Spinnerei, Leipzig

2015 „Tombola“ Kunstverein Leipzig

2015 “Spontaneous frameworks”, Bükü, Leipzig

2014 Lichtfest Leipzig

2014 „So nah – so fern“/“So close – so far“. Intershop Camp. A project with Opera Leipzig, Ballet Leipzig, Schauspiel Leipzig, HGB, HMT and Museum of Contemporary Art (GFZK), GFZK Leipzig


2014 Gyeongnam International Photography Festival, Art Center, Chanwon Korea

2013 “Picture Show”, Sir Alabama, Leipzig


2013 “drei, drei, drei, bei Issos Keilerei”, Galerie erstererster, Berlin


2013 “Intimate”, Galerie EIGEN + ART, Leipzig

2013 “extra – experimental trails” Festival for experimental Film- and Video art, D21 Kunstraum, Cineding, Leipzig


2012 ZOOM”, HGB Academy of Visual Arts Leipzig


2011 “Cartes Postales D’Artistes”, Goethe-Institut Lyon


2011 “DORA. An Artistic Approach to the Culture of Remembrance” a group show at Pasinger Fabrik, Munich and at Universal Cube, Spinnerei, Halle 14, Leipzig

2010 “Nacht des radikalen Films”, International Competition for Radikal Film, Schaubühne Lindenfels, Leipzig

2010 “Die Erfundene”, Kunstraum fett66, Hamburg

2010 No-ISBN. „Salon für Kunstbuch. An Artwork as Enterprise“ at Museum of Contemporary Art (GFZK), Leipzig


2008 F/Stop international photography festival, Leipzig
2008 nominated for the “HGB Studienpreis 2008″ Leipzig

2007 “liebesrisse”/”love rifts”, Academy of Visual Arts (HGB) Leipzig