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"Napster und die Folgen"

BLOCKSEMINAR
von Volker Grassmuck
vgrass@rz.hu-berlin.de

Do & Fr, 25. & 26.1.2001

für alle Fachbereiche und Semester
Teilnahme von Nicht-HGB-Angehörigen ist möglich

 

Neu: Napster-Seminar-Mailingliste subscribe | unsubscribe

Konzept
TeilnehmerInnen
Fahrplan
Zu vergebende Themen
Symposion
Referenzen
 
 
 



 
 
 
Konzept
 
"What is piracy? Piracy is the act of stealing an artist's work without any intention of paying for it. I'm not talking about Napster-type software. I'm talking about major label recording contracts."
(Courtney Love )
Im Herbst 1999 trat mit Napster eine neue Art, Informationen im Internet zu verbreiten, auf den Plan. Für das Teilen von Musik im MP3-Format entwickelt, aber im Prinzip auf beliebige Inhalte auszuweiten, erlaubt das System, Dateien auf der eigenen Festplatte allen Teilnehmern zugänglich zu machen. Freie Weiterentwicklungen des Konzepts, wie OpenNap, Gnutella und Freenet, haben die Dezentralisierung des Netzwerks und die Anonymisierung der Teilnehmer jeweils einen Schritt vorangetrieben -- in genau die Richtung, die die Musikindustrie verhindern wollte. 

Ein 18-Jähriger namens Shawn Fanning hatte eine Idee -- und die Fertigkeiten und die Hartnäckigkeit, sie zu verwirklichen. Smarte Geldgeber sahen darin ein Business-Modell. Die Musikindustrie hält es für den Untergang des Abendlandes. Die Gerichte mutmaßen "Beihilfe zum Urheberrechtsverstoß".  Bertelsmann dagegen entdeckt darin ein neues Business-Modell. Und Millionen von "Peers" tauschen fröhlich weiter, was ihre Festplatten nur hergeben.
 

"Oklahoma Student May Face Music Download Charges

OKLAHOMA CITY (Reuters, Monday September 18, 2000) - An Oklahoma State University student could face criminal charges of copyright infringement after police found as many as 1,000 Internet music files on his computer, campus police said on Monday.

Police seized the personal computer and a CD recorder from the student's dorm room after university officials were notified by the Recording Industry Association of America (RIAA), which is campaigning against the wide-spread practice of copying and moving music over the Internet.

University officials said the Washington D.C.-based RIAA, which represents big record companies, had notified the school that it had detected a high volume of music downloads to the campus computer network.

A computer forensic specialist has since been busy analyzing the files on the computer's hard drive, said OSU police Lt. Steve Altman.

``The computer specialist feels there may be in excess of a thousand files,'' Altman said. ``That could cause state felony charges to be filed for copyright infringement.''

Altman declined to name the 19-year-old male student, who has not been arrested. The results of the police investigation will be turned over to a district attorney and it could be weeks before any charges are filed, Altman said." (posted by Julian Dibbell on ###Nettime, Mon, 18 Sep 2000) 


 
"Geistiges Eigentum" ist eine seltsame Sache. Rechtsgeschichtlich ist es vergleichsweise jung. Sein Status ist schwammiger als der anderer Eigentumsformen -- genaugenommen ist es gar keines, sondern nur ein "Quasi-Eigentum". Kaum ein anderes Rechtsgebiet wandelt sich so rasch im Sog der beschleunigten Medientechnologieentwicklung. Schwammig sind auch Begriffe wie "Informations-" oder "Wissensgesellschaft". Ein mögliches Definiens ist, daß Verwertungsrechte an "geistigen Werken" zur zentralen Ware dieser Gesellschaften werden. Sie sind die Verfügung über den "Content", der die Kanäle vom Web bis zu UMTS füllt. Die mächtigsten Industrien sind heute nicht mehr diejenigen, die Autos oder Konsumelektronik herstellen, sondern diejenigen, die Nutzungen von Werken an Dritte (Plattenindustrie, Fernsehstationen, Merchandizer usw.) und an die "Endverbraucher" lizenzieren. 

Als kreativ Schaffender steht man auf beiden Seiten der Medaille. Kein Mensch ist eine Insel. Jede, die etwas schöpft, bereichert sich dabei an den Werken anderer. Doch wie lang darf ein Musik-Sample aus der letzten Scheibe von Madonna maximal sein, bevor ich für seine Verwendung eine Lizenz erwerben muß? Wie viele Photoshop-Filter muß ich auf ein Zeitschriftenfoto anwenden, damit es mein eigenes Werk wird? 

Wenn ich nicht ein ganzes Foto, sondern nur ein Bildelement daraus in mein eigenes Werk übernehme, ist das doch erlaubt, oder? Ich arbeite an einem Semesterprojekt mit Shockwave; die Software kostet so viel wie mein ganzer Computer: ist es OK, wenn ich mir eine Kopie der HGB-Version für meinen PC zuhause ‘ausleihe'? 

Wo hört die Inspiration auf, wo beginnt das Plagiat? Und dann gab es da doch noch Künstler, wie die Situationisten, LLoyd Dunn oder John Oswald, die ihre eigenen Werke unter ein dezidiertes Anti-Copyright stellen und offensiv für das Recht eintreten, fremde Werkelemente anzueignen.

Und was ist mit meinen eigenen Arbeiten, wenn ich sie in's Netz stelle und sie anderswo ganz oder in Teilen wieder auftauchen? Wenn ich mein Werk an ein Online-Magazin verkaufe und ein Nachrichten-Portal zitiert daraus, habe ich dann Anspruch auf eine Vergütung von meiner Verwertungsgesellschaft Bild / Wort / Ton? Ich habe einer Freundin einen Drum ‘n' Bass- Track komponiert; es freut mich, wenn andere an der Schule das Stück hören und um eine Kopie bitten, aber jetzt ist es in Napster aufgetaucht und meine Verhandlungen mit einem Indi- Label sind geplatzt -- was kann ich dagegen tun?
 


 
Anempfohlene Lektüre:

Volker Grassmuck, Kapitel "Copyright" aus dem Abschlußbericht des DFG-Projektes "Von der Ordnung des Wissens zur Wissenordnung digitaler Medien" von Wolfgang Coy, Hugo Pflüger und vgrass: pdf, 471 kB (sorry, right now for internal use only)
 


 
TeilnehmerInnen

Hendrik Gundlach
Robin
Rainer Bossert 
Sandy Neumann
Alexander Joscht
Lina Dinkla
Mario Röhrle
Bert Röhner
Jirka Pfahl 
Kai Kauerhof 
Mariele Jansen
Sebastian Uhlig
Valentina Francias 
Tamas Szakal 
Ule Münster 
Stefan Zeilner 
Clemens von Wedemeyer 
Francis Hunger 
Johanna Diehl 
Alexander Sperrle 
Andreas A. Milles 
Andreas Ullrich 
 


 
 
 
Fahrplan
 

VORBEREITUNG

TREFFEN
Fr 15.12.2000 und 
Mo 8.1.2001 
jeweils 13:00, R. 3.06.

oder

Anmeldung und Themenvergabe per eMail an vgrass@rz.hu-berlin.de
 

 


 

 

BLOCKSEMINAR
 

Do & Fr, 25. & 26.1.2001 
jeweils 10-18:00, 

HGB, Wächterstr. 11
25.1.: Raum 2.30
26.1.: Raum 3.06
 
 

1. Tag 
 


 
 
 
 
 
 
 


Zu vergebende Themen
 

10 - 12:00 Stefan Zeilner:
Napster, was ist es, wie funktioniert es? incl. Demo vom CD-Rippen bis zum Austausch (s. Referenzen)
   
12 - 13:00  Pause
   
14 - 15:00 Sebastian Uhlig / Mariele Jansen:
OpenNap, Gnutella, Freenet; incl. Demo (s. Referenzen)
   
15 - 17:00  Kai Kauerhof / Andreas Ullrich:
Urheberrecht: Geschichte, Konzept der "Balance", Wandel durch neue Medientechnologien (s. Referenzen)
   
17 - 18:00

 

 
   

2. Tag 
   
10 - 11:30 Francis Hunger: 
Plagiarismus, Plunderphonics und Anticopyright der 80er und 90er: "PhotoStatic/Retrofuturism", "YAWN", "VAGUE" Tape Beatles u.a. (s. Referenzen)
   

11:30 - 12:00

Tamas Szakal / Alexander Sperrle:
Technische Rechteverwaltungssysteme: Wasserzeichen, Tracking, Kryptografie (s. Referenzen)
   
12 - 13:00 Pause
   
13 - 15:00 Andreas A. Milles:
Die Rechteindustrie: Player, Verflechtungen, Reichweite (s. Referenzen)

Bert Röhner: (fällt aus)
die Verwertungsgesellschaft GEMA

   
15 - 17:00  Jirka Pfahl:
Lizenzen: proprietäre und frei, für Software und für Content (s. Referenzen & Referenzen)
   
17 - 18:00 Abschluß- und Vorbesprechung für die Moderation des folgenden Symposions
   
18 - 20:00 Pause
   
20:00 -> Symposion