30.10.00: Intro
Literatur
| Medientheorie
neues Feld wie Psychologie oder Soziologie (Marx, Durkheim, Weber) Medientheorie (McLuhan, ...) Geschichte und Theorie der Einzelmedien Die Genealogie der Medien geht zurück bis auf die ersten als Symbolträger
dienenden Artefakte des Menschen. Sie bewegt sich in großen Schritten
über die Buchkultur der Gutenberg Galaxis und die technischen Netzwerkmedien
des 19. Jahrhunderts bis zur elektronischen, digitalen Gegenwart - der
Turing Galaxis. Jede Phase der Medien beruht auf bestimmten Grundelementen,
dem Zeichenmaterial und seiner Materialität, die wiederum charakteristische
Operationen, z.B. Formen der Speicherung oder Verküpfung, zulassen.
Medialogische Dimensionen
Übertragen: mündlich, Brief, Verkehr, Telegraf, Telex, Telefon, Fax, Funk, Radio, Fernsehen, Rechnernetze, Satelliten, digitaler Rundfunk (Reichweite?) Verarbeiten: menschliche Einbildungskraft, optochemische Bildbearbeitung, Montage, Rechner (Lochkartenleser, Computer), Simulation, Interaktion Jede Phase der Medien beruht auf bestimmten Grundelementen, dem Zeichenmaterial und seiner Materialität, die wiederum charakteristische Operationen, z.B. Formen der Speicherung oder Verküpfung, zulassen. Input
Output
Mediale Life-Cycle: Verbreitung, Verdrängung (*Bruce Sterling:
Dead Media)
Zeichenlogische Dimensionen
Medienanthropologische Dimensionen
Flusser: Modi des In-der-Welt-Seins Sinne: Füße, Hände, Nase, Mund, Augen, Ohren
Flusser datiert den Ur-Sprung des Abstraktionsspiels mit dem Willendorfer,
der aus einem Hirschgeweih die "Venus" schnitzte und aus dem Kontiuum der
Raumzeit das dreidimensionale Universum der Skulptur herauslöste.
Es herrschte die Vorstellungskraft der Hände, die fähig sind,
"die uns angehenden Körper festzuhalten, um sie zu begreifen," (S.12
f.) und die Magie.
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| Venus von Willendorf
eines der bekanntesten archäolog. Fundstücke Österreichs, um 25.000 [22.000] v. Chr. entstanden. [die älteste gefundene paläolithische Venus-Darstellung] Gefunden am 7. 8. 1908 bei der Freilegung altsteinzeitl. Siedlungsreste bei Willendorf in der Wachau. Aus Kalkstein hergestellte, 11 cm hohe vollplastische Figur einer beleibten, unbekleideten Frau, der Kopf hat kein Gesicht, Frisur aus parallelen Lockenreihen, an den Handgelenken gezackte Armreifen, urspr. dick mit roter Farbe bemalt. Am selben Ort wurden, aus Mammutstoßzahn gefertigt, eine möglicherweise unvollendete Frauenstatuette mit 22,5 cm Höhe und ein ovaloider Körper von 9 cm Höhe gefunden ("Venus II und III"). Mutter Erde, deren Vereinigung mit dem männlichen Himmel den Kosmos
hervorbringt. Der griechische Dichter Hesiod schrieb 700 vuZ. von der "tiefbrüstigen"
Gaea, die dem Chaos entstieg.
linkes Foto © Copyright Österreich-Lexikon
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| Diese Artefakte konstituieren ein Reich externer
Symbolspeicher, das sich in der Folge in immer dichteren Lagen um die nicht-medialen
Aspekte der Welt legt und unser Daseins schließlich weitgehend bestimmen
wird. Information wird unabhängig vom lebenden menschlichen Gedächtnis
und transportabel in Raum und Zeit. Wir können jedoch annehmen, daß
die damaligen Menschen diese symbolischen Artefakte nicht als mediale Speicher
für einen fernen Dritten, als Botschaften gar für eine Nachwelt
ansahen. Vielmehr dienten diese sakralen Objekte dem Austausch mit allgegenwärtigen
übermenschlichen Entitäten. Sicher wurden sie auch auf Wanderungen
mitgenommen und ausgetauscht, doch erhielten sie ihre Bedeutung erst im
Rahmen des lebenden gesungen, getanzten Gedächtnisses, in den Riten
und Festen. Die Beine laufen nicht mehr, aber wenn sie im Tanz den Rhythmus
des Gedächnisses skandieren, erinnern sie sich noch an das Unterwegssein.
Mit der Seßhaftwerdung treten die Bestandteile auseinander. Die Geschichte der Medien ist diese Zergliederung des Mediums Mensch und die Externalisierung seiner einzelnen Funktionen in Artefakten. Verkehr tritt als eigenständige Seinsweise, als Mittel der Übertragung erst hervor im Gegensatz zur Seßhaftigkeit. Mit Techniken und Materialien zur Aufzeichung von Beobachtungen und Erfahrungen beginnt, was Flusser das Abstraktionsspiel nennt. Aus den Traumpfaden der nomadischen Vorfahren wird ein mentales Unterwegssein. Über Tage hinweg vorgetragene Epen bedienen sich Melodie und Reim als Gedächtnishilfe, vor allem aber einer ausgeprägten visuellen Vorstellungskraft. Ein Zeugnis davon bewahrt sich, wo diese alte Technik in die Schriftkultur hineinragt. Die Griechen haben eine Kunst, die ars memoria, daraus gemacht, die noch heute als Mnemotechnik bekannt ist. Dabei werden loci und imagines agentes (Orte und aktive lebhafte Bilder) benutzt, um in einem dynamischen Format res und verba (Dinge und Wörter) zu speichern (Yates). Weiterhin agiert hier ein Körper im Raum, doch nur als mentales Wandeln zwischen Säulen und Statuen, während der Orator seinen durch und durch seßhaften Zuhörern Ideen vor Augen führt. Der Schritt von Beinen und Händen zum Auge als wichtigstem Vorstellungsorgan markiert die nächste Stufe in Flussers Abstraktionsspiel. In den Höhlen von Lascaux fand der Übergang ins Universum der Bilder statt, vom Volumen zur oberflächlichen Szene. |
| Lascaux
ca. 18.000 vuZ. ähnliche Höhlenmalereien z.B. in Chauvet sind Karbon-14-datiert auf über 30.000 vuZ. |
http://www.perigord.tm.fr/SEMITOUR/PREHIST/LASCAUX/lascaux2.htm |
| Die Höhle von Lascaux
1963 für die Öffentlichkeit geschlossen. |
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| "Raum der Stiere"
Pferde, Stiere und Hirsche auf einem über 20 Meter langen, durchgehenden Fresco. |
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http://www.perigord.tm.fr/SEMITOUR/PREHIST/LASCAUX/BASEIMAG/baselasc.htm |
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http://www.perigord.tm.fr/SEMITOUR/PREHIST/LASCAUX/BASEIMAG/baselasc.htm |
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http://www.perigord.tm.fr/SEMITOUR/PREHIST/LASCAUX/BASEIMAG/baselasc.htm |
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http://www.perigord.tm.fr/SEMITOUR/PREHIST/LASCAUX/BASEIMAG/baselasc.htm |
| Daraus geht das Universum der Texte hervor,
zum Beispiel das der mesopotamischen Epen. Die lineare Schrift entsteht,
als die zweidimensionalen Bilder nebeneinander auf eine Reihe gesetzt werden,
sowie aus der Notwendigkeit zu zählen. Vorstellungsorgan der linear
geordneten Begriffe ist das 'innere', theoretische Auge, vor dem sich bildhaft
noch die Theaterstücke der ars memoria abspielten. Vorstellungsorgan
des Zählens sind die Finger (digits), durch die die Zählsteine
(calculi) laufen.
Token
zur Entstehung der Schrift im mesopotamischen Raum und zu neueren Arbeiten
der französisch-amerikanischen Archäologin Denise Schmandt-Besserat
Die Zahl, z.B. die Keilschrift der Babylonier, dient der Buchführung,
addressiert somit Geschäftspartner und nicht länger Götter.
Gegen die Bilder hat sich die eindimensionale Welt der Textzeile und des
Gewebes aus ihr durchgesetzt, der Denkrahmen, der noch heute weithin vorherrscht.
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| Altpersische Keilschrift
Mesopotamien, Wurzeln unserer Kultur sumerische Keilschriften der III. Dynastie von Ur (um 2290-2220 v. Chr.)
aus Städten am Unterlauf des Euphrat im heutigen Irak sind Zeugnisse
der ältesten Schrift der Menschheit, die die Wirtschaftsgeschichte
einer versunkenen Welt greifbar werden lassen.
Der altpersersische Keilschrifttext (rechts), der Georg Friedrich Grotefend (1775 - 1853) als Ausgangspunkt für den Beginn der Entschlüsselung der Keilschrift diente, stammte aus dem Tafelwerk des Orientreisenden Carsten Niebuhr. Von den 37 Zeichen der altpersischen Keilschrift entzifferte Grotefend 1802 10 Zeichen. Für die übrigen 27 Zeichen benötigten 10 weitere Wissenschaftler dann noch 45 Jahre! Zur Motivation Grotefends, sich mit der altpersischen Keilschrift zu beschäftigen, ist folgendes überliefert: Bei einem Spaziergang im Juli 1802 mit seinem Freund Rafaello Fiorillo wurde das Problem aufgeworfen, ob es möglich sei, eine Inschrift zu entziffern, von der weder Schrift noch Sprache noch Inhalt bekannt sind. Für Grotefends Behauptung, das dies möglich sei, forderte Fiorillo in einer Art Wette den Beweis. Er schlug Grotefend vor, es anhand der damals unentzifferten Keilschriften zu versuchen. Innerhalb von sechs Wochen hatte er die Grundzüge der altpersischen Keilschrift geknackt! Die erste Zeile der obigen Tafel lautet in heutiger Umschrift:
© spontan 28.01.2000
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| Wie funktioniert Keilschrift?
© Monday, December 29, 1997 by Michael Fischer
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| INIM KIENGI IV / Sumerische Keilschrift mit dem Computer
Selbstverlag Dipl.-Ing.Univ. Albert Reizammer Geräteanforderungen:
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| Gutenberg-Galaxis
In der Turing Galaxis, im Universum der integrierenden und informierenden Universal- Maschine, so die These, beobachten wir heute die Umkehr des von Flusser beschriebenen Wegs: von der Nulldimensionalität der Bits, über eindimensionale Texte und zweidimensionale Bilder, zu gestaffelten Hypertexträumen, komplexen Netzen und dreidimensionalen Räumen, und schließlich zu vierdimensionalen Interaktionsräumen. Dabei handelt es sich natürlich nicht um eine Rückkehr in irgendeinem Sinne. An die Stelle der Kategorie der Wahrheit, in deren vermeintlichem Dienst die Abstraktion vorangetrieben wurde, ist die der Möglichkeit getreten. Skulptur
‘Horizont' -- dieser Begriff ist von Virilio entlehnt, der vom natürlichen Horizont der 'kleinen Optik' im materiellen Raum (direktes, natürliches Licht, das unmittelbar und in echter Zeit wahrnehmbar ist) spricht, im Gegensatz zum Horizont der 'großen Optik' oder 'Elektrooptik' (indirektes, künstliches Licht, das in Echtzeit auf einem Videoschirm wahrgenommen wird). allgemeiner: die Grenzen dessen, was Menschen zu einer bestimmten Zeit
über Medien wahrnehmen können. Nur der Teil der Welt, der bereits
mediatisiert ist, erscheint auf dem Medienhorizont, und er erscheint in
der sensorischen Bandbreite, mit der jeweils der Medienkonsument an den
künstlichen Horizont angeschlossen ist.
Nutzungsfunktionale Dimensionen
Gesellschaftlich-kulturelle Kontext (z.B. "Gutenberg-Galaxis")
Medientechnische Dimensionen
Medienwirtschaftliche Dimensionen
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| Literatur
Kommunikationssysteme von Beginn bis heute (PDF)* Volker Grassmuck, Die Turing-Galaxis. Das Universal-Medium als Weltsimulation, in: Lettre International, Frühling 1995 Flusser, Lob der Oberflächlichkeit, * Peter James, Nick Thorpe, Keilschrift, Kompaß, Kaugummi. Eine Enzyklopädie der frühen Erfindungen, Sanssouci Vlg., München 1998; ISBN: 3725411336, Preis: DM 39,80 Susanne Holl, Tokens, Vortrag im Oberseminar des Inst. für Ästhetik der HU Berlin, o.J., nicht mehr im Netz Schmandt-Besserat 1994: Forerunners of Writing, in: Hartmut Günther und Otto Ludwig (Hrsg.): Schrift und Schriftlichkeit. Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung, Berlin-New York Schmandt-Besserat, Denise 1992: Before Writing. From Counting to Cuneiform, Austin/Texas Damerow, Peter und Robert K. Englund, Hans J. Nissen 1988b: Die ersten Zahldarstellungen und die Entwicklung des Zahlbegriffs, in Spektrum der Wissenschaft, März 1988, S. 52-54 Aleida und Jan Assmann, Christof Hardmeier (Hrsg.): Schrift und Gedächtnis. Beiträge zur Archäologie der literarischen Kommunikation, München 1983 Ifrah, Georges 1991: Universalgeschichte der Zahlen, Frankfurt/M.-New York Földes-Papp, Károly 1987: Vom Felsenbild zum Alphabet. Die Geschichte der Schrift von ihren frühesten Vorläufern bis zur modernen lateinischen Schreibschrift. Stuttgart-Zürich Karl Brethauer (Hg.), Grotefend Festschrift (im Auftrag der Stadt Münden; mit Autobiographie (1803) & Walther Hinz, "Grotefends genialer Entzifferungsversuch"), Münden 1975
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