[X] Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines Kunststudenten Diese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern. (1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

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Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Standpunkt Gespräch mit mir #27
  • [ Wegen leichter Halsschmerzen tagsüber im Bett. Nicht mit nach Berlin gefahren. Gedanken zum gestrigen Gespräch mit Werkstattleiter über Avantgarde und Bedeutung von Kunst allgemein und heute. ]
  • Je mehr Kunst ich sehe, in Museen, Galerien, Ausstellungen allgemein, desto … ratloser … bin ich.
  • [ Klick. ]
  • Mhm.
  • In den letzten Jahren habe ich ja mir sehr viel angesehen. Und … was schon deutlich wird ist, dass neuere Kunst, …
  • [ Schlucke. ]
  • … also sagen wir seit 100 Jahren, aber vor allem jetzt in den letzten Jahrzehnten, … ähm … sie in alle Richtungen ausschert.
  • [ Pause. ]
  • Alles vertreten wird.
  • Alle Meinungen.
  • Alle Stile. Alle Techniken.
  • Was auch gut ist! Ich meine, ich lebe da jetzt drinne. So. Das gefällt mir.
  • Eigentlich.
  • [ Laut eingeatmet. ]
  • [ Pause. ]
  • Die Frage ist halt: Gibt es überhaupt etwas, was … mhm … also …
  • [ Schlucke. ]
  • … also wo man heute sagen würde, das ist heute die … das wäre heute die Moderne?
  • Also wo etwas Neues … ähm … Wo etwas … ähm … Wie heißt das?
  • Propagiert!
  • … wird.
  • Also gesagt wird: Äh …
  • Das ist Kunst! Äh …
  • Das ändert sie!
  • Das ist tot!
  • Ähm … So muss es sein!
  • Das ist die Zukunft!
  • [ Pause. ]
  • Wie im Gespräch auch … äh … gestern … glaube ich … Da habe ich schon gemerkt, dass … Es GIBT vielleicht … also die Idee der Avantgarde … Das ist vielleicht komplett …
  • [ Luft pfeift durch den Mund. ]
  • … FALSCH.
  • Also ich meine, sie sind … so habe ich das jetzt gemerkt … ja auch immer irgendwie … GESCHEITERT.
  • Und es kam etwas Neues. Und das Neue war plötzlich das Richtigere. Äh … Systeme … ähm … wurden beendet. Und damit hörte auch eine … ähm … Kunst auf. Und was anderes … übernahm das.
  • Also ist … ähm … der DRANG nach … nach etwas NEUEM, nach DEM Richtigen, nach dem ZUKÜNFTIGEN, …
  • [ Schlucke. ]
  • Der ist vielleicht … ähm … Der ist eigentlich bloß VORGESCHOBEN!
  • Dadurch … ähm … Also der Mensch, also ICH neige dann ja dazu, … ähm … äh … selbst so einen Drang zu verspüren. Irgendwie so ein kribbeln. So. Das ist vielleicht das Menschliche! Ähm …
  • [ Klick. ]
  • Vielleicht evolutionär bedingt!
  • Dass man nach … äh … nach etwas NEUEM, etwas HÖHEREM, strebt.
  • Und dass dieser … Es ist kein Fehler! Aber vielleicht, ich sag's jetzt einfach mal so … Das dieser Fehler auch in der Kunst gemacht wird.
  • [ Pause. ]
  • Dabei sind doch … Ich BIN jetzt eben schon wieder bei … ähm … Ja. Bei Höhlenmalerei. Äh … Oder bei anderen Anfängen der Kunst.
  • Da sind ja diese Dinge nicht …
  • [ Schlucke. ]
  • Ich denke: Nicht … Dass sie nicht den Drang hatten, etwas Neues zu machen.
  • Genauso wie Kinder! Oder … ähm … psychisch Kranke!
  • Sondern da geht es halt ja wirklich um … um den MENSCH!
  • Um das, was er erlebt! Ähm … Das auszudrücken!
  • Ob bewusst oder unbewusst. Das ist zweitrangig.
  • Und das ist ja eigentlich das, was am Ende … ähm … das ist, wo ich selbst länger vor verweile.
  • So wenn ich da Geschichten sehe!
  • Und dass eigentlich ein Pissoir in der Kunst … ähm … Ja! Es IST … äh … ähm … Es GRIBBELT mir! Ähm … Auch beim Schwarzen Quadrat! Wenn ich darüber nachdenke.
  • Gleichzeitig lässt es einen halt irgendwie … [ Pfff. ] … so im Raum … ähm … alleine stehen.
  • Weil es ABGEKOPPELT ist. Es ist irgendwas theoretisches. Was … Irgendein Gehäuse, was … ähm … irgendwelche Künstler oder irgendwelche … äh … Theoretiker … ähm … sich erdacht haben. Und wo halt … Wo halt etwas PASSIERT. Was halt aber eben nicht mehr … ähm … zum …
  • MENSCHEN …
  • … vordringt.
  • [ Pause. ]
  • Denke ich.
  • [ Pause. ]
  • Deshalb komme ich auch irgendwie wieder zu dem Schluss: Ähm … Einfach das machen. was … ähm … was KOMMT. Also was ich … ähm … Was aus mir heraus sozusagen … ähm … entsteht.
  • Ich jetzt den … äh … Drang irgendwie verspüre, weiter … ähm … diese Geradenbilder zu machen. Ohne jetzt eben diese Idee der Moderne irgendwie … ähm … äh … dadrinne sehen zu MÜSSEN.
  • Die ich ja auch selbst hatte!
  • An den Anfang gehen! Von dort aus etwas … äh … schaffen, was … ähm …
  • Naja.
  • Was … Was Bedeutung hat.
  • Was das dann auch immer ist.
  • Also wenn ich den Drang spüre, das zu machen, dann spricht eigentlich nichts dagegen, einfach es zu …
  • TUN.
  • Also einen kleinen Plotter zu kaufen und im kleinen Format … ähm … große Arbeiten schaffen. Und das sind dann große Arbeiten, weil sie … ähm … entstehen … ähm … in … ja … stundenlanger Arbeit. Ähm … Wo der Drang aber eben nicht … äh … der ist, andere zu …
  • … zu ÜBERZEUGEN!
  • Oder zu ÜBERTRUMPFEN!
  • Oder überhaupt GESEHEN zu werden!
  • Sondern halt einfach der ist: Es tun.
  • [ Pause. ]
  • So ich merke es halt bei mir. Ich glaube nach dem Studium möchte ich das gerne tun. So. Egal wie … wie verrissen es werden würde, wenn ich das … ähm … einen Professor zeigen würde. So. Der alles hinterfragen würde. Warum ist das … und das? Was willst du damit sagen?
  • Es sollte für mich glaube ich IRRELEVANT sein.
  • Das ist … ähm …
  • Das interessiert nicht.
  • [ Pause. ]
  • So, wie wenig es die Höhlenmenschen interessiert hat, … äh … wie … wie … wie ihre Zeichnungen … ähm … in … ein paar tausend Jahren angenommen werden. Oder wie wenig es Kinder interessiert, … ähm … wenn sie zeichnen. Äh … Was die Erwachsenen eigentlich darin sehen.
  • Klar. Darin gibt es immer irgendwo eine Rückkopplung.
  • Ähm … Aber ich glaube, im Kind drinne ist selbst das … der Drang es einfach zu MACHEN.
  • So.
  • Ob nun mit Stift. Mit Kreide! Mit … äh … Mit Sand! Das ist ja eigentlich total egal! Das … Es entsteht halt ETWAS.
  • Etwas SCHAFFEN.
  • Punkt.
  • [ Pause. ]
  • Ohne es begründen zu tun.
  • Und dieses … äh … Selbstbildnis … Also wenn ich jetzt Geradenbilder weiter machen würde … Das Selbstbildnis wäre ja weiterhin … ähm … denke ich mir … einfach … ähm … Teil meiner Arbeit. Aber nicht weil … Eben nicht weil es Thema ist, sondern weil es … Ich bearbeite es halt gerne damit. So. Es macht mir … Doch. Es macht …
  • Ich weiß nicht warum! Aber anscheinend mache ich es gerne. Also sollte ich es doch TUN! Ohne da jetzt eine riesen große … ein theoretisches Konstrukt drum herum bauen zu müssen.
  • Was aber schon mehr oder weniger VERLANGT wird. Wenn man Künstler sein will. DER auch … äh … ausgestellt wird. DER auch bei Wettbewerben mitmacht. Äh … DER auch Beachtung findet. Wo Kataloge geschrieben werde. Immer! Sich selbst … Also selbst WORTE finden müssen für eine BILDNERISCHE Arbeit … ist rudimentär. Heute.
  • Ich denke aber auch, ich kann den anderen Weg gehen. Und sich dem eben … eben verweigern.
  • Weil man es selbst einfach nicht … äh … ähm … äh … es nicht theoretisieren möchte. Also nicht um aufzufallen, wieder. Sondern einfach man WIRKLICH nichts … äh … nichts sagen … zu sagen hat. Weil man es eben nicht selbst … ähm … Oder das Geheimnis. Dieses … äh … äh … Diese … Diesen Schleier nicht selbst … äh … lüften möchte.
  • So.
  • [ Klick. ]
  • [ Pause. ]
  • Trotz allem. Wenn ich wieder zu solchen Gedanken komme, finde ich halt … naja … die Zeit der Moderne … ähm … unglaublich … ähm … REIZEND. Also wirklich … ähm …
  • [ Schlucke. ]
  • Da bekomme ich große Augen!
  • Auch wenn ich jetzt im Nachhinein mitbekomme: Vielleicht ist es doch für mich oder für in der heutigen Zeit, wo bereits alles ausgereizt wurde oder … oder vieles … das meiste … da ist es gar nicht mehr von Bedeutung … äh … sowas zu tun. Damals … äh … wollte man sich von etwas befreien.
  • Und dann kann jetzt vielleicht etwas kommen, was … ähm … einen Schritt weitergeht.
  • Was das HINTER sich lässt! Und … ähm … ähm … wieder den … dieses … eine … nicht-theoretisierte Arbeit schaffen.
  • [ Klick. ]
  • Was dann … äh … die Betrachter und die Bücher in ein paar Jahrzehnten darüber schreiben, das ist … äh … das ist irrelevant. Das … Irgendwas kommt da sicherlich! Als: Das war wieder eine Strömung! Oder …
  • Wo ich jetzt nicht einmal davon ausgehen würde! Es ist natürlich irgendwas anti. Also dagegen sein. So. Äh … Da belebt sich ja Kunst von. Da lebt die Kunst von. Aber ich denke jetzt, so dieser Gedanke, geht eher in eine ganz andere Richtung.
  • Wo es eigentlich keine Rolle spielt.
  • [ Aufnahme Ende. ]