[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

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Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Standpunkt Art brut [Sprachnotiz vom Gugging-Aufenthalt transkribiert] Gespräch mit mir #6
  • [nach nicht aufgezeichnetem Selbstgespräch versucht jenes zu rekonstruieren]
  • [im Raum mit Arbeiten von Johann Garber]
  • Was hab ich denn da gesagt?
  • [Stimme im Hintergrund]
  • Kinderzeichnungen.
  • Ne. Was der Unterschied dazu ist.
  • [kurze Pause]
  • NE! Was der Unterschied zwischen ihm und zwischen mir jetzt sein wird.
  • [Stimme im Hintergrund]
  • Ich bin jetzt irgendwie auf der Suche nach … dem, wo ich das Gefühl habe: Das ist … ähm … Das kommt wirklich aus einem heraus!
  • Und das macht man nicht … äh …, um in der Kunstwelt … ähm … Fuß zu fassen. Man … man nimmt nicht irgendwie ein besonderes Papier, weil das gut rüber kommt!
  • Man überlegt sich nicht, welchen Stil man haben will, damit es sich gut verkaufen lässt.
  • Oder so.
  • [kurze Pause]
  • Sondern ich denke, das ist hier wirklich so entstanden, dass …
  • Ne.
  • DOCH. Ich … ich …
  • Es kommt … [nicht verständlich] … ständig Besucher.
  • Ja JETZT. Aber ich kann mir gut vorstellen …
  • [nicht verständlich]
  • Das ist der selbe. Ja.
  • Aber der ist schon gestorben.
  • Okay. Aber ich glaube nicht, dass im Vordergrund stand … jetzt in der Kunst … ähm … Welt … irgendwie … ähm …
  • Vielleicht, dass es [nicht verständlich]
  • Das denkst DU jetzt.
  • Glaube ich nicht!
  • Also wenn man sowas primitives als … als … als … Grund hat, dann macht man das nicht lange. Dann ist das wirklich nur noch Handwerk Handwerk.
  • Aber … das … das … glaube ich nicht. Bei diesen Ergebnissen, wie du das hier siehst.
  • Das ist ja ein extrem … also extrem … VIEL Output.
  • Da will der irgend…
  • [nicht verständlich]
  • Was?
  • Ja. Das ist jetzt ein scheiß Wort.
  • Nein. Aber da will … da will ja irgendwas raus. Anscheinend.
  • Und das suche ich halt bei mir selbst auch!
  • Irgendwie.
  • Weil bei mir WILL nichts raus.
  • Weil da irgendwie nichts drinne ist.
  • Habe ich das Gefühl.
  • [kurze Pause]
  • Und ich habe aber das Gefühl eben bei sehr sehr vielen … äh … ähm … Ausstellungen, oder bei Kunststudenten, dass es so ein … ähm … Ich muss mir jetzt halt ein Thema suchen, oder … oder zufälligerweise habe ich jetzt ein Thema, also verwende ich das.
  • Und mache das irgendwie groß.
  • So.
  • Und das wirkt aber alles so … so konzeptuell.
  • Also so … so geplant einfach.
  • Und nicht als etwas, was aus einem wirklich heraus will.
  • Und da gefällt mir das hier halt ENORM.
  • [kurze Pause]
  • Weil das wirkt nicht. Das wirkt so, als käme es [ohne Zwang Zwang so heraus].
  • Und eben auch dieser … dieser … äh … Zu diesem Stil jetzt noch einmal kurz. Was ich gesagt hatte.
  • Die … ähm … Diese geometrische Periode bei den Griechen. Wie die mit Mustern angefangen haben.
  • Das … ich meine … Das sehe ich hier ja auch!
  • Und auch das mit den ganzen steifen Penissen, die hier überall sind. Das ist ja auch bei den Griechen so gewesen. Wo die die ganzen muskolösen … äh … jungen Typen Sport haben treiben lassen.
  • Auf den Vasen. Überall sind … äh … errigierte Peniss!
  • [kurze Pause]
  • Und das ist was URIGES.
  • Finde ich.
  • Also er greift ja vielleicht UNBEWUSST auf … auf … diese … auf so eine alte Tradition. Oder auf dieses … dieses VERLANGEN halt, den Körper so darzustellen, zurück.
  • Er machts ja noch nicht einmal … Also das sind ja hässliche Körper. Eigentlich.
  • Die sind jetzt nicht so … So schön athletisch.
  • Wie bei den Griechen. Wie die das wollten.
  • [kurze Pause]
  • Mhm.
  • [kurze Pause]
  • Zum Beispiel: Ich hätte nicht das Verlangen, dieses Abendmahl zu malen.
  • Das ist genau richtig so. Aber ich hätte halt … Also ich habe keinen BEZUG dazu. Das ist halt so eine … so eine … christliche … äh … Tradition.
  • Irgendwie.
  • Das ist ein bekanntes Bild. Aber das jetzt noch einmal als Motiv zu nehmen … Das … Das würde mir nicht einfallen.
  • [kurze Pause]
  • Hingegen jetzt sowas hier. Da unten! Diese Kirche!
  • Oder was es ist.
  • Dieses rote Bild! Ne? Mit der Sonne. Ganz ganz einfach gemacht!
  • Das scheint ja eher … äh … aus seiner Umgebung zu sein.
  • [Pause]
  • [ich gehe zum Bild]
  • Na. Da steht jetzt nichts dazu.
  • [kurze Pause]
  • Und die Giraffe sicherlich auch!
  • [kurze Pause]
  • Oder diese Henne. Oder was das da ist. Ne?
  • [kurze Pause]
  • Mhm.
  • [kurze Pause]
  • Das kann ich halt maximal mit der Katze machen.
  • [kurze Pause]
  • Nur bei mir wirkt es dann eben so … GEWOLLT!
  • Ich WOLLTE sozusagen so sein, wie … wie ER.
  • Oder wie andere Art Brut Künstler.
  • Oder wie Kinder! Oder so.
  • Oder wie Höhlenmenschen!
  • Nur die Höhlenmenschen haben sich ja nicht gesagt: Oh, wir wollen jetzt so … so primitive Kunst machen.
  • Damit wir später auffallen!
  • Oder weil wir was URIGES machen WOLLEN. Sondern die hatten das ja WIRKLICH gemacht, weil sie das gerade als … äh … als DAS … äh … DAS … DAS WOLLTE AUS DENEN RAUS!
  • [kurze Pause]
  • Und ich weiß jetzt gerade nicht, ob es was bringt, da nachzumachen.
  • Zu kopieren!
  • Klar entsteht dann dabei auch etwas Neues. Weil du ja so deine eigenen … ähm … Empfindungen und deine eigene Geschichte mit reinbringst.
  • In deine … in deine Zeichnungen.
  • [Pause]
  • Aber ob jetzt der Weg der richtige ist, … äh … ERST zu kopieren und DANN halt etwas … etwas zu schaffen … Also mit dem Hintergrund VERLANGEN. Etwas zu schaffen, was aus einem eigentlich RAUS WILL.
  • Ich weiß nicht, ob das klappt.
  • [kurze Pause]
  • Die Giraffe würde ich halt gerne nachmachen.
  • [kurze Pause]
  • Und diese Henne da!
  • [kurze Pause]
  • Und dieses … äh … dieses Gebäude!
  • Also mir gefallen eigentlich eher so diese … diese … diese mit so einer Farbfläche. Weißt du?
  • Diese Bilder.
  • Also nicht einmal diese mit den ganzen … schwarzen Strichen.
  • Oder das mit dem Pferd! Wo der Typ da drauf sitzt.
  • Auch mit einem errigierten Penis wieder.
  • [kurze Pause]
  • Und die BILDERRAHMEN.
  • Die sind ja auch Teil … also teilweise selbst dann noch einmal … bemalt.
  • [Pause]
  • Und Kreuze hat der auch … ähm … VIELE.
  • Gemacht.
  • [kurze Pause]
  • Die sind aber bestimmt nicht verhüllt.
  • [kurze Pause]
  • Das ist halt auch noch einmal so … so was. Ich weiß nicht, ob das urig ist. So dieses … äh … EIN Muster. Ständig wiederholen.
  • Punkte wiederholen!
  • Blumen… äh …motive wiederholen.
  • Linien wiederholen.
  • Da kann man ja riesen große Flächen FÜLLEN mit.
  • [kurze Pause]
  • Da muss man dann halt nur aufpassen, dass es nicht zum … zum Design-Objekt wird.
  • [kurze Pause]
  • Das man das nur macht, um … um eine Fläche zu füllen.
  • Ich weiß nicht. Schaut eigentlich ganz hübsch aus.
  • [Pause]
  • [Blätterrascheln]
  • Also nach dem KUNSTSTUDIUM an der Hochschule … Ich glaube, da fange ich bei NULL an.
  • [kurze Pause]
  • Ich versuche alles wieder zu vergessen.
  • Und auch mein … meinen Arbeitsraum werde ich … ähm … ALLES rausnehmen, was … was mir so vorkommt, als würde ich da bloß so TUN WOLLEN, als wäre ich ein Künstler.
  • So. Diese ganzen … ich weiß nicht … Ölfarben. Oder so.
  • [kurze Pause]
  • Die … Das PROFI-ZEICHENPAPIER. Oder wie die dann heißen. Die so teuer sind.
  • [kurze Pause]
  • Immer darauf bedacht, wenn Sonne drauf kommt, dass sie ja nicht verbleichen. Oder so.
  • [kurze Pause]
  • Das … das … das … das ist doch alles HEMMUNG.
  • Ähm.
  • Einfach etwas zu tun!
  • Das fällt mir bei der Büste auf.
  • [kurze Pause]
  • Ich hatte EXTREME Hemmung, da … äh … da weiterzuarbeiten.
  • Weil ich bloß eine hatte.
  • Also auch beim Holz.
  • Die habe ich ja jetzt kaputt gemacht.
  • Aber seit dem ich halt diese Silikonform habe und ich weiß halt, ich kann sie … äh … oder ich WERDE sie jetzt auch häufiger machen … Dann … dann KANN ich einfach drauf herum hauen.
  • Und gucken, was passiert!
  • [kurze Pause]
  • Das hat mir da zum Beispiel gefehlt.
  • Und da ist die Hochschule für mich halt irgendwie … so … so ein Hemm-Material.
  • [kurze Pause]
  • Da kann ich mich ganz schlecht überwinden, einfach etwas zu … zu verhauen. Weil ich dann denke: Jetzt ist es danach kaputt und ich kann das nie wieder machen.
  • Und das selbe bei einem Bild!
  • Da habe ich ANGST irgendwie einen falschen Strich zu ziehen!
  • Weil den … den kriegst du nicht mehr weg.
  • [kurze Pause]
  • Und hier sieht es ja nicht so aus, als hätte der irgendwie einen falschen Strich gezogen.
  • Da gehört ALLES dazu.
  • Das kann aber bloß passieren, indem du nicht ständig diese Angst hast.
  • Etwas falsch machen zu können.
  • [Pause]
  • Das heißt … einfach mal den Kopf abschalten. Eigentlich.
  • [Aufnahme Ende]