[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

frfr@hgb-leipzig.de
Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • [beim Essen im Kaufhaus auf Dachterasse aufgenommen]
  • [Straßengeräusche, laute Sirenen]
  • Meine Sicht: vieles nicht verständlich
  • Christian hat mich ja vorhin gefragt [räusper], was ich daraus… äh… lerne oder ziehe. Aus dem Gespräch, was wir hatten. Richtig?
  • [Geschirrklapper]
  • Stimmt.
  • Okay. Und beim Fahrrad fahren fiel mir jetzt ein, dass es mir tatsächlich etwas gebracht hat.
  • [lacht leise]
  • Und zwar ging ich bisher immer davon aus, das war meine Annahme, dass… ähm… dass der normale Besucher, also wie ein Christian oder wie ein Alexander, die halt lediglich mal kurz in den Kunstraum…
  • … Oder…
  • … schauen…
  • … die Oma.
  • Oder die Oma.
  • Dass die einfach kene… keine… keine Ahnung haben und total primitiv halt rangehen. Wie mit Sätzen: Das kann ich ja auch! Oder… ähm… Ach, dass… dass… ähm… äh… Oder ganz schnell begeistert sind. Nur weil es groß ist. Nur weil es schräg ist. Oder nur weil es eben… ähm… bunt ist.
  • [zieht Rotze hoch] [Frau lacht im Hintergrund]
  • Und aber eigentlich das meißte überhaupt nicht… ähm… äh… verstehen können.
  • Individualismus als Begründung
  • So. Und… äh… jetzt habe ich aber mitbekommen… ähm…, dass die KUNST einfach eine ganz andere geworden ist. Also diese zeitgenössische Kunst zumindestens. Wenn ich mir betrachte… äh… in den Kirchen die Gemälde, die ja auch heute als Kunst angesehen werden. Ähm… Die waren ja für die Masse gemacht! Also das heißt, die haben eine Geschichte erzählt. Und die Masse, die nicht lesen konnte, die sollte denen sozusagen etwas zeigen.
  • [Geschirrgeklapper]
  • Die sollte die Gläubigen halt… äh… zu… zusammen halten. In dem Kirchenraum. So. Und das verstehen die ja alle. Das heißt, da haben die nicht gefragt: Hä. Was soll das denn. Und so.
  • [Kinderstimme]
  • Sondern es war halt leicht verständliche Kost.
  • HEUTE leben wir aber in einer anderen Gesellschaft. Zumindestens hier. Und zwar ist sie sehr sehr individualistisch.
  • Das heißt, wenn wir eine Arbeit sehen, wie jetzt in der Galerie, … äh… mit den Baumarkt… ähm… äh… Strukturen. Ähm. Dann sehen wir halt eine Arbeit von EINEM Künstler. Äh. Und der hat NICHT unbedingt… äh… die… äh… die Symbolik genommen, oder Gedanken gehabt, die jetzt alle… äh… gleich haben. Sondern… sondern die kommen halt aus einer ganz ganz eigenen… äh… Welt heraus.
  • [Geschirrgeklapper]
  • Sicherlich natürlich… äh… bestückt mit… äh der Umgebung in der er lebt. Das beeinflusst einen ja immer.
  • [kurze Pause]
  • Als Beispiel hatten wir vorhin halt das mit dem Arnold Böcklin. Ähm. Die… Die Toteninsel. Wo ja Christian noch so gesagt hatte, das verstehst du. Das…
  • [kurze Pause]
  • Was hast du da gesagt? Bei… bei der Toteninsel?
  • Ja.
  • Das… Das ist für dich Kunst oder…
  • Eingeengte Interpretationsmöglichkeit
  • Und die Interpretationsmöglichkeiten sind halt eingeengt.
  • Genau. Darum ging es. Weil nämlich bei der Toteninsel werden halt Symbole verwendet, die auch zur damaligen Zeit, denke ich mir zumindestens, verstanden wurden. Zum Beispiel welche… ähm… äh… welche Art vom Baum benutzt wird. Was… was… äh… Was das Wasser bedeutet. Was der Übergang… äh… be… äh… bedeutet. Ähm. Das verstehen halt auch noch sehr sehr viele Menschen.
  • So. Weil das… Weil das sehr… Weiß nicht. Weil das… Weil das Zeichen sind, die halt… äh… die man lernt. Mit der Zeit. So… So wie wir eben lernen… ähm… äh… Was ist ein Baum. Was ist ein Strauch. Oder was ist eine Blume. So etwas definieren zu können. Eben.
  • Und… äh… bei der zeitgenössischen Kunst ist es halt anscheinend häufig so, dass es eben nicht… äh… mehr… Oder nicht mehr Symbole… äh… ähm… be… benutzt werden, die alle dann gleich verstehen sollen. Sondern sie kommen halt aus einer eigenen… äh… Welt. Aus einer Künstlerwelt. Und die verstehen halt nicht alle. Und das ist überhaupt nicht negativ!
  • Das dachte ich ja immer erst.
  • Es GIBT halt bloß dann ein paar, die das verstehen oder die sich damit auseinander setzen. Die lange Texte dazu lesen. Die Künstlergespräche führen. Und die dann Einblick in diese… äh… Welt erhalten. Aber das heißt halt nicht, dass das… ähm… ähm… Dass, wenn jetzt jemand sagt: Äh, das verstehe ich nicht… Und was ist daran Kunst? Und so. Dass das jetzt… ähm… schlecht ist. Dass er das sagt. Das PASSIERT halt einfach, wenn man… wenn man etwas macht, was… was… äh… Wie bei… Eben nicht wie bei Verkehrszeichen oder so. Was halt nicht Allgemeingültig ist. Und gleichzeitig ist das, was ja bei Christian… der hat das etwas anders empfunden… Aber wo ich halt sagen würde: Genau das macht es eben jetzt aus!
  • Du tauchst halt indem du in so eine Ausstellung gehst, in eine GANZ bestimmte Künstlerwelt ein. Und… äh… Und kannst dich in dem Moment Moment… äh… mit deinen EIGENEN Gedanken natürlich auch, damit auseinandersetzen.
  • Und das ist nicht so… würde ich jetzt direkt so sagen… langweilig. Wie wenn du in eine Gemäldegalerie gehst. Wo du nur Landschaften siehst. Oder so. Und aus der Romantik. Ähm. Ein bisschen verklehrt vielleicht. Mit einem Mond. Ähm. Mit Sonnenuntergang. Und so. Ähm. Das gefällt mir auch und würde ich mir auch gerne aufhängen. Aber es ist halt eine ganz andere… Oder man setzt sich ganz anders damit auseinander.
  • [Pause]
  • Also ich finde es überhaupt nicht negativ, dass… ähm… nicht mehr negativ, dass ich… äh… dass sich Alltagsmenschen, nennen wir sie jetzt mal so, [räusper], eher immer abwertend… ähm… Was ich jetzt zumindestens mitbekomme habe… dazu äußern.
  • Das ist halt einfach so. Das ist in… individualistisch und… äh… da kommt das halt vor. Dass das die meißten eben nicht verstehen. Wenn man sich nicht damit auseinandersetzt.
  • Auf der anderen Seite finde ich es natürlich nicht schön… äh…, dass dann so ein kleiner Kreis um die Künstler entsteht. Ähm. Ein INSIDER-Kreis. Sozusagen. Und die wollen sich im Endeffekt auch ein bisschen abheben. So. Die verstehen etwas, was andere nicht verstehen. Äh. Die geben viel Geld… äh… dafür aus… ähm.
  • Kunst ist elitär
  • Das ist elitär!
  • Das ist elitär.
  • So. Das… Das ist halt… Das ist die negative Seite von…
  • [kurze Pause]
  • … INDIVIDUALISMUS!
  • Ja!
  • [kurze Pause]
  • Entsteht dadurch vielleicht sowas… sowas elitäres, was eben nicht alle verstehen und… äh…
  • Ja aber das ist ja auch… ähm… mit Geld verbunden. Monitär. E… Elite.
  • Ja aber elitär heißt doch immer, es ist eine Auswahl!
  • [unverständlich, 5:25]
  • Ja aber es ist doch immer eine Auswahl.
  • Ja. Das ist eine…
  • … eine kleine Gruppierung,…
  • Ich verstehe Elite…
  • … die sich…
  • ja immer so: Da stellt sich jemand über andere.
  • GENAU! Genau. Aber das kannst du doch nur, wenn… wenn eben Kunst… Kunst gemacht wird… äh…, die eben NICHT von allen verstanden wird. Und in dem Moment Moment, wenn du Geld hast und dich mit dem Galeristen triffst und ihm sagst, du hast Interesse daran, und der redet mit dir,….
  • Ja.
  • … Verstehst du plötzlich Sachen, die andere nicht verstehen. Und du fühlst dich… halt gleich besser.
  • Und dann kaufst du das halt. Das… Das ist jetzt natürlich jetzt nicht…, dass der Künstler das deshalb gemacht hat. Aber… da kannst du vielleicht elitär mit Kunst verbinden. Mit der heutigen zeitgenössischen Kunst.
  • Ja.
  • Das ist… Das ist… Das ist… vielleicht das, was es noch VERSTÄRKT. Weißt du? Diese Strömung.
  • [kurze Pause]
  • Was davor jetzt nicht unbedingt… würde ich sagen… äh… äh… ist. Wenn du kirchliche Arbeiten oder sozialistische ansiehst. Oder… HÖHLENMALEREI. Oder so. Das… Das hat nichts elitäres an sich. Das sollten die Massen verstehen.
  • Und deshalb kann… konn… können… können sich jetzt Menschen, die Geld haben, nicht damit… äh… abgrenzen. Und sozusagen zeigen: Schaut her Leute, ich habe jetzt dieses Gemälde bei… bei mir… äh… von der Ma… Madonna oder so. Das ist uninteressant. Eher. Außer das ist halt ein ganz berühmtes. Sondern wenn du heute sagst: Hier, du hast einen komischen… äh… blauen… blauen… äh… ne blaue Farb… Farbfläche… und das ist von diesem… äh… Klein. Mit dem Kalvin Klein Blau. Oder wie das heißt. Ähm. Dann setzt du dich ab. Die meißten verstehen es nicht.
  • Ja.
  • Aber du verstehst es und… äh… und du verstehst es, weil du… weil du sozusagen Kunstkenner kennst. Die die das beigebracht haben. Und… du hast viel Geld dafür ausgegeben.
  • [Straßengeräusche]
  • [Pause]
  • Der normale Betrachter KANN es halt nicht verstehen
  • Also es gibt… ähm äh… dass der normale Mensch eben… äh… NAJA… der Alltagsmensch… Also der jetzt nicht im Kunstraum… äh… drinne ist… Das sehe ich gar nicht mehr negativ. Dass er es gar nicht verstehen KANN. So.
  • Was halt noch die Frage ist: Ist dieses mit dem elitären, mit… äh… dass sich da Leute sozusagen abgrenzen wollen, von der Menge, in dem… Naja. Okay. Mal gucken.
  • [Abbruch Aufnahme]