[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

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Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, Ricardo Alcaide
Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, Ricardo Alcaide
Rainbow of Chaos Nr. 2 (Ausschnitt), 2016, Ricardo Alcaide
Rainbow of Chaos Nr. 2 (Ausschnitt), 2016, Ricardo Alcaide
Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • Was passiert denn mit den ganzen Objekten…
  • Rote Punkte
  • Da sind hier irgendwo die roten Punkte.
  • Genau.
  • Na wenn hier rote… rote Punkte sind, dann sind die weg.
  • Es GIBT keine Punkte.
  • [lacht]
  • Es gibt nicht einmal Titel.
  • Das ist ein Kriterium. Ob da ein roter Punkt ist oder nicht.
  • Nein! Da geht es ja nur darum, wurde es gekauft. Aber da gehts einfach um den Kunstmarkt.
  • Selbst… selbst dann sagt es noch lange nicht, dass es jetzt gute Kunst ist. Das heißt bloß, dass jemand sich dafür interessiert. Und es halt bei sich hinhängen will. Überm Sofa. Zum Beispiel. Das… das wäre ich jetzt zum Beispiel. Der sich Gedanken macht. Passt das in meine Wohnung oder nicht. Aber das heißt halt nicht, dass es gute Kunst ist. Sondern lediglich, dass es ein schönes Wohnaccessoir ist. Und womit man noch ein wenig angeben kann. Vielleicht.
  • [laute Stimmen im Hintergrund]
  • Die werden ja lauter! Jetzt MÜSSEN WIR AUCH LAUTER WERDEN!
  • [lacht]
  • Also?
  • [kurze Pause]
  • Na gehen wir mal weiter.
  • Wieso. Wir können noch zum Café.
  • Na ich will jetzt noch nach hinten!
  • Na okay. Wir gehen noch nach hinten.
  • Na warte mal. Ich will erst einmal hier durch.
  • [Frauenstimme im Hintergrund: Ja.]
  • furchtbar baumarktmäßig
  • Furchtbar! Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, Ricardo Alcaide gespraech3-7-k.jpg
  • Nein! Ich finde… du… du siehst bei allen eine… glatte Oberfläche. Schonmal. Das heißt, dass… dass ist etwas verbindendes. Von… von den Arbeiten.
  • Als ich klein war, hab ich so kleine Schiffe versucht zu bauen. Mit mehreren Hölzern, die ich übereinander genagelt…
  • Das sieht so baumarktmäßig aus. Das stimmt.
  • Für mich waren das auch Schiffe. Wenn ich sie heute sehen würde wären es keine Schiffe.
  • Nein. Ich dachte, du willst jetzt darauf anspielen, dass das halt ähm… ähm… einzelne… Holzteile sind, die vielleicht nicht ganz zusammenpassen. Die dann zusammen montiert wurden, …
  • Nicht passend!
  • … eine Komposition gemacht wurde. Naja. Auch ein bissle halt mit der Farbe und so. Aber das ist ja alles aus Absicht gemacht. Behaupte ich jetzt mal.
  • Mhm. Wenn ICH das irgendwo finden würde… ja? Ich würde das wegschmeißen!
  • [kurze Pause]
  • Ist das nicht eine Schrift hier?
  • [kurze Pause]
  • Du?
  • Mhm?
  • Ist das eine Schrift?
  • Wo ist die Schrift.
  • [KNIPS]
  • Der macht manchmal hier Fotos zwischendurch.
  • [KNIPS]
  • Na hier, diese Zeichen. Ha. Es. Kenne ich nicht. Das kenne ich auch nicht. Das erinnert mich an die Konstellationen-Bilder. Nur dass das hier cool aussieht.
  • Das ist Zufall.
  • Und warum ist es Zufall? Weil es eine sehr einfache äh äh …
  • Hier steht Reinbow of Keios.
  • Warte mal!
  • Und warum ist es Zufall Wei? Äh Christian? [grinst] Weil es eine sehr einfache…
  • In einer Gruppe mit dem Chinesen.
  • [beide lachen]
  • Weil das sehr einfache Formen sind. Und sehr einfaches Material. Was sich halt bei vielen Künstlern, die damit arbeiten, immer irgendwie überschneiden wird. Weißt du?
  • [kurze Pause]
  • Auf Chaos [Titel der Arbeit "Rainbow of Chaos N2"]. Und Chaos wäre für mich … wären für mich jetzt diese einzelnen Bretter. Die halt nicht speziell dafür gemacht vielleicht wurden.
  • Aber jetzt wirst du ja gelenkt. Weil du den Titel gelesen hast.
  • Das ist noch die nächste Frage. Was hättest du gesehen ohne dem Titel.
  • Na ich habe mich ja jetzt eher auf einzelne Sachen konzentriert. Ich habe eher gedacht: Pfff. Furchtbar.
  • Und was denkst du jetzt, wenn du den Titel siehst?
  • Es wird nicht besser.
  • Wie heißt das? Rainbow of … Chaos.
  • Nummer 2!
  • Okay.
  • Es wird nicht besser.
  • [kurze Pause]
  • Also hier ist ja der Punkt… Wenn ich dieses Chaos machen würde, würde ich es sogar noch schöner machen.
  • Ich finds aber gerade cool. Diese ganzen kleinen Zeichnungen. Hier drauf. Mit dem Wo muss genau was sein und so. Das zeigt ja eher, dass das eben ein… geführter Chaos ist. Also dass das nicht ähm bloß zufällig so ist. Sondern der hat halt markiert, wo das sein soll. Und danach hat er es dann festgemacht. Rainbow of Chaos Nr. 2 (Ausschnitt), 2016, Ricardo Alcaide gespraech3-8-k.jpg
  • Absichtlich unsauber
  • Naja. Man könnte auch sagen, er hat unsauber gearbeitet.
  • NEIN. Das hat er eben nicht. Oder er hat das erst nachträglich gemacht. Das kann natürlich sein.
  • Ich gucke mal hier…
  • Er hat erst unsauber gearbeitet und dann…
  • Ja aber das ist doch Absicht! Du sollst ja die Spuren sehen, die derjenige da gemacht hat. Das machts doch…
  • Warum soll ich das.
  • Na ansonsten wäre es wirklich nur noch ein Designobjekt. Was halt schön aussieht. Und so hat es noch eine Geschichte. Und die Geschichte, die ist hier in dem Moment Moment auf diesem Ding drauf. Geschrieben.
  • Das hat doch nichts besonderes!
  • Hast du das schon einmal gesehen?
  • [kurze Pause]
  • Nö.
  • Dann ist es ja was besonderes.
  • Acha [sarkastisch]. Alles was ich noch nicht gesehen habe, ist was besonderes.
  • Für dich ja!
  • Nö.
  • Für dich doch! Oder warum ist das für dich nichts besonderes.
  • [20:00]
  • Kann ich selbst machen!
  • Weil ich das selber… genau so produzieren könnte.
  • Die Toteninsel kannst du auch machen. Du brauchst halt…
  • Ne. Die kann ich nicht machen.
  • … nur ein bisschen Übung.
  • Da… da fehlt mir auch …
  • … Handwerk Handwerk.
  • Handwerk Handwerk.
  • Aber das… hatten wir doch schon.
  • Aber da fehlt mir natürlich auch …
  • Den Blick.
  • … die Idee.
  • Die Komposition!
  • Und der Wille. Aber hier… ich meine… da kann ich mich hinstellen und kann es einfach zimmern. Wenn mir langweilig ist. Und quasi so ein bisschen rummalen.
  • Bloß deins hängt nicht in der Galerie.
  • Ja das ist ja der Punkt! Aber wie kommst du dahin?
  • Also ich würde jetzt hier zum Beispiel so…
  • Und…
  • Ich würde jetzt hier zum Beispiel so kleine Figürchen, die ich so finde, irgendwie noch so trapieren. Wie ein kleines Regal.
  • Wo du das jetzt wieder sagst… Das hängt nicht in der Galerie. Mein … Nichtgemachtes.
  • Kunst ist, was der Markt als Kunst definiert
  • [lacht]
  • Dann merkt man ja wieder: Vielleicht geht es ja sehr… um den MARKT. Für dich ist Kunst, …
  • [KNIPS]
  • … was der Markt als Kunst definiert. Hier sagt der Markt: Das ist Kunst! Wir können dafür Achtzehntausendfünfhundert Franken verlangen. Aber das ist doch…
  • Aber verlangen heißt ja nicht, dass man es bekommt.
  • Okay. Natürlich kann man jetzt sagen: Was der Markt als Kunst definiert… Das ist die Kunst.
  • Na das finde ich eigentlich irrelevant. Was der Markt sagt.
  • Ja aber darüber hast du doch gerade darauf angespielt.
  • NEIN! Ich… Was der Markt sagt… das sagt ja nicht, dass es gute Kunst ist. Das heißt lediglich, dass es reiche Leute gibt, die dafür viel Geld ausgeben. Weil sie gehört haben, dass das gute Kunst sein soll. Es kann ja auch äh… gute Kunst sein, die nicht gekauft wird. Weils einfach noch niemand mitbekommen hat.
  • Was ist denn gut und schlecht. Also an Kunst.
  • Na das wäre jetzt ja wieder eine individuelle Entscheidung. Die DU fällen musst.
  • Ja aber ich… ich dachte, es geht erst einmal um die Frage: Ist das überhaupt Kunst für mich, oder nicht.
  • Na du hast gesagt, es ist für dich irgendwie etwas, was du selbst machen kannst.
  • [spricht wieder leiser] Das ist ja für mich nichts. Keine.
  • Auch in Verbindung mit diesem großen hier? Wo du noch …
  • Das ist sehr interessant! Dieses Ding.
  • [kurze Pause]
  • Gehen wir weiter?
  • Ja bitte.
  • Gabs nicht in dem Kunstmuseum dieses eine…
  • Hier denke ich noch…
  • … das mit den Regalen? Weißt du noch, was ich meine?
  • Nein.
  • Wo… wo wir mit der Frau waren. Und danach im Café.
  • In dem Schaulager?
  • Ne. In diesem Kunstmuseum.
  • Mit der Sabine!
  • Genau. Und wo dann Regale so herumstanden. Und ähm abgebrannt glaube ich leicht. Ne?
  • Das weiß ich nicht mehr.
  • Okay.
  • Wenn ich das sehe, denke ich an meinen Keller
  • Wenn ich DAS sehe, denke ich an meinen Keller. [Arbeit Settlements Nr. 10, 2016, metal shelf composition with various construction objects, Ricardo Alcaide, evtl. Bild später einscannen, da nicht fotografiert]
  • Hast du da SO kleine Regale?
  • Ne. Nicht ganz so kleine. Aber ein bisschen größer. Aber auch ein bisschen hoch.
  • Aber das ist ja eben kein Regal mehr. Mit der Funktion eines Regals.
  • Wieso nicht.
  • Kannst du da was reintun?
  • Da wurde doch was reingetan.
  • Es ist etwas, was du äh… reintun würdest, um es zu lagern und dann später wieder zu nutzen?
  • Vielleicht.
  • Was war DAS jetzt für eine Antwort! [lacht]
  • Naja guck mal. Du kannst doch die Platten da rausnehmen.
  • Ne. Kannst du gar nicht mal. Weil die Platte höher ist als das Regal.
  • Aber das. Ich hab ja auch nur gesagt, es erinnert mich an… meinen Keller.
  • Na das ist doch gut. Das heißt, es gibt eine Verbindung zwischen dir und zwischen dieser Arbeit.
  • [sehr leise] Ja aber es ist … PFFF…
  • [23:18]