[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

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Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Museum von Arzt Ole Worm, Kopenhagen
Museum von Arzt Ole Worm, Kopenhagen
Präparatearrangement mit klagenden Kinderskeletten, Konkrementen und Gefäßausgüssen, von Anatom Frederik Ruysch
Präparatearrangement mit klagenden Kinderskeletten, Konkrementen und Gefäßausgüssen, von Anatom Frederik Ruysch
Muskelmann, Mitte 19. Jhd., Jacques-Eugène Caudron (1818-1865, Bildhauer), Skulpturensammlung Dresden
Muskelmann, Mitte 19. Jhd., Jacques-Eugène Caudron (1818-1865, Bildhauer), Skulpturensammlung Dresden
Gesichtsschädel mit aufmodellierten anatomischen Strukturen in Wachs, A & P Seifert, Berlin, 19. Jhd., Wachs-Trockenpräparat
Gesichtsschädel mit aufmodellierten anatomischen Strukturen in Wachs, A & P Seifert, Berlin, 19. Jhd., Wachs-Trockenpräparat
Rechter Unterarm mit Wachsinjektion der Arterien, 1898, kombiniertes Trocken-Injektionspräparat, Inv.-Nr. ANA2006/511
Rechter Unterarm mit Wachsinjektion der Arterien, 1898, kombiniertes Trocken-Injektionspräparat, Inv.-Nr. ANA2006/511
Gesichtsurne aus Liebenthal bei Marienburg in Westpreußen, 1871
Gesichtsurne aus Liebenthal bei Marienburg in Westpreußen, 1871
Critical, 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide
Critical, 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide
Toteninsel, 1880, Arnold Böcklin, Kunstmuseum Basel
Toteninsel, 1880, Arnold Böcklin, Kunstmuseum Basel
System, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, 140x170cm, Ricardo Alcaide
System, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, 140x170cm, Ricardo Alcaide
Unsettled, 2017, 50 numbered and signed bricks, Ricardo Alcaide
Unsettled, 2017, 50 numbered and signed bricks, Ricardo Alcaide
Recherche Anatomisches Museum (zur Ausstellung von gestern, aus Ausstellungs-Katalog) Kunst- und Wunderkammern im 16. und 17. Jhd. von Adeligen, Kirchenmännern, Kaufleuten, Ärzten, Apothekern Wunderwerk göttlicher Schöpfung sollte gezeigt werden Museum von Arzt Ole Worm, Kopenhagen museum-worm-k.jpg Ole Worm (1588-1654, Arzt) zeigt aber auch Endlichkeit des Seins Memento mori - Gedenke deines Endes im Barock weit verbreitetes Appell oft Präparate eindrucksvoll präsentiert wie klagende und musizierende Kinderskelette Präparatearrangement mit klagenden Kinderskeletten, Konkrementen und Gefäßausgüssen, von Anatom Frederik Ruysch ruysch-k.jpg Anatomisches Theater: römischem Kollosseum nachempfunden Anaton steht in der Mitte, seziert und demonstriert Leichnam den Studenten mit Ziel Körper in all seinen Formen und Funktionen zu ergründen neben Studenten auch Laien, wie Würdenträger und interessierte Bürger Anatom stellt Leib des Menschen als Wunderwerk Gottes vor Muskelmann, Mitte 19. Jhd., Jacques-Eugène Caudron (1818-1865, Bildhauer), Skulpturensammlung Dresden muskelmann-k.jpg Muskelmänner beliebte anatomische Studienobjekte in Künstlerstudios in Früher Neuzeit (16.-17. Jhd.) Gesichtsschädel mit aufmodellierten anatomischen Strukturen in Wachs, A & P Seifert, Berlin, 19. Jhd., Wachs-Trockenpräparat gesichtsschaedel-k.jpg Rechter Unterarm mit Wachsinjektion der Arterien, 1898, kombiniertes Trocken-Injektionspräparat, Inv.-Nr. ANA2006/511 unterarm-k.jpg Ziel Pathologen: vom toten Körper auf Krankheitsprozesse im Lebenden zurückschließen Gesichtsurne aus Liebenthal bei Marienburg in Westpreußen, 1871 gesichtsurne-k.jpg Rudolf Virchow publizierte über Mützenurnen(?) Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • In der Galerie
  • Wieso hast du gerade gestöhnt, als du das Bild gesehen hast?
  • Schönes Objekt ist keine Kunst
  • [flüstert] Das ist keine Kunst. Das ist ein schönes Objekt. Wie … ein schönes Design-Objekt.
  • [KNIPS] Critical, 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide gespraech3-2-k.jpg
  • Kunst ist das nicht.
  • Das hängt jetzt aber in einer Kunstgalerie.
  • Naja. Aber deswegen ist es ja nicht Kunst.
  • Für mich schon.
  • Was ist für dich daran jetzt so besonders.
  • Warum ist es ein Design-Objekt.
  • Naja. Weil es schön ist. Also ich würde mir das hinhängen.
  • ECHT?
  • Vielleicht.
  • [beide lachen]
  • Ich denke gerade durch diese Löcher wird es dann wieder zu etwas, was ein Designer sich nicht hängen würde. Weil die ja eher…
  • Nö. Die zeigen ja vielleicht, dass es früher mal was anderes war.
  • Achso?
  • Und äh vorher eine andere Funktion hatte.
  • Die hat er nicht erst nachträglich reingemacht? Das dachte ich gerade.
  • Naja. Das weiß man jetzt ja nicht.
  • Na du kannst schon recht haben.
  • Na aber schau. Das ist einfach ein… Dreieck mit ähm… ein paar Linien. Gefärbt. Fast wie eine Straßenkarte.
  • [Straßenbahn fährt vorbei]
  • Aber nichts besonderes.
  • Na doch. Würdest du denn sowas machen?
  • [kurze Pause]
  • Nö. Aber ich KÖNNTE.
  • Dann ist es doch aber…
  • [beide lachen]
  • Das Graffiti draußen kannst du auch machen.
  • Ja. Das ist ja der Punkt. Aber da hab ich gesagt ist ja das besondere, dass man ja schon in die Illegalität geht. Das [zeigt auf das Bild] hat für mich nichts besonderes.
  • Dann zeig mir mal was besonderes!
  • Na wir müssen gucken.
  • [kurze Pause, rascheln, wir gehen durch den Raum]
  • Das mit den Löchern war aber aus Absicht.
  • [jemand hustet]
  • Sagst DU.
  • WEIL hier jetzt auch Löcher drinne sind.
  • Was ist das denn überhaupt.
  • Red mal lauter! Ich höre dich nicht!
  • [Pause]
  • Naja. Es schaut fast aus wie so eine Fließenwand.
  • [Geraschel, Mikrofon kommt an Jacke]
  • Mit Fugen.
  • Vor allem nicht… grundiert! Oder? Sonst würde das nicht hier abplatzen.
  • Na das ist doch gewollt!
  • Also kein Design, sondern Kunst!
  • [nicht verständlich, zu leise, 2:40]
  • Mhm. Ich weiß nicht.
  • Und ich sehe mich drinne. Das ist gut.
  • Naja. Siehst du aber… das ist so…
  • [zieht die Nase hoch]
  • Toteninsel von Böcklin
  • Für mich ist Kunst eher das, was man zu… die Toteninsel.
  • Warum das?
  • Vom Böcklin. Toteninsel, 1880, Arnold Böcklin, Kunstmuseum Basel toteninsel-basel-k.jpg
  • Das finde ich besonders.
  • [Die Toteninsel von Arnold Böcklin, gesehen u.a. im Kunstmuseum Basel, 6.8.2014 ]
  • Warum.
  • Besonders = Komposition und gegenständlich
  • Na die Komposition.
  • Hier hast du auch eine!
  • Ja aber da ist… es gegenständlich, was man dort sieht. Und hier nicht.
  • Das ist eine Mauer. Das ist gegenständlich.
  • Der [Böcklin] hat sich halt Gedanken gemacht!
  • [zeigt auf das Bild] Der nicht?
  • Nö.
  • Das ist doch auch nicht wahllos.
  • Interpretationsmöglichkeiten zu viele
  • Naja. Psch. Das ist ziemlich frei hier die Interpretation, die da jeder reinstecken kann. Während die Toteninsel, die hat … die hat schon … gibt eher was vor. Schränkt eher ein. Das hier ist wahllos. Jeder kann da was eigenes hinein interpretieren.
  • Aber bei der Toteninsel hat die Gesellschaft im Endeffekt jener Zeit vorgegeben, was die Symbole bedeuten. Und das wurde dann in das Bild hineingetan.
  • Ja!
  • Das ist doch eigentlich langweilig! Das ist was gewöhnliches! Hier [deutet auf das Bild] würde ich sagen ist zum Beispiel eine… eine Sprache, die du nicht sofort verstehst. Also die sozusagen von jemanden gemacht wurde…
  • Es gibt keine. Weil jeder … derjenige, der das macht… versteht was darunter. Vielleicht. Aber jeder, der sich es anguckt, hat ja seine eigene Sicht.
  • Das ist doch super!
  • Ja aber…
  • Bei der Toteninsel wird im Endeffekt alles vorgekaut. Was … was die Bäume bedeuten. Was dieser äh dieser… dieser Weg für eine Geschichte hat… vom Festland zur Insel.
  • Ja!
  • Das ist Geschichte!
  • Es ist gefasst. Eingefasst! Und in der… ich meine, du weißt es sicherlich… es gibt ja diese verschiedenen Versionen. Alle sind ein bisschen anders. Weil das Ding an sich gibt es ja nicht.
  • Welches Ding?
  • Diese Insel. Es gibt halt…
  • DOCH. Es gibt ein Vorbild.
  • Na aber das ist da so ein Friedhof. Der hat ja…
  • Wo denn?
  • Na bei Venedig!
  • Achso.
  • [lacht]
  • Das wusste ich gerade nicht.
  • [lacht mit] Der… der hat … der hat ja … der hat ja keinen Berg.
  • Warst du da?
  • Ja, ich war schon da.
  • AUF der Insel.
  • Ja.
  • Wie kommt man da drauf?
  • Mit dem… mit diesen Booten.
  • [lacht] Das ist ein Touriding oder was.
  • Na eben nicht. Aber wir wollten einen Ruhepol, als wir da waren.
  • Und da sind bloß Gräber.
  • Ja.
  • Und das hat auch der als Vorbild…
  • Gedankengänge Künstler und Betrachter sollten sich ähneln
  • Naja, das war eines der Punkte. Aber warum hat er die anderen Elemente reingemacht… Das weiß ich nicht. Ich will nur damit sagen … ähm… Er hat ja auch was zusammengestellt. Aber etwas eingeschränktes. Wo die … die Gedanken von allen, die sich das angucken, ja ähnlich sind… in eine ähnliche Richtung gehen. Hier [Arbeit in der Galerie] das ist… Pfff… Wie meine Gefühlslage ist und mit welchem Hintergrund ich hier herkomme, sehe ich da was anderes.
  • Und ist das jetzt komisch? Für dich, oder was?
  • [kurze Pause] Ja! Das ist für mich halt … Das ist zu frei. Zu offen. Hier brauchst du wieder einen Erklärungstext.
  • Nö. Du siehst doch ein Muster! Das reicht doch als …
  • Das ist die Kom…
  • … Komposition!
  • Das ich da eine Komposition habe?
  • Und das ist ein Spiegelbild. Du siehst dich selbst. Diese Reflexion.
  • Och. Ist das gewollt?
  • NATÜRLICH ist das gewollt.
  • Wieso.
  • Na sonst kann der ja… der hat ja das Material extra ausgesucht.
  • Naja, aber…
  • Das ist ja Klavierlack. Oder sowas.
  • Warum hat er dann keinen Spiegel drangebaut.
  • Für mich wäre da jetzt ein Spiegel drinne.
  • [Geräusche, da Mikrofon an Kleidung reibt]
  • [wir gehen weiter]
  • [KNIPS] System, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, 140x170cm, Ricardo Alcaide gespraech3-4-k.jpg
  • [kurze Pause]
  • [KNIPS]
  • Ich traue mich nicht rüber.
  • [wir stehen vor der nächsten Arbeit]
  • zu hoher Preis für Kunstwerk
  • Was ist denn das?
  • [Blättergeräusche]
  • Das ist der Preis für die Arbeit.
  • [flüstert] Unglaublich!
  • [kurze Pause]
  • [flüstert noch leiser, damit die Aufsicht nichts hört] Achtzehntausendfünfhundert Franken.
  • Die haben hier auch acht Prozent Steuer?
  • Mhm. Für irgendwelchen Mist.
  • [kurze Pause]
  • Du brauchst noch einen Kaffee! Lass uns das mal durchgehen! [blättert durch Papierliste]
  • Nimm das mal mit.
  • Ich nehme es nachher mit.
  • Ne. Wir können das gleich durchgehen.
  • Über Kunst laufen
  • Wer geht zuerst rüber? Ich will keine Alarmanlage hören.
  • Hier gibts doch keine Alarmanlage.
  • Okay. Ich gehe einfach.
  • [Schrittgeräusche über Ziegel]
  • [8:00]
  • Jetzt bist du über KUNST gelaufen.
  • Das hat aber was cooles.
  • Warum.
  • Keine Kunst, oder doch? Mit Symbolkraft
  • Das ist auch keine Kunst. Aber es hat was symbolisches. Du gehst in einen Raum und du siehst das auf dem Boden…
  • Ja, jetzt fühle ich mich irgendwie auf der anderen Seite.
  • Mhm. Das teilt etwas. Aber es hat eher was … pfff…
  • Na du bist ja nicht drauf geblieben.
  • Naja… Vielleicht ist das doch Kunst. Es macht… es ist halt was besonderes. Es macht was mit dir.
  • Was denn.
  • Es ist wie eine Grenze.
  • [kurze Pause]
  • Symbolisch. [Geräusche beim Blättern durch die Liste]
  • [schaut raus] Funktioniert die Tankstelle noch?
  • Ja.
  • [Blattgeräusche]
  • [lautes Telefonklingeln]
  • [aus dem Hintergrund: Hallo!]
  • Das sind fünzig Steine. Und sie sind ähm… alle wie unterschrieben.
  • [KNIPS] Unsettled, 2017, 50 numbered and signed bricks, Ricardo Alcaide gespraech3-5-k.jpg
  • Was sind sie?
  • Unterschrieben. Nummeriert und unterschrieben.
  • Dadrunter.
  • Wo das ist…
  • Okay. Na das ist ja dann für den Kunstmarkt.
  • Na ich meine… die Wirkung ist halt cool. Es teilt. Du machst dir Gedanken. Kann ich da jetzt rüber? Oder nicht?
  • Es ist halt was anderes als jetzt ein… Bild, was an der Wand hängt. Weil das halt so … so normal ist.
  • Es hebt sich halt damit ab.
  • Meine ich ja.
  • Damit hat es was besonderes.
  • Aber wenn du bloß das jetzt in dem Raum hättest… wäre das vielleicht wieder zu wenig.
  • Nur was besonderes, da im Kunstraum
  • Wenn du vielleicht nicht … vielleicht wirkt es nur in dem Kontext. Ob es in einer Galerie… oder ob es in einem Museum wäre. Wenn es einfach irgendwo ist…
  • Wenns irgendwo draußen in der Stadt wäre, wäre es vielleicht irgendwie lahm [vlt. falsch verstanden, 9:50]
  • Du würdest halt nicht automatisch drüber laufen.
  • Es wäre halt einfach ein architektonisches… ähm…
  • Manche würden es einfach nicht sehen. Aber das stimmt. Die Wirkung wäre anders. Aber HIER … in dem Kontext… hat es aber eine bestimmte Wirkung auf dich.
  • Na das ist wieder so ein schwammiges…
  • Du fühlst dich wirklich erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Das hat da ja was trennendes. Eigentlich symbolisiert es mehr oder weniger das, was auch Grenzen sind.
  • Aber diese Gedanken kommen dir dann ja nur, WEIL es in einer Kunstgalerie ist. Und nicht, wenn es draußen ist. Da sind wir über die Straße gelaufen, da hast du dir kein Zeichen genau angeguckt. Könnte das irgendwie eine Grenze sein? Oder so.
  • Ja. Außer es stünde ein Schild, was mir sagt: Hier!
  • Wenn du hier jetzt aber in der Galerie nen Zebrastreifen rein machen würdest, dann wäre dieser Zebrastreifen in dem Moment Moment auch etwas, worüber du mehr nachdenken würdest. Über Übergang. Über Grenze. Äh Vorfahrt. Keine Ahnung was.
  • Bleiben wir mal bei dem Kriterium für MICH. Ne? Hier geht es ja um MEINE…
  • NE. Das ist ein GESPRÄCH. Wir diskutieren beide zusammen. Ich will meine Stimme auch hören.
  • Äääh. Die ist wieder öfters zu hören als meine.
  • Wir sehen es an den Sprechblasen.
  • Das besondere … und egal was du jetzt… Das besondere kann natürlich auch in einem bestimmten Kontext erst etwas besonderes sein. Aber es ist ja trotzdem etwas besonderes.
  • Auch in der Galerie ist es [die Ziegel-Arbeit] was besonderes.
  • Ja.
  • Anders als das Bild.
  • Mehr Kunst, weniger Kunst, Graubereich
  • DAS ist mehr als Kunst… als das Bild.
  • Was ist MEHR ALS KUNST.
  • Na das macht es mehr zur Kunst. Entschuldigung.
  • Wieso. Was ist denn MEHR und was ist WENIGER Kunst.
  • [kurze Pause]
  • Naja. Vielleicht …
  • Was ist denn Kunst.
  • [flüstert] Das weiß ich nicht.
  • Wieso nimmst du dann so ein Wort in den… in den Mund. [aus dem Hintergrund, die Aufsicht telefoniert: ICH HAB ZWAR…]
  • Ich glaube, für mich gibt es schon so eine Abstufung. Wo ich sagen würde… das ist jetzt nicht schwarz und weiß. Es gibt für mich ja keine klare Definition. Deswegen kann ich nicht sagen: Das ist auf jeden Fall Kunst. Okay. Das kann ich sagen. Dann würde ich sagen: Mhm, das vielleicht. Wie das Graffiti da! Das ist… das ist so ein Graubereich. Es gibt Dinge, wo ich eindeutig sagen würde: NEIN.
  • Aber will der Graffiti-Typ der Gesellschaft etwas mitteilen? Oder bloß eine Marke hinterlassen. Wie ein Hund.
  • Das wissen wir jetzt ja auch nicht.
  • Na ich weiß es gerade bei Graffiti allgemein nicht. Ob das… also warum die das machen.
  • Dort war es ja eher ein Text als Geschmiere.
  • Ist ist ein Täg. Das nennt man Täg. Die hinterlassen ihre Signatur.
  • Es gibt … So ein richtiges Graffiti ist ja schon eher ein bildliches Ding.
  • [kurze Pause]
  • Denke ich.
  • Naja, aber die Frage ist, warum die das…
  • [lautest Telefonklingeln]
  • … machen. Ist es im endeffekt das selbe, wie wenn ein Künstler in einer Galerie ausstellt? Er dann sozusagen Zeichen hinterlässt? Was aber SEHR temporär ist. Weil es ja auch bloß eins zwei Monate…
  • [lautes Telefonklingeln]
  • … da sein wird. Was DU wieder… Wo du vorhin gesagt hattest… Das sollte beständig sein. Oder so…? Das ist es hier ja aber nicht! Das ist es hier ja aber nicht! Diese einzelnen Dinger sind NUR in DIESEM Raum in DIESER Länge genau JETZT so. Und die werden nie wieder genau so ausgestellt werden. Das heißt, sie sind nicht beständig.
  • Aber sie sind immer fünfzig… und nicht einfach…
  • Das weißt du nicht. Die sind jetzt hier fünfzig. Weil die vielleicht genau hingepasst haben. Und die Zahl fünfzig…
  • Hier steht aber fünfzig.
  • Ja weil das fünfzig Dinger sind.
  • Fünfzig.
  • Man bezahlt für fünfzig oder für eins?
  • Na für das Ding!
  • Zeig mal. Das glaube ich nicht.
  • [Blattrascheln]
  • MENSCH.
  • Hier ist es.
  • Price upon request.
  • [Stimme der Aufsicht ins Telefon: Und dann habe ich noch…]
  • Ich glaube aber nicht, dass die Zahl fünfzig jetzt so wichtig ist.
  • Und es ist ja genau abgemessen.
  • JA WEIL… Die geben IMMER die Daten davon an. Ähm äh wie groß ist die eigentliche Arbeit. Das heißt nicht, dass… das gewollt ist.
  • Also stellst du das jetzt in Frage oder was?
  • [lacht]
  • Weil DU das nicht in Frage stellst!
  • [beide lachen]
  • [kurze Pause]
  • Kriterium, überhaupt zu fragen, ob es Kunst ist
  • Ist das auch ein Kriterium?
  • Was.
  • Das ich es in Frage stellen kann.
  • Ne das du überhaupt auf den Gedanken kommst, es in Frage zu stellen, ist das Kunst oder nicht. Da draußen in der Landschaft bist … da stellst du NICHTS in Frage. Da sagst du nicht: Ist das ein Baum? Ist das kein Baum? Hier fragst du halt …
  • Weil es halt eindeutig definiert ist. Das ist etwas…
  • Definition eindeutig
  • WER definiert das eindeutig.
  • Das es ein Baum ist oder nicht.
  • Das es ein Baum ist oder kein Baum.
  • Die Biologen werden dafür schon eine eindeutige Definition gefunden haben.
  • Aber wir selbst haben in unserem Kopf abgelegt, ab wann ist ein Baum ungefähr ein Baum. Ab wann ist es ein Strauch. Ab wann ist es eine… Blume.
  • Ja.
  • [Frau im Hintergrund ins Telefon: Okay.]
  • Da gibts aber auch Grenzbereiche.
  • Okay. Hier ist es natürlich schwieriger. Weil, wie wir ja alle wissen, deswegen bist du ja auch so unsicher und machst überhaupt so eine Befragung, mhm… Es gibt keine eindeutige Definition. Deswegen kannst du nicht einfach sagen, für dich, ja das ist … das ist das jetzt. Das ist jetzt Kunst. Und das ist das nicht.
  • Es ist aber in einer Kunstgalerie. Deshalb ist es für mich automatisch Kunst. Ob das jetzt gute oder schlechte…
  • Für mich nicht.
  • NEIN! Da würde ich zum Beispiel unterscheiden zwischen… ist das gute…
  • [Frau im Hintergrund: Mache ich.]
  • … oder keine gute Kunst. Aber es IST Kunst. Weil es in einer Galerie ausgehangen wird. Und so definiert wurde. Von anderen. Dann ist es ja per se … dann IST es Kunst. Wenn jemand sagt, es ist Kunst, dann ist es für ihn Kunst. Zumindestens wenn es einer sagt, ist es Kunst.
  • Das KÖNNTE dann Kunst sein.
  • Es geht nur darum, was DU darin siehst. Gute Kunst oder nicht so…
  • Je nach Galerie ist es Kunst oder Geldkunst
  • Nein nein nein. Das entscheidende ist ja, wenn es in einer Galerie ist… GALERIE repräsentiert das… den Kunstmarkt.
  • Das stimmt nicht.
  • Für mich.
  • Es kommt auf die Galerie drauf an.
  • Da sehe ich hier [in der Liste] GELD.
  • Das stimmt.
  • Also ist das hier eine…
  • Es gibt aber auch Kunstvereine, die haben ihre Räume.
  • Das ist aber was anderes. Das ist dann ein Raum, ein Ausstellungsraum.
  • So wie hier!
  • Hier ist das aber eine Galerie. Hier geht es darum zu verkaufen.
  • Das kaufen Leute?
  • [kurze Pause]
  • Repräsentant des Marktes
  • Ja. Hier geht es doch um … und deswegen ist das wie die Art Basel.
  • [flüstert wieder]
  • Das ist eine Repräsentation des Marktes.
  • Aber das ist extrem dort. Finde ich.
  • So und für die geht es ja um eine andere Frage. Die können natürlich festlegen: Wir stellen das aus. Und können sagen: Für uns ist das hier Kunst. Und vielleicht auch für Leute, die hier einfach denken: Okay, alles was in der Kunstgalerie ist, muss Kunst sein.
  • Der Raum muss bezahlt werden! Der Strom! Der Künstler muss bezahlt werden! Viele müssen ja denken es ist Kunst und kaufen es für diese tausenden von … von Franken.
  • Ja aber warum … Es muss keine Kunst sein. Es kann ja auch ein Designobjekt sein.
  • Aber niemand gibt für ein Designobjekt soviel Geld aus. Das ist ein UNIKAT. Das ist vielleicht noch einmal ein Unterschied zu einem Designobjekt. Wo ich sagen würde, es ist meistens eine Auflage.
  • Das ist ja die nächste Frage. Wir wissen ja überhaupt nicht, ob überhaupt jemand was nimmt.
  • [15:45]