[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

frfr@hgb-leipzig.de
Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
HGB Rundgang 2017 Künstler-Signatur Arbeiten im Klassenraum signiert Signatur: Friedrich Fröhlich F nur nach rechts horizontale Striche etwas krakelig geschrieben auf verhüllter Arbeit Rückseite Holzkasten auf Selbstbildnis auf Transparentfolie ebenfalls Rückseite Holzkasten Geradenbild mit 1/5 Auflage (5. Stk. ist Künstler-Exemplar) andere Geradenbilder zum Nachhängen in Büro gebracht Hausmeister gesprochen wegen Bohren im Flur und Abhängen der Infotafeln Tafeln werden heute abmontiert wenn am Donnerstag noch eine hängt neben meiner Wand, ihn fragen, ob er sie auch noch abmachen kann Herme kurz mit Bachmann wegen Fräsen gesprochen da Probleme mit Daten dauert Start Fräse noch mit Alberti Wolfgang Alberti wegen maximale Dicke Holz bei Dickenfräse gesprochen maximal 20cm, bei 17cm also kein Problem Diplom Theorie Gespräch mit Alexander
  • Es… Ich wollte ausprobieren, ob ich das, was ich bei Gerhard Richter Gerhard Richter gesehen und beobachtet habe, ob ich das nachmachen kann. Und äh weil Ölfarbe so teuer ist …
  • Achso, damit du das mal kennenlernst [evtl. falsch übersetzt, 2:41:40]
  • … und mir die Werkstatt, das Atelier, fehlt, …
  • Okay.
  • … wollte ich es erst einmal in klein ausprobieren. Um es dann ins Große zu übersetzen.
  • Das war ja auch dann deine Idee, dass ich bei eBay solche Sachen vertickere, groß mache. Und dort verkaufe. Teuer. Ne? Irgendwann hattest du mir das mal gesagt.
  • Ich … Ich hab zu dir gesagt, dass äh … dass man äh mit äh äh äh Kunstkopien relativ leicht Geld verdienen…
  • Mhm.
  • Künstler kopieren
  • … kann. Indem man einfach Künstler kopiert. Kunstarbeiten kopiert.
  • Dann bin ich ja selbst keiner mehr!
  • Äh. Und diese verkauft.
  • Dann bin ich kein Künstler mehr.
  • Auf diesen Zug von Gerhard Richter Gerhard Richter… also diese Rakeltechnik… sind ja schon viele aufgesprungen. Man findet da auch Videos auf Youtube, WIE das gemacht wird.
  • Hast du mir gezeigt. Ja.
  • Äh. Und diese Menschen bekommen teilweise vi… viel … teilweise tausend zweitausend Euro für ein Bild.
  • Mhm.
  • Sie haben weder die Technik selbst erschaffen. Äh ähm.
  • Das wars schon.
  • Äh sie hatten auch diese Idee… diese Begabung nicht. Äh sie sind eben auf diesen … auf dieses Geschäftsmodell, was es … Im nachhinein hats sich eben als Geschäftsmodell auch gezeigt. Oder es hat gezeigt, dass es geeignet ist für … um um Werte anzulegen. Es hat materiellen Wert. Äh. Es beinhaltet einen Geldwert. Das haben sie gesehen und kopieren es jetzt erfolgreich. Und verdienen äh damit … Geld.
  • Ich kann mir eben nicht vorstellen, dass der Künstler ähm von sich aus sagt, das ist ein Geschäftsmodell für ihn. Das kann ich mir nicht vorstellen.
  • Nein! Nein. Aber es hat sich als Geschäftsmodell …
  • ERWIESEN. JA!
  • … als geeignet erwiesen.
  • Aber wenn DU ihn jetzt fragen würdest: Äh ähm sehen Sie das selber als Geschäftsmodell. Denkst du, er antwortet mit Ja?
  • Inzwischen wird Gerhard Richter Gerhard Richter sagen: Ja.
  • Das ist ein Handwerk Handwerk.
  • Weil andere …
  • Sozusagen.
  • Weil andere die es ihm nachmachen, haben es ja bewiesen. Dass man alleine mit der Kopie seiner Arbeiten Geld verdienen kann.
  • Ja aber das heißt ja nicht, dass er seine eigenen Arbeiten als Geschäftsmodell betrachtet. Als Geld sozusagen. Dinge, mit denen man ein Geschäft macht. So.
  • Naja…
  • KANN ja immer noch sein, dass es ihm um etwas anderes geht!
  • Das EINE ist… Das EINE ist das des abstrakten Geschäftsmodells. Das andere ist, ob er es als Geschäftsmodell BETREIBT. Gerhard Richter Gerhard Richter wird vielleicht sagen: Äh ja, abstrakt dürfte es geeignet sein, weil man kann mit meinen … Wenn ich jetzt sagen will, ich brauche morgen nen nen Porsche. Dann äh werde ich mich zwei Wochen jetzt hinstellen. Werde dieses Bild machen. Und kann mir davon einen Porsche leisten.
  • SO denkst du, denken DIE.
  • Ähm. Nein. Würde … Ich glaube, so würde er sagen.
  • Okay.
  • Muße
  • Das heißt also, es ist abstrakt geeignet als Geschäftsmodell. Wenn er ein Porsche braucht, macht er ein Bild. Er tauscht das Bild gegen einen Porsche. Materieller Wert gegen Materieller Wert. Und er hats. Wenn… Allerdings wird er mir sofort sagen: Aber ich brauche es ja gar nicht. Ich bin ja gar nicht drauf angewiesen. Das heißt, ich werde nur DANN ein Bild malen, wenn mir danach ist. Wenn meine Muße da ist. Wenn mein Innerstes der Meinung ist: Du musst jetzt noch einmal so ein Rakelbild machen. DANN werde ich das machen. Klar. Er hat inzwischen, weil er halt finanziell frei ist, andere Möglichkeiten. Wenn er achtzehn gewesen wäre… wenn er jetzt achtzehn gewesen wäre, ähm, und er muss überlegen, wie kauft er nächste Woche die Ölfarbe ein. Ich ich glaube, ein son Bild kostet vier-fünftausend Euro. Nur an Ölkosten.
  • Mhm.
  • Geld verdienen, um überhaupt Kunst schaffen zu können
  • Nur an Farbe. Ja? Das heißt also: Wie will er sich denn das nächste Bild leisten? Er muss also erst einmal eins machen. Damit er das Geld für das nächste Bild hat. Ähm. Da würde er als Achtzehnjähriger sagen: Ja, logisch. Ich werde jetzt eins machen. Kaufe für viertausend Euro Farbe. Verkaufe das Bild für fünfzehntausend. Habe dann wieder viertausend für eine Farbe und von dem Gewinn kann ich mir mein Brötchen Sonntags kaufen. [kurze Pause] [2:45:00]
  • Ich habe eine kleine Hoffnung. [lacht] Gerade gespührt. [lacht] Dass da doch noch mehr dahinter schlummert. Weil du nämlich gerade gesagt hattest, ähm, bräuchte er das Geld jetzt nicht, um sich das Auto leisten zu können, äh ähm dann muss immer noch eins sein. Und zwar eine Muße. Oder oder oder das Verlangen halt das jetzt herzustellen. Ne?
  • Ja.
  • So. Und das ist ja komplett frei von Geld. Von Geschäft. Von Kunstmarkt. Dieses Verlangen etwas … also dieses diese Muße. Äh sich die Zeit zu nehmen und etwas zu schaffen. Vielleicht Freude beim Schaffensprozess zu haben.
  • Mhm.
  • Ich DENKE nämlich, dass er gar nicht, während er es schafft, gar nicht an einen Porsche oder so denkt. Ich glaube der … diejenigen, die das groß machen, die die die die … die die denken in dem Moment Moment bloß an das, was sie gerade machen.
  • Ja. Okay.
  • Und … Das war mir aber ganz wichtig! Dass dass … dass eben die Kunst NICHT das… ein Geschäftsmodell ist. Sondern hinter hinter dem Schaffen von Kunst steckt eben vielleicht doch etwas anderes.
  • Ja.
  • Als dieses Geschäft. Sondern etwas ganz menschlich … ähm würdevolleres. Weißt du?
  • Mhm.
  • Nicht… nicht so konsumorientiert. Irgendwie.
  • Ja.
  • Das kam gerade raus! Das fand ich schön!
  • Ja.
  • Oder… oder bin ich da total falsch gerade auf dem Dampf…? Aber du hast es mit der Muße gesagt. Und das war KOMPLETT anderer… Ansatz … Das sieht so aus, als wäre das Geschäftsmodell lediglich äh ähm … was DANACH kommt. Dann. Das ist ja in Ordnung. Wenn…
  • Ja.
  • So, aber das DAVOR. Die Kreativität. Diese Muße… und so. Dass DAS immer noch da sein muss. Und das hat nichts mit Geld zu tun.
  • Alexanders Erfolgsmodell
  • Okay. [räuspert sich] Ich habe hier mal ein ganz einfaches äh ähm ähm … ein ganz einfaches ähm Erfolgsmodell aufgeschrieben. Was ich äh jedem Kunststudenten mit auf dem Weg geben möchte. Ja? Man hat DREI Möglichkeiten.
  • [ins Mikrofon] Er meint MICH damit. [2:46:45] [laute Raschelgeräusche]
  • Also. Was hab ich gemacht. Ich habe einmal ein Quadrat gezeichnet. Da hab ich Muße reingeschrieben. Dadrunter hab ich ein Dreieck gezeichnet und habe Geschäft geschrieben. Und darunter habe ich äh das Viereck mit Muße PLUS das Dreieck Geschäft IST GLEICH Erfolg. Und wenn…
  • Das sieht aus wie das Bauhaus Bauhaus-Logo.
  • … Und wenn du mich fragst… Äh … Sollte ich mein zukünftiges äh äh Dasein ähm damit verbringen, nur noch Dinge zu machen, zu denen ich Muße habe, würde ich auf jeden Fall sagen: Nein. Weil äh du pokerst damit. Das ist wie russisches Roulet. Entweder du verarmst. Oder du hast Glück und wirst damit erfolg…
  • Das machen aber die meisten Künstler, ne?
  • …reich.
  • Und deshalb sind die meisten Künstler arm.
  • Ja. Und deswegen hab ichs durchgestrichen und hab gesagt, es wäre NICHT der Tipp, den ich dir oder den ich allen anderen Kunststudenten geben würde, wenn…
  • Mein Herz blutet!
  • … ihr die Schule verlässt. Das weiß ich. DU glaubst nämlich auf genau DIESES Feld setzen zu müssen. Das Zweite…
  • Das ist so wie so ein Traum. Weißt du?
  • Das Zweite ist das Dreieck Geschäft. Also halt Geschäftsmodell. [Flüßigkeit wird in eine Tasse gegossen]
  • Niesche suchen
  • Suche dir eine Niesche. Mache Kunst für diese Niesche. Mache Kunst im Sinne von Geschäft.
  • [stöhnt]
  • Verdiene damit Geld. Werde ganz schnell reich. WILL ich gar nicht! Du versuchst es mir manchmal zu UNTERSTELLEN!
  • Das wird rausgestrichen.
  • Das WILL ich überhaupt nicht.
  • Das wird rausgestrichen! Gecuttet!
  • Was ich aber möchte, ist, ähm… Vielleicht hab ichs sogar falsch aufgezeichnet. Was ich aber möchte, ist, SUCHE dir eine Niesche. Suche dir ein Geschäftsmodell. Verbinde es mit deiner Muße. Also bring das in Einklang. Und du wirst erfolgreich sein. Du wirst eine GARANTIE haben. Weil es halt eine Niesche ist. Weil es halt ein Geschäftsmodell ist. Du wirst erfolgreich im geldlichen Sinne sein. Weil … Du wirst NIE mehr Probleme haben zu überlegen, wie finanziere ich meine nächste Ausstellung. Wie finanziere ich äh meine nächste Leinwand. Ähm. Und du wirst auch deine Muße brauchen, ähm, um dich zu motivieren. Um dieses Selbstverständnis weiter zu entwickeln. Ähm… um auch eine Begründung für dein … für deine Kunst zu haben. Aber kombiniere es und du wirst erfolgreich sein.
  • So. Nur ganz kurz zusammenfassen. Damit ich es richtig verstanden habe. Bitte berichtige mich. Ich habe bisher immer alles falsch gesagt. Das ist mir jetzt klar.
  • [ins Mikrofon] Also sagt er [Alexander] es JETZT, wo es aufgenommen wird.
  • Bei dir klingt es jetzt so, als ginge es nicht darum, ähm etwas zu Schaffen, WEIL man es gut zu Geld machen kann. Also das das nicht im Vordergrund steht. Ein Geschäft… Also weißt du… Och ich will jetzt ein Geschäft haben, also mache ich Kunst. So. Sondern du sagst es jetzt so, ähm ähm, man sollte bereits ähm etwas schaffen äh, was einem liegt, wo man man sich ausdrücken kann. Was sein Material ist. Und wenn das GLEICHZEITIG noch bei den Leuten gut ankommt, dann mach daraus, aus dem, was du eh schon gerne machst, ein Geschäft. Aber NICHT das man etwas schafft, WEIL es im Geschäft gut läuft. Hab ich das richtig verstanden? Was ja sehr sehr gut ist. [kurze Pause]
  • Ne.
  • Also okay. Dann ist das… [nicht verständlich, 2:49:45]
  • Weil du hast es genau umgekehrt gemacht.
  • [lacht]
  • Ich hatte… ich hatte…
  • [lacht] Ich hätte es jetzt gut gefunden!
  • Also… Also es ist übrigens ganz clever. Und zwar äh ist das glaube ich immer etwas, was man wissenschaftlich untersuchen könnte. Nämlich…
  • Mit Dreieck und Quadrat!
  • … nämlich ähm folgendes. Ich habe erst gezeichnet, ähm, nimm deine Muße…
  • [ungläubig, leise] Das Geschäft?
  • … das, was du gut kannst, …
  • Ja?
  • … und versuche auf dem Feld, was du gut kannst, äh ein ein ein eine Niesche zu suchen. Und dann wirst du erfolgreich sein.
  • Aber so hab ich das doch gerade gesagt. Oder?
  • Ich glaube aber… Ja, das hast du gerade auch gesagt. ICH habe aber etwas anderes behauptet. Meine Theorie ist: Mache es umgekehrt. Nämlich: Ähm, suche dir ERST EINMAL eine Niesche.
  • [lacht laut]
  • Gucke, ob du …
  • [lacht]
  • … Geld verdienen KÖNNTEST.
  • [lacht] NEEIN!
  • PLUS… ähm… schaue, ob du überhaupt die Begabung und das KÖNNEN dafür hast. Und dann wirst du erfolgreich sein.
  • Geschäftsmann, kein Künstler
  • Dann bin ich aber KEIN KÜNSTLER! ECHT NICHT!
  • Was?
  • DANN… dann bin ich ein Saleman. Ein Businessman.
  • Aber das ist meine Empfehlung an die Kunststudenten. Um erfolgreich zu sein.
  • JA, aber dann ist es keine Kunst!
  • Das ist sozusagen…
  • Geldkunst
  • Dann ist es keine Kunst die rauskommt! Sondern das ist Geldkunst!
  • Okay.
  • Die rauskommt.
  • Und zwar ist das, was ich hier gerade gemacht habe, …
  • Ich will, ich mache mich hier gerade [unverständlich, 2:51:00]
  • Und zwar ist das, was ich gerade gemacht habe, dein Businessplan.
  • Ich bin hier wirklich…! [lacht]
  • Dafür möchte ich auch Geld hier haben, ne? Für diese Beratung.
  • [lacht] Das wird gescannt.
  • Ich … Ich hab hier… Du kannst das gerne fotografieren.
  • Ich nehme das mit.
  • Und zwar habe ich ähm habe ich hier gerade ein ein äh äh BUSINESSPLAN aufgestellt. Äh. Für für Kunst…
  • [lacht laut]
  • …studenten…
  • Ich will das gar nicht hören jetzt!
  • … WIE man Erfolg hat. Ich will dir ein Beispiel geben. Und zwar folgendes…
  • Wirklich erst Geschäftsidee und dann Kunst?
  • WARTE MAL! WARTE MAL! Ganz ganz kurz. Ich will doch jetzt… JA… Das ist jetzt deine Idee von wie man erfolgreich werden kann. Erst die Geschäftsidee haben und dann Kunst machen, die darauf basiert. Und dass man dann damit Geld verdienen kann. Gut so. [kurze Pause] Denkst du WIRKLICH, dass diese großen Werke, also außer bei dem jetzt… Jeff Koons Jeff Koons, da kann ich mir das sogar vorstellen… aber das jetzt bei Gerhard Richter Gerhard Richter oder so, dass die WIRKLICH entstanden sind, weil er eine Geschäftsidee hatte und danach dann die Kunst gemacht hat?
  • [atmet tief]
  • Weil er Geld verdienen wollte? Ich KANNS mir… Warte mal. Ich KANNS mir nicht … Ich wills noch einmal sagen: Ich kanns mir nicht vorstellen.
  • Ja.
  • Aber bei niemanden. Kann ich mir das vorstellen.
  • Dann musst du natürlich Gerhard Richter Gerhard Richter fragen. Aber folgendes. Ähm… Ich frage mich, WIE kann ich mir jeden Monat äh Öl und Leinwände und Werkstatt im Wert von vier-fünftausend Euro monatlich leisten, wenn ich nicht etwas … verkaufe. Also das geht auch mit Hartz Vier nicht.
  • Ja.
  • Mit sechshundert Euro.
  • Dann müssen wir da ganz ganz langsam rangehen. Warte mal ganz kurz. Dann gehen wir jetzt davon aus, er hat kleiner angefangen. So. Die… die konnten sich vielleicht … wir wissen es jetzt nicht. Aber die konnten sich verkaufen. Er hat ein bisschen mehr Geld bekommen. Also konnte er sich größere Leinwände kaufen. [2:52:30]
  • Er ist sozusagen mit den Schritten größer geworden.
  • Ja. Ja.
  • Und jetzt kanns natürlich sein, dass sich das Verhältnis umdreht. Ne? Also das … das zuerst sozusagen die Muße, diese äh äh diese Tatkraft Kunst machen zu wollen dabei war, äh äh ähm … So und dann kam: Oh, dass kann sich ja auch gut verkaufen. Und das am Ende, wo es dann immer größer wurde, ging plötzlich das Geschäft ÜBER diese Muse rüber. Dass also sozusagen das Geschäft plötzlich äh über der Kunst stand. Auch wenn die Kunst am Anfang immer noch ähm ohne Geschäft eigentlich funktionierte. So kann ich es mir noch vorstellen. Bei denen, die ganz ganz viel Geld damit verdienen. Dass am Anfang aber immer noch sozusagen nicht das Geschäft stand, sondern…
  • Ja. Ja.
  • AUSSER bei dem [Koons Jeff Koons]. Nimm den echt raus.
  • Ja. Ja. Man man man kann… Man kann natürlich bestimmte Fragen wirklich nur an an an den Ausnahmen erst einmal sichtbar machen. Ja? Wenn ich jetzt sage: Ich will das jetzt nachmachen. Das ist auch manchmal etwas …
  • Ja.
  • Bestimmte Dinge sind einfach schwierig nachzumachen. Weil sie viel Geld kosten.
  • DER HAT es nur gemacht, WEIL es Aufmerksamkeit…
  • Ja.
  • … ist. Weil es Geld…
  • Ja.
  • Das ist mir klar!
  • Nur mal angenommen, jemand sagt: Das ist eine Niesche. Das wollen Leute auch in ihrem Vorgarten…
  • Das ist eine Niesche. Ja.
  • … haben. Mal angenommen. Ja?
  • Das kann bloß er oder Leute, die sich damit schon auskennen.
  • Da muss man natürlich GELD haben, um sowas auch erst einmal … Also ich meine, man muss erst einmal zwanzig von diesen Exponaten schaffen, bis man auch zufrieden ist. Bevor man gemerkt hat, das ist die Technik.
  • Ja. Klar.
  • Das ist die Farbe. So mache ichs haltbar. Ja? So kann ich es transportieren. Ähm. Aber woher soll ich denn das Geld nehmen…
  • Ja.
  • … wenn ich nicht … irgendeine Einnahmequelle …
  • Ja.
  • … habe?
  • Dann hat er aber natürlich ein besseres Geschäftsmodell als dieser Gerhard Richter Gerhard Richter. Weil ich meine, am Ende haste dann ein Rakel und hast Ölfarben. Wenn du das willst, du brauchst bloß Zeit…
  • Ja.
  • … viel Muse da reinzu…
  • Ja. Ja.
  • … stecken. Aber … du gehst schon wieder …
  • Alexanders Rat an Kunststudenten
  • Aber das muss man doch … Das muss man doch den Kunststudenten SAGEN! Leute, ihr ihr müsst euch überlegen, wie könnt ihr im nächsten Monat äh eure Farbe bezahlen.
  • [ins Mikrofon] Hört bitte alle nicht zu!
  • Das könnt ihr nicht mit … Das könnt ihr nicht mit Hartz Vier bezahlen.
  • [lacht] Machen aber ganz viele!
  • Äh. Ja. Und deswegen sind sie ja auch… Dümpeln sie vor sich hin!
  • NEIN! Viele verdienen mit anderem ihr Geld und machen dann halt äh frei Kunst. Ohne … Weil weil sie vielleicht WOLLEN, dass ihre Kunst nicht BEFLECKT wird von diesem Gedanken äh äh das Geld steht am Ende im Vordergrund. Bei dem, was sie schaffen. Das WOLLEN viele glaube ich gar nicht. Also ich wills zumindestens nicht. Da würde ich mich schlecht fühlen. Du kannst dir das gar nicht vorstellen! Weil… Ich… Ich glaube, viele wollen das nicht als Geschäftsidee wahrhaben. Du redest jetzt natürlich davon. Das ist dann Erfolg für dich. Und so weiter und so fort. Aber ich glaube, das wollen viele gar nicht.
  • [will unterbrechen]
  • DAS SCHÖNSTE IST DOCH… Das Optimalste wäre, wenn ich es nicht WILL…
  • Dann…
  • Optimal, wenn das, was ich mache, erfolgreich ist
  • NEIN NEIN NEIN NEIN! Wenn ich es nicht will. Nicht tue. Und wirklich nur das mache, was ich mache. Und DANN das plötzlich gesehen wird. Erfolgreich wird. Und ich wirklich dann für mich halt weiterhin das machen kann, was ich will. Und das würde erfolgreich. Dann habe ich doch das auch geschafft. Aber ich habe nicht das Businessmodell dadrüber gelegt. Von Anfang an. DAS wäre mir wichtig. [kurze Pause] Das ist ein Spagat…
  • DANN…
  • … am Ende.
  • Dann haben wir … dann haben wir aber auch diese Definition, dass es eigentlich kein kein … KÜNSTLER im berufstechnischen Sinne gibt. Also… Künstler ist kein Berufsbegriff. Weil ähm…
  • Ist es auch nicht. Aber Berufskünstler.
  • … Weil dann haben wir zum Beispiel doch den Maurer. Den wir heute schon einmal hatten. Der eben sein Geld mit Mauern verdient. Und das Geld, was am Monatsende übrig bleibt, das verwendet er eben in meinetwegen Kunst. Rakeltechnik. Oder hier diese Luftballons. Äh und hat sich da dann auch irgendwann einen Namen damit gemacht. Dann ist er Maurer UND Künstler zugleich.
  • Mhm.
  • So. Und dann kommt man aber auch in diese Sphäre, wo eben das doch manchmal eben gesagt wird: Du machst in deiner Freizeit … Du arbeitest bei der [Firmennamen ausgelassen] und in der Freizeit fotografierst du. Also da da liegt das immer so nah, das so abzutun. So semiprofessionell.
  • Mhm.
  • Ähm. Hobbymäßig. Das… das ist doch niemand, der Berufsfotograf ist. Oder der den ganzen Tag fotografiert. Ähm… das ist so diese diese Einstellung. Oft. Das man sagt: Künstler ist man entweder zu hundert Prozent oder gar nicht. So. Und wenn du aber sagst, dass hundertprozentige Künstler es gar nicht gibt, weil die müssen eben acht Stunden am Tag bei Kaufland an der Kasse sitzen und irgendwelche Fleischsachen über die Kassenteke ziehen, damit sie am Abend noch eins zwei Stündchen Zeit haben, um … weil sie sonst das Geld nicht hätten für…
  • Das ist jetzt deine EXTREME Vorstellung davon.
  • Ja.
  • Ich meine, jetzt schau mich doch mal an. Ich bin Programmierer und verdiene mit wenigen Stunden genug Geld, damit ich mir den Rest des Tages eigentlich mit dem, was ich würde wollen.
  • Du bist in gewisser Weise auch priviligiert. Ne? Also gucke dir doch mal deine Kommilitonen … Schau dich mal in deiner Klasse um. Und sage mir, womit die anderen in deiner Klasse tagsüber Geld verdienen, damit sie anschließend äh äh Kunst machen können. Und dann wirst du nicht viele finden, die so leicht so schnell Geld verdienen. Ne? Ähm äh. Ich glaube, es ist einfach NAIV zu denken, ich studiere da vier fünf Jahre und äh bin dann auf dem Markt und äh äh äh… Nur weil ich mich Künstler nennen darf… so quasi durch Urkunde… BIN ich auch ein Künstler.
  • Ne. Du kannst dich ja auch Künstler nennen, ohne einen Beruf…
  • Das ist mir zu zu kurz gedacht. Ne? Und und es ist wirklich … also ich wollte dir einfach mal…
  • ICH WOLLTE DIR aber… bevor du… Ich wollte dir sagen… Ich will dir bloß sagen, dass mein Eindruck von der Hochschule ist, wo ich jetzt Kunst studiere, der ist, dass die gar nicht das ZIEL haben, dass du am Ende auf dem Kunstmarkt bist.
  • Ja.
  • WARTE mal kurz.
  • Das glaube ich auch.
  • Da gäbe es dann mehr Kurse, wo es ums Geld verd…
  • Ja.
  • …ienen, um Marke Ich und so weiter… Da gabs einen ganz kleinen Kurs und so weiter.
  • Ja.
  • SONDERN DA… das finde ich aber so sympathisch.
  • Nein.
  • Ausdrücken, nicht Geld verdienen wollen
  • WARTE DOCH MAL! Das finde ich aber eben so symp… sympathisch. Weil da gehts wirklich eher darum, was willst DU eigentlich. Was willst du eigentlich ausdrücken? Worum geht es dir? Und das es nicht darum geht, was die ANDEREN in dir gerne hätten wollen. Wofür sie viel Geld ausgeben wollen. Das würde mich TOTAL nerven!
  • Das hat natürlich auch eine juristische Komponente. Stell dir vor, sie müssten garantieren, dass sie nach dieser Ausbildung äh qualifizierte Künstler auf dem Markt bringen. Die dann Geld verdienen können. Ja?
  • Das könn… das kann aber keiner. Ein Jurastudium kann das auch nicht…
  • Ja aber da gibts…
  • … leisten.
  • … Statistiken, das halt eine gewisse… auch bei den Be We Ellern … eine bestimmte Prozentzahl von diesen Menschen werden irgendwann einmal in diesen ganz klassischen…
  • Ja.
  • … Klischeeberufen arbeiten. Als Richter…
  • Ja.
  • … als Staatsanwalt, als äh ähm ähm Rechtsanwalt. Oder als Firmenanwalt. Und werden damit ihr Auskommen haben. Ein GUTES Auskommen.
  • Ja.
  • Hochschule kann Erfolg garantieren
  • Das kann diese Hochschule, je besser sie ist, kann sie das teilweise sogar GARANTIEREN. Das macht Harward zum Beispiel. Ja?
  • Ja.
  • Oder Princton. Die können garantieren, dass sechzig Prozent der Abgänger erfolgreich sein …
  • Ja.
  • … werden.
  • Vielleicht WILL das aber gar nicht eine Kunsthochschule gar nicht. Vielleicht hat sie im Hintergrund gar nicht dieses GELDLICHE.
  • Sie kann es nicht LEISTEN.
  • Sie WILL es vielleicht gar nicht! Das ist MEIN Blick.
  • Sie kann das niemals garantieren.
  • Okay. Du … du denkst, sie kann es nicht leisten, nicht garantieren. Und ich sage: Sie will es vielleicht gar nicht. Dann haben wir jetzt aber zwei unterschiedliche …
  • Das ist einfach nur ein cleverer Schachzug…
  • … Ansichten.
  • … es nicht zu wollen. Weil sie es nicht kann.
  • Du … Du siehst mich als Ausrede. Also das ich das als Ausrede verwende. Ich sehe das als ehrliche Antwort. WARUM muss die Kunst automatisch etwas mit Geld zu tun haben. Oder Geldverdienen haben wollen.
  • Ja.
  • Das MUSS… das …
  • Ja.
  • Das SOLLTE sie doch gar nicht.
  • Ich…
  • WEIL … WARTE MAL WARTE MAL! Dann wären wir doch wieder bei dem Punkt äh, wo ich meinte äh ähm würde… also entsteht nicht erst… also wenn Kunst abgelehnt wird. Und später dann erst berühmt wird, oder so. Oder … oder wenn du etwas ganz neues schaffst, was von den Leuten eben noch nicht verstanden wird. Dann kann es trotzdem äh der START von etwas ganz Neuem gewesen sein, worauf ganz ganz viel anderes danach fußen wird. Aber dieses Neue wäre doch nie entstanden, wenn du wirklich auf ner Marketingschule gewesen wärest. Namens Kunststudium. Wo du halt eigentlich bloß lernst, wie schaffst du es, in dem Kunstmarkt äh viel Geld zu verdienen.
  • Das ist ja nur eine ANNAHME von dir.
  • Ja. Von dir war das aber auch eine Annahme. Ich weiß zwar nicht was [lacht], aber … JETZT werde ich hier wild! SO!
  • [lacht]
  • Äh…
  • Wir machen…
  • Das schöne ist doch äh, dass du mich nicht überzeugen musst. Von deiner Ansicht. Sondern du wolltest mich interviewen, wie ICH bestimmte…
  • [unterbricht laut] ICH ESSE WEITERHIN BÄRCHEN. PÄRCHEN. [lacht]
  • Alexanders Theorie
  • Ja. Pass auf. Ich wollte dir meine Theorie… [lautes Rascheln] … noch einmal erklären, warum ich… [Rascheln wird lauter] … warum ich nicht Quadrat…
  • [lacht]
  • … plus Dreieck, sondern Dreieck plus Quadrat…
  • Das hab ich schon verstanden. Aber es stört mich richtig.
  • Ja, ich wollte es dir aber noch einmal … noch einmal sagen. Weil es mir wichtig ist. [3:00:20]