[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

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Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Diplom Theorie Gespräch mit Alexander
  • Und ähm. Und er meinte dann aber, ähm, als Begründung, warum der Staat das trotzdem halt unterstützt, und zwar richtig krass. Ne? Also die Eintrittskarten und so weiter… wieviel der … der Steuerzahler, also die Gesellschaft, am Ende dafür bezahlt. Äh die Begründung dafür war dann halt, ähm, ähm, ansonsten würde ja nur noch Beethoven oder Mozart oder so gespielt werden. Weil das ja eben die Leute schön finden. Da würden sie jederzeit reingehen. So.
  • Ja.
  • Aber es geht ja darum, dass in äh in der Kunst ist ja…, da ist ja Bewegung ein ganz ganz wichtiger Faktor. Also das sich etwas verändert. Etwas bewegt. Nur dann entsteht etwas neues.
  • Ja.
  • Neues (nicht verständlich) = Entwicklung
  • Und wenn man jetzt bloß noch Beethoven hören würde, oder nur noch … nur noch Richters hängen haben würde… oder so…, wo es schon ganz viele gibt die das auch nicht verstehen würden. Wo du ja ganz anderer Ansicht bist. Dir gefällts ja zumindestens. Egal warum.
  • Ja.
  • So. Das gar nichts vorangehen…
  • Ja.
  • … würde. Wenn man auf dem Stand bleibt, was die Gesellschaft… [unterbricht sich selber] ABER DAS … da meinte ich das eben, dass am E-n-d-e eine ganz ganz kleine Gruppe bestimmt, was ausgestellt wird. Zum Beispiel die Kuratoren. Weil die treiben dann etwas voran, was…
  • Aber…
  • Kunst von Gesellschaft akzeptiert: Stillstand
  • … die G-e-s-e-l-l-s-c-h-a-f-t von sich aus n-i-e-m-a-l-s gesehen hätte.
  • Macht es aber nicht zur Kunst. [kurze Pause] Das ist meine Ansicht
  • Okay. Macht es… für dich macht es zur Kunst, wenn die Gesellschaft das akzeptiert. Als Kunst.
  • Ja.
  • Und was ist die Gesellschaft? Hundert Prozent? Fünfzig Prozent? Einundfünfzig?
  • Nnnein. Das würde ich gar nicht einschränken. Ähm. Ich…
  • WENN überhaupt … [nicht verständlich, 1:19:00].
  • … hab ja. Also zum Beispiel das Beispiel, was du gebracht hast. Mit dem Musiker. Das mag ja momentan eine Musikform sein, die äh nicht verstanden wird.
  • Ja.
  • Neue Kunst in 100 Jahren anerkannt
  • Ähm. In hundert Jahren ist das vielleicht anders. So und äh. Da wird man vielleicht sagen: Mein Gott Jesus! Warum haben sie… warum sind die Leute damals nicht live hingegangen und die Künstler live gehört? Ja?
  • Ja.
  • Warum haben sie nicht den da Vinci damals gekauft. Ja? Weil man es eben zu der Zeit nicht als Kunst gesehen hat. Ja?
  • [kleinlaut] Da Vinci war aber schon damals bekannt.
  • Nimm ein anderes Beispiel. Ja? Also ich meine, es gibt Musiker, oder es gibt Maler, die eben post hum erst äh äh…
  • Ja.
  • … berühmt geworden sind. Ähm.
  • ABER trotzdem wird jetzt bei Neuer Musik, wenns in einem Kon… Konzertsaal aufgeführt wird, wird es von dem [kurze Pause] Staat, vom dem Förderer, wirds ja als Kunst angesehen. Ansonsten würde es da nicht aufgeführt werden.
  • Gesetzgeber subventioniert neue Kunst
  • Leider gar nicht. Leider gar nicht. Und zwar, ähm, es gibt Gesetze. In Deutschland. Die die öffentliche Hand verpflichten einen bestimmten Anteil eben an… an ähm Geld dafür… staatliches Geld… dafür zu verwenden, eben ähm, ja, K-u-n-s-t zu fördern…
  • Ja. [1:20:00]
  • Oder oder [Pause] … pff … [Pause] Menschen mit ihrem brotlosen Erwerb ähm … einen Erwerb zuzuführen.
  • Das ist Bundesland… ähm… äh …Dings. In Sachsen gibts nämlich auch so ein äh äh so ein…
  • [unterbricht] Also zum Beispiel wurde…
  • … ein paar Werke von sächsischen Künstlern…
  • … es gibt… zum Beispiel ein Gesetz, ähm äh, das bei jedem Behördenneubau…
  • Ja.
  • … eine gewisse Prozentzahl des … des des Wertes des Gebäudes…
  • Ja.
  • … in Kunst investiert werden m-u-s-s.
  • Okay.
  • So. Und äh ähm natürlich können sich die Behörden keinen teuren Gehard Richter leisten. Für ein paar Millionen. Um das im Foyer aufzuhängen. Sondern sie müssen sich ähm umschauen. Und das machen sie dann. Manchmal lassen sie sich von den Architekten beraten. Oder gucken halt…
  • Mhm.
  • … im örtlichen Umkreis, ob da eine Künstlerin oder ein Künstler ist, ähm ähm, und geben denen halt Geld in die Hand.
  • Das ist also nicht aus freiwilligem Antrieb, sondern weil es ein Gesetz gibt, was sowas…
  • Das glaube ich. Ja. [kurze Pause] Das glaube ich.
  • Ähm warum denkst du, hat der Gesetzgeber, weil du auch auf so einer Ebene bist, ähm das festgelegt. Das Kunst im öffentlichen Raum sein muss. Es gibt ja auch viele Statuen draußen. Die so finanziert sind. [1:21:00]
  • Mhm. Äh. Weil er es fördern möchte. Und und…
  • Warum…
  • … den Förderzweck kann er sich selbst aussuchen. Da ist er frei. Der Gesetzgeber. Also er kann frei entscheiden, was er subventioniert. Er kann frei entscheiden ähm welche Vergünstigung er gibt…
  • [hustet laut]
  • … und er kann auch frei entscheiden, ob er bestimmte Berufsgruppen fördern möchte.
  • Okay.
  • Ähm.
  • Kunst als Kulturgut
  • Aber was ist seine Begründung da… dafür? Jetze?
  • Ich… ja das ist natürlich ähm äh Gott Jesus sei Dank auch der Entwicklung in Europa geschuldet. Dass wir eben für Kultur im größeren … im … also wo…
  • Ja.
  • … ganz viel drunter fällt, äh das man sagt, ähm zu einer gesunden Gesellschaft gehört auch ähm ein gewisser Anteil an Kultur.
  • Mhm.
  • Und wir sind bereit äh auf unserer Zivilisat… Zivilisationsstufe halt Geld zu i-n-v-e-s-t-i-e-r-e-n. In Kultur. Ähm… und äh… deswegen haben wir sogar ein Kulturministerium.
  • Mhm.
  • Oder einen Kulturbeauftragten. Vielmehr.
  • Das ist ja auch schön. Ich meine…
  • Gesetzgeber = Vertreter Volk
  • Das bräuchte man nicht, aber das ist halt äh äh … das zeigt halt ähm das Wertebewusstsein. Also was uns äähm w-i-c-h-t-i-g erscheint.
  • Was UNS wichtig erscheint? Oder was dem Gesetzgeber wichtig erscheint.
  • Der Gesetzgeber ist der Vertreter des Volkes. Er ist vom Volk gewählt und…
  • Aber DU hast doch gerade eben als Beispiel genannt, dass … dass eine Behörde so und so viel Prozent irgendwie da in Kunst investieren muss. Dann hats doch nicht das … die Bevölkerung sozusagen gesagt: Oh wir wollen in diesem Gebäude ein schönes Ding haben. Sondern der Gesetzgeber. Der Gesetzgeber, wenn das die Bevölkerung nicht versteht, warum da Kunst sein äh äh sein sollte, warum da so viel Geld investiert wird, dann äh repräsentiert doch der Staat in der Regel nicht das Volk.
  • Nein. Also wenn wenn äh der einzelne Wähler nicht mit der Gesetzgebung einverstanden ist, muss er das bei der nächsten Wahl entsprechend artikulieren. Ähm sodass dann jemand anderes gewählt wird, der dann eben dieses Gesetz wieder abschafft. Und dann würde es auch keine Kunst im öffentlichen Raum mehr geben. Also keine Steuermittel werden mehr dafür zur Verfügung gestellt. [1:23:00]
  • Steuermittel für Kunst und Fußball
  • Da müsste man ziemlich viel streichen. Noch Fußballspiele oder so…
  • Ja. So ist das eben in der Demokratie und…
  • Ja.
  • … äh äh und keiner Autokratie. Oder was auch immer. Ähm äh… ääähm. Es ist zumindest vom Volk akzeptiert, dass ein gewisser Anteil von ihren steuerlichen Mitteln für diese Dinge zur Verfügung gestellt werden.
  • Okay. Da hattest du aber schon gesagt, es ist eben nicht automatisch Kunst, nur weils irgendwo ausgestellt wird oder so. A… Al… Also gerade mit der Begründung war das… ne?
  • Naja. Da sind wir auch wieder bei dem großen T-r-i-c-h-t-e-r. Also oben passt das wahrscheinlich rein. Als Kunst.
  • Ja.
  • Im engeren Sinne, je nachdem wie weit man geht…
  • Wo ein Markt sozusagen dann auch da ist. Und die Besucher das betrachten…
  • … ähm genau. Es gab sicherlich eine Zeit, da da fand man das ganz toll, irgendwelche Fließen zu bemalen. Und große Wände zu zeigen.
  • Ja.
  • Äh heute würde man äh kein großen Konzern mehr davon überzeugen können, äh sein Foyer mit bemalten äh Fließen auszugestalten, weil…
  • Kommt auf den Künstler drauf an.
  • … ne. Weil ich glaube, die Kunstform ist nicht mehr so … so…
  • Okay.
  • … zeitgemäß. Ja?
  • Anforderungen von Unternehmen an Kunst
  • Die ist nicht transportabel. Man kanns nicht…
  • UND JA. Ein schöner Grund! Also da sieht man ja auch wieder, ähm welche Anforderung dann an Kunst gestellt wird. Sie soll transportabel sein. Sie soll Menschen anstell… äh ansprechen. Sie soll zum vielleicht zum Gebäude passen. Vielleicht sogar zur Kultur des Unternehmens passen. Da sieht man mal, wie die … wie wie wie … wie breit gefächert das ist.
  • Transportabel hab ich jetzt aber nur gesagt in dem Hinblick, dass ich denke, es sollte transportabel sein, damit man es wieder veräußern k-ö-n-n-t-e. Teurere. Als wenns im Bau selbst drinne steckt. [1:25:00]
  • Ja.
  • Dann wirds schwieriger.
  • Für denjenigen, der das dann installieren lässt, ist das äh natürlich ein ganz maßgebliches Kriterium. Klar. [kurze Pause] Klar. [Pause] Mhm.
  • Schamgefühl
  • Was diese Scham in der Ausstellung… aber okay. Das hatte ich ja jetzt… das warst ja nicht selbst du. Ich würde gerne noch einmal über dieses Bild sprechen.
  • [unterbricht] Das war nicht ICH…
  • Ne. Du hattest doch gesagt…
  • … in der Ausstellung.
  • Du hattest doch gesagt, dass du andere betrachtet hattest. Irgendwie. Und dann irgendwas mit Scham. Oder so. Das… das so ein Schamgefühl trotzdem war. In dem Raum. Wenn ein großer erigierter Penis dargestellt wird. Oder so.
  • Ach es ist schon so, dass ich … ich hab andere beobachtet und ähm äh äh das, was man selbst macht, da äh äh geht man ja davon aus, dass das andere auch genauso sehen. Also ich hab schon auch gedacht, …
  • Ja.
  • … äh was ist, wenn ich beobachtet werde und äh…
  • Ja.
  • … wenn ich da natürlich vor einem Bild gestanden habe, wo jetzt nur ein Penis zu sehen ist, hab ich mich schon gefragt, wie lange kannst du jetzt vor diesem Bild stehen bleiben. Ohne dass jetzt andere glauben, ähm … Ist der schwul? Weil der sich ein männliches Glied …
  • Ja.
  • … anschaut? Ich… das hat mich auch beeinflusst. In dem Moment Moment. Sodass ich dann auch ähm… ich war noch mit anderen Freunden dort, ähm sodass ich mich dann natürlich auch wieder schnell abgewendet hab und mir andere Dinge angeschaut habe.
  • DAS IST DOCH SUPER. Da da haben diese Kunstwerke richtig bei dir was bewirkt. Was Negatives in dem Moment Moment, weil du dich vielleicht nicht wohl dabei fühlst und früher weggehen wolltest. Aber es hat was b-e-w-i-r-k-t.
  • Das war was ganz spannendes. Wir haben hinterher darüber geredet. Wir haben darüber geschmunzelt. Wir haben darüber gelacht. Was sich… [1:26:15]
  • Man…
  • … alles zeigen lässt. Es war auf jeden Fall sehr kommunikativ das ganze.
  • Okay.
  • Übrigens…
  • Muss Kunst dich berühren?
  • Na das ist doch s-c-h-ö-n, wenn… wenn solche Arbeiten einen dann eben doch berühren. Egal in was für einer Art und Weise. Das wäre jetzt eben dann meine Frage dann. Wenn du in einem Museum bist, ähm … ICH kenne es bei mir so. Ich laufe bei den meisten Dingern einfach vorbei. Die sagen mir einfach nichts. Die berühren mich nicht. So. Äh egal was für ein Künstler das ist oder so. Und äh wie ist denn das bei dir, wenn du in einem Museum bist.
  • Pfff. Na ich hab eine ganz tolle Anekdote. Und zwar…
  • WARTE MAL. MUSS Kunst dich berühren?
  • Ja.
  • Muss es. Okay. [1:26:45]
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