[X]Sie sehen gleich die Aufzeichnungen eines KunststudentenDiese sind subjektiv, unvollständig und nicht frei von inhaltlichen sowie othographischen Fehlern.(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

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Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Beethoven, Markus Lüpertz, enthüllt 2015 vor dem MdbK
Beethoven, Markus Lüpertz, enthüllt 2015 vor dem MdbK
Rückseite Tron, Beethoven, 1902, farbiges Gestein und Bronze mit Glas-, Metall-, Elfenbein- und Edelsteineinlagen, Max Klinger
Rückseite Tron, Beethoven, 1902, farbiges Gestein und Bronze mit Glas-, Metall-, Elfenbein- und Edelsteineinlagen, Max Klinger
Die neue Salome, 1893
Die neue Salome, 1893
Kassandra, 1895
Kassandra, 1895
Weibliche Idealbüste, Arthur Volkmann (Jahr?)
Weibliche Idealbüste, Arthur Volkmann (Jahr?)
Die Verdammnis, um 1725, Balthasar Permoser
Die Verdammnis, um 1725, Balthasar Permoser
Kleiner Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose, 2011, Stephan Balkenhol
Kleiner Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose, 2011, Stephan Balkenhol
Madonna mit Kind, 14. Jhd.
Madonna mit Kind, 14. Jhd.
Kniender König aus einer Anbetungsgruppe, Michel Erhart
Kniender König aus einer Anbetungsgruppe, Michel Erhart
Bildnisbüste Johann Wolfgang von Goethe, 1821, Christian Daniel Rauch
Bildnisbüste Johann Wolfgang von Goethe, 1821, Christian Daniel Rauch
Ganymed, den Adler tränkend, Bertel Thorvaldsen
Ganymed, den Adler tränkend, Bertel Thorvaldsen
Werkstatt Plastisches Gestalten Ausstellung MdbK, Leipzig Thema Kopf, mit Leiter Gemäldesammlung MdbK Beethoven, Markus Lüpertz Markus Lüpertz, enthüllt 2015 vor dem MdbK luepertz1-k.jpg Aufschrei unter Bilderhauern verursacht Lüpertz Markus Lüpertz: Aber die Skulptur ist nicht provokant gemeint, obwohl sie provoziert hat. Ich will immer nur das Beste. Ich will, dass man mich liebt, dass man von mir begeistert ist, und deswegen bin ich immer überrascht, dass Leute das ablehnen Rückseite Tron, Beethoven, 1902, farbiges Gestein und Bronze mit Glas-, Metall-, Elfenbein- und Edelsteineinlagen, Max Klinger Max Klinger beethoven1-k.jpg siehe auch Notiz vom 9.8.2014 nackt, unbekleidetes Genie entrückt, wie Zeus, blind, taub Materialmix für Klinger Max Klinger typisch verletzlich, einsamer, aber kraftvoller Gott Jesus Klinger Max Klinger wurde, wie Lüpertz Markus Lüpertz heute, in seiner Zeit scharf für Beethoven-Statue kritisiert als Kunstgewerbler, als effekthascherisch empfunden Lüpertz Markus Lüpertz bezieht sich auch auf die damalige Kritik erzählerische Plastik Tron mit Erzählungen gefüllt Gegensatz Antike und Christentum dargestellt Gegensatz christliche Moral und Sinnlichkeit der Antike Die neue Salome, 1893 salome1-k.jpg bekommt Kopf von Johannes dem Täufer christliche Moral wird durch Salome bestraft sie als verkörperte Sinnlichkeit Kopf am Pariser Modell heraus entstanden, stark verfremdet verfremdet durch kolorierte Bernstein-Augen wie bei antiken Skulpturen Haare und Gesicht farbig gefasst Polyphonie Alleinstellungsmerkmal Klinger Max Klinger experimentierte mit Farbe bei Skulpturen Zweck Farbigkeit: (1) dramatisches, lebhaftes, expressives, Verlebendigung (2) Verfremdung gegenüber der Wirklichkeit Farbigkeit nur partiell eingesetzt, fokusiert Ende 19. Jhd. ging es nicht mehr darum, Natur zu kopieren bis Ende 19. Jhd. gingen Menschen davon aus, dass antike Skulpturen weiß gewesen wären Herme umsetzen eigene Herme vielleicht doch nicht naturalistisch umsetzen Materialien unbedingt noch austesten evtl. mit alten Studium-Notizen, kleistern, einige Zettel schauen raus mit Stiften, Farbe, Pinsel, Computermaus, … neben Holzbüste also gleichzeitig mit Silikon noch weitere Varianten ausprobieren Diplom Theorie Museumsführer über mögliche LVZ-Artikel, wo Lüpertz Markus Lüpertz-Arbeiten aus Sicht der Anderen betrachtet werden: Es werden sich wieder Leute empören, wenn… Kassandra, 1895 kassandra4-k.jpg farbig und farblos Haar-Thematik: Wie gehe ich mit Haar um? eigene Form sitzt auf Kopf auf Übergangsfrage Haarpracht als Linsensuppe (Bachmann) Herme Weibliche Idealbüste, Arthur Volkmann (Jahr?) idealbueste1-k.jpg farbig, naturalistisch, nicht mehr partiell genutzt lebenshoch, fast Herme, da Sockel dazugehört kroteste Brust, abgeschnitten (Bachmann) Die Verdammnis, um 1725, Balthasar Permoser verdammnis1-k.jpg siehe auch Notiz vom 16.8.2014 vom Ausdruck sehr expressiv Rauch, Flammen direckt übergehend zum Porträt Thema Seele im Höllenfeuer, katholische Sicht nicht ganz ausgearbeitete Formen, wie Augen Übergang Augapfel und Partie darunter skizzenhaft, wie versteinerte Zeichnung (Bachmann) dynamisch durch besondere Standfläche Übertreibung, übergroßer Mund, flatternde Zunge übertriebener dicker Muskel (wie heißt der am Hals noch einmal?) Frisur nur angedeutet Zähne zu weit vorne arbeitet mit unfertigen und glatten Bereichen wirkt dadurch spannender glänzende Malerei war damals besser verkäuflich, übertrug sich auch auf Plastik Kleiner Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose, 2011, Stephan Balkenhol Stephan Balkenhol balkenhol1-k.jpg wieder farbig gearbeitet vieles übertrieben, auch Gesamtgröße durch starke Verkleinerung abgezielt auf über-individuelles Herme Figur und Sockel aus 1 Stück Holz wird dadurch zu einer Art Herme (für mich) Spuren des Machens gut sichtbar Körper aus Flächen aufgebaut wie bei Lüpertz Markus Lüpertz, da beugt sich die Fläche zusätzlich aus Tropenholz Abachi, kurzfasrig, geschnitzt Madonna mit Kind, 14. Jhd. madonna1-k.jpg für privaten Gebrauch hergestellt Alabaster-Figur (Gipsart, weicher als Marmor) sehr zurückhaltend Kind greift nach Apfel Kind ernst dargestellt, als Zeichen dafür, dass es bald für Menschheit sterben wird in sich gekehrt aus Pisaner-Schule(?) Lippen bleiben waagerecht Gewand Bewegungslinien leiten zum Hauptmotiv hin Kniender König aus einer Anbetungsgruppe, Michel Erhart erhart1-k.jpg entkernt, damit Holz nicht reißt damals Bilderflut in Kirchen vergleichbar mit heutiger medialer Bilderflut Kopf = Formulierung von Blick damals als hyperrealistisch wahrgenommen Augen bei Klinger Max Klinger aus Glas: für sich sein, nicht nur nach außen gelebt, Zurücknahme des Blicks "Bad Mummy", 2005, Birgit Dieker antike Drehung Bildnisbüste Johann Wolfgang von Goethe, 1821, Christian Daniel Rauch goethe1-k.jpg zwischen klassich und Realismus Altersbüste von Goethe farblos Nase und Ohren wachsen bis zum Tod Stirn hervorgehoben Stirn als über Verstand gewölbt betrachtet Ganymed, den Adler tränkend, Bertel Thorvaldsen ganymed1-k.jpg [Magen knurrt, Bonbon gegessen] E-Mail an Bachmann Diplom Theorie Gespräch mit Alexander
  • Ich bin mir nur unsicher. Weil… ich hab jetzt ja nichts davon dazu gesagt. Du weißt ja auch glaube ich nichts…
  • Nein. Nein.
  • … und so.
  • Nein. Nein nein.
  • Sagen wir jetzt aber mal, es ist jetzt wie bei Gerhard… Gerdi… ähm…. Das ist ein Objekt von einem Typen halt, was heute hoch gehandelt wird. Wo es eine Edition von gibt. Wo man sich …
  • Mhm.
  • … drum streitet das äh das man da was abbekommt.
  • [zögernd] Ja.
  • Kunst kaufen, da begrenzt, begehrt, teuer
  • Ich glaube, da würdest du doch in sone … [kurze Pause] So wie jeder Mensch … es ist begrenzt, es ist begehrt. Es wird immer teurer. Und dann und dann würdest du… „Ach naja, aber vielleicht nehme ich das jetzt doch. Mir gefällt es zwar nicht so. Aber es scheint ja einen Wert zu haben. WIE bei… jetzt kommen wir zu Gerhard Richter Gerhard Richter… wie bei diesem großen Leinwandbild, da wo ja viele Nachahmer auch bei Youtube und so weiter gibt, die genau das…
  • Ja.
  • … machen. Nur halt hat er es halt geschafft, sich einen …
  • Folgendes…
  • … Markt da aufzubauen.
  • Folgendes. Ähm. Mit dem Einkommen, was ICH habe, würde ich es mir nicht kaufen.
  • Okay.
  • Ähm. Wenn ich in der finanziellen Situation sein sollte, dass ich mir schon Gedanken machen muss, äh, wie … wie kann ich … wie werthaltig kann ich mein Geld anlegen.
  • Aaah. Okay. Da wollen wir aber nicht weiter…
  • Ne ich will nur ganz kurz sagen…
  • Okay.
  • Viele Stiftungen haben dieses Problem.
  • Ja.
  • Kunst kaufen bei Stiftungen
  • Sie müssen halt… äh… die Inflation auszugleichen.
  • Ja.
  • Und wenn die Inflation vielleicht hoch ist, fünf oder zehn Prozent, müssen sie das Familienvermögen, damit es nicht kleiner wird, in irgendeiner Form anlegen. Und irgendwann ist es auch einmal begrenzt mit Immobilien oder …
  • Ja.
  • Autos. Also gerade Oldtimer. Sondern Kunst ist ja was ganz interessantes. So. Und wenn jetzt natürlich der Galerist auf mich zukommt und mich darauf…
  • Ja.
  • … aufmerksam macht, dass genau dieses Pissoir in den letzten Jahren eine Steigerung von vierzig Pro…
  • Ja.
  • …zent äh gehabt hat, würde ich im Familienvorstand schon überlegen, ob sich nicht doch diese Investition lohnen…
  • Obwohl…
  • Obwohl es mich gar nicht interessiert.
  • Okay.
  • Sondern einfach nur, weil es äh äh ne Geldanlage ist.
  • Da gehen jetzt aber bitte wieder von deinem aktuellen Zustand aus. Denn das ist jetzt wieder so eine Fantasie.
  • Ja genau. Deswegen, weil…
  • [unterbricht, nicht verständlich, 1:09]
  • … weil ich nicht in dieser Situation bin.
  • Ja.
  • Mein Geld anlegen zu müssen.
  • Anlegen ist eh nen scheiß Thema für mich.
  • Ähm.
  • [lacht] Aber da sind wir ja zum Glück… Aber da müsste ich…
  • Das ist für viele Menschen ein ganz ganz wichtiges Thema.
  • Das ist aber krass, oder?
  • … wie man Werte SCHÜTZT. Und zwar davor schützt, dass sie an Wert verlieren.
  • Ja.
  • Und äh nicht nicht äh…
  • [unterbricht] Das ist…
  • Es sagen ja gerade die Milliardäre, oder Millionäre, …
  • Ja.
  • … dass es nicht einfacher wird, je mehr Geld man hat, …
  • Ja.
  • … sondern je schwieriger wird es.
  • Art Basel
  • Ja. Ich glaub das ist ein riesen großes Mißverhältnis. Oder … oder Mißverständnis. Äh äh bei dem Kunstmarkt. Ich war jetzt bei der Art Basel. Wo ja…
  • Ja.
  • … viel Kunst gekauft wird. Zu sehr sehr äh hohen Preisen.
  • Ja.
  • Ähm. Dass man denken würde, ähm es wird nicht gekauft, weil es richtig gut ist. Sondern es wird gekauft, um eben eine Anlage…
  • Ja.
  • … äh… äh um eine Sicherheit zu haben und… und da geht man von einem steigenden Preis aus. Das sind also zwei ganz unterschiedliche Sachen. Ne? Auf der einen Seite ist der Künstler für mich. Und der Künstler denkt, auch wenn du jetzt anders denkst, erst einmal nicht ans Geld. Per se.
  • Mhm.
  • Unterschiedliche Interessen von Künstler und Käufer
  • Sondern er will halt etwas schaffen, was irgendeine… für ihn eine Bedeutung, etwas Wichtiges ist. Und so weiter.
  • Mhm.
  • Und der Käufer denkt aber häufig, höchstwahrscheinlich in so einem hohen Segment, an eine Wertsteigerung. An Geld also.
  • Ja.
  • UND UND da sind halt zwei Systeme, zwischen denen halt sozusagen die Galerie äh äh so… äh… das verknüpfen muss. Oder WILL. Weil sie ja auch Geld verdienen will. So. Das sind… das ist ein ganz ganz interessantes Ding. Aber da gehts jetzt wieder bei dir nicht drum. Weil du das nicht bist.
  • Ja aber… Das spannende, was du gerade erzählst, genau, dass hat ja… genau… äh äh…. im letzten oder vorletzten Jahr wurde äh äh das teuerste Werk von äh äh Gerhard Richter Gerhard Richter glaube ich für vierzig Millionen bei Sotheby versteigert.
  • Anonym.
  • Äh äh. Wie auch immer.
  • Ja.
  • Auf jeden Fall…
  • Ich weiß das nicht.
  • Hohe Verkaufspreise kommen nicht bei Künstler an
  • … wurde hinterher Gerhard Richter Gerhard Richter gefragt, äh, äh äh, für ein Bild… ich weiß nicht, ob für vierzig Millionen, aber…
  • Ja, er verstehts glaube ich auch nicht.
  • … und ähm ähm… was er dazu … was er davon hält und vor allem wie viel er davon am Ende denn nun abbekommen hat…
  • Ja. Nichts.
  • … und da musste er erst einmal äh genau äh er musste erst einmal klarstellen, dass er dieses Bild schon vor J-a-h-r-e-n oder Jahrzehnten oder so…
  • Ja.
  • … fertig gestellt hat und verkauft hat.
  • Ja.
  • Ähm. Und ähm… Weiß ich nicht. Zwölftausend Euro dafür bekommen hat. Und äh das ist für ihn natürlich auch sicherlich nicht ganz so einfach zu beachten. Das er halt für sein K-ö-n-n-e-n äh ein… eine m-a-r-g-i-n-a-l-e Summe bekommen hat.
  • [unterbricht lautstark] JA ABER ER HATS DOCH DAMALS VERKAUFT. Er hätte ja auch warten können. Aber dann wäre es niemals soviel Wert gewesen.
  • Wahrscheinlich.
  • Weil er es nicht auf den Markt geschmissen hat.
  • Wahrscheinlich, wahrscheinlich.
  • Ausstellungsvergütung
  • Und z-w-e-i-t-e-n-s wollte ich jetzt nur mal andeuten: Ähm es wird ja ständig von irgendwelchen Künstler… ähm… -vertretern oder so… BBK oder so…
  • Ja.
  • … halt immer wieder gefordert, dass halt der Künstler auch bei Ausstellungen und bei zukünftigen Verkäufen wieder beteiligt werden soll.
  • [von weiter weg] Ja.
  • So. ES WURDE NOCH NICHT UMGESETZT, aber da du es gerade sagtest… Ne man verkauft vor zwanzig Jahren ein Bild und sieht jetzt, dass es eine Million wert hat und kriegt nichts davon. Das wollten die schon einmal genau aus dem Grund ändern. Weil der Künstler sozusagen auch zukünftig mit mit seinem Werk sozusagen weiterhin dann äh ähm wenns steigt, auch was davon haben sollte. Aber da kann man ja Verträge abschließen. Ne? Ich glaub, das ist nicht das Problem. Der Künstler kann einen Vertrag abschließen, wenn das Ding auch wieder verkauft wird, für eine höhere Summe oder so, dann krieg ich halt so und so viel Prozent. Das geht glaube ich.
  • Keine Ahnung.
  • Ich weiß es nicht. Aber Verträge kann man ja immer machen.
  • Das weiß ich nicht.
  • Ob das jetzt so umgesetzt wird, weiß ich nicht. Aber ok, wir schweifen wieder ab.
  • Ja.
  • Wir sind bei Gerhard Richter Gerhard Richter jetzt angekommen.
  • Tee trinken
  • Du wolltest deinen Tee trinken.
  • Ja. [Tassengeklirr]
  • Also.
  • Gerhard. Oje. Gerhard Richter Gerhard Richter. Gerdie. [Tassengeklirr, Tee wird eingegossen] Ahaber… Okay. Warte mal. Ich will nur mal. Was ich jetzt daraus gehört habe, bei diesem P-i-s-s-o-i-r, ähm, wenns im Museum steht… [lautes Geräusch]… dann siehst du das automatisch als Kunst an. Weil es halt schon im Museum steht. Ob du es als gute Kunst ansiehst, ist was anderes. Du würdest es dir sogar kaufen, wenn du genug Geld hast. Auch wenn du nicht findest, dass es gute Kunst ist. Oder dich überhaupt nicht anspricht.
  • [unterbricht] Ich finde … du strengst, du strengst…
  • NEIN. ICH VERSUCHE DAS…
  • … was ich sage oft immer zu stark ein.
  • NEIN! ABER DAS HAST DU DOCH GESAGT!
  • Kunst, da ausgestellt, da öffentliches Interesse
  • Ich habe nicht gesagt, w-e-i-l es im Museum steht äh äh wird es automatisch zur Kunst. Sondern ähm äh dazu gehört ja noch mehr. Also das ist sozusagen ähm mhm… äh… [kurze Pause]… ähm… dazu gehören ja eben auch die Leute, die bereit sind Eintritt zu bezahlen. Da gehören ja auch die Leute, die davor stehen und sich das anschauen. Dazu gehören ja auch äh d-i-e, die äh äh ähm … äh Kunst beschreiben. Also auch die Kunstkritiker. Ähm. Die das dann natürlich auch noch einmal bewerten, ob…
  • Mhm.
  • … das denn überhaupt äh äh ähm [kurze Pause] hätte da ausgestellt werden dürfen. Ähm also das ist ja dieses große Zusammenspiel. Ja?
  • Worauf der Besucher aber gar keinen Einfluss hat. Er…
  • Naja.
  • Der sieht am Ende nur das Ergebnis, wofür er Geld gesehen hat. Punkt.
  • Ge… Genau ja. Aber nur weil es jetzt dort hängt äh ist es auch noch nicht Kunst. Nein nein. Also das wäre mir zu…
  • Das sagst du jetzt.
  • … in MEINEN Augen wäre das noch zu…
  • Okay.
  • … wenig. Weil es würde ja bedeuten, ich könnte mir einen Museumsraum anmieten, äh und könnte da äh äh…
  • DU HAST DAS BEISPIEL schon vorhin genannt!
  • … und könnte dort… JA GENAU. Und schütte da ein Kilo Kartoffeln rein.
  • Ja.
  • Und sprüh den dann rosafarben an. Und in dem Moment Moment äh äh ist es zu Kunst geworden.
  • DESHALB wollte ich das nämlich unterscheiden. Zwischen … zwischen einem Ort, wo man sich einmieten kann, wo man Geld bezahlt, DAMIT man ausstellen darf. Und einem Museum, oder einem Ort, wo du ANGEFRAGT wirst. Von dem Museum. Wollen Sie nicht bei uns ausstellen? Wir finden, das ist ausstellungswürdig. Das ist ein ganz anderer Ansatz. Einmal wird es als Kunst gesehen. Deshalb darf es da ausgestellt werden. Und einmal bezahlst du Geld, damit es ausgestellt wird.
  • [möchte unterbrechen]
  • NE ABER DAS ist das, was du jetzt meintest. Oder? Oder was du vorhin…
  • Lassen wir das mal so stehen. [Pause]
  • Naja, aber so hab ich dich jetzt verstanden.
  • Mhm. Ja. Das ist mir … manche Sachen sind mir zu… zu eng definiert. Zu eng beschrieben.
  • Na ich versuche ja irgendwie, auch ähm… das zu verstehen, was du sagst.
  • Kunst muss berühren
  • Ich glaube Kunst ist am E-n-d-e [kurze Pause]… ist es ja oft etwas extrem emotionales. Also etwas, was mich berühren muss. Ähm. Und. Man fragt sich natürlich, warum kann mich ein beschmutztes Urinal berühren? Das ist ja eher eklig.
  • Na dann berührts dich ja.
  • Sollte man… äh… aber … mhm… Dieser Kontext. Diese Umgebung. Mit Technik angestrahlt. Klimatisierter Raum. Flyer. Plakate. Öffnungszeiten. Eintritt. Ähm in der Zeitung wird darüber geschrieben.
  • Mhm.
  • Ähm. Menschen nehmen ihre Zeit und äh um sich das anzusehen.
  • Mhm.
  • DAS alles zeigt doch, dass es dann vielleicht in der Gesellschaft, in der großen Gruppe, als Kunst akzeptiert wird.
  • Da wiederspreche ich dir.
  • [zuerst unberührt] Und… Ja das ist ja nur meine Ansicht.
  • Ja. Aber ich wills auch gleich erläutern.
  • Und ähm und dann fällt es mir natürlich e-i-n-f-a-c-h-e-r, als …
  • Warum?
  • … jemand der vielleicht gar keine Ahnung von… oder der keine Ahnung von…
  • Ja.
  • … Kunst hat. Weil ich mich professionell nicht damit …
  • Ja.
  • … beschäftige. Weil ich auch nicht einschätzen muss, was für ein Wert steckt dahinter.
  • Ja.
  • Finanzieller Wert. Ja?
  • Ja.
  • Kunst akzeptieren, da ahnungslos
  • Ähm… Fällt mir dann natürlich auch einfacher, das als Kunst zu a-k-z-e-p-t-i-e-r-e-n.
  • Ja. Okay.
  • Ähm. Also es hilft mir. Würde ich sagen.
  • Kleiner Kreis bestimmt was ausgestellt wird
  • Gut. [kurze Pause] Ich stimme dir FAST zu. Nur mal ein ganz kleiner Hinweis. Äh. Wenn eine Ausstellung gemacht wird, eben. Dann steckt da nicht die Gesellschaft dahinter. Die die Mei… also die da vertreten ist in ihrer Meinung. Sondern ein GANZ GANZ GANZ GANZ kleiner Kreis. Der eine ganz ganz bestimmte Kunstmeinung hat.
  • Ja.
  • Kuratoren. Und äh die sich unter einander… Netzwerk…
  • Ja.
  • … und was weiß ich kennen.
  • Ja.
  • Weil du hattest gerade irgendwie das … die Gesellschaft mit reingebracht. Denn die GESELLSCHAFT, der Ausstellungsbesucher. Der ist doch am Ende nur noch der, der DAS sieht, was andere…
  • [will unterbrechen]
  • … gemacht haben.
  • Nein. Ich bleibe sogar dabei.
  • Bei was denn jetzt? [1:17:00]
  • Und keiner geht hin!
  • Ist ein schönes Beispiel. Und zwar… mhm. Stell dir vor, ein großes Museum. Moderne Kunst. Öhm… Ausstellung. Unbekannter Künstler. Ebend dieses Urinal, was man hier eben sieht. 1917. Irgendwie beschrieben. Äh. Und jetzt passiert folgendes: [kurze Pause] Kein Mensch geht hin. Kein Mensch…
  • Warum?
  • … interessiert sich dafür.
  • Okay.
  • Nur die Kuratoren. Oder der Kurator. Der Künstler. Also ein ganz enger Kreis. Glauben eben, dass … das es das wert gewesen ist zu zeigen. Weil sie glauben eben, dass das hochwertige Kunst ist. Ähm.
  • [grinst kurz] Das ist interessant, weil…
  • … Und ich bin der Meinung, wenn … wenn äh niemand darüber berichtet… wenn es niemand zeigt… wenn niemand … wenn noch nicht einmal jemand h-i-n-g-e-h-t… [kurze Pause] obwohl er hingehen k-ö-n-n-t-e… Ist das vielleicht ein Indiz dafür, dass es eben in dem Moment Moment von der Gesellschaft nicht als Kunst angesehen und akzeptiert wird. Und damit auch kein M-a-r-k-t hat.
  • Neue Musik
  • [grinst weiter] DAS IST GEIL! Ich hatte genau deine Ansicht nämlich bei einem Komponisten, den ich in Berlin getroffen hatte. Der macht Neue Musik.
  • Ja.
  • So schräge Töne. Und so.
  • Ja. [1:17:45]
  • MIR gefällt das. Ich kann das stundenlang hören.
  • Ja.
  • So. Aber ähm… was mein Eindruck da bei Neuer Musik eben ist, ist, dass die Konzertsäle im Normalfall, wenn es auch kleine Aufführungen sind, relativ leer sind.
  • Ja. Ja.
  • Ganz wenige Leute gehen hin, weil sie sich nicht emotional da gebunden fühlen. Oder was weiß ich. Das ist halt nicht so gesellschafts…
  • Mhm.
  • …dingsbums. [1:18:10]