mass media research und kunst im medialen öffentlichen raum

klasse für medienkunst / prof. günther selichar und yuki jungesblut

Michael Dölitzsch


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Vita

1980, Jena

2004 - 2007 Grundstudium Medienkunst, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
seit 2007 Medienkunst, Prof. Günther Selichar, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

AUSSTELLUNGEN
2009 On (plein) Air, Galerie [doppel de], Dresden
2009 Rundgang, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
2009 This Is The End, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
2008 Rundgang, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
2006 24 h Ausstellung, Noch besser leben, Leipzig
2005 Eröffnung 2005, Kuhturmgalerie, Leipzig
2005 Wonderland, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
2004 Kunstausstellung 2004, MUNA, Bad Klosterlausnitz

Aufsteigende Oberflächlichkeit

Holz, Kopfhörer, Soundloop | 3 min
Michael Dölitzsch
2006

Eine schwarze Treppe führt an eine weiße Wand der Galerie. Verbunden mit uneindeutigen, beinahe nichts sagenden Audiofetzen aus den Lautsprechern des Kopfhörers, welcher oberhalb der Treppe am Geländer angebracht ist. Der Betrachter, sofern er die Treppe erklimmt und die Kopfhörer aufsetzt, wird zum Zuhörer einer Collage von undefinierten zusammenhanglosen Sprach- und Musikbruchstücken. Es entsteht eine ungewohnte Situation: die Treppe führt nur höher jedoch nicht weiter und oberflächlich verständliche Fetzen hinterlassen keine eindeutigen Aussagen.
Diese daraus entstehende Verständnislosigkeit ist durchaus beabsichtigt, da im Kontext einer Ausstellungssituation wie in Wunderland, angelehnt Lewis Carrolls Buch, in der ebenfalls absurde Vorkommnisse (sprechende Tiere, veränderte Größenverhältnisse, unvorhersehbare Wendungen) passieren.
Gleichbedeutend der Begrenztheit des Ausstellungsraumes, sowie der Wahrnehmung des Rezipienten und die damit verbundene limitierte Vermittlung von Ausstellungsobjekten durch sich selbst.

Rundgang an der HGB, Leipzig / 2008

ohne Titel

HD - Video | 16 Min.
Michael Dölitzsch
2007

Ich habe die Sequenz einer Episode eines Pornofilms bei mir zu Hause nachgedreht, d. h. ich imitierte die Kameraführung, und legte unter die entstandenen Aufnahmen den Ton des Pornofilmes. Als logischer referenzieller Anhaltspunkt diente mir dabei meine Couch, da auch ebenfalls eine Couch im Porno zu sehen ist. Die Bilder des Pornofilms dienten mir als Schnittmuster, das bedeutet Schnitte sowie Überblendungen sind Framegenau angeordnet, sowie auch die Kameraeinstellungen den Originalaufnahmen nachempfunden sind. Jetzt sieht man die Couch meines Zimmers synchronisiert mit dem Ton des Pornofilms. Man kann nun den Sex, das durchgängige Stöhnen aus der Tiefe des Raumes, nur noch hören, zu sehen ist keine Spur davon. Lediglich die Kamera bewegt sich so als würde sie Jemanden auf der Couch verfolgen. Verfolgt der Zuschauer den Film aufmerksam werden die Schnitte bzw. Überblendungen bewusst in Zusammenhang mit Veränderungen der Tonspur.

Mit der Videoarbeit möchte ich ganz bewusst eine Irrationalität schaffen. Die vorhandene Leere lässt beim Betrachter eine weitere Spur, einen jeweils individuellen Film im Kopf entstehen.

OPEN (FAST!) / ESKAPADE I, Leipzig / 2008

KinderexperimenTIERkasten

Video, Objekt
Michael Dölitzsch
2008

Ich möchte ein fiktives Produkt erschaffen in Form eines Experimentierbaukastens für Kinder mit dessen Tierversuche durchgeführt werden können. Diese scheinbare Benutzbarkeit bzw. käufliche Verfügbarkeit soll im Galeriebetrieb durch ein Verkaufsdisplay simuliert werden. Es soll jedoch nicht erkennbar sein, dass es sich hierbei um ein erfundenes Objekt handelt. Der Baukasten ist in Kombination mit einem Screen an einem handelsüblich stehendem Display angebracht. Dies ist zeitgenössischen Werbemethoden nachempfunden, wie etwa in Supermärkten oder vor allem in Baumärkten. Der Inhalt des Experimentierkastens ist für den Betrachter ersichtlich, d. h. die einzelnen Teile wie Reagenzgläser, Gummischläuche, Fixierbänder, Elektroden, Spritzen usw. sind hinter einer durchsichtigen Plastikwand befestigt die man durch aufklappen des Frontdeckels ansehen kann. Auf dem Screen wird beständig ein Werbespot ausgestrahlt, der die Spielbarkeit des Baukastens bewirbt. In diesem Spot sieht man ein Kind mit Tieren herumexperimentieren, jedoch werden tatsächliche Handlungen/Versuche nur angedeutet, da dies mehr assoziativen Spielraum beim Betrachter erzeugt. Durch ein Kind das die Hauptrolle spielt, welches auch die vermeintliche Zielgruppe darstellt, möchte ich höhere Aufmerksamkeit beim Betrachter erzielen. Unter einer Internetadresse auf dem Display, auf dem Kasten sowie auch im Werbespot, kann der Betrachter das beworbene Produkt erwerben, jedoch leitet die “Jetzt kaufen”- Option auf andere Internetseiten um, wie z.B. www.tierschutzbund.de, www.datenbank-tierversuche.de, www.aerzte-gegen-tierversuche.de, http://www.peta.de/tierversuche/ www.terra-human.de usw.
Tierversuche die in der Regel weitgehend im Verborgenen ablaufen, werden durch den KinderexperimenTIERkasten spielerisch in die Kunstöffentlichkeit gestellt. In meiner Arbeit möchte ich die Frage über Sinn und Notwendigkeit von Tierversuchen aufwerfen, als auch, in Anbetracht moralischer Grundprinzipien, eines entstehenden Werteverlustes durch ein Produkt.

This is the End, HGB Leipzig / 2008

WATERBOARDING IS NOT A CRIME

T-Shirts | Flexdruck
Michael Dölitzsch
2008

In Verbindung des Begriffes "Waterboarding" und durch Veränderung eines Slogans aus der Freizeitindustrie ergibt sich meine Arbeit. Ich habe den Slogan "SKATEBOARDING IS NOT A CRIME" übernommen und anstelle der Freizeitbeschäftigung die Foltermethode "WATERBOARDING" eingesetzt. Der Originalwortlaut kritisiert die Kriminalisierung einer Freizeitsportart. Dieser Slogan ist oft auf Aufklebern, Skateboards, sowie auch auf T-Shirts zu finden.

Innerhalb der letzten Jahre sind in den Nachrichten immer wieder Vorwürfe wegen Folter in US-Kriegsgefangenenlagern aufgekommen. Das Verteidigungsministerium hatte sich während der Bushregierung dabei, insbesondere im Fall Waterboarding, zu den Anschuldigungen gerechtfertigt, es handle sich hierbei um keine Folter. Aufgrund der Bagatellisierung dieser tatsächlich angewandten Folter im Austausch gegen die Kriminalisierung der Sportart, möchte ich eine Rückkopplung erzielen.

Rundgang an der HGB, Leipzig / 2009

BETWEEN THE HIGHLIGHTS

Interview mit einem Big-Brother-Veteran
HDV | 33'14 min
Michael Dölitzsch
2009

On (plein) Air, Dresden / 2009

Verfügbar
HDV, Loop/Still, 0:02 min
2009

Seit dem 31.03.2009 sperrt das Google Videoportal YouTube mehrere tausend Musikvideos für deutsche Nutzer. Grund dafür sind Streitigkeiten mit der deutschen Musikverwertungsgesellschaft GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Klickt man ein bestimmtes Video an, kann es vorkommen, dass man anstelle des gewünschten Clips nur die Textzeile „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar “ erhält. Isoliert als Screenshot in den Ausstellungsbetrieb übertragen, reflektiert Michael Dölitzsch mit seiner Arbeit „Verfügbar“ nicht nur unsere heutige Flatrate-Kultur, sondern vor allem das zumeist politisch und wirtschaftlich motivierte Zensurverfahren.

Ankündigung
Billboard
18/1 Großflächenplakat, 4-teilig
4/0-farbig, Affichenpapier, 115 g/m², 356 × 252 cm
2009

Michael Dölitzsch hat in seiner Arbeit „Ankündigung“ auf ein weißes Billboard die schwarzen Versalien DEMNÄCHST geschrieben ohne auf ein Ereignis hinzuweisen. Somit entkoppelt er die Bekanntmachung eines Ereignisses von dem eigentlichen zeitnahen Ereignis selbst, das das Billboard ankündigen soll. Er spielt dabei mit den Vorstellungen, Erwartungen und Wünschen der BetrachterInnen, denn das Versprechen bleibt uneingelöst. Das Billboard konnte über einen langen Zeitraum aufgehängt bleiben, sodass es zunehmend verwitterte. Das scheinbar Aktuelle „veraltete“ zusehends.