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Representations of the "Other". - The Visual Anthropology of Pierre BourdieuKunstraum der Leuphana Universität Lüneburg und Galerie der HGB Leipzig in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung BerlinSymposium Die Theorien und Praxisformen des französischen Soziologen und Ethnologen Pierre Bourdieu werden seit den 1980er Jahren verstärkt in der Kunstwelt rezipiert. Manche seiner Begriffe, wie etwa Habitus, Feld oder symbolisches Kapital, sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Kunstdiskurses geworden. Dennoch blieben die Bezüge auf Bourdieu eher punktuell. Eine eingehendere Auseinandersetzung mit seinem kunsttheoretischen Zugang, seiner relationalen Philosophie oder auch seiner visuellen Soziologie aus der Perspektive des künstlerischen Feldes steht bislang noch aus. Zwar wurden Bourdieus Analysen des literarischen Feldes und, allgemeiner gefasst, seine Soziologie der kulturellen Produktion, in den Sozialwissenschaften in jüngerer Zeit breit diskutiert, die Relevanz seiner Arbeit für die bildende Kunst und insbesondere für ihre zeitgenössischen Entwicklungen und Diskurse blieb dabei jedoch fast gänzlich ausgespart. Das Symposium "Representations of the 'Other'. The Visual Anthropology of Pierre Bourdieu" sucht fünf Jahre nach dem Tod Bourdieus diese Lücke zu schließen. Eingeladen wurden KünstlerInnen, KuratorInnen und TheoretikerInnen, die mit und über Bourdieu gearbeitet haben. Ihre Beiträge werden sich auf Themenfelder wie "Die Theorie der Praxis und die Praxis der Theorie", "Entwicklungstendenzen und Wandel des künstlerischen Feldes", "Symbolische Macht und die Politik der Bilder", "Die Rezeption der Kunst" oder "Dokumentarismus und visuelle Soziologie" beziehen. Die Tagung richtet den Blick sowohl auf die theoretischen Auseinandersetzungen mit Bourdieus strukturalistischem Konstruktivismus, die auf den Gebieten der Kunstgeschichte, der Kunstsoziologie, der Philosophie, der Ethnologie, den Cultural Studies und der Kunsttheorie geführt wurden, als auch auf die vielfältigen Berührungspunkte und Kooperationen Bourdieus mit Künstlerinnen und Künstlern. Konzept: Beatrice von Bismarck, Ulf Wuggenig
Aufgrund beschränkter Platzkapazitäten bitten wir um Anmeldungen zur Tagung (bitte mit genauer Angabe des entsprechenden Symposiumstags)
Programm ![]()
Teil 1: Pierre Bourdieu, Kunst und visuelle Politik
6. Juli 2007, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
14:00 Einführung: Beatrice von Bismarck, Ulf Wuggenig (Leipzig, Lüneburg)
14:15 Christian Kravagna (Wien)
Zwischen 1958 und 1961, am Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn, hat Bourdieu in Algerien zahlreiche Fotografien geschaffen, die erst vor wenigen Jahren in einer Auswahl veröffentlicht wurden. Während die entsprechende Publikation (Pierre Bourdieu, In Algerien. Zeugnisse der Entwurzelung, Camera Austria 2003) die Fotos im Kontext der Biografie und vor allem der soziologisch-ethnologischen Arbeit Bourdieus betrachtet, soll in diesem Vortrag der Versuch unternommen werden, einige dieser Fotos eingehender auf ihre fotografischen Mittel, ihre spezifische Weise des Sehens und Festhaltens, zu untersuchen, um dann Bourdieus Algerienbilder mit früheren und zeitgenössischen Bildproduktionen im kolonialen Algerien zu vergleichen.
15:15 Christine Frisinghelli (Graz)
Das Archiv fotografischer Dokumentationen über Algerien 1957-1961 von Pierre Bourdieu, gelesen im Kontext seiner Untersuchungen zu Le Déracinement - Die Entwurzelung und Economie de la Misère - Ökonomie des Elends.
16:15-16:45
16:45 Astrid Wege (Köln)
Pierre Bourdieu war nicht nur der Theoretiker relativer Autonomie des künstlerischen Feldes, sondern auch einer ihrer engagierten Fürsprecher. Wie lesen sich heute seine Beobachtungen hierzu angesichts eines sich verändernden Kunstbetriebes unter dem Primat der Ökonomie, in dem z.B. Museen, quasi im Franchise-Verfahren, expandieren und zugleich die Renaissance eines neuen Bürgersinns stark gemacht wird?
17:45 Ruth Sonderegger (Amsterdam)
Theorien der Praxis, die zugleich auch eine Praxis der Theorie darstellen, sind Seltenheiten. Neben der Praxistheorie von Pierre Bourdieu wird häufig auch der (deutschen) Kritischen Theorie zugebilligt, dass sie Theorie als Praxis zu begreifen und praktizieren versucht habe. In einem Vergleich dieser beiden Theorie-Traditionen soll das Spezifische, der Mehrwert sozusagen, von Bourdieus Praxistheorie herausgearbeitet werden, und zwar unter Berücksichtigung der Bildmetaphern in den genannten Theorien. Schließlich soll es auch um die Fragen gehen, wie viele und welche Bilder die Praxis der Theorie braucht; welchen Bildern eine Praxistheorie vertraut.
18:45-19:00
19:00 Hans Haacke (New York)
Hans Haacke, der in dem Band Libre-Échange mit Pierre Bourdieu für die Autonomie der Kunst gegenüber politischen und ökonomischen Akteuren eingetreten ist, spricht in einer öffentlichen Diskussion mit Beatrice von Bismarck und Ulf Wuggenig, über Bourdieu, das Politische in Bildern und die gesellschaftliche Rolle von Intellektuellen und Künstler/innen.
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7. Juli 2007, KW Institute for Contemporary Art, Berlin
15:00 Introduction: Beatrice von Bismarck. Ulf Wuggenig (Leipzig, Lüneburg)
15:15 Isabelle Graw (Berlin)
Those who doubt the existence of art "as such" and rather insist on its relational character will always find support in Bourdieu's sociology. Because it offers plenty of concepts (such as "symbolic capital", "space of the possible", "illusion") that demystify artistic production and allow us to throw a gaze on the relationship between Art and the Market that is without illusions. While Bourdieu attacked the hegemony of idealistic beliefs of his time, his analytical propositions have nowadays been transformed into a kind of "how to"-guideline by self-help-literature that asks aspiring artists to accumulate a maximum of symbolic capital. I will nevertheless demonstrate how useful Bourdieu's observations are when trying to understand the impact of the current market imperialism on artistic production. But in order to grasp the specificity of the present conditions, it is helpful to use Bourdieu's concepts as a point of contrast. To learn from Bourdieu means to reexamine his observations, which are at times rather schematic and reductivist. Only by complicating them, it is possible to understand those changes that are currently effectuated by an increased power of definition of the market.
16:15 Andrea Fraser (Los Angeles)
To the three 'narcissistic wounds' enumerated by Freud - those inflicted by Copernicus, Darwin, and psychoanalysis - Bourdieu suggested should be added that which sociology inflicts, "especially when it applies to 'creators'". While Bourdieu evokes narcissism primarily as a motive for resistance to socioanalysis, this "especially" - on which he seems to agree with psychoanalysis - implies much more about the field of art and how it "collects, channels, reinforces or counteracts psychological processes".
17:15-17:45
17:45 Catherine David (Paris)
Departing from the photographies taken in colonial Algeria by Pierre Bourdieu. I will try to read his theories on photography as a social and cultural practice in the light of more recent developments of documentary practices. And see how his position is somehow conflictive with other interpretations of the complex relationship between art and politics today (J. Rancière).
18:45 John Miller (New York/ Berlin)
My talk will center on four projects largely inspired by Pierre Bourdieu's concept of social fields: Double Date (2001), A Mutually Beneficial Encounter (2003), Total Transparency (2004) and 493 KB From the Administered World (2004). All four concern personal advertisements - or, personals for short. Because these kinds of ads first appeared in the alternative presses of the 1960s and because many initially involved unconventional forms of sexuality, they hold out the promise of sexual liberation. To the contrary, I contend that the process of self-identification inherent in these ads enacts a form of repression. Thus, I have charted them according to the advertisers' own criteria. This shows how the ads are arrayed in various social fields and the hierarchy that governs them.
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Teil 2: Pierre Bourdieu, visuelle Soziologie und Anthropologie
15. Juli 2007, Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg
11:00 Einleitung: Beatrice von Bismarck, Ulf Wuggenig (Leipzig / Lüneburg)
11:15 Franz Schultheis (Genf)
Bourdieu nutzte, dies ist heute allgemein bekannt, während seiner algerischen Lehrjahre ausgiebig und systematisch Photographie als Instrument der Feldforschung. Aber wie setzte er sie konkret ein und welchen Beitrag leistete diese visuelle Soziologie und die photographische Objektivierung für seine konkreten Gesellschaftsanalysen? Unser Beitrag wird der Frage nach dem Zusammenhang von Visuellem und Diskurs im Werk von Pierre Bourdieu an einigen ausgewählten Beispielen nachgehen, um den heuristischen Stellenwert dieser Technik und ihren konkreten Gebrauch im Forschungsprozess näher zu identifizieren.
12:15 Olivier Christin (Paris)
My paper will deal with two engravings of the late German 15th Century on which we have little information. For a long time even their subject was unclear: The Passion of Jesus? The Seven Deadly Sins? I will try to show that it is only through a careful reconstruction of the social and religious context in which those images were produced but also through a reflection on the psychological and sociological inner dispositions of the beholder (in fact the habitus) that it is possible to understand what the two engravings really are and what they were produced for. I will in this try to follow both invitations of Pierre Bourdieu (in his preface for the French translation of Erwin Panofsky) and of Michael Baxandall pleading for a social history of the vision and the visual economy of traditional societies.
13:15-14:15
14.15 Nirmal Puwar (London)
The social production of social theory has managed to eclipse the impact of post-colonial situations upon the discipline.Thus it is not surprising that Bourdieu has been separated into the Algerian anthropologist and the metropolitan class based French sociologist.This paper will use the installation of the exhibition Pierre Bourdieu in Algeria: Testimonies of Uprooting at Goldsmiths College, London, to reflect on the work involved in developing a sense for a post-colonial Bourdieu. The presentation will consider the resistances to this reading in spite of the fact that the colonial and post-colonial had a huge impact on Bourdieu's work and the collaborations he developed.
15.15 Helmut Draxler (Berlin/Stuttgart)
Kritik gehört heute zu den grundlegenden Anforderungen an künstlerische, akademische und popkulturelle Artikulationen. Ein Mainstream des Kritischen reicht von Bachelor- und Master-Lehrplänen über Michael Moore und Herbert Grönemeyer bis hin zu den meisten Documenta-Künstler/innen. Die Frage drängt sich daher auf, ob kritische und reflexive Praktiken als bloß feldspezifische Positionierungen gelesen werden müssen, die es erlauben, sich möglichst clever von anderen abzugrenzen, oder ob sich Kriterien hierfür nennen lassen, welche Formen von Kritik die Ordnung der Felder selbst und die hegemoniale Ordnung des Feldes der Macht adressieren.
Das Symposium findet im Rahmen des Projekts translate. Beyond Culture:
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg
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