Projekt 2 - Selbstpositionierungsstrategien im Kunstfeld

Dialoge

Andreas Böhmig & Rainald Goetz (Schriftsteller)
Stef Burghard & Thomas Wulffen (Kunstkritiker)
Esther Hoyer & Angela Schneider (Leiterin des Hamburger Bahnhofs)
Francis Hunger & Monika Grütters (Berliner Bank Gesellschaft)
Alexej Meschtschanow: Beatrice Bismarck & Renate Jankowski (Künstlermutter)
Regine Müller-Waldeck & Werner Gerber
Sascha Schniotalla & Manfred Eichel (Kulturjournalist)
Juliane Wenzl & Waling Boers (Leiter Büro Friedrich)
Diana Wesser & Christian Jankowski (Künstler)
Arthur Zalewski & Mehdi Chouakri (Galerist)
sowie
Sylvia Bernhard & Vivienne Westwood (Modedesignerin)
Uli Gebert & Katharina Sieverding (Künstlerin)


Andreas Böhmig & Rainald Goetz (Schriftsteller)

Ursprünglich finden sich Andreas Böhmig und Rainald Goetz für Fotoaufnahmen gegenüber - (ich hinter Kamera und Stativ, er sitzt davor und schreibt vielleicht hin und wieder was in sein Notizbuch, während er das Manuskript liest. Während des Gesprächs immer wieder Klicken des Auslösers.)

Tatsächlich funktioniert ein Dialog ja nur mit zwei Personen, und so mußte ich mangels Teilnahme den Goetz-Part streichen:

Bild vom Dialog

AB: Ich dachte erst, ich fotografier Sie beim Rumlaufen, und wie man dabei den Eindruck hat, daß tausend Gedanken auf Sie einstürmen.

....

Es ist ja beim Fotografieren echt so, daß alle immer irgendwo nah dran sein wollen.

....

Naja, Vorgaben hin, Vorgaben her -

....

Ja genau, schauen Sie doch mal kurz hoch bitte, ja (Foto).

....

Ist klar, das haben wir beide doch schon vorher gewusst: Unverkrampfte Bilder entstehen anders.

....

Würd ich zu Deinen Texten auch sagen.

....

Na mach mal, ich fotografier Dich dabei.

....


Stef Burghard & Thomas Wulffen (Kunstkritiker)

Bild vom Dialog

[Wulffen und Stef von links ins Bild, Wulffen fasst Stef um die Schulter]

T: O.K.,O.K., also nochmal von vorn. Nur mal als Beispiel, wie wär’s wenn du deine alte Arbeit , du weist schon, die die ich so liebe, da mit einarbeiten würdest.

S: Welche?

T: Na, das Ding mit David; die Sache mit dem Kunstwissenschaftler.

S: Also komm , das ist jetzt aber auch nicht wirklich der Hype. Das war damals wichtig.

T: Quatsch, das war ein Wendepunkt. Gut fünf Jahre nach “Betriebssystem Kunst” ,wurden Theoretiker durch eure Arbeit Gegenstand und Mittel einer künstlerischen Aussage. Für die Kunstwissenschaft war das der “artistic turn” . Das Betriebssystem fraß gewissermaßen seine Kinder.

S: Oder seine Väter...

T: Auf jeden Fall kennt heute jeder Student deinen Kram.

S: Ey Thomas, in 2 Wochen ist Eröffnung und ich seh immer noch kein Land...

T: ...Und dann wird gaaanz Berlin über dich lachen und alle haben’s schon immer gesagt, der Burghard wird überschätzt und die Galerie wird dein Zeug verramschen...

S: ...Jetzt hör aber auf. [Denkpause] Was meintest du denn vorhin mit “alte Arbeit Mit einarbeiten”? Du heckst da doch was aus!

T: Na,ja du könntest doch einfach darüber nachdenken, wir könnten uns doch einfach darüber unterhalten... Ich wollt ja schon immer gern eine Arbeit mit dir zusammen machen. [berauscht:] Das heißt: zum Kunstwerk werden durch dich!

S: Du durch mich?

T: Ja sicher, und da bin ich nicht der einzige Kunstvermittler, das kannst du mir glauben. Komm das bist du mir schuldig!

[Ton wird langsam ausgeblendet und Thomas Wulffen erklärt Stef seine Idee. Thomas Wulffen freut sich sichtlich, Stef auch.]


Esther Hoyer & Angela Schneider (Leiterin des Hamburger Bahnhofs)

Bild vom Dialog

AS: Grandios, grandios ! Frau Hoyer, ich freue mich, Sie endlich kennen zu lernen.

EH: Hallo, Frau Prof. Dr. Schneider.

AS: Es ist einfach beeindruckend, welch innovatives Potential Ihre Arbeit besitzt.

EH: Tchja - wir sind eine kleine Gruppe von jungen Leuten, die gerade dabei sind, ihren Wirkungskreis auszudehnen.

AS: Ihr Ausstellungsforum ist transparent, vielschichtig, integrativ. Sie schufen sich einen einzigartigen Ort der Vermittlung. Ein Knotenpunkt der künstlerischen Präsentation im Netz.

EH: Nun Knotenpunkt ..... das haben jetzt aber Sie gesagt. Auf jeden Fall haben wir bereits einen festen Platz in der vernetzten Kunstszene.

AS: Naja ... und die Top-Leute? Ob Künstler, Kuratoren oder Kritiker – die kommen zu Ihnen! Wie schaffen Sie sich solch eine Publicity?

EH: Wir bleiben einfach mit allen Künstlern in Kontakt.

AS: Was Sie da Neues entwickelt haben, wird jetzt selbst für alte Hasen interessant. Networking ist angesagt. ---- Aber warum erzähle ich gerade Ihnen das alles. Sie haben ja Träume wahrgemacht.

EH: Ja, und wissen Sie, was das Beste ist? Der Traum hat gerade erst begonnen!

AS: Sie machen mich neugierig. Worauf darf man denn hoffen?

EH: Nun, ich könnte Ihnen anbieten:
- die Verschmelzung von realem und virtuellem Ausstellungsraum
- eine flächendeckende Vernetzung von Kunsthochschulen, Kunstproduzenten und Ausstellungshäusern.
- und wir fordern ausserdem völlige Offenheit und die absolute Freiheit von Inhalt und Form

AS: Das hört sich ja sehr vielversprechend an!


Francis Hunger & Monika Grütters (Berliner Bank Gesellschaft)

Bild vom Dialog

G: Guten Tag

H: Guten Tag

G: Ich freue mich sehr, daß wir uns endlich auch in Wirklichkeit kennenlernen Herr Hunger.

H: Ja, es ist ja immer ein recht spannender Moment, wenn man sich nur per e-mail kennt und dann plötzlich gegenübersteht.

G: Sie wirken viel jünger als ich es erwartet hötte, wirklich erstaunlich.

H: Oh, vielen Dank Frau Grütters. Wissen Sie, es gibt bei mir um die Ecke ein kombiniertes Fitneß und Sonnenstudio, da kann man per Handy bezahlen, das ist alles sehr flexibel.

G: Ah ja ... was machen Sie jetzt eigentlich aktuell? Ihre Arbeit über die Schwarzen Löcher im Internet war ja ein Riesenerfolg, gerade erst letztens habe ich mit diesem Russen darüber gesprochen; (fragend) Shulgin, hieß der Shulgin?

H: Ja, Alexej ...

G: ...ja, also der hat Sie ja als den Begründer der zweiten Netzkunstwelle bezeichnet, als eigentlich schon keiner mehr dran glaubte. Der hat sie in den höchsten Tönen gelobt, also wirklich.

H: Ja, es gab ja eine Art von Katerstimmung in der Netzkunstszene, bis ich dann mit den Schwarzen Löchern im Netz in eine viel interessantere Richtung weisen konnte, weg von den formalistischen Experimenten.

G: ... wobei Ihnen der eigentliche Durchbruch ja erst mit der Abschaltung des Internets für 24h gelang, meiner Meinung nach eine recht kritische Arbeit.

H: Oh ja, das war nicht ganz ungefährlich, aber wenn man von einer Sache sehr überzeugt ist, dann nimmt man auch diese Risiken auf sich. Ich stand dabei ja immerzu mit einem Bein im Knast.

G: Mir imponiert diese radikale Attitüde in Ihrer Arbeit, das hat mich sehr beeindruckt. Und nicht nur mich! Wir würden Sie sehr gern aus unserer Stiftung heraus unterstützen, wir haben ja ein Gremium geschaffen, das Kunst und Kultur fördern soll, unabhängig von staatlichen Etats.Wir wollen aber gar nicht erst mit Projektförderung anfangen, sondern eher mit einer grundsätzlichen, sagen wir mal mäzenatischen Förderung ihrer Arbeit.

H: (unsicher, fragend) Mhmm...

G: Ich möchte Ihnen also in Absprache mit dem Gremium eine lebenslange Zuwendung von anfänglich dreihunderttausend Euro monatlich vorschlagen, die natürlich entsprechend der Inflation mitsteigt.

H: (freudig) Oh das ist ja großartig, das ist ja wirklich großartig!

G: Ich sollte vielleicht noch erwähnen, das wir keine Gegenleistungen erwarten. Wir wollen eine neue Form von Stipendien erproben, in der die Künstler völlig frei agieren können und wir als Stiftung vollständig im Hintergrund bleiben. Also Sie wären sozusagen der Testfall und falls dieses Experiment erfolgreich verläuft, würden wir auch weitere Künstler in unsere Obhut nehmen.

H: Das kann ich nur befürworten. Vielen Dank. Das ist ja großartig!


Alexej Meschtschanow: Beatrice Bismarck (Professorin) & Renate Jankowski (Künstlermutter)

Bild vom Dialog

B: Guten Tag, Frau Jankowski, schön, daß Sie etwas Zeit finden konnten!

J: Ach, ich tue es ja nicht nur Ihnen, sondern auch Christian zuliebe.

B: Ich freue mich, daß dieses Treffen, dank der Energie und des Durchsetzungsvermögens von Christian überhaupt stattfindet!

J: Ja, ich bin stolz auf meinen Jungen!

B: Jedenfalls ist Christian ein Sohn geworden, der sich zeigen läßt.

J: Ach, vorzeigbar war er schon immer. Ein Charmeur, der Liebling der Mädchen; zwar ein Träumer, aber geglaubt habe ich an ihn schon immer. Sie wissen, es gibt Jungs, denen bereits mit fünfzehn eine Kraft aus den Augen leuchtet, daß kein Herz vor ihr bestehen bleibt. Und Christian war so ein Junge!

B: Jetzt ist er dazu noch ein renommierter Künstler!

J: Danke, ach, wie soll ich da die Tränen einbehalten! Als Christian den ersten Zeitungsartikel nach Hause brachte, da hatte ich den wirklich wahren Grund, stolz zu sein!

B: Ja, das verstehe ich, wissen Sie aber eigentlich, was dieser sogenannte Künstler überhaupt treibt! ... Frau Jankowski, ist Ihnen nicht aufgefallen, daß Ihr Christian nicht einmal subtil, sondern ganz offen, jedoch nicht ohne psychologischer Raffinesse, ahnungslose Menschen ausnutzt? Sie sind ja eine intelligente Frau...

J: Wie jetzt!? Was erlauben Sie sich? Was sind das für Vorwürfe? Wer sind Sie überhaupt?

B: Ich bin Frau Professor Doktor Beatrice von Bismarck! Seien Sie ganz ruhig! Ich bin ja auch bloß von Christian engagiert worden. Ich lese ebenso einen Text vor, den ich nicht selbst geschrieben habe.

J: Ach so, dann stecken Sie ja auch in der gleichen Haut wie ich... Sie reden also von der Ausnutzung der Unschuldigen durch meinen Sohn?

B: Folgendes ist es, was mich nachdenklich macht: Jankowski spiegelt die Ungereimtheiten und Innenansichten des Kunstbetriebes. Aber nur scheinbar. Er reflektiert zwar den Sachverhalt, gleichzeitig hält er den Spiegel so, daß er selbst, der tapfere Spiegelhalter, sich darin nicht spiegelt. Ist er aber tatsächlich außerhalb des Kunstbetriebes?

J: Ja, zuhause erzählt er oft, daß es dort nur so von Idioten wimmelt, über die man nur lachen kann. Auch mit seinen Freunden macht er eigentlich nur Späße darüber.

B: Genau so stelle ich mir das auch vor! Die Tatsache ist jedoch, daß Christian zwar mit jeder seiner Arbeit schafft, den ganzen Kunstbetrieb in Frage zu stellen, ja bankrott zu melden. Aber immer nur mit der Berechnung, daß Christian zwar die Bankrottsumme gerade so kassieren darf, das System jedoch völlig unbeschadet bleibt. Was meinen Sie denn dazu?

J: Was ich meine? Ähm... Ich habe kaum etwas verstanden.

B: Es ist auch kein Wunder. Das ganze kann nur jemand begreifen, der unmittelbar in das Kunstgeschehen involviert ist. Für Sie ist es nicht nur unverständlich, sondern wahrscheinlich kaum von Interesse.

J: Was wollen Sie dann von mir?

B: Einen Ratschlag... Das zweite, das mich stutzig macht, ist, daß Christian im Rahmen unseres DOCK-Projektes etwas besonders Scheußliches einfallen ließ. Christian hat die Studenten Dialoge schreiben lassen und jeweils einen prominenten, sonst für einfache Kunststudenten unerreichbaren Gesprächspartner besorgt. Die Beteiligung an der Berliner Biennale versteht sich von selbst. Endlich eine Chance für die Anfänger, groß rauszukommen! Angeblich. In Wirklichkeit aber sind meine Studenten blanke Statisten in diesem Schauspiel. Ja, sie sind lediglich Material für Ihren Christian. Auch Alexej Meschtschanow, der diesen Text geschrieben hat, ist bloß ein Objekt im Kunstwerk Ihres Sohnes. Seine Entscheidung, nicht selbst anwesend zu sein, ist durch Christians Arbeitsweise diktiert. Ich konnte die Bitte eines Studenten, der lediglich im Unterricht aufgepaßt hatte, nicht abschlagen. Er wollte unangreifbar bleiben, wie uns das Beispiel von Christian lehrt. Er schafft genau gesehen nichts eigenes, er kopiert bis ins Detail die Vorgehensweise von Jankowski. Alexej ist jedoch überschwänglich, er ist sentimental. Sein Produkt daher eine groteske lächerliche Farce. Nun ist Alexej, ebenso wie Sie, Frau Jankowski, und ich, Beatrice Bismarck, das Opfer des Systems geworden. Eigentlich kann ich weder mein Ausgenutztwerden vertreten, noch Ihres, Frau Jankowski, noch die Ausnutzung meiner Studenten! Selbst durch Ihren beliebten begabten Sohn nicht!... Sie sind doch die Mutter des Kriegers. Verraten Sie mir doch bitte die Stelle, an der Sie Ihren kleinen Achilles gehalten haben, als sie ihn ins Wasser tauchten!

J: Ich? Welches Wasser? Ich habe Christian nur ganz normal gebadet

Regine Müller-Waldeck & Werner Gerber

Auf einem Stuhl sitzt Regine Mueller-Waldeck. Auf einem Stuhl sitzt Regine Mueller-Waldeck. Sie sitzt dort einige Zeit. Wohl mehrere Minuten.

Es kommt ein Herr. Mit Hornbrille. Sein Anzug ist beige. Oder grau. Oder schwarz. Jedenfalls bequem. Aber gut aussehend, mit eleganter Note - nicht zu sehr. Es koennte sein, dass er unter dem Anzug einen schwarzen Rollkragenpullover traegt und etwas abgehetzt aussieht. Der Herr ist um die 40. Und mit Regine Mueller-Waldeck verabredet - offensichtlich:

Bild vom Dialog

R: Ach, bin ich froh, dass Sie endlich kommen!

H: Bin ich zu spaet?!

R: Nein, nein, ganz und gar nicht, wir hatten es genauso verabredet - und ich finde den Zeitpunkt auch nach wie vor ganz passend.

H: Aber Sie sind schon laenger hier.

R: (bescheiden:) Oh, ich habe mich so verhalten, dass mich niemand bemerkt hat! Ich habe Sie hergebeten, weil ich vor einer Entscheidung stehe. (vertraulich:) Ich musste Sie unbedingt sprechen!

H: Nun, ich hatte eher das Gefuehl, Ihre Wahl sei zufaellig auf mich gefallen…aber wenn ich mit meiner blossen Anwesenheit dienlich sein kann...

R: Aber, aber...im Zufaelligen liegt mitunter das Ausgesuchteste und im Ausgesuchtesten immer auch das Zufaellige. Wir muessen uns doch hier nichts vormachen - ich meine, ich weiss schliesslich, wer Sie sind - und Sie wissen, wer ich bin.

H: Also gut, worum handelt es sich?

R: Nun, ich habe mir ueberlegt - nur erst so fuer mich - ich moechte die Kunst hinter mir lassen, alle Bruecken abbrechen (fuer sich:) ich habe schon viel zu lange hier gesessen (laut:) Ein ganz normales Leben - verstehen Sie!

H: (nickt) Verstehe, jaja, das klingt aufregend - also ein ganz normales Leben… Wie wollen Sie das dokumentieren?

R: Ich dachte, ich spreche mal mit Ihnen darueber.

H: So. Mit mir. Na, das ist nicht schlecht.

R: Ich wusste, ich muss irgendwo anfangen, meinen Ausstieg vorzubereiten. Wissen Sie, wichtig ist, dass er sich deutlich von meiner bisherigen Arbeit abgrenzt...

H: (zoegerlich)Wir sehen uns zwar heute nicht das erste Mal…ich bin sicher, wenn Sie mir nur einen kleinen Hinweis geben…aber –

R: (guckt aufmerksam, aber verstaendnislos)

H: (leicht betreten weiter) Sie muessen entschuldigen, Ihr bisheriges Werk ist mir momentan nicht ganz praesent…

R: Das freut mich! Ich habe mich seit jeher gegen ein Werk verwahrt.

H: Wie, Sie wollen sagen…aber das ist doch nicht moeglich…ist das nicht die einzige Legitimation fuer Ihren Status?!

R: Legitimation hin - Legitimation her, Sie sehen doch, dass ich da bin - und sogar Sie sind da und reden mit mir!

H: Aber ich dachte…ich war mir sicher…Sie machten auf mich immer den Eindruck…

R: Und das bin ich auch! Sehen Sie, hauptsaechlich ist es doch, eine Position zu beziehen, und dafuer ist der materialistische Gestus des "Schaffens" voellig ueberfluessig – und inkonsequent. (eindringlich:)Und darum geht es doch schliesslich auch:(beugt sich vor, betont jede einzelne Silbe:) Kon-se-quenz!

H: Ich muss sagen, ich fuer meinen Teil habe mich schon immer gern mit Kunstwerken beschaeftigt - schon bevor ich beruflich damit zu tun bekam. Kennen Sie denn nicht das Beduerfnis, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich, oder etwas anderes wichtiges, zu lenken, mit einem Werk oder einer Rolle, die man spielt - ausserhalb der eigenen Person?

R: Man muss dem widerstehen koennen.(Pause) Um ehrlich zu sein, habe auch ich einmal etwas fuer das Dekorative uebrig gehabt. Und bis heute tue ich dem ein oder anderen gern den Gefallen, an seinem Werk mitzuwirken - aus reiner Freude… Aber das sind Aeusserlichkeiten. Sehen Sie sich an!

H: Ich werde ganz gut bezahlt.

R: Genau.

H: Sie meinen, das Werk sei nur ein Zugestaendnis an Leute, die den Diskurs nicht verstehen, aber zahlen, um dabei sein zu koennen?

R: Das haben jetzt aber Sie gesagt, so wuerde ich es natuerlich niemals ausdruecken, aber ich wuerde es schon als eine Art Rueckversicherung betrachten, aus der Furcht heraus, sich sonst nicht verstaendlich machen zu koennen - oder kein Gehoer zu finden.

H: Apropos Versicherung, wie wollen Sie denn mit dieser Einstellung ueberleben, geschweige denn, den Markt fuer sich einnehmen?

R: Was heisst hier "Markt"?

H: Na, Sie kriegen doch auch mal Hunger, und vom Reden wird man nicht satt!

R: Ich sage Ihnen, wir koennen Tage und Monate hier sitzen - ohne zu essen.

H: Also, ich gehe jetzt.(steht auf)

R: Na, Sie werden sehen. Ich bleibe jedenfalls doch noch ein bisschen.(bleibt zurueck)

Schleife.


Sascha Schniotalla & Manfred Eichel (Kulturjournalist)

Bild vom Dialog

E: Guten Tag, Herr Schniotalla

S: Guten Tag, Herr Eichel

E: Herr Schniotalla, wenn ich Sie richtig verstehe, dann haben Sie mich als Kulturjournalisten hier zu sich eingeladen, um sich einen Raum zu schaffen, indem Sie sich als Künstler äussern können.

S: Ja, Sie haben als Moderator von Kultursendungen Erfahrung, wenn es darum geht, Gespräche zu führen, in denen sich Ihr Gegenüber wirklich zeigen kann. Für solch ein Gespräch habe ich mich interessiert.

E: Inwiefern ?

S: Ich habe die Chance gesucht, eine noch nicht bestehende Arbeit gewissermaßen vorwegzunehmen, bzw die Möglichkeit, sich in einem Gespräch zu äußern und so ein Bild von der eigenen Arbeit zu entwerfen, hat mich ursprünglich fasziniert.

E: Wie stellen Sie sich das vor, was soll sich dabei ergeben ?

S: Nichts Konkretes. Ich fürchte, eine Beschreibung in wenigen Sätzen führt dazu, dass die Arbeit zu sehr reduziert und damit auch ein Stück weit zerstört wird. Die Perspektive auf die Verantwortung mir und meiner Arbeit gegenüber hat sich leider verschoben. Und natürlich auch auf die Verantwortung Ihnen gegenüber.

E: Aber Sie haben als Künstler bei Ihrer Arbeit doch immer darüber zu entscheiden, was sichtbar wird bzw. unsichtbar bleibt und müssen dafür die Verantwortung übernehmen ?

S: Natürlich, aber die Bedingungen sind da andere. Es gibt das Material, mit dem ich arbeite und die Arbeit, die ich gleichzeitig beobachten kann. Da können die Dinge schon mal ausser Kontrolle geraten, und es ergeben sich dann wieder ganz neue Möglichkeiten.

E: Und dieses Moment fehlt Ihnen hier jetzt?

S: Nicht direkt, dieses Gespräch hat sich ja ähnlich entwickelt, wurde unvorhersehbar und nicht kontrollierbar für mich. Es war dann doch nicht nur der Auslöser zu einer Arbeit, sondern wurde zum eigentlichen Produktionsprozess.

E: Gut, aber was tue ich dabei ?

S: Ihr Beruf wirft solche Fragen überhaupt erst auf, und Sie konnten mir den Verhandlungsrahmen dafür schaffen. Es ist gut, daß Sie erschienen sind und ich mich hier in ein Verhältnis zu Ihnen stellen konnte. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.


Juliane Wenzl & Waling Boers (Leiter Büro Friedrich)

Bild vom Dialog

j: hi!

w: hallo, jule! wie geht´s?

j: gut. bisschen viel stress - aber ich wollte es ja selbst so.

w: hm.

j: ich hab´ dir trotzdem was mitgebracht… hier, der entwurf.

w: ah! schön. ja.

j: schau ihn dir in ruhe an. über den rest reden wir dann nächste woche.

w: hm. gut. sieht gut aus.

j: hat der tip mit kaspar funktioniert?

w: kaspar? …ach! klar. ich bleib dran. äh, sag mal, kannst du nicht doch einen text übernehmen?

j: wenn ich du mich schon wieder so nett fragst, kann ich wohl kaum nochmal nein sagen.

w: fein! ach ja, und ich habe mich mit saskia unterhalten…

j: saskia? …ah! hm. ich hab noch ´ne bessere idee. ich bring dir nächste woche ein paar fotos mit.

w: ich hör immer nächst woche? du musst wohl gleich wieder los?

j: ich hab´ noch einen termin…

w: noch einen? sag mal, ich habe gehört, dass sie versucht haben, für die »feld der träume«-ausstellung deine »omega«-serie zu bekommen?

j: haben sie aber nicht! du weisst ja… ausserdem habe ich einem freund eine ausstellung in seinem kunstraum versprochen.

w: du musst wohl immer alles in der hand behalten?

j: oh, schon so spät? sorry, ich muss los…

w: …

Diana Wesser & Christian Jankowski (Künstler)

Diana Wesser sitzt am Tisch und liest in einer Zeitschrift. Christian Jankowski kommt dazu und setzt sich neben sie.

Bild vom Dialog

C (beim hereinkommen): Na, das war ja ne wilde Party gestern!

D: (verschmitzt grinsend) Das hast du ja auch gleich schamlos ausgenutzt. Naja, ist ja nicht das erste mal... nur daß ich jetzt keine kleine Studentin mehr bin. Die Party war ja wohl auch angemessen, schließlich bekomme ich diesen Preis nur einmal.

C: Wer hätte aber auch gedacht, daß die Zusammenarbeit damals mit mir dein Durchbruch werden würde.

D: Du vermutlich nicht

C: Vielleicht lag’s ja nur an meiner Wenigkeit...

D schlägt mit der Zeitschrift, die sie gerade liest nach C

D: Idiot! (oder andere spontane Äußerung der Empörung)

C: He, he! (die Zeitung abwehrend). -- Hey, die schreiben ja über dich! (liest das Titelblatt) Diana Wesser "Prozeßhafte Verweigerung ist bei ihr Programm" (schlägt nach und liest) "Ihre Räume sind Welten für sich. Man weiß im Grunde nicht, warum dies so faszinierend ist und kann nur vermuten, warum der Eindruck so intensiv und unvergleichbar ist."

D: Blasen! Aber immerhin ein Artikel in der Art! Aber lies mal, was der Alexander Koch in der Springerin schreibt....

Abblende.

(Zitate von: Susanne Titz, Eva Meyer-Herman, Bernhard Mendes Bürgi)


Arthur Zalewski & Mehdi Chouakri (Galerist)

Bild vom Dialog

[Text folgt]



Sylvia Bernhard & Vivienne Westwood (Modedesignerin)

Vivienne: why do you come along ?

Sylvia: I am a small pennyless artist desperately trying to make a living while what I adore most is beauty and glamour.

Vivienne: ...tell me something about your ideas...

Sylvia: our universe is reduced to symbols and everything carries a message: a look at the camera, a move, a word, a designed form. The exterior appearance means everything. I really believe that. It all depends on representing yourself in the public.

Vivienne: well, fortunately there is your artwork.

Sylvia: yes indeed and all it takes is to iron it on your clothes and to present yourself on tv!

Vivienne: I love your ideas ...

Sylvia: aha?

Vivienne: tell me 3 wishes and I will make them come true, but tell me quickly since we have got no time to loose.

Sylvia: all I desire is PRESTIGE, EFFICIENT MEDIA PUBLICITY and ASTONISHING SALES NUMBERS!

Vivienne: so shall it be.


Uli Gebert & Katharina Sieverding (Künstlerin)

[Text folgt]



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>> zur Übersicht der Projekte

 

 


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