Infobrief 3

Seit Januar 2000 läuft an der HGB das Dresden-Berlin-Projekt - ein Pilotprojekt, das neue Ansätze der künstlerischen Arbeit und Ausbildung erforscht und eine neue Programmatik für die Galeriearbeit der HGB entwickelt.

Im Rahmen dieses Projektes wurde der Projektbereich »/D/O/C/K« gegründet, der ein neues Element in der künstlerischen Ausbildung an der HGB darstellt. Das /D/O/C/K wird künftig unter der Leitung von Prof. Beatrice von Bismarck und Alexander Koch mit Studierenden der HGB und eingeladenen Gästen (KünstlerInnen, KuratorInnen u.a.) einen Teil der Galeriearbeit der HGB übernehmen.

An der Konzeption des /D/O/C/K waren bislang neben Alexander Koch und Beatrice von Bismarck Studierende verschiedener Fachbereiche der HGB beteiligt: Uli Gebert, Francis Hunger, Silke Koch, Nane Müller, Regine Müller-Waldeck, Sascha Schniotalla und Juliane Wenzl sowie Britt Schlehahn (Kunsthistorikerin in der Promotion).
Im vergangenen Juli ging diese Projektgruppe erstmals als /D/O/C/K an die Öffentlichkeit. In Dresden realisierte sie einen Inforaum, der zugleich Ausstellung und Diskussionsplattform war. An drei Tagen stand hier das Thema »Herstellen von Öffentlichkeit: Künstlerische Selbstorganisation« im Mittelpunkt. Ein Thema, das sich in den Diskussionen der Gruppe allmählich entwickelt hatte und das bei regelmäßigen Arbeitstreffen, Exkursionen nach Dresden und Berlin sowie in Workshops mit der amerikanischen Künstlerin July Ault (Group Material, New York) bearbeitet wurde. Im Folgenden sollen die Dresdner »3 Tage« kurz rekapituliert werden:

Für drei Tage verwandelte das /D/O/C/K einen rund 250 m2 großen Raum im Dresdner AHB-Haus in eine Informationsplattform. In einem mit einfachen Materialien konzipierten Ausstellungsdisplay wurden Projekte, Initiativen und Kunsträume aus dem jungen Leipziger Kunstfeld präsentiert. Sie wurden von der Arbeitsgruppe recherchiert, ausgewählt und vorgestellt aufgrund ihrer Modellhaftigkeit für unterschiedliche Ansätze künstlerischer Selbstorganisation (Lounge, Ramon Haze, Bild_Bank, Kunstraum B/2, künstlich-vermutlich, Erstausgabe, schau-vogel-schau, Fernsehen macht schön, http://contour.net).

Dies war die Basis für einen Informationsaustausch, zu dem insbesondere junge Dresdner KünstlerInnen eingeladen waren, die ihrerseits über Initiativen aus dem Dresdner Kunstfeld informierten (Street-Level, Kunstraum 75 m3, Performance Index u.a.).
Über die drei Tage entfaltete sich eine Diskussion, welche die Leipziger und die Dresdner Kunstszene zueinander ins Verhältnis setzte, mangelnde Vernetzung (v.a. zwischen den Hochschulen) kritisierte, über die besonderen Rahmenbedingungen von Selbstorganisation in Ostdeutschland nachdachte (Vortrag von Paul Kaiser, Dresden/Berlin), die politischen Motivationen und Perspektiven von eher westlich geprägten Modellen selbstorganisierter Kunstpraxis thematisierte (Vortrag von Stefan Römer, Köln) und sich insgesamt um ein differenzierendes Verständnis dessen bemühte, was unter aktuellen Bedingungen überhaupt sinnvoll als »Selbstorganisation« bezeichnet werden könnte.

Neben dieser Diskussion waren für die Projektgruppe eine Reihe von Beobachtungen von speziellem Interesse:
Besonders natürlich die Erfahrung, wie eine Veranstaltung wie die konzipierten »3 Tage« tatsächlich vor Ort funktioniert, wie sie umgesetzt werden kann und welche Impulse sich daraus für die eigene künftige Arbeit sowie für die Galeriearbeit der HGB ergeben. Aber auch, welchen Aufwand es bedeutet und was eigentlich geschieht, wenn man Anschluß an eine »fremde« Kunstszene und einen ungewohnten Kontext sucht, wo die Andockmöglichkeiten liegen und mit welchen Mitteln sich erfolgreich eine Öffentlichkeit für die eigenen Inhalte herstellen läßt.
Besonders aufschlußreich war vielleicht auch, daß die Projektgruppe zeitweise vor der Frage stand, ob und in welcher Weise sie selbst eine Form der Selbstorganisation darstellt, wie sie sich eigentlich gegenüber der Institution HGB situiert und welche Form der (erweiterten) Zusammenarbeit für den mittlerweile begonnenen zweiten Teil der Projektreihe denkbar und sinnvoll ist.

Eine Erkenntnis des Dresden-Projektes läßt sich sicherlich so darstellen: Nicht alles, was nach Selbstorganisation aussieht, sollte auch so bezeichnet werden. Selbstorganisation ist ein Fulltimejob. Sie ist ein sehr spezifischer Weg, sich als Künstlerindividuum oder -kollektiv eigene, weitgehend unabhängige Strukturen der Produktion, der Präsentation und der Distribution von Kunst aufzubauen, bzw. sich selbst eine eigene Öffentlichkeit schaffen.


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