intermediales ausstellungsprojekt der hgb // 30.01. - 13.02.2009

Pressemitteilung

Das aktuelle Projekt der Klasse für Intermedia beschäftigt sich mit dem Thema des "Bösen" und wurde unter der Leitung von Prof. Alba D'Urbano und Franz Alken und in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Angelika Richter im Laufe der letzten zwei Jahre entwickelt. Die Ausstellung "Das Böse ist ein Eichhörnchen" präsentiert als Ergebnis sowohl Arbeiten Studierender, als auch Positionen eingeladener Künstler.

Das Projekt nähert sich der Thematik unter der Voraussetzung, dass die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Bösen von ungebrochener Aktualität ist: Politische Schlüsselbegriffe wie Macht und Gewalt werden darunter ebenso verhandelt wie individuelle und private Bedeutungsräume. Das Projekt unternimmt aber nicht den Versuch, das "Böse" eindeutig fassen zu wollen.

In der Gesellschaftsgeschichte und Politik, in der Mythologie und in der Kunst unterliegen Zuschreibungen dieses Begriffs einem fortlaufenden Wandel von Instrumentalisierung und Inszenierung. Als normativer Begriff, besonders in der Ethik und der christlichen Religion, erscheint das "Böse" immer als universell und negativ. Die Geschichte des "Bösen" ist daher vor allem eine Geschichte der Polarisierung und Tabuisierung innerhalb moralisch-diskursiver Ansätze. Die Projektion auf das oder den jeweils Anderen kristallisiert sich vor allem in der Konstruktion von Feindbildern. Unsere Kulturentwicklung ist eng mit Krieg, Tod, Schuld und moralischer Verantwortung verbunden. Medien, Popkultur und Unterhaltung konstituieren sich über die Darstellung und angebliche Nicht-Überwindbarkeit von Gewalt. Dabei bedienen sich vor allem die Medien täglich mehr oder weniger offensichtlicher Verweise auf Bilder von Gewalt und Verbrechen.

Seit einigen Jahren unter anderem bedingt durch das Widererstarken religiöser Interessen auf globaler Ebene findet die Idee des "Bösen" eine Renaissance auch in der Politik. Komplexe Sachverhalte werden mit der daraus resultierenden Terminologie vereinfacht und Meinungen polarisiert. Spätestens mit dem politischen Schlagwort:"Die Achse des Bösen" wird deutlich, wie stark das "Böse" und damit auch das "Gute" kulturellen und historischen Relativierungen unterliegt: Terroristen können gleichzeitig Freiheitskämpfer sein, Staatsmänner werden andernorts als Teufel bezeichnet, Bürgerrechtler werden zu Kriminellen. "Gut" und "Böse" sind Gegenpole eines dualistischen Systems, sie sind standpunktabhängig und basieren auf kulturellen und gesellschaftlichen Regelwerken, die das menschliche Handeln normieren. Neben den Versuchen, das "Böse" einzugrenzen und zu domestizieren, besteht aber gleichzeitig eine von diesem Phänomen ausgehende Faszination.

"Das Böse ist ein Eichhörnchen" versucht eine Annäherung an diese faszinierende Ambivalenz des Bösen und untersucht dabei das kleine private Böse ebenso wie gesamtgesellschaftliche Fragestellungen des aktuellen politischen Geschehens. Die Ausstellung befindet sich innerhalb der Räumlichkeiten des Landgerichts, also an einem Ort, der eng mit der Thematik des Projektes verbunden ist. Sie läuft parallel zum täglichen Betrieb des Gerichts so stellen sich die Arbeiten außerhalb des rein künstlerischen Rahmens in die Kontroverse dieses funktionalen Ortes der Rechtssprechung.

Auf den langen Fluren des Gerichts werden Arbeiten präsentiert, die die Bandbreite der verschiedenen Medien repräsentieren, es finden Performances im Innenraum und im öffentlichen Raum statt, es werden Videoarbeiten, skulpturale Arbeiten und Malerei gezeigt.