Barbara Steiner
Interview mit Monika Jaksch

 

Gibt es einen oder mehrere Ausgangspunkte für die Arbeit Maybe Franck's Way"? Wie ist die Idee zu dieser Arbeit entstanden?

Grundsätzlich interessieren mich Verbindungen. Ich habe einmal an einer Ausstellung teilgenommen, wo die Arbeiten sehr heterogen waren. Zwischen diesen KünstlerInnen gab es jedenfalls keine inhaltlichen Verbindungen. Mich interessierte, Verbindungen zu schaffen, wo zunächst keine sichtbar waren. Ich stellte eine "Reiseliste" her, die meine Arbeit, die ich - wie die anderen auch - bereits vor der Ausstellung entwickelt hatte, inhaltlich ergänzte. Es handelte sich um ein "Hitchhiking" Buch, das verschiedene Orte, also Reiseziele anführte. Die spontan dazugefügte "Reiseliste" diente aber in erster Linie dazu zwischen meiner Arbeit und der der anderen Verknüpfungen herzustellen. Ich führte also Elemente an, die in den Arbeiten der anderen auftauchten, z.B. Shampoo bei Oliver Hangl, der damals eine Performance machte zu "Oasis Fresh", einem fiktiven Shampoo.

Wenig später, beim ersten Teil von "Willkommen Bienvenue Welcome", lieferte ich mit meiner Arbeit Zusatzs- bzw. Hintergrundsinformationen zu meinen KünstlerkollegInnen. Beim zweiten Teil habe ich deren Arbeiten als Basis für mein Drehbuch genommen, d.h. Aspekte der anderen in die Geschichte eingewoben. Irgendwie ist es bei dieser Arbeitsweise naheliegend, mit neuen Medien zu arbeiten. So habe ich beim dritten Teil bereits im Internet gearbeitet. Ich erfand eine fiktive Person, die ihr Zimmer vorstellt, dabei gab es die Möglichkeit für den User, über den Raum auf die Arbeiten der anderen zu kommen. Man sieht schon, ich bin an Information und Daten interessiert. Man kann es auch anders ausdrücken: Ich will eine zweite Ebene in die Bestehende hineintragen und ihr eine neue Wertigkeit verleihen. Es geht um den Austausch.

Du hast jetzt die Voraussetzungen zum Ludwigsburger Projekt beschrieben, aber wie ist es nun mit "Maybe Franck's Way". Kannst Du darüber etwas erzählen?

In "Maybe Franck's Way" gibt es eine Identifikationsfigur mit Namen Franck. Franck ist zugleich eine Comicfigur, aber auch der User, der sich im Netz bewegt. Die Geschichte selber ist auf mehreren Ebenen angesiedelt, sie ist nicht linear. dafür eignen sich neue Medien gut, sie lassen genau diese Struktur zu. Ich habe Elemente eingebaut, die die Geschichte beeinflussen: Z.B. entscheidet an einer Stelle die Betrachtungsdauer des Users, ob Franck seinen Zug erreicht oder nicht. Sieht man sich das jeweilige Bild länger an, dann verpaßt man den Zug eben, wirft man einen schnellen Blick darauf, erreicht man ihn. Auch ist die Stelle entscheidend, wo ich ein Bild anklicke, je nachdem baue ich wiederum eine andere Geschichte. Z.B. gibt es einmal Francks Vorstellung, daß im Grunde genommen jeder sein Vater sein könnte, dann wieder - in einem anderen möglichen Strang - taucht (s)ein Vater auf. Im Grunde genommen handle ich die Geschichte(n) in einzelnen Situationen ab.

Die Arbeiten der anderen KünstlerInnen bilden ja die Basis Deines Projektes. Manchmal nimmst Du einzelne Elemente raus, die eher formaler Natur sind, wie etwa Hintergründe, Schrifttypen, dann wieder eine bestimmte Stimmung oder Du eignest Dir sogar verschiedene Denkweisen an.

Das funktioniert auf verschiedenen Ebenen: Das können z.B. ganz allgemeine Dinge sein, wie die Tatsache, daß Oliver Hangl über seine Filmstills Fantasie anregen will. Das spielt sich in den Köpfen der Leute ab. Schulze ist da sehr ähnlich. Ich baue im Grunde genommen manche Szenen von Oliver aus, ergänze sie und mache aus einem Bild eine Geschichte. Auch gibt es auf der fiktiven Ebene zwischen mir und ihm eine Verbindung. Andreas Schulze greift selbst immer wieder auf Elemente zurück, die er bereits entwickelt hat. Dieses Prinzip übernehme ich. Images spielen auch eine große Rolle in der Arbeit; hier tut sich eine Verbindung zu Robert Najar auf. Diese Verbindung drücke ich aus, indem ich eine Animation in ein Bild Schulzes eingebaut habe: Das Rehlein von Schulze wird zum Wolf von Najar. Das Wolfsplakat taucht auch immer wieder an unterschiedlichen Stellen auf. Von Robert habe ich mir ebenfalls verschiedene Schrifttypen ausgeliehen.

Plamen Dejanov & Swetlana Heger bieten eine Plattform an, das tut Liam in einer anderen Weise auch, Plamen & Swetlana sind eher an ökonomischen Fragen interessiert. Franck sagt also. "Whereever I go I discover platforms which are offered to be used sometimes you discuss sometimes you pay for them." da bezieht er sich sowohl auf Plamen & Swetlana wie auf Liam. Martina Gecelli taucht bis jetzt nur über die Tatsache auf, daß Franck die Erfahrung macht, daß es im Grunde genommen keinen Unterschied macht, wo man ist, weil alles gleich aussieht. In ihren Fotos arbeitet sie ja mit dieser Vorstellung. Die musikalische Untermalung kommt ebenfalls von Oliver bzw. den Leuten, die er eingeladen hat, Musik für ihn zu komponieren.

Franck bewegt sich jedenfalls durch die Arbeiten, die Arbeiten bilden den Hintergrund, er ist mitten drin, ich lasse ihn die Arbeiten erleben. Das gilt so gesehen natürlich auch für den User, er ist ja mit und durch Franck unterwegs. Franck ist eine "person in between", er steht zwischen den Arbeiten und dem Publikum. Man braucht Figuren wie Franck, Mittler, da wir es mehr und mehr mit unterschiedlichen Interessensgruppen, Öffentlichkeiten zu tun haben. Ich gehe darauf ein, indem ich mehrere Zugangsebenen anbiete. Meine Arbeit erschließt sich zunächst auch ganz unmittelbar, da muß ich von Kunst nicht viel wissen.

Die Arbeit wird ja ein Jahr lang wachsen. Du kannst Dich ja nur auf das beziehen, was Dir zum gegenwärtigen Zeitpunkt bekannt ist.

Ja, aber dennoch gibt es punktuell auch Vorgriffe auf Arbeiten, die erst später entstehen, Martina erwähnte ich bereits. An einer Stelle sagt Franck: "I prefer to read yesterday's paper. I wanna see what has changed." Das hat auch mit Zukunft zu tun, obwohl von der Vergangenheit gesprochen. Die Vorstellung der Zukunft beeinflußt die Gegenwart - mit diesem Phänomen arbeiten übrigens Liam und Isa sehr stark - , die Vergangenheit prägt ebenfalls die Gegenwart.
In meinem Projekt ist immer ein Davor und Danach möglich, die Geschichten sind nicht absolut zu setzen.

Welche Rolle spielst Du in diesen Geschichten?

Ich bin die Person dazwischen, das habe ich mit Franck gemeinsam. Aus dieser Distanz heraus ergeben sich ganz andere Wahrnehmungsmöglichkeiten. Franck ist nicht wirklich definiert, er ist eine Art Mittler, wie ich vorhin schon sagte.

Ich konzentriere mich auf die Verbindungslinien. Die sind ja schon vorher da und auch sichtbar, nur wird das mitunter verleugnet. Normalerweise folgt die Interpretation, das Knüpfen von verschiedenen Auslegungen, das Verbindungen suchen zwischen verschiedenen Phänomenen ja nachher. Ich möchte vorher ansetzen, und das Davor bereits in der Arbeit mitberücksichtigen. Anders ausgedrückt: Ich will das Netzwerk sehen, das auf der Brain-Data installiert ist.

Das Gespräch wurde am 18.3.1997 geführt.