EINE GESCHICHTE DER KUNST

Vorbemerkungen zur Vorlesung


Last update: 24.03.1998


Das Lernziel dieser Vorlesung lautet: Wie erhalte ich möglichst schnell einen einigermaßen zuverlässigen Überblick über die Hauptströmungen der europäischen Kunst von etwa 800 bis heute?

Der Grundsatz, den man dabei wie bei jeglicher wissenschaftlicher Arbeit beachten sollte, lautet: Vom Überblick zum Detail. Es ist ein häufig zu beobachtender Fehler, zu schnell zu spezielle, an wissenschaftlichen Detail- und Fachproblemen orientierte Bücher zur Hand zu nehmen und sich dann oft hoffnungslos in Detailprobleme zu verstricken, ohne den rechten Überblick zu erhalten. Von daher sollte man mit einem einfach und knapp geschriebenen Überblicksbuch über die Geschichte der Kunst beginnen und je nach der persönlich zur Verfügung stehenden Zeit und Lesegeschwindigkeit die einzelnen Epochen weiter durch ein etwas ausführlicher geschriebenes Buch vertiefen.

Zunächst sollte man also denjenigen Abschnitt oder derjenigen Epoche der Kunst, die man sich selbst erarbeiten möchte, in sinnvolle Abschnitte untergliedern. Dazu bieten sich einmal Jahrhunderte an oder Stilabschnitte wie Romanik, Gotik, Renaisssance, Barock; Länder oder Kunstgattungen wie Architektur, Skulptur oder Malerei an.

 

1.) Generelle Literatur

1.1. Einführende Literatur:

Als knapp und informativ geschriebene Überblickswerke über die europäische Kunst, die einen ersten Einstieg ins Thema bieten und dennoch gut geschrieben sind, empfehle ich

Christoph Wetzel (Hrsg.): Belser Stilgeschichte. Bd. 2-6 Stuttgart, Zürich: Belser Verlag 1993

Die Stilgeschichte enthält viele hervorragende und neue Aufnahmen alter Werke, ist also gut durchzublättern und anzuschauen. Ausserdem enthält jede Abbildung einen Kurztext, so daß man sich bereits durch Blättern der Abbildungen und Lesen der Kurztexte ein relativ gutes Bild der Epoche aneignen kann.

Ferner sind folgende beiden Bücher sehr knapp geschrieben und daher sehr brauchbar.

Fritz Baumgart: DuMont´s Kleine Kunstgeschichte. Köln: DuMont 21973 oder

Ernst H. Gombrich: Die Geschichte der Kunst. Stuttgart, Zürich: Belser 1982

Ein ebenfalls gut geschriebenes, aber schon umfangreicheres Werk ist

Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Knaurs Weltkunstgeschichte, Bd. II, München/Zürich: Droemer Knaur Verlag 1964

 

Im Moment entstehen in einigen Verlagen neue Reihen zu Kunst und Architektur:

1.) Im Brockhaus Verlag, Mannheim entsteht im Rahmen einer 30-bändigen Brockhaus Bibliothek eine neue 6-bändige Reihe 'Kunst und Kultur', von der bereits Band 1 (Vorzeit und Altertum) und 2 (Antikes Europa/Kulturen in Asien) erschienen sind. Die Bände zeichnen sich durch viele, hervorragende Farbabbildungen und kurze, prägnante Texte aus.

2.) Im Verlag Könemann, Köln ist eine Reihe hervorragend ausgestatteter Epochenbände zu Ägypten, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil zu einem außergewöhnlich günstigen Preis (49.90DM) erschienen, die viele ausgezeichnete Farbabbildungen besitzen und in denen auch der Textteil von relativ guter Qualität ist.

3.) Der Benedikt Taschen Verlag, Köln bringt gerade eine 40-bändige Weltgeschichte der Architektur von der Antike bis heute auf den Buchmarkt, die bis 2003 vollständig erschienen sein soll. Erhältlich sind bereits die Bände: Ägypten, Griechenland, Imperium Romanum, Frühes Mittelalter, Maya, Islam und New Forms. Die Bände sind preisgünstig (39.95 DM), die Fotografien und Grafiken meist in Farbe und neu aufgenommen. Die Brauchbarkeit des Textes hält sich dagegen in Grenzen. Mehr etwas zum Anschauen.

 

1.2 Literatur zum Nachschlagen:

Johannes Jahn: Wörterbuch der Kunst. Stuttgart: Kröner Verlag 1975

Immer noch ausgezeichnet:

Lexikon der Kunst. 5 Bde. Leipzig: VEB Seemann Verlag 1968 [u. viele spätere Auflagen]

Zur Allgemeinen Geschichte:

Hermann Kinder/Werner Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte. 2 Bde. München 1985

Unübertreffbar und auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand ist das jüngst vollendete, englischsprachige Mammutprojekt des Macmillan Verlag London

Jane Turner: Dictionary of Art. 34 Bde. London: Macmillan 1996

Es sollte bei allen Spezial- und Detailfragen unbedingt als das aktuellste und ausführlichste Lexikon konsultiert werden.

Zur Literatur über einzelne Künstler ist das Standardwerk das Thieme/Becker-Künstler-Lexikon. Es wird inzwischen durch die Neuausgabe des Saur Verlages Leipzig abgelöst, von der bereits die ersten 16 Bde.erschienen sind.

 

2.) Spezielle Literatur zur Architektur:

Werner Müller: dtv-Atlas zur Baukunst, 2 Bde. München 41982

Eva Howarth: DuMont's Schnellkurs zur Architektur. Köln: Dumont 1995

Hans Koepf: Bildwörterbuch der Architektur. Stuttgart: Kröner Verlag 21968

Günther Binding: Architektonische Formenlehre. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 21987

Nikolaus Pevsner: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München: Prestel Verlag 1973

 

Gut brauchbar, da sie viele Abbildungen und Risse enthält, ist die 16-bändige Reihe

Pier Luigi Nervi (Hrsg.): Weltgeschichte der Architektur, 16 Bde., Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt 1988

 

3.) Spezielle Literatur zur Skulptur:

Carmela Thiele: Schnellkurs Skulptur. Köln: Dumont 1995

Skulptur. Von der Antike bis zur Gegenwart 4 Bde. Köln: Taschen Verlag 1996

 

4.) Spezielle Literatur zur Malerei:

Eva Howarth: DuMont's Schnellkurs >Kunstgeschichte<. Malerei vom Mittelalter zur Pop-Art. Köln: Dumont 1992

Kindlers Malerei Lexikon. Bd. 1-15 Zürich, Kindler Verlag 1976

 

5.) Spezielle Literatur zu ausgewählten Themen:

5.1. Zur Sozialgeschichte der europäischen Kunst bieten sich heute zwei Werke an:

Arnold Hauser: Sozialgeschichte der Kunst und Literatur. München: Verlag C.H. Beck 1978 (ohne Abbildungen, dafür sehr detalliert)

Jutta Held/Norbert Schneider: Sozialgeschichte der Malerei vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Köln: DuMont 1993

 

5.2. Zur Geschichte der Kunst als einer Geschichte ihrer religiösen, politischen, ästhetischen und abbildenden Funktionen siehe

 

Werner Busch (Hrsg.): Funkkolleg Kunst. Eine Geschichte der Kunst im Wandel ihrer Funktionen. München: Piper Verlag 1987

Auch aus einem Funkkolleg hervorgegangen und ähnlich aufgebaut, aber nicht so gut

Monika Wagner (Hrsg.): Moderne Kunst. Das Funkkolleg zum Verständnis der Gegenwartskunst. 2 Bde. Reinbek:Rowohlt Verlag 1991

 

5.3. Christliche Ikonographie

Das Standardwerk ist immer noch

Engelbert Kirschbaum (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Rom u.a.: Herder Verlag 1974, 8 Bde.

 

 

6.) Das visuelle Gedächtnis

Da wir es in der Kunstgeschichte nicht nur mit Texten zu tun haben, sondern vor allem mit Bildern, Skulpturen oder Bauwerken, ist es notwendig, sich zusätzlich zu den kunsthistorischen Fakten und Geschichtsverläufen eine visuelle Vorstellung der Kunst der jeweiligen Epoche zu erarbeiten. Dies kann nur durch intensives und oft mühevolles Studium einer großen Anzahl von Kunstwerken aus der jeweiligen Zeit erfolgen.

Als eine solche vertiefende Lektüre zu den einzelnen Epochen bzw. Jahrhunderten kann man die folgenden beiden Buchreihen ansehen: Sie erfordern allerdings größere Ansprüche an Leseintensität und Zeitaufwand.

Christoph Wetzel (Hrsg.): Belser Stilgeschichte. Bd. 2-6 Stuttgart, Zürich: Belser Verlag 1993

Propyläen Kunstgeschichte in zwölf Bänden, Berlin: Propyläen Verlag 1984

und hier vor allem die Bände 5-12. Diese Reihe stellt die bisher beste und auf dem neuesten Forschungsstand befindliche Übersicht über die historischen Verläufe der Weltkunstgeschichte dar. Jeder Band enthält eine Einführung von ca. 100 Seiten, die sehr ausführlich über das jeweilige Zeitalter informiert. Der Hauptvorteil liegt in dem großen Abbildungsteil (durchschnittlich 500 Abb. pro Band), welcher einen sehr guten visuellen Überblick über die Hauptwerke der jeweiligen Epoche in den einzelnen Kunstgattungen und Ländern bietet. Die Propyläen Kunstgeschichte besitzt den Vorteil, daß man schon durch intensives, mehrmaliges Betrachten des Abbildungsteiles eine gute visuelle Vorstellung der wichtigsten Werke und Stile erwerben und seine Kenntnisse um einiges verbessern kann. Interessiert einen ein bestimmtes Kunstwerk genauer, findet man unter der entsprechenden Nummer im Begleittext ausführliche Information mit weiterführenden Literaturangaben.

Ein weiteres, sehr gute Buch zur Bildung eines visuellen Vorstellungsvermögen mit tausenden, allerdings in der Qualität oft weniger guten und kleineren Abbildungen stellt

Peter Betthausen, Thomas Häntzsche, Ulrike Krenzlin, Detlef Rößler: Europäische Kunstgeschichte in Daten. Dresden: VEB Verlag der Kunst 1984

dar. Das Buch enthält in chronologischer Reihenfolge eine Mischung aus allen Gattungen mit Kurztexten und läßt sich daher sehr schnell durchzuarbeiten.



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