Hans Dieter Huber
Deutsche Museen im Internet (2) (längere, unpublizierte Fassung)
Gegenwärtig erlebt das Thema Museen im Internet eine grosse Medienresonanz.
Zahlreiche Artikel und Tagungen im In- und Ausland widmen sich dieser neuen
Fragestellung. An einer ersten Bestandsaufnahme der materiellen Kultur von
Museums-homepages, fehlt es dagegen noch fast vollständig. Die Recherchen
gestalten sich als ausserordentlich schwierig, da in vielen Museen die Zuständigkeiten
noch nicht hinreichend geklärt sind. Über die Hälfte der
(elektronisch) angeschriebenen Museen antworteten beispielsweise überhaupt
nicht, so daß für diese Recherche zusätzlich zu telefonischer
oder gar schriftlicher Korrespondenz zurückgegriffen werden musste.
Das Jahr 1995 kann wie bei den amerikanischen Museen als das Schlüsseljahr
für die deutschen Kunstmuseen gelten. Die meisten Museen in Deutschland
gingen mit ihren Homepages in der zweiten Jahreshälfte 1995 ans Netz
bzw. in der ersten Jahreshälfte 1996. Vergleicht man diese Entwicklung
mit den bereits im Januarheft publizierten Zahlen auf dem amerikanischen
Markt, dann läßt sich kein besonders signifikanter technologischer
Rückstand ausmachen. Während die wichtigsten amerikanischen Museen
Anfang 1995 ans Netz gingen, häuft sich der Netzbetrieb der deutschen
Kunstmuseen eindeutig in der zweiten Jahreshälfte 1995. Man kann daher
von einem globalen Kenntnisstand hinsichtlich der Web-Technologie ausgehen,
die zu enormen zeitlichen Parallelisierungen und Komprimierungen raumzeitlicher
Distanzen in den einzelnen Ländern führt.
Die frühesten Webpages deutscher Museen sind inoffizielle Produkte
begeisterter Internetpioniere, meist ohne grosse Unterstützung oder
gar ohne Wissen des jeweiligen Museums entstanden, wie das Saarlandmuseum,
Saarbrücken (inoffiziell; Peter W. Franke, März 1994), das Liebig-Museum,
Giessen (inoffiziell; Magnus Müller, Juli 1994; URL: http://www.uni-giessen.de/~gi04/homepage.html) und das Mainzer Landesmuseum (inoffiziell; Markus Krämer,
etwa Sept. 1994; URL: http://www.uni-mainz.de/UniInfo/Stadt/Museen/landes.html). Eine der ersten offiziellen Homepages könnte dagegen
die Städtische Kunsthalle Mannheim gewesen sein, die zusammen mit dem
Reiss-Museum und dem Landesmuseum für Arbeit und Technik bereits im
April 1995 ans Netz ging (Dirk Adam, URL: http://www.mannheim.de/kunsthalle/index.html). Am 11.5.95 folgte die Homepage des Schiller-Nationalmuseum/Deutsches
Literaturarchiv, Marbach (Kramski, Digester; URL: http://www.dla-marbach.de/) Am 28.7.95 starteten die Webseiten des Römischen
Freilichtmuseums Hechingen-Stein (Joachim Rehmet, URL: http://www.dhm.de/museen/stein/stein.html) Am 3. August 1995 ging das Deutsche Historische Museum,
Berlin (DHM) ans Netz (Jürgen Hüttner,
Wolfgang Röhrig, Wolfgang Schwanke; URL: http://www.dhm.de/),dem das Deutsche Museum, München folgte (Matthias
Knopp, 13.8.95; URL: http://www.deutsches-museum.de/). Im Dezember 1995 gingen schließlich ans Netz:
das Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen (Peter Blomert; URL: http://www.hagen.de/KEOM/welcome.html), das Hessische Landesmuseum Darmstadt (Eva Emskötter,
20.12.95; ; URL: http://www.darmstadt.gmd.de/Museum/HLMD/index.html) sowie das Frankfurter Filmmuseum (Heid, Landmann und
Partner; URL: http://www.stadt-frankfurt.de/filmmuseum/). Im April 1996 folgte das Brücke-Museum, Berlin
(Ingmar Decker; URL: http://www.dhm.de/museen/bruecke/), im Juni 1996 das Haus der Bayrischen Geschichte in Augsburg.
(Rudolf Misera, URL: http://www.bayern.de/HDBG/). Am 26.6.96 ging die Hamburger Kunsthalle zusammen mit
den anderen hanseatischen Museen auf Initative der Stadt Hamburg ans Netz
(URL: http://www.hamburg.de/Behoerden/Museen/kh/). Am 4.7.96 öffnete die Kunst- und Ausstellungshalle
der BRD, Bonn (KAH) ihre digitalen Tore (Arthur Schmidt, Norbert Kanter,
Christoph Schubert; URL: http://www.kah-bonn.de/). Am 19.7.96 präsentierte sich dann erstmals das
Bayrische Nationalmuseum, München (URL: http://www.stmukwk.bayern.de/kunst/museen/baynat.html) im Netz, gefolgt vom Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig
(Helge Grothaus, Anf. August 96; URL: http://www.dhm.de/museen/haum/).
Dennoch gibt es zwei bedeutende Unterschiede zwischen den großen,
internationalen Museen und den Museen in Deutschland. Erstens besitzen (fast)
alle grossen Museen in den USA einen eigenen Server. Die deutschen Museen
betreiben dagegen in der Regel keinen eigenen Server, sondern sind meist
über lokale, städtische, staatliche, universitäre oder kommerzielle
Anbieter ins WWW eingebunden. (Ausnahmen: DHM, Berlin; KAH Bonn, Haus der
Geschichte, Bonn; Verkehrsmuseum, Nürnberg)
Die zweite Differenz liegt in den Zugriffszahlen, die im Vergleich zu den
grossen, internationalen Museen ausserordentlich gering sind. Dies mag zum
grossen Teil daran liegen, daß immer noch lediglich 11,5% der deutschen
Computerbesitzer Zugang zum Internet besitzen. Auf der anderen Seite könnte
es aber auch daran liegen, daß die Angebote deutscher Museen im WWW
keine besonders hohe Attraktivität besitzen, da meist nur trockene
Sachinformationen angeboten werden. Denn die besten Museumsseiten haben
durchwegs hohe Zugriffszahlen (KAH, Bonn; DHM, Berlin) Die Einrichtung einer
eigenen Museumshomepage ist also zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch eine
sehr exklusive Angelegenheit, die sich an ein kleines, aber sehr wichtiges
Segment von (virtuellen) Ausstellungsbesuchern wendet. Wenn die Homepage
professionell und gut gemacht ist, kann sie zu einem sehr bedeutenden und
imagefördernden Werbemedium werden. Denn die durchaus hohen Zugriffszahlen
zu bestimmten Ausstellungen wie "Die Franken" im Reiß-Museum,
Mannheim, (ca. 300-400 Zugriffe) oder der Ausstellung 'Handzeichnungen der
italienischen Frührenaissance aus dem
Berliner Kupferstichkabinett' im Saarlandmuseum, Saarbrücken 1996 (
ca. 800 Zugriffe) zeigen, dass die Internet-Benutzer sehr selektiv vorgehen
und genau wissen, wonach sie suchen.
Von den Zugriffszahlen auf die Leitseite her gesehen, liegt das Deutsche
Historische Museum mit ca. 9000 - 12.000 Zugriffen monatlich an der Spitze.
(Quelle: http://www.dhm.de/stats/wwwstats.html), gefolgt vom Deutschen Museum, München mit etwa
4500 Zugriffen pro Monat (Quelle: http://www.deutsches-museum.de/sys/stat/) Danach folgen die Kunst- und Ausstellungshalle, Bonn
mit ca. 3000 monatlichen Webbesuchern und das Schiller-Nationalmuseum /Deutsches
Literaturarchiv, Marbach (1400-1700 Zugriffe). Alle anderen hier aufgeführten
Museen liegen unter 1000 Zugriffen pro Monat, wobei die Zahlen auch schnell
bis unter 100 Zugriffe pro Monat sinken können (Hagen, Braunschweig,
Aachen).
Am innovativsten und gelungensten sind die Seiten der Bundeskunst- und Ausstellungshalle
in Bonn, bei der die einzelnen Textbuchstaben als Bilder durch das Netz
geschickt werden. Sie treffen deshalb per Zufall auf dem heimischen Bildschirm
ein und bilden nach und nach das Menü der Kunst- und Ausstellungshalle.
(z.B. http://www.kah-bonn.de/k/k.htm) Ebenfalls hochinteressant ist das Angebot einer Live-Videokamera,
die im Ausstellungsraum installiert ist und alle 60 sec. ein Standbild weltweit
ins WWW sendet. (URL: http://www.kah-bonn.de/ei/ei.htm) Ergänzt wird das Angebot für den neugierigen
Fern-Besucher durch kurze Videos der Ausstellungsräume (sog. QuickTime
Movies). Unter der URL: http://www.kah-bonn.de/ei/mov.htm kann man eine umfangreiche Sammlung solcher Movies abrufen
und anschauen. Das DHM in Berlin hat eine Panormaaufnahme im WWW, in der
man sich durch Mausklicken rumdum bewegen kann (benötigt QuickTime
VR Plugin) (URL: http://www.dhm.de/panorama.html)
Die überwiegende Zahl der Museumshomepages in Deutschland ist jedoch,
was Layout, Gestaltungsqualitiät und den Umgang mit den interaktiven
Möglichkeiten des Mediums angeht, auf einfachste Weise gemacht. Oft
werden die üblichen Informationen auf eine unsinnliche Art und Weise
ins Netz gestellt. (z.B. Rheinisches Landesmuseum, Trier; URL: http://www.uni-trier.de/trier/lm/titel1.htm; Industriemuseum Lauf/Pegnitz; URL: http://hekate.eev.e-technik.uni-erlangen.de/misc/Altstadtfreunde/; Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart URL:
http://ourworld.compuserve.com:80/homepages/naturkundemuseum/) Von kommunikativem Austausch über das Netz kann
häufig keine Rede sein. Oft ist nicht einmal eine email-Adresse angegeben,
an die man sich bei Fragen wenden könnte. Insgesamt gesehen, müssen
daher das DHM, Berlin und die KAH, Bonn als Maßstab genommen werden,
an dem sich alle anderen Angebote hinsichtlich ihrer Qualität messen
lassen müssen.
Für einen schnellen Überblick über die Websites der deutschen
Museen bietet sich entweder das DHM, Berlin (URL: http://www.dhm.de/links.html#deutsch) an oder Webmuseen.de (URL: http://webmuseen.de/Museen/index.html), die auch einen aktuellen Ausstellungskalender anbieten
(URL: http://WebMuseen.de/Ausstellungen/index.html): Ferner kann über World Wide Arts Resources (URL:
http://wwar.com/museums/europe/museums_germany.html) eine Liste der deutschen Museen gefunden werden. Diese
Linksammlungen sind jedoch nicht vollständig, d.h. sie ersetzen nicht
die eigene Suche.
Bei der Gestaltung von Museumshomepages sollten u.a. folgende Regeln beachtet
werden: Die Startseite sollte sich schnell laden lassen und keine zu grossen
Bilder oder sonstige Spielereien enthalten (gutes Beispiel: Hamburger Kunsthalle;
DHM, Berlin). Sie sollte kurz und übersichtlich auf die vorhandenen
Inhalte hinweisen. Ferner sollten am Ende jeder Seite das Datum der Erstinstallation,
des letzten Updates sowie eine e-mail-Adresse angegeben sein, mit der sich
der Besucher gegebenenfalls in Verbindung setzen kann.
Hans Dieter Huber