Hans Dieter Huber
Deutsche Museen im Internet
(erschienen in: Kunstchronik, Jg. 50, Heft 4, April 1997,
S.293/94)
An einer Bestandsaufnahme der deutschen Museums-Homepages fehlt es noch weitgehend, in vielen Museen sind die Zuständigkeiten nicht hinreichend geklärt. Die meisten Museen in Deutschland sind in der zweiten Jahreshälfte 1995 oder in der ersten Jahreshälfte 1996 ans Netz gegangen. Gegenüber dem amerikanischen Markt beträgt der technische Rückstand durchschnittlich ein halbes Jahr (s. Januarheft S. 33f.).
Die frühesten Webpages sind inoffizielle Produkte, meist ohne große Unterstützung oder gar Wissen der Museen entstanden: Saarlandmuseum Saarbrücken (P. W. Franke, März 1994) , Liebig-Museum Giessen (M. Müller, Juli 1994), Landesmuseum Mainz (M. Krämer, etwa Sept. 1994)
Eine der ersten offiziellen Homepages wird die Städt.
Kunsthalle Mannheim gewesen sein (April 1995, zusammen mit dem Reiß-Museum
und dem Landesmuseum für Arbeit und Technik; D. Adam). Es folgten:
Marbach, Schiller-Nationalmuseum/Deutsches
Literaturarchiv, 1.5.95 (Kramski, Digester)
Hechingen-Stein, Röm.
Freilichtmuseum, 28.7.95 (J. Rehmet)
Berlin, Deutsches Histor. Museum, 3.8.95
(J. Hüttner, W. Röhrig, W. Schwanke)
München, Deutsches Museum,
13.8.95 (M. Knopp)
Hagen, Karl-Ernst-Osthaus-Museum,
Dez. 95 (P. Blomert)
Darmstadt,
Hess. Landesmuseum, 20.12.95 (E. Emskötter)
Frankfurt, Filmmuseum,
Dez. 95 (Heid, Landmann und Partner)
Berlin, Brücke-Museum,
April 1996 (I. Decker)
Augsburg, Haus der Bayer. Geschichte,
Juni 96 (R. Misera)
Hamburg, Kunsthalle
und die übrigen hanseatischen Museen, 26.6.96 auf Initative der Stadt
(D. Zbikowski, R. Strötgen)
Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der
BRD, 4.7.96 (A. Schmidt, N. Kanter, C. Schubert)
München,
Bayer. Nationalmuseum, 19.7.96
Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum,
Anf. Aug. 96 (H. Grothaus)
Fast alle großen Museen in den USA besitzen einen eigenen Server,
die deutschen Museen sind dagegen meist über lokale, städtische,
staatliche, universitäre oder kommerzielle Anbieter ins WWW eingebunden
(Ausnahmen: DHM Berlin; KAH Bonn, Haus der Geschichte Bonn, Verkehrsmuseum
Nürnberg). Im Vergleich zu den großen außerdeutschen Museen
sind die deutschen Zugriffszahlen gering; verständlich, da hier nur
1% der Bevölkerung Zugang zum Internet haben.
Die Einrichtung einer eigenen Homepage ist hier noch eine exklusive Angelegenheit.
Die Museen bieten meist Sachinformationen, doch die technisch und finanziell
bestausgestatteten Museen leisten sich zusätzliche Attraktionen, die
durch hohe Zugriffszahlen belohnt werden (KAH Bonn; DHM Berlin). Hohe Zugriffszahlen
auf Ausstellungen wie Die Franken (Reiß-Museum Mannheim: ca. 300-400)
und Handzeichnungen der italien. Frührenaissance aus dem Berliner Kupferstichkabinett
(Saarlandmuseum Saarbrücken 1996: ca. 800) deuten darauf hin, daß
die Homepage zum Werbeträger geeignet sein kann.
Von den Zugriffszahlen her liegt das DHM Berlin an der Spitze (ca. 9000-12.000
Zugriffe mtl.; Quelle: http://www.dhm.de/stats/wwwstats.html,
gefolgt vom Deutschen Museum München (ca. 4500; Quelle: http://www.deutsches-museum.de/sys/stat/,
KAH Bonn (ca. 3000) und dem Schiller-Nationalmuseum Marbach (1400-1700).
Alle übrigen hier aufgeführten Museen liegen unter 1000, teils
unter 100 Zugriffen pro Monat.
Als besonders um Abwechslung bemüht fällt das Angebot der Bonner
Kunst- und Ausstellungshalle auf: z.B. http://www.kah-bonn.de/k/k.htm
oder http://www.kah-bonn.de/ei/ei.htm;
kurze Videos der Ausstellungsräume; unter der URL: http://www.kah-bonn.de/ei/mov.htm
kann man eine umfangreiche Sammlung solcher Movies abrufen). Das DHM Berlin
bietet eine Panormaaufnahme, in der man sich durch Mausklicken rumdum bewegen
kann (benötigt QuickTime VR Plugin; URL: http://www.dhm.de/panorama.html)
Von kommunikativem Austausch kann häufig keine Rede sein. Oft ist nicht
einmal eine e-mail-Adresse angegeben, an die man sich wenden könnte.
Für einen schnellen Überblick über die Websites der deutschen
Museen bietet sich entweder das DHM Berlin (URL: http://www.dhm.de/links.html#deutsch
an oder Webmuseen.de
die auch einen aktuellen Ausstellungskalender
anbieten. Ferner kann über World
Wide Arts Resources eine Liste der deutschen Museen gefunden werden.
Diese Linksammlungen sind jedoch nicht vollständig.
Museumshomepages sollten so gestaltet werden, daß die Startseite sich
schnell laden läßt, keine Spielereien enthält (gutes Beispiel:
Hamburger Kunsthalle; DHM Berlin) und übersichtlich auf den Inhalt
hinweisen. Am Ende jeder Seite sollten das Datum der Erstinstallation, des
letzten Updates sowie eine e-mail-Adresse angegeben sein.
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